Das 7. Philharmonische Konzert am Montag wird im Gedächtnis bleiben

Das Klavierkonzert für die linke Hand von Karl Weigl ist in vollem Gange, da verliert ein Musiker sein Bewusstsein und kippt um. Der Pultnachbar schafft es noch, das Instrument zu halten. Ein anderer lässt die Person kontrolliert zu Boden fallen. Gleich mehrere Zuschauer springen auf und helfen. Nach einigen Sekunden gelangt die Person wieder zu Bewusstsein und wird gestützt ins Foyer gebracht.

Unterdessen spielt das Orchester weiter. Doch die Stimmung ist gedrückt und einige sind verwirrt. Was ist gerade passiert und warum dieser ganze Tumult in der Ecke? Die Sanitäter kamen kurz vor der Pause und holten den Musiker ab. Als sie mit der Trage dastanden, haben wir uns gefragt, wie es wohl wäre, auf dieser durch die engen und unübersichtlichen Flure des Theaters transportiert zu werden. Zudem habe ich mir überlegt, ob eine gute Lüftung den Vorfall vermieden hätte? Letztendlich führt kein Weg an einem Theaterneubau vorbei. Das erkennt jeder, der sich abseits des Foyers und Zuschauersaals bewegt.

Doch nun zum Konzert an sich. Es ist eine tolle Leistung des Generalmusikdirektors Krumpöck und der Norddeutschen Philharmonie, zudem ein großes Wagnis, mit dem Klavierkonzert für die linke Hand sowie dem Konzert für Geige von Karl Weigl zwei deutsche Erstaufführungen nach Rostock zu bringen. So fingen für mich beide Konzerte sehr schüchtern und ängstlich an. Das Orchester strotzte nicht vor Selbstbewusstsein, jedoch verflog dieser Eindruck nach den ersten längeren Solopassagen. Gerade die wienerischen Elemente, sofern ich diese als „einfacher Zuhörer“ überhaupt erkannt habe, gelangen dem Orchester sehr. Das erwartet man jedoch auch. Schließlich sitzt mit Krumpöck ein Österreicher am Flügel bzw. stand er dann auch am Dirigentenpult.

Das Klavierkonzert überzeugte mit unbekannten und zum Teil sehr einprägsamen Melodien und einer Glanzleistung Krumpöcks. Das Violinkonzert mit David Frühwirth als Solist war meiner Meinung nach schwerer zugänglich, zumal ich Schwierigkeiten hatte, mir die Motive zu merken und diese wiederzuentdecken. Ich finde das überhaupt nicht verwerflich, da ich beide Werke zum ersten Mal gehört habe. Zum Glück hat DeutschlandRadio Kultur (unserer Rundfunkbeiträge sein dank) das Montagskonzert einen Tag später übertragen. Dieses habe ich mitgeschnitten. Wer sich die Aufnahme anhören möchte, darf sich gerne bei mir melden. Doch denken Sie beim Hörgenuss an den außergewöhnlichen und unangenehmen Vorfall während des Klavierkonzertes.

Zum Schluss erklang das Adagio aus Mahlers nie ganz fertiggestellter 10. Sinfonie. Das Werk ist sehr imposant. Die Soli der Bratschen waren solide. Doch am meisten beeindruckte mich die Spannung am Ende des Werkes. Die Pause zwischen dem letzten Ton und Klatschbeginn war gefühlt eine Minute lang. Wunderbar!

Ich bin gespannt auf die nächsten Konzerte und freue mich, dass sich das Orchester immer wieder an schwierige Literatur traut. Da verzeiht man vereinzelte Stellen, die geschlossener und mutiger klingen könnten. Für den nicht sehr weit tragenden Klang des großen Hauses können die Musiker jedenfalls nichts.

Dummheit kann man nicht verbieten…

Politik ist oft ein schmutziges Geschäft. Wir erleben es gerade bei der Landes-Theaterpolitik. Die Medien sind auch nicht gerade zimperlich. Regional zeigen sie sich gegenüber dem Volkstheater wenig hilfreich. Aber was kann man erwarten, wenn nicht einmal Bundespolitiker vor unfairer Berichterstattung sicher sein können.

