Das schlägt dem Faß die Krone ins Gesicht!

Frau Dr. Bachmann stellte uns folgenden Text zur Verfügung. Urteilen Sie selbst: Schlagen die mitgeteilten Sachverhalte nicht dem Faß die Krone ins Gesicht?

Heute fand ein Treffen des Bildungsministers mit Vorsitzenden von Fraktionen sowie Frau Dr. Melzer statt.

Die Einladung erging am 12. März:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Frau Dr. Melzer,
sehr geehrte Vorsitzende der Fraktionen der Rostocker Bürgerschaft,

Herr Minister Brodkorb und Herr Staatssekretär Schröder möchten vor
Beginn der Verhandlungen zur Zukunft der Theater am kommenden Montag im
Ministerium mit Ihnen gern noch in dieser Woche ein Gespräch zur Zukunft
des Rostocker Volkstheaters führen. Dieses wird am Freitag, 15.3., von
14.00-15.00 Uhr im Besprechungszimmer des Rektorats der Universität
Rostock, Ulmenstr. 69 stattfinden. Ich bitte Sie, Ihre Teilnahme am
Gespräch möglich zu machen (bzw. eine Vertretung zu entsenden). 


Dieser Einladung bin ich nicht gefolgt, da sie dem Beschluss der Bürgerschaft vom 06.03. formal, zeitlich und inhaltlich widersprach. Die entsprechende Antwort ist weiter unten nachzulesen.

Bei dem Treffen, an dem der Oberbürgermeister ebenso wenig wie die (nicht eingeladene) Theaterleitung teilnahm, ging es heiß her. Letztlich äußerte der Minister seine allseits bekannten Drohungen. Wie meinerseits vermutet, wurde deutlich, dass es dem Minister gar nicht um ein sachgerechtes Gespräch auf gleicher Augenhöhe ging, sondern um das Durchdrücken seiner geplanten (Voll-)Fusion der Theater in Rostock und Schwerin. Alles andere ist heuchlerische Rethorik. Der Minister hat den Bürgerschaftsbeschluss nicht akzeptiert, sonst hätte er weder zum 15.03. noch zum 18.03. „eingeladen“.

Kurzkommentar:
An dem Wettbewerb um den besten Totengräber des VTR beteilige ich mich nicht.
Daher stehe ich weder dem Minister für Beschlüsse gegen die Interessen der Hansestadt Rostock noch dem Oberbürgermeister für Attacken gegen die Theaterleitung zur Verfügung.
Gespräche, die nicht auf Sachebene erfolgen, sondern angeordnet werden um ausschließlich die eigene Position durchzusetzen und Drohungen zu erneuern, stellen keine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit dar. „Herr Minister, akzeptieren Sie die gleichberechtigte Prüfung der Modelle 2, 4 und 7 und kehren Sie zu Sacharbeit zurück!“
Eine Reform der Theater- und Orchesterstrukturen gelingt nicht gegen, sondern nur mit den Trägern.
Mit seiner erneuten Einmischung in Rostocker Angelegenheiten hat der Minister konsensuale Lösungen weiter verbaut. Die Stadtverwaltung sollte nun zügig die Möglichkeit der Verfassungsklage gegen den geplanten Entzug der FAG-Mittel prüfen.
Wer wie der Minister mit Brachialgewalt vorgeht, wird Sturm ernten.

Die Folge der heutigen Turbulenzen kann nur ein Widerspruch des OB gegen den Theaterbeschluss von SPD, Bü 90, CDU und Linke sein, da der Beschluss durch den Minister nicht akzeptiert wird und Fraktionen diesen teilweise nicht ernst meinten oder nicht mehr hinter ihm stehen. Im Falle eines Widerspruchs bliebe der Beschluss zum Antrag von Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 übrig, wonach die Verwaltung einen Vereinbarungsentwurf vorzulegen hat, der den Textentwurf der Fraktion berücksichtigt. Inzwischen wahrt nur noch dieser Beschluss die Interessen der Stadt Rostock.
Sybille Bachmann

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Eine Email an Minister Brodkorb und Staatssekretär Schröder vom 13.3.:

Sehr geehrter Herr Minister,

sehr geehrter Herr Staatssekretär,

mit einiger Verwunderung habe ich Ihre Einladung für den 15.03. zur Kenntnis genommen.
Meine Verwunderung bezieht sich auf Form, Zeitpunkt und Inhalt.

