Tanztheater-Premiere und kaum einer geht hin?

Am kommenden Sonnabend ist Premiere für die Abschieds-Inszenierung von Bronislav Roznos. Doch bis heute sind nur wenige Karten verkauft.

Liegt es am sperrig erscheinenden Titel („Widernatürliche Liason? – Stories4Love“)?

Sind die Rostocker theatermüde? Dann hätte Minister Brodkorb ja nicht so unrecht mit seinen Kürzungsplänen.

Oder sind drei Premieren in nur einem Monat etwas viel, vor allem dann, wenn man an die niedrigen Einkommen vieler potentieller Theaterbesucher denkt?

Für mein Empfinden ist eine ausverkaufte Tanztheater-Premiere ein viel eindrucksvolleres Signal für den Erhalt eines Vier-Sparten-Hauses als alle Unterschriften. Und umgekehrt. Deshalb, liebe Theaterfreunde, wenn Euch das Theater wirklich am Herzen liegt, dann kratzt Eure letzten Mäuse zusammen und geht am 16.3. ins Große Haus!

Wirklich bemerkenswert wäre es sicherlich, wenn auch viele Abgeordnete der Bürgerschaft zu dieser Premiere kommen. Sie ist ja zugleich auch eine Vor-Verabschiedung von Roznos…

Gestern gab es im Intendanten-Foyer eine Einführung zur „Liason“. Das gar nicht so kleine Foyer war überfüllt. Chefchoreograph Roznos, Schauspieldirektor Hückler und Bühnen- und Kostümbildner Schrag boten viele Einblicke in die Konzeptionen für die vier Stücke und ihre Umsetzung. Anschließend bestand die Möglichkeit, der Probe im Großen Haus beizuwohnen. Meine ganz persönliche Schlußfolgerung: Unbedingt zur Premiere hingehen!

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5 Gedanken zu „Tanztheater-Premiere und kaum einer geht hin?

  1. Die regionalen online-Medien mauern offenbar wieder. Weder bei „der unabhängigen“ Ostseezeitung noch bei den „Neuesten“ Norddeutschen Nachrichten gab es bis jetzt – drei Tage vor der Premiere – eine Information zur „widernatürlichen Liason“. Auch „das-ist-rostock“ schweigt.

    Um keine unzutreffenden Vorwürfe zu erheben, habe ich vor dem Schreiben dieser Zeilen sicherheitshalber gegoogelt – nach „widernatürliche Liason“. Unter den Ergebnissen auf den ersten Seiten findet man neben den Links zum Volkstheater nur solche Einträge wie bei http://www.tickethall.de, veranstaltungen.meinestadt.de, insiderostock.de, http://www.buehnen.net, ticket.volksfreund.de, http://www.deutschland-tickets.de, http://www.staedte-info.net, rostock.locanto.de, http://www.ticketonline.de, rostock.stadtus.de, http://www.0381-magazin.de, web2.cylex.de, http://www.getgo.de, http://www.vdoper.de, http://www.kartine.de, http://www.kartine.de, http://www.artiberlin.de, http://www.der-spielplan.de, http://www.munichx.de usw. usf. Das sind doch alles keine Webseiten, auf denen sich Rostocker über Rostocker Theater informieren! Warum steht nicht mindestens was auf http://www.mvpo.de, auf http://stadtgestalten.org und vergleichbaren Webseiten?

    Geradezu kriminell mutet mich an, dass sich bei http://rostock.stadtus.de/theater_kultur/eventWTRNTR2415.html direkt nach der Ankündigung des Premierentermins zwei Leserbriefe mit äußerst abwertendem Inhalt finden. Peinlich für die Seitenbetreiber: Beide Zuschriften haben nichts, aber auch gar nichts mit der Rostocker Aufführung zu tun! Das merkt aber nur der, der aufmerksam genug liest. Alle Jung-Dynamischen nehmen nur die Abwertung war. Fehler oder gewollt? Urteilen Sie selbst, hier sind die beiden Texte:

    Kommentar von: djfreiflug am 17.02.2009

    Night Of The Dance – Night of the Dance Als wir schon in die Halle kamen, waren wir von der kleinen Bühne enttäuscht. Als dann die ersten Tänzer auftraten wussten wir, okay 120 Euro für 2 Personen isses nicht wert. Die Tänzer glänzen in Perfektion???? Is nich euer Ernst oder? Wenn es nich mal vier Tänzer schaffen, gleichzeitig die Figuren zu tanzen? Ich kam mir vor wie in einer Schulaufführung von einem Collage oder so. Aber von Weltklasse kann man da auf keinen Fall sprechen. Einziger Lichtblick waren die Stepper. Ja gut, die Tänzer müssen verschiedenste Tänze einstudieren. Aber für 55 Euro pro Karte, das is denen ihr Job, aber bitte dann vernünftig tanzen. Die Zugabe am Schluss die von den Zuschauern niemand haben wollte, haben die Tänzer sich dann selber gegeben. Aber mehr wie ein kurzer Applaus war das auch nicht mehr wert. Mein Tipp, geschenkt kann man mal hingehn, oder eher weiterverschenkten, wenn man mal Personen für ein paar Stunden los haben möchte, aber ich würd kein Cent mehr dafür ausgeben, und beim rausgehen war ich nicht der einzige mit dieser Meinung. Sehr schlecht getanzt, und mit der Werbung, die Tänzer glänzen in Perfektion, kann man das Plakat in einer Schule aufhängen, aber nicht in der Meistersingerhalle. Mein Tipp: Ihr Steptänzer, macht eure eigene Show, ihr habt mein Geld verdient. Danke das ihr den Abend noch ein klein wenig gerettet habt. Aber lasst diesen Clown/ Strassenfeger weg, kam ich mir vor wie im Zirkus, wenn man so versucht, Stimmung aufzubauen, ist es traurig. Klar war dann Stimmung da, aber die hab ich im Zirkus auch. Ihr müsst versuchen, den Puls der Zuschauer anzukurbeln, mit effektivem, einzigartigen, perfektem Tanz. (Antwort schreiben)