Da hat unser aller Bundeswirtschaftsminister eine recht dumme Formulierung benutzt und schon rast ein Shitstorm durch alle Medien. In dem geht die zweite Satzhälfte völlig unter, dabei hätte diese wirklich Beachtung verdient – auch im Hinblick auf die Theaterproblematik.

Man muss lange googeln, bevor man die originalen Satz findet: „Ich habe auch sehr frühzeitig deutlich gemacht, dass man Dummheit nicht verbieten kann, sondern man muss [sie] eben durch Bildung, Aufklärung, durch politische Maßnahmen bekämpfen…“

Naziideologie ist zweifellos viel mehr als nur Dummheit, wenngleich Dummheit vielfach ein guter Nährboden für Naziideologie sein kann. Aber dass man das rechte Gedanken-Ungut durch Bildung, Aufklärung und politische Maßnahmen bekämpfen kann und muss, sollte unstrittig sein. Hier stimme ich Herrn Rösler gerne zu und hoffe sehr, dass er im Bundeskabinett darauf hinwirkt, für Bildung, Aufklärung und politische Maßnahmen ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen.

Als Bundeswirtschaftminister weiß er, was vor wenigen Tagen der neugewählte Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) aussprach: Die Staatseinnahmen sind so hoch wie nie. – Mehr Bildung etc. ist also vom Staat bezahlbar.

„Ein Satz wie ein Hammerschlag“, schrieb die sueddeutsche.de in bezug auf die erste Satzhälfte. Schlimm, wenn selbst Journalisten nur noch sehr kurze Texte geistig verarbeiten können. Wir brauchen den Hammerschlag für die zweite Satzhälfte, für wirklich mehr Bildung usw. – und damit auch gut finanzierte Theater, selbst in Rostock!

Lassen Sie uns gemeinsam und bei jeder Gelegenheit darauf hinwirken, dass der Rösler’sche Satz keine Sprechblase bleibt. Wie die benötigten Gelder dorthin kommen, wo sie gebraucht werden, kann uns egal sein. Ausreden über Bundes- oder Länderzuständigkeiten sollten sich angesichts der Ergebnisse der NSU-Untersuchungsausschüsse erledigt haben. Die Erfahrung lehrt, wo ein Politikerwille ist, ist auch ein Weg. Nehmen wir die FDP beim Wort und zwar noch VOR der Bundestagswahl!

Das schlägt dem Faß die Krone ins Gesicht!

Frau Dr. Bachmann stellte uns folgenden Text zur Verfügung. Urteilen Sie selbst: Schlagen die mitgeteilten Sachverhalte nicht dem Faß die Krone ins Gesicht?

Heute fand ein Treffen des Bildungsministers mit Vorsitzenden von Fraktionen sowie Frau Dr. Melzer statt.

Die Einladung erging am 12. März:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Frau Dr. Melzer,
sehr geehrte Vorsitzende der Fraktionen der Rostocker Bürgerschaft,

Herr Minister Brodkorb und Herr Staatssekretär Schröder möchten vor
Beginn der Verhandlungen zur Zukunft der Theater am kommenden Montag im
Ministerium mit Ihnen gern noch in dieser Woche ein Gespräch zur Zukunft
des Rostocker Volkstheaters führen. Dieses wird am Freitag, 15.3., von
14.00-15.00 Uhr im Besprechungszimmer des Rektorats der Universität
Rostock, Ulmenstr. 69 stattfinden. Ich bitte Sie, Ihre Teilnahme am
Gespräch möglich zu machen (bzw. eine Vertretung zu entsenden). 


Dieser Einladung bin ich nicht gefolgt, da sie dem Beschluss der Bürgerschaft vom 06.03. formal, zeitlich und inhaltlich widersprach. Die entsprechende Antwort ist weiter unten nachzulesen.