Form:

Die Bürgerschaft beschloss gemeinsame Gespräche von allen Beteiligten auf der Basis von gegenseitigem Verständnis.

Dazu passen weder die Nichteinladung der Leitung des Theaters noch die einseitige kurzfristige „Anordnung“ eines Gespräches ohne vorherige Nutzung von Terminabfragemethoden (z.B. Doodle). Es heißt „Dieses (Gespräch) wird … stattfinden“, und wer nicht kann, hat für Vertretung zu sorgen. Das stellt kein Gesprächsangebot dar, wie der Betreff suggeriert, sondern eine Anordnung. Dieser Umgangsstil ist m. E. verbesserungswürdig. Zudem verwundert der Ort des Treffens.

Zeitpunkt:

Die Durchführung eines solchen Gespräches zum jetzigen Zeitpunkt ist unverständlich, da Ihnen der Beschluss der Bürgerschaft bekannt sein dürfte.

Die Bürgerschaft ist der Aufforderung des Staatssekretärs (Schreiben vom 20.02.13) vollumfänglich nachgekommen: „Ich gehe nun davon aus, dass auf der Bürgerschaftssitzung am 06.03. in Rostock sowie auf der Stadtvertretersitzung am 11.03. in Schwerin über die Zukunft des Theaters debattiert wird und auch abschließende Entscheidungen zur weiteren Positionierung innerhalb der Theater- und Orchesterlandschaft sowie zum letter of intent getroffen werden.“

Die Bürgerschaft hat reichlich debattiert und sich in Richtung einer Prüfung der Modelle 2, 4 und 7 und somit den Ausschluss von 6 weiteren Modellen positioniert. Und die Bürgerschaft hat hinsichtlich des Letter of Intent entschieden, dass die Verwaltung bis zum 10.04. eine Vorlage zu erarbeiten hat, die zwei Entwürfe aus den Reihen der Fraktionen berücksichtigen soll.

Bereits aus Gründen der Effektivität wäre die Vorlage dieses Verwaltungstextes abzuwarten.

Inhalt:

Grundsätzlich ist ein Gespräch zum geplanten Letter of Intent zu begrüßen (was längst hätte erfolgen sollen und manch Ärger erspart hätte). 
Allerdings heißt es in dem „Gesprächsangebot“, dass das Gespräch am 15.03. stattfinden soll, weil der Minister „vor Beginn der Verhandlungen 
zur Zukunft der Theater am kommenden Montag … mit Ihnen gern noch in dieser Woche ein Gespräch zur Zukunft des Rostocker 
Volkstheaters führen (möchte).“
Das ist insofern verwunderlich, weil es für den 18.03. bis dato keine Verhandlungsbasis, also keinen LOI, gibt. 
Und unterzeichnet werden kann durch die Hansestadt Rostock auch nichts.
Im Schreiben des Staatssekretärs vom 20.02. hieß es: „Darauf Bezug nehmend (gemeint ist der erhoffte Beschluss vom 06.03.) möchte ich Sie 
und Ihre Verhandlungsdelegation hiermit am 18.03.2013 … zu gemeinsamen Verhandlungen und zur Unterzeichnung des letter of intent einladen.“    

Es mag sich ja erneut um ein Missverständnis handeln, aber der Beschluss vom 06.03. kann nicht Grundlage sofortiger Verhandlungen sein, die frühestens Mitte April stattfinden könnten.

Da es offensichtlich zahlreiche Irritationen zu Beschlüssen und Texten gibt, gestatte ich mir, Ihnen einen Beschluss- und Textvergleich anzuhängen, zumal ich nicht weiß, ob meine erste Zusendung vom 10.03.13 angekommen ist, da Microsoft ein Zustellungsproblem meldete.

Persönlich würde ich mich freuen, wenn das angestrebte Miteinander auf gleicher Augenhöhe auch tatsächlich gewollt und nicht nur Rhetorik ist und es nicht immer wieder zu „Missverständnissen“ kommt.

