Es wird Frühling…

Es wird Frühling und an der Zeit, ernsthaft mit dem Bloggen zu beginnen. Zumal im Monat März gleich drei Premieren auf dem Plan stehen:

  • „Der kleine Horrorladen“ (war am 2.3.),

  • „Gas 1“ am 8.3. im Theater am Stadthafen,

  • die „Widernatürliche Liason?“ am 16.3. im Großen Haus.

Das sollte doch zum Mit-Bloggen und Kommentieren einladen! Zumal „Gas 1“ auf den ersten Blick so gar nicht zum Frauentag passen will, auf den zweiten aber schon, weil sich das Stück sehr engagiert mit Rüstung, Krieg und moralischer Verantwortung befasst. Mehr über den Inhalt als die leider sehr kurze Info auf der Theaterwebseite findet man z.B. auf http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/kunst/gas/

Zur Zeit läuft eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Volkstheaters. Die Chancen, dass der durch die Unterschriften bekundete Wille der Bürger beachtet wird, sind gering. Dennoch sollten wir uns beteiligen (und vielleicht anschließend mehr tun?). „Kunst ist Waffe“, hieß es früher. Jetzt wird Kunst zur Ware oder zur nichtssagenden Beliebigkeit – wenn wir als Steuerzahler und Konsumenten es zulassen.

„Ausdruck für unser Versagen

– auch des Berliner Ensembles oder vielleicht des Theaters generell –

ist die traurige Tatsache,

dass wir in Afghanistan und auf dem Balkan Kriege führen

und die Künstler dazu schweigen.“ *

Sagte unlängst Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles (Berliner Zeitung, zitiert im Neuen Deutschland vom 31.12.2012). Viel zu spät sprach einer (ein Einziger!) aus, was dem Theater nicht nur in Rostock fehlt, was es so zusammenstreichbar und vermeintlich entbehrlich macht: Der geringe gesellschaftliche Bezug.

Wenn zu DDR-Zeiten die Theater voll waren, dann lag das nicht nur daran, dass sich jedermann Theaterkarten leisten konnte, dass oft auch gemeinsame Besuche organisiert wurden, dass Theatermacher keinerlei finanziellen Nöte hatten – es lag vor allem daran, dass sich DDR-Theater nie im luftleeren Raum abspielte, sondern immer engagierte, kritische Gesellschaftsbezüge hatte.

Aber um das zu erreichen, muss Theater erst einmal erhalten bleiben!

Unlängst war ich im Großen Haus, zum Ballett „die Erschaffung der Welt“. Wiederum entdeckte ich zusammen mit den anderen Zuschauern, wie einmalig das Roznos-Ensemble ist, wie viel Lebensqualität diese Truppe an die Zuschauer weitergibt. Wer darauf verzichtet, ahnt nicht, was er sich selbst damit antut.

Einen Tag später erschien in der OZ das Interview mit unserem OB. Er erwartet Leistung vom Theater? Auch beim Ballett? Die Roznos-Truppe wäre eine Zier für jede wirklich große Stadt – Berlin, Hamburg, München, Wien, Paris usw. Rostock aber erwartet Leistung?!

Unsere OB will das Theater auf Schauspiel und Philharmonie begrenzen. Für einen, der offenbar überhaupt nicht ins Theater geht, erscheint das noch viel. Für die anderen jedoch viel zu wenig.

Unser OB „kann nicht sagen: Ohne Theater bricht die Kulturlandschaft ein“. Woher nimmt er diese Gewissheit? Theater war und ist in der bisherigen Erfahrung eine unverzichtbare Säule jeder Kulturlandschaft. Allerdings nicht jedes Theater. Bei unserem Volkstheater darf man wohl schon fragen, warum es sich ob der Zeitlosigkeit seines Spielplanes so unnötig selbst entwertet. Geradezu als Fauxpas empfand ich die Entscheidung der Theaterleitung, die Uraufführung von „Happy Birthday…“ am Holocaust-Gedenktag anzusetzen, letzteren jedoch zu ignorieren.

Aber auch eine Theatermannschaft ist lernfähig, so lange man sie nicht abschafft.

Vor allem sollten wir eines stets bedenken: Kultur ist die stärkste Kraft gegen rechtes Gedankenungut, nichts fürchten die Rechten so sehr wie eine vitale, gelebte Kultur. „Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Revolver“. So weit darf es nie wieder kommen. Um das zu verhindern, brauchen wir auch ein engagiertes Theater mit allen seinen vier Sparten!

Bitte unterschreiben Sie den Appell zum Erhalt des Vierspartentheaters! Das geht auch online auf http://blog.volkstheater-rostock.de/

Und gehen Sie in die Tanztehater-Aufführungen (in die anderen Aufführungen natürlich auch), so lange Roznos und seine Truppe noch in Rostock sind. So etwas kommt nicht so schnell wieder.

PS. Damit kleinere Nachrichten nicht so schnell die größeren Beiträge optisch verdrängen, wird es den bisherigen Mini-Blog vtr.hux.de zunächst noch weiterhin geben.

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