Bei dem Treffen, an dem der Oberbürgermeister ebenso wenig wie die (nicht eingeladene) Theaterleitung teilnahm, ging es heiß her. Letztlich äußerte der Minister seine allseits bekannten Drohungen. Wie meinerseits vermutet, wurde deutlich, dass es dem Minister gar nicht um ein sachgerechtes Gespräch auf gleicher Augenhöhe ging, sondern um das Durchdrücken seiner geplanten (Voll-)Fusion der Theater in Rostock und Schwerin. Alles andere ist heuchlerische Rethorik. Der Minister hat den Bürgerschaftsbeschluss nicht akzeptiert, sonst hätte er weder zum 15.03. noch zum 18.03. „eingeladen“.

Kurzkommentar:
An dem Wettbewerb um den besten Totengräber des VTR beteilige ich mich nicht.
Daher stehe ich weder dem Minister für Beschlüsse gegen die Interessen der Hansestadt Rostock noch dem Oberbürgermeister für Attacken gegen die Theaterleitung zur Verfügung.
Gespräche, die nicht auf Sachebene erfolgen, sondern angeordnet werden um ausschließlich die eigene Position durchzusetzen und Drohungen zu erneuern, stellen keine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit dar. „Herr Minister, akzeptieren Sie die gleichberechtigte Prüfung der Modelle 2, 4 und 7 und kehren Sie zu Sacharbeit zurück!“
Eine Reform der Theater- und Orchesterstrukturen gelingt nicht gegen, sondern nur mit den Trägern.
Mit seiner erneuten Einmischung in Rostocker Angelegenheiten hat der Minister konsensuale Lösungen weiter verbaut. Die Stadtverwaltung sollte nun zügig die Möglichkeit der Verfassungsklage gegen den geplanten Entzug der FAG-Mittel prüfen.
Wer wie der Minister mit Brachialgewalt vorgeht, wird Sturm ernten.

Die Folge der heutigen Turbulenzen kann nur ein Widerspruch des OB gegen den Theaterbeschluss von SPD, Bü 90, CDU und Linke sein, da der Beschluss durch den Minister nicht akzeptiert wird und Fraktionen diesen teilweise nicht ernst meinten oder nicht mehr hinter ihm stehen. Im Falle eines Widerspruchs bliebe der Beschluss zum Antrag von Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 übrig, wonach die Verwaltung einen Vereinbarungsentwurf vorzulegen hat, der den Textentwurf der Fraktion berücksichtigt. Inzwischen wahrt nur noch dieser Beschluss die Interessen der Stadt Rostock.
Sybille Bachmann

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Eine Email an Minister Brodkorb und Staatssekretär Schröder vom 13.3.:

Sehr geehrter Herr Minister,

sehr geehrter Herr Staatssekretär,

mit einiger Verwunderung habe ich Ihre Einladung für den 15.03. zur Kenntnis genommen.
Meine Verwunderung bezieht sich auf Form, Zeitpunkt und Inhalt.

Form:

Die Bürgerschaft beschloss gemeinsame Gespräche von allen Beteiligten auf der Basis von gegenseitigem Verständnis.

Dazu passen weder die Nichteinladung der Leitung des Theaters noch die einseitige kurzfristige „Anordnung“ eines Gespräches ohne vorherige Nutzung von Terminabfragemethoden (z.B. Doodle). Es heißt „Dieses (Gespräch) wird … stattfinden“, und wer nicht kann, hat für Vertretung zu sorgen. Das stellt kein Gesprächsangebot dar, wie der Betreff suggeriert, sondern eine Anordnung. Dieser Umgangsstil ist m. E. verbesserungswürdig. Zudem verwundert der Ort des Treffens.

Zeitpunkt:

Die Durchführung eines solchen Gespräches zum jetzigen Zeitpunkt ist unverständlich, da Ihnen der Beschluss der Bürgerschaft bekannt sein dürfte.