Das letzte „Missverständnis“ war die Nichtgegenzeichnung des seitens der Hansestadt Rostock unterschriebenen Fördermittelantrags in Höhe von 500 TEUR durch den Minister Ende Dezember 2012. Dieses „Missverständnis“ ist bis heute nicht behoben worden, obwohl genau das im Januar versprochen wurde. Vielmehr fand es sich in einem öffentlichen Interview als erneute Voraussetzung für die Akzeptanz von Gesprächen wieder, die jedoch nie in Frage stand.

Einseitiges Liefern, hier von Beschlüssen, stellt meines Erachtens kein gemeinsames Handeln auf gleicher Augenhöhe dar. Von daher würde ich es sehr begrüßen, wenn gerade mit Blick auf die Beschlüsse vom 06.03. das Versprochene in Rostock auch  ankommt.

Mit nicht endender Hoffnung auf tatsächliche Zusammenarbeit verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Dr. Sybille Bachmann
Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09

Siehe auch die NNN vom 18.3.: http://www.svz.de/nachrichten/lokales/rostock/artikeldetails/artikel/minister-verhaengt-theater-ultimatum.html

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15 Gedanken zu „Das schlägt dem Faß die Krone ins Gesicht!

  1. Brodkorbs Verhalten ist ein nicht hinnehmbarer Erpressungsversuch!

    Sellering bemüht sich ehrlich um eine gute Landespolitik. Ausgerechnet sein „Kultur“-Minister zertrampelt ihm alles. Den Wertungen von Frau Dr. Bachmann ist nichts hinzuzufügen. Das Verhalten von Brodkorb sollte Thema im Landtag sein!

  2. Die NNN berichtet heute (19.3.2013) über das gestrige Gespräch im Kulturministerium zur Theaterfusion Rostock-Schwerin:

    „Fusionsmodell Zwangsehe

    19. März 2013 | Von: Christine Weber

    Die Theaterfusion zwischen Rostock und Schwerin wird vorangetrieben und die Bedingungen bestimmen das Land und die Stadt Schwerin. Rostock ist draußen. So lautete das klare Signal des Kultusministeriums gestern nach dem Gespräch über eine Absichtserklärung, den so genannten Letter of Intent.

    Erschienen war neben Staatssekretär Sebastian Schröder (SPD) Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke), aber kein Vertreter aus Rostock. Die Bürgerschaftsfraktionen fühlten sich nicht zu Verhandlungen befugt, die Theaterleitung war nicht eingeladen und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) hatte abgesagt. Begründung: Der Abstimmungsprozess innerhalb Rostocks sei noch nicht abgeschlossen. Denn erst heute Abend wollte Methling vom Hauptausschuss seine Version eines Letter of Intent beraten lassen.

    „Wir konnten nicht länger warten und Schwerin dafür bestrafen, dass Rostock nicht in der Lage ist, sich zu positionieren“, sagte Henning Lipski, Sprecher des Ministeriums. Deshalb werde die Beraterfirma Metrum jetzt damit beauftragt, das Modell „Staatstheater Mecklenburg“ zusammen mit einer Schweriner Projektgruppe weiter auszuarbeiten. Projektkoordinator soll der Schweriner Generalintendant Joachim Kümmritz werden. „Wir mussten den letter of intent neu formulieren, da uns eine Verhandlungspartner abhanden gekommen ist“, sagte Staatssekretär Schröder. Weitere Punkte: Das Land nimmt Verhandlungen mit dem Landkreis Ludwigslust-Parchim zur Einbindung des Landestheaters Parchim – dem aktuellen Kooperationspartner des Rostocker Volkstheaters – auf. Der Landeszuschuss für alle Theater bleibt bis 2020 konstant. Ausgangspunkt für Modellrechnungen sind geltende Tarifverträge am Theater. Auf betriebsbedingte Kündigungen wird verzichtet. Nach Ostern soll der Vertrag unterzeichnet werden, bis Mai das weitere Vorgehen feststehen.