    Kommentar von: Sonny am 20.12.2008

    Ronja RÀubertochter – Schade, ich habe mir etwas mehr davon versprochen. Das Stück ist sehr kurz im Vergleich zu den Jahren davor und es ist ziemlich laut und nicht kindgerecht. Es war nett, aber mehr leider nicht.Schade, es sollte für meine Mamii etwas Besonderes sein. 😦 (Antwort schreiben)

    Nein, so gewinnt man keine Besucher!

  2. Einen Tag vor der Premiere ist das Große Haus immer noch nicht ausverkauft. Offenbar verdienen die Rostocker kein Theater mehr (das war einmal anders!), auf keinen Fall ein gutes.
    Angesichts von Zeitungsmeldungen wie der nachstehend zitierten kann einem auch jede Theaterlust vergehen: “ Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) will die volle Kontrolle über das Volkstheater. Das hat er Mitte Februar in einem Schreiben an Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski und Intendant Peter Leonard deutlich gemacht. Jeder Zahlungsvorgang sei ihm vorzulegen, außerdem Daten zu jedem der 300 Mitarbeiter: Zahl der Dienste, Gehalt, Zuschläge, Nebenverdienste.

    Besoners heikel: Zu jeder Neueinstellung ab drei Monaten müsse eine „Vorabgenehmigung des Gesellschafters“ eingeholt werden, so Methling. Das widerspreche seinem Vertrag, schimpft Theaterintendant Peter Leonard. Niemand habe im künstlerischen Bereich die Fachaufsicht über ihn.

    Rolf Bolwin, Direktor des Deutschen Bühnenvereins, stärkt Leonard den Rücken. „Mit Rechtsaufsicht hat das nichts mehr zu tun.“ Und Fachaufsicht verstoße gegen den Paragraf im Grundgesetz, der künstlerische Freiheit garantiere. Peter Winkler von Mohrenfels, der im Aufsichtsrat des Theaters sitzt und Jurist ist, sagt, Methling gehe über das Auskunfts- und Einsichtsrecht, das ihm als Gesellschafter-Vertreter zustehe, weit hinaus. „Ein Kontrollrecht hat er nicht.“ Donnerstag ließ er dem OB und der Bürgerschaftspräsidentin ein Schreiben zukommen. In diesem zerpflückt er Methlings Anweisungen Punkt für Punkt“ (Ostseezeitung online, 14.3.2013).

    Vielleicht sollte der Herr Ober-Bürgermeister seine Zeit besser dafür nutzen, endlich einmal selbst ins Theater zu gehen – als Besucher und nicht als Ober-Aufseher!

  3. Rumpelstilzchen muss sich korrigieren: Heute (Freitag, 15.3.) ist in http://www.das-ist-rostock.de ein umfangreicher Artikel über diese letzte Roznos-Inszenierung erschienen. Wer ihn liest (und sieht und hört, weil es auch ein Video dazu gibt) und dann noch immer keine Lust hat, morgen (16.3., 19:30 Großes Haus) zur Premiere zu gehen, dem ist einfach nicht zu helfen!

    Und jetzt auch noch bei NNN online eine interessante Besprechung: http://www.svz.de/nachrichten/lokales/rostock/artikeldetails/artikel/welche-art-der-liebe-ist-erlaubt.html

    Sehr spät, die beiden Beiträge, aber nicht zu spät. HINGEHEN, LEUTE!!!

  4. Natürlich war ich in der Premierenvorstellung. Natürlich war es erwartungsgerecht großartig. So sehr, dass ich es mir versage, als schlichter Besucher Details zu berichten oder gar Kritiker spielen zu wollen. Wer sich etwas Gutes tun will, sollte EINFACH HINGEHEN!

    Am Rande hätte ich mir einiges besser gewünscht:
    * Unter den Besuchern habe ich keinen der mir bekannten Abgeordneten der Bürgerschaft entdeckt. Dabei wäre das ganz sicher eine gute Gelegenheit gewesen, mehr als nur verbale Unterstützung zu versichern.
    * Das Programmheft enthält interessante Fotografien, die aber nicht alle dieser Inszenierung zuzuordnen sind. Schade, ein Stückbezug würde den Erinnerungswert für denjenigen erhöhen, der die Programmhefte aufhebt.
    * Das erste Stück (Tod in Venedig) berichtet von einem Schriftsteller, der von der Schönheit eines Knaben verzaubert wird. Der überraschte Zuschauer findet die Bühne belebt von vielen Tänzern und wundert sich, denn das Programmheft verschweigt, was Roznos auf der Einführung zur „Widernatürlichen Liason…“ verriet: Um das Stück lebendiger zu inszenieren, spielt es anders als in der Romanvorlage in einer Ballettschule. Warum wird das nicht im Programmheft vermerkt?

    Vor der Premiere gab es auf der VTR-Seite einen Link zu einem Probenvideo, der leider danach gelöscht wurde. Das Video auf http://www.youtube.com/watch?v=GF9cZpfzwVw ist damit nicht identisch, aber auch sehr informativ und vor allem denjenigen zu empfehlen, die noch unentschlossen sind.

    Lesenswert ist auch die Leser-Rezension unter http://www.das-ist-rostock.de/artikel/48966_2013-03-22_der-hoehepunkt-von-roznos-wirken-in-rostock/

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