Die Bürgerschaft ist der Aufforderung des Staatssekretärs (Schreiben vom 20.02.13) vollumfänglich nachgekommen: „Ich gehe nun davon aus, dass auf der Bürgerschaftssitzung am 06.03. in Rostock sowie auf der Stadtvertretersitzung am 11.03. in Schwerin über die Zukunft des Theaters debattiert wird und auch abschließende Entscheidungen zur weiteren Positionierung innerhalb der Theater- und Orchesterlandschaft sowie zum letter of intent getroffen werden.“

Die Bürgerschaft hat reichlich debattiert und sich in Richtung einer Prüfung der Modelle 2, 4 und 7 und somit den Ausschluss von 6 weiteren Modellen positioniert. Und die Bürgerschaft hat hinsichtlich des Letter of Intent entschieden, dass die Verwaltung bis zum 10.04. eine Vorlage zu erarbeiten hat, die zwei Entwürfe aus den Reihen der Fraktionen berücksichtigen soll.

Bereits aus Gründen der Effektivität wäre die Vorlage dieses Verwaltungstextes abzuwarten.

Inhalt:

Grundsätzlich ist ein Gespräch zum geplanten Letter of Intent zu begrüßen (was längst hätte erfolgen sollen und manch Ärger erspart hätte). 
Allerdings heißt es in dem „Gesprächsangebot“, dass das Gespräch am 15.03. stattfinden soll, weil der Minister „vor Beginn der Verhandlungen 
zur Zukunft der Theater am kommenden Montag … mit Ihnen gern noch in dieser Woche ein Gespräch zur Zukunft des Rostocker 
Volkstheaters führen (möchte).“
Das ist insofern verwunderlich, weil es für den 18.03. bis dato keine Verhandlungsbasis, also keinen LOI, gibt. 
Und unterzeichnet werden kann durch die Hansestadt Rostock auch nichts.
Im Schreiben des Staatssekretärs vom 20.02. hieß es: „Darauf Bezug nehmend (gemeint ist der erhoffte Beschluss vom 06.03.) möchte ich Sie 
und Ihre Verhandlungsdelegation hiermit am 18.03.2013 … zu gemeinsamen Verhandlungen und zur Unterzeichnung des letter of intent einladen.“    

Es mag sich ja erneut um ein Missverständnis handeln, aber der Beschluss vom 06.03. kann nicht Grundlage sofortiger Verhandlungen sein, die frühestens Mitte April stattfinden könnten.

Da es offensichtlich zahlreiche Irritationen zu Beschlüssen und Texten gibt, gestatte ich mir, Ihnen einen Beschluss- und Textvergleich anzuhängen, zumal ich nicht weiß, ob meine erste Zusendung vom 10.03.13 angekommen ist, da Microsoft ein Zustellungsproblem meldete.

Persönlich würde ich mich freuen, wenn das angestrebte Miteinander auf gleicher Augenhöhe auch tatsächlich gewollt und nicht nur Rhetorik ist und es nicht immer wieder zu „Missverständnissen“ kommt.

Das letzte „Missverständnis“ war die Nichtgegenzeichnung des seitens der Hansestadt Rostock unterschriebenen Fördermittelantrags in Höhe von 500 TEUR durch den Minister Ende Dezember 2012. Dieses „Missverständnis“ ist bis heute nicht behoben worden, obwohl genau das im Januar versprochen wurde. Vielmehr fand es sich in einem öffentlichen Interview als erneute Voraussetzung für die Akzeptanz von Gesprächen wieder, die jedoch nie in Frage stand.

Einseitiges Liefern, hier von Beschlüssen, stellt meines Erachtens kein gemeinsames Handeln auf gleicher Augenhöhe dar. Von daher würde ich es sehr begrüßen, wenn gerade mit Blick auf die Beschlüsse vom 06.03. das Versprochene in Rostock auch  ankommt.