    Mit Unverständnis reagiert Rostock auf den Ausgang des gestrigen Gesprächs. „Das kann nur eine Zwangsehe mit unglücklichem Ausgang werden“, sagt Volkstheater-Geschäftsführer Stefan Rosinski. Das Modell funktioniere nur, wenn beide Partner sich damit einverstanden erklären. „Es ist bedauerlich, dass es nicht gelungen ist, die Betroffenen an einen Tisch zu holen.“ Methling zeigte sich verwundert: Brodkorb habe im Januar selbst erklärt, die Fristen, die die kommunalen Akteure für sich wählen, zu respektieren. „Was gilt denn nun?“, fragt Methling.

    In der vom Land forcierten Strukturdebatte hatte Rostock zuletzt noch versucht, die gleichberechtigte Prüfung verschiedener Modelle offenzuhalten. Der OB und zahlreiche Mitglieder der Bürgerschaft wollten sich vom Land nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte damit gedroht, der Hansestadt Zuschüsse zu streichen, wenn sie den Fusionsweg nicht mitgeht und den letter of intent nicht unterschreibt. In dem jetzt abgestimmten Papier erlaubt noch eine Öffnungsklausel die Beteiligung weiterer Partner. “

    Sybille Bachmann bringt es in ihrem Leserkommentar zum vorstehend zitierten NNN-Artikel auf den Punkt:

    „Feindliche Übernahme offensichtlich geworden
    Liest man die Aussagen aus dem Bildungsministerium, kommt man zu den Schlussfolgerungen: Die Kommunikation wird immer verlogener und eine Sachprüfung mit offenem Ergebnis war nie gewollt.
    Rostock hat sich längst positioniert, das ist dem Ministerium bekannt, konkret zur vertieften Prüfung der Modelle Kooperation und Fusion. METRUM sollte sowieso beauftragt werden, dazu bedurfte es keiner Rostocker Zustimmung. Deutlich wird, dass das Ministerium nur die Vollfusion akzeptiert und jeden anderen Vorschlag torpediert. Nur dies erklärt die Vorgänge der letzten Tage. Der Verhandlungspartner Rostock ist nicht abhanden gekommen, sondern hatte klar den Zeitpunkt 10.04. für die Beschlussfassung benannt. Wenn der Schweriner Intendant Projektkoordinator der Fusion wird, dann wird endlich deutlich, worum es geht: Eine feindliche Übernahme des Rostocker Volkstheaters durch Schwerin. Hinzu kommt: Das Land mischt sich erneut in Kommunalpolitik ein und versucht Rostock seinen bisherigen Kooperationspartner Parchim „abzukaufen“. Dieses Vorgehen wird keine positiven Früchte tragen. Und weshalb das Ministerium eine vorurteilsfreie Prüfung echter Kooperationen mit Einspareffekten ablehnt und sich ausschließlich auf eine Fusion mit bisher unklaren Auswirkungen festlegt, bleibt ein Geheimnis.“

    In seltener Übereinstimmung mit Dr. Bachmann äußert sich auch der Rostocker Oberbürgermeister (mvpo.com, 19.3.):

    „Rostocker OB Roland Methling zu Theaterstruktur-Gesprächen

    Rostock/MVPO Auf zahlreiche Nachfragen hin erklärt Oberbürgermeister Roland Methling zur Frage des Fortgangs von Theaterstruktur-Gesprächen:

    ‚Die Hansestadt Rostock ist nach wie vor gesprächsbereit. Wenn aber als Bedingung für Gespräche die Unterschrift unter einen Letter of Intent gesetzt wird, der schon klar eine Richtung festlegt, muss es dafür Mehrheiten geben. Die gab es weder in der Hauptausschusssitzung am 19. Februar noch während der Bürgerschaftssitzung am 6. März. Wir werden heute während der Hauptausschusssitzung und am 10. April während der Bürgerschaftssitzung – wie langfristig geplant – einen Entwurf der Verwaltung beraten und ggf. auch beschließen.

    Das hat übrigens vor gerade einmal acht Wochen der Minister selbst noch so gesehen, als er per Pressemitteilung verkünden ließ: „Rechtlich hat die Landesregierung gar keine Möglichkeit, verbindliche Fristen zu setzen, da die Kommunen Träger der Theater und Orchester sind.“

    Wenn der Kultusminister und die Landeshauptstadt Schwerin nun Alleingänge gestartet haben, obwohl ein Beschluss in Rostock nur noch eine Frage von Tagen war, dann sind das Rumpelstilzchen-Methoden.

    Demokratie