Mit nicht endender Hoffnung auf tatsächliche Zusammenarbeit verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Dr. Sybille Bachmann
Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09

Siehe auch die NNN vom 18.3.: http://www.svz.de/nachrichten/lokales/rostock/artikeldetails/artikel/minister-verhaengt-theater-ultimatum.html

Viele Studenten brauchen, wollen und unterstützen das Theater mit all seinen Sparten!

In einer Presseerklärung (siehe https://www.facebook.com/astaunirostock/posts/527300274001469) wertet der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Rostock eine Kulturumfrage unter allen Studierenden (ca. 15.000) aus. Die Mehrheit spricht sich für das Volkstheater Rostock (VTR) aus. Doch was können wir, also insbesondere die Studierenden, tun um das VTR zu unterstützen?

1. Das Theater kennen lernen und ins Theater gehen:
Für 5€ kommt ein Student in eine reguläre Vorstellung. Wer kein Spontiabo (5 bzw. 10 Gutscheine) kaufen möchte, kann sich dem studentischen Theatergängerclub anschließen. Dort werden 2-3 Theaterbesuche im Monat organisiert. Nach manchen Vorstellungen gibt es Gespräche mit den Theatermachern.

2. Neue Ideen für das Theater entwickeln:
Das Theater muss im ständigen Dialog mit den Bürgern stehen -gerade ein Theater, das sich Volkstheater nennt. Meiner Meinung nach fehlte der Dialog in den letzten Jahren. Vielleicht habe ich diesen auch nicht wahrgenommen. Nichtsdestotrotz sehe ich bei Hans Heuer, dem seit dieser Spielzeit Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit, ein gewaltiges Potential, diesen Dialog zu verbessern.

3. Diese Ideen zusammen mit dem Theater umsetzen:
Wer also Ideen, Anmerkungen oder Kritik hat, der kann sich bei Herrn Heuer melden. Vielleicht gibt es auch neue Ideen für studentische Initiativen? Daran sind auch wir vom theaterclub[bei]uni-rostock.de interessiert!
Auch wer sich vorstellen kann, das Theater kreativ, technisch, wissenschaftlich oder in sonstiger Hinsicht zu unterstützen, kann sich bei Herrn Heuer oder uns melden.

Zuletzt möchte ich meine persönliche Meinung kundtun, warum Rostock ein unabhängiges Mehrspartentheater verdient:
In meinem studentischen Umfeld gibt es viele Menschen, die direkt oder indirekt von den Theatermachern abhängen. So sind beide Eltern einer Freundin fest am Theater angestellt. Eine Fusion würde beide Jobs gefährden. Eine weitere Freundin profitiert mit ihrem studentischen Tanzteam von den Erfahrungen der Tänzerinnen und Tänzern des Tanztheaters. Das Freie StudentenOrchester Rostock wird von Mitgliedern der Norddeutschen Philharmonie unterstützt.

Die Mitwirkenden des Theaters arbeiten nicht nur am VTR, sondern engagieren sich auch für unsere Gesellschaft.

Es gibt sicherlich noch weitere Kooperationen, von denen ich nichts weiß oder die man anstreben könnte. Doch all diese sind nur möglich, weil wir, die Bürger Rostocks und Mecklenburg-Vorpommerns Steuern zahlen und den Angestellten mit Hilfe dieser Mittel und der verkauften Eintrittskarten ein festes Grundgehalt geben können. Daher lohnt es sich, weiter für ein eigenständiges Theater in Rostock zu kämpfen. Eine Fusion würde einen großen Teil des Engements unmöglich machen.

Tanztheater-Premiere und kaum einer geht hin?

Am kommenden Sonnabend ist Premiere für die Abschieds-Inszenierung von Bronislav Roznos. Doch bis heute sind nur wenige Karten verkauft.

Liegt es am sperrig erscheinenden Titel („Widernatürliche Liason? – Stories4Love“)?

Sind die Rostocker theatermüde? Dann hätte Minister Brodkorb ja nicht so unrecht mit seinen Kürzungsplänen.

Oder sind drei Premieren in nur einem Monat etwas viel, vor allem dann, wenn man an die niedrigen Einkommen vieler potentieller Theaterbesucher denkt?

Für mein Empfinden ist eine ausverkaufte Tanztheater-Premiere ein viel eindrucksvolleres Signal für den Erhalt eines Vier-Sparten-Hauses als alle Unterschriften. Und umgekehrt. Deshalb, liebe Theaterfreunde, wenn Euch das Theater wirklich am Herzen liegt, dann kratzt Eure letzten Mäuse zusammen und geht am 16.3. ins Große Haus!

Wirklich bemerkenswert wäre es sicherlich, wenn auch viele Abgeordnete der Bürgerschaft zu dieser Premiere kommen. Sie ist ja zugleich auch eine Vor-Verabschiedung von Roznos…

Gestern gab es im Intendanten-Foyer eine Einführung zur „Liason“. Das gar nicht so kleine Foyer war überfüllt. Chefchoreograph Roznos, Schauspieldirektor Hückler und Bühnen- und Kostümbildner Schrag boten viele Einblicke in die Konzeptionen für die vier Stücke und ihre Umsetzung. Anschließend bestand die Möglichkeit, der Probe im Großen Haus beizuwohnen. Meine ganz persönliche Schlußfolgerung: Unbedingt zur Premiere hingehen!

Erpressung und Lügen

Eine Email von Frau Dr. Bachmann, die wir hier mit ihrer Erlaubnis einstellen, sollte alle Rostocker Theaterfreunde aufschrecken:

Falschdarstellung und ministerielle Erpressung

Falschdarstellung

In der heutigen Ostsee-Zeitung heißt es:

„Die SPD, unterstützt von CDU und Grünen, möchten eine gemeinsame Absichtserklärung mit dem Land abschließen lassen. (1) Danach soll die Fusion mit dem Staatstheater Schwerin und das Modell einer Landesoper intensiv geprüft werden. (2) Linke, Rostocker Bund und die Verwaltung lehnen das ab, (3) weil in der Absichtserklärung von einer Eigenständigkeit des Rostocker Hauses nicht mehr die Rede sei.“

  1. Mit der Absichtserklärung soll die Fusion nicht geprüft werden, sondern Kern ist die Aufnahme von Verhandlungen zur Umsetzung einer Fusion unter vorheriger Prüfung von Detailfragen.
  2. Rostocker Bund, Linke und Verwaltung lehnen keine Absichtserklärung/Vereinbarung mit dem Land ab, allerdings die konkret vom Bildungsminister und der SPD vorgelegte Fassung.
  3. Die vom Minister und der SPD vorgelegte Fassung wird abgelehnt, weil sie dauerhaft zu Lasten der Hansestadt Rostock geht und Verhandlungsergebnisse vor dem Beginn von Verhandlungen festschreibt. Vom Rostocker Bund gibt es den Entwurf einer „Vereinbarung zur weitern Prüfung  der Reorganisation der Theater- und Orchesterstruktur in Mecklenburg“, der von Linken, UFR und Verwaltung mit getragen wird.

 

Ministerielle Erpressung

Wie man es macht, wenn politische Mehrheiten schwinden, kann man heute in den NNN lesen: Desinformation, Nebelbomben und politische Erpressung werden die Zugaben um am Ende den Beschluss zu erzwingen, den man sich wünscht. Das sind ministerielle Wild-West-Methoden.

http://www.nnn.de/nachrichten/home/top-thema/artikel/laesst-die-rostocker-buergerschaft-die-theaterfusion-platzen.html

Desinformation des Ministers:

  • Mit der Ablehnung der Absichtserklärung würde die Bürgerschaft signalisieren, dass die Stadt nicht am gemeinsamen Theater- und Orchesterkonzept teilnimmt und damit ihren eigenen Beschluss vom Dezember 2012 nicht ernst nimmt. / Korrekt wäre: Mit der Ablehnung der Brodkorbschen Absichtserklärung und dem Abschluss einer verbesserten Vereinbarung würde die BS ihren Beschluss wirklich ernst nehmen anstatt ihn ad acta zu legen.
  • Am 18.03. würde die Uhr ablaufen. / Korrekt wäre: Bisher hat keine Kommune eine solche Absichtserklärung unterzeichnet, bei einigen steht fest, dass sie einen Beschluss erst Ende März/Anfang April fassen werden, genauso wie es in Rostock am 19,.02. im Hauptausschuss vereinbart wurde. Lediglich die SPD hält sich nicht an diese Vereinbarung, weil sie in Vasallentreue dem Minister hinterherläuft. Und die Zustimmung zweier anderer Fraktionen ist bekanntlich auf nicht hinnehmbare Weise zustande gekommen.
  • Es ginge gar nicht um die Fusion, sondern nur darum, den Prüfprozess konkret festzulegen. / Korekt wäre: Es wird die Fusion festgelegt, sonst könnte der Minister/die SPD dem Antrag vom Rostocker Bund auf vertiefte Prüfung der Modelle zustimmen, was sie aber massiv ablehnen.
  • Wer nicht bereit ist, die Möglichkeit zu prüfen, meint es wohl nicht sonderlich ernst. / Korrekt wäre: Dies ist schlicht eine Lüge, denn der Antrag auf vertiefte Prüfung liegt vor, wird aber durch die SPD abgelehnt, denn sie will die Fusion bereits ohne Prüfung festklopfen, auf Basis eines Prüfauftrages, der sich gegen die Interessen der Hanssstadt Rostock richtet.
  • Unkonstruktives Handeln der Rostocker Linken / Korrekt wäre: Die zahlreichen Vorschläge/Anträge von Linke und Rostocker Bund stellen einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte dar. Aber „konstruktiv“ ist für den Minister offensichtlich ausschließlich das bedingungslose Abnicken seiner Vorgaben. Armes Mecklenburg-Vorpommern!

Nebelbomben des Ministers

Aufbau eines Drohszenarios, das politisch nicht umsetzbar ist

Erpressung des Ministers

Ankündigung der Streichung erheblicher Finanzmittel, die der Hansestadt Rostock für ihr Theater zustehen, wenn die Bürgerschaft nicht das macht, was der Minister will, und zwar buchstabengetreu.

 

Nach soviel politisch bisher nicht Dagewesenem mal andere Lektüre im Warnow Kurier:

Viel-Fronten-Kampf mit Aktionismus

Kernsatz Rosinski: „Ein faires Modell sieht anders aus. In der Vereinbarung stehen schon lauter Ergebnisse.“

http://warnow-kurier.de/no_cache/lokal-nachrichten/news-einzelansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4345&cHash=92e3ff49d0b27132f62e3811453624a9

Politische Erpressung

http://warnow-kurier.de/no_cache/lokal-nachrichten/news-einzelansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4343&cHash=588b5b15208b30fac60a95aa882741e6

Sybille Bachmann

Es wird Frühling…

Es wird Frühling und an der Zeit, ernsthaft mit dem Bloggen zu beginnen. Zumal im Monat März gleich drei Premieren auf dem Plan stehen:

  • „Der kleine Horrorladen“ (war am 2.3.),

  • „Gas 1“ am 8.3. im Theater am Stadthafen,

  • die „Widernatürliche Liason?“ am 16.3. im Großen Haus.

Das sollte doch zum Mit-Bloggen und Kommentieren einladen! Zumal „Gas 1“ auf den ersten Blick so gar nicht zum Frauentag passen will, auf den zweiten aber schon, weil sich das Stück sehr engagiert mit Rüstung, Krieg und moralischer Verantwortung befasst. Mehr über den Inhalt als die leider sehr kurze Info auf der Theaterwebseite findet man z.B. auf http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/kunst/gas/

Zur Zeit läuft eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Volkstheaters. Die Chancen, dass der durch die Unterschriften bekundete Wille der Bürger beachtet wird, sind gering. Dennoch sollten wir uns beteiligen (und vielleicht anschließend mehr tun?). „Kunst ist Waffe“, hieß es früher. Jetzt wird Kunst zur Ware oder zur nichtssagenden Beliebigkeit – wenn wir als Steuerzahler und Konsumenten es zulassen.

„Ausdruck für unser Versagen

– auch des Berliner Ensembles oder vielleicht des Theaters generell –

ist die traurige Tatsache,

dass wir in Afghanistan und auf dem Balkan Kriege führen

und die Künstler dazu schweigen.“ *

Sagte unlängst Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles (Berliner Zeitung, zitiert im Neuen Deutschland vom 31.12.2012). Viel zu spät sprach einer (ein Einziger!) aus, was dem Theater nicht nur in Rostock fehlt, was es so zusammenstreichbar und vermeintlich entbehrlich macht: Der geringe gesellschaftliche Bezug.

Wenn zu DDR-Zeiten die Theater voll waren, dann lag das nicht nur daran, dass sich jedermann Theaterkarten leisten konnte, dass oft auch gemeinsame Besuche organisiert wurden, dass Theatermacher keinerlei finanziellen Nöte hatten – es lag vor allem daran, dass sich DDR-Theater nie im luftleeren Raum abspielte, sondern immer engagierte, kritische Gesellschaftsbezüge hatte.

Aber um das zu erreichen, muss Theater erst einmal erhalten bleiben!

Unlängst war ich im Großen Haus, zum Ballett „die Erschaffung der Welt“. Wiederum entdeckte ich zusammen mit den anderen Zuschauern, wie einmalig das Roznos-Ensemble ist, wie viel Lebensqualität diese Truppe an die Zuschauer weitergibt. Wer darauf verzichtet, ahnt nicht, was er sich selbst damit antut.

Einen Tag später erschien in der OZ das Interview mit unserem OB. Er erwartet Leistung vom Theater? Auch beim Ballett? Die Roznos-Truppe wäre eine Zier für jede wirklich große Stadt – Berlin, Hamburg, München, Wien, Paris usw. Rostock aber erwartet Leistung?!

Unsere OB will das Theater auf Schauspiel und Philharmonie begrenzen. Für einen, der offenbar überhaupt nicht ins Theater geht, erscheint das noch viel. Für die anderen jedoch viel zu wenig.

Unser OB „kann nicht sagen: Ohne Theater bricht die Kulturlandschaft ein“. Woher nimmt er diese Gewissheit? Theater war und ist in der bisherigen Erfahrung eine unverzichtbare Säule jeder Kulturlandschaft. Allerdings nicht jedes Theater. Bei unserem Volkstheater darf man wohl schon fragen, warum es sich ob der Zeitlosigkeit seines Spielplanes so unnötig selbst entwertet. Geradezu als Fauxpas empfand ich die Entscheidung der Theaterleitung, die Uraufführung von „Happy Birthday…“ am Holocaust-Gedenktag anzusetzen, letzteren jedoch zu ignorieren.

Aber auch eine Theatermannschaft ist lernfähig, so lange man sie nicht abschafft.

Vor allem sollten wir eines stets bedenken: Kultur ist die stärkste Kraft gegen rechtes Gedankenungut, nichts fürchten die Rechten so sehr wie eine vitale, gelebte Kultur. „Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Revolver“. So weit darf es nie wieder kommen. Um das zu verhindern, brauchen wir auch ein engagiertes Theater mit allen seinen vier Sparten!

Bitte unterschreiben Sie den Appell zum Erhalt des Vierspartentheaters! Das geht auch online auf http://blog.volkstheater-rostock.de/

Und gehen Sie in die Tanztehater-Aufführungen (in die anderen Aufführungen natürlich auch), so lange Roznos und seine Truppe noch in Rostock sind. So etwas kommt nicht so schnell wieder.

PS. Damit kleinere Nachrichten nicht so schnell die größeren Beiträge optisch verdrängen, wird es den bisherigen Mini-Blog vtr.hux.de zunächst noch weiterhin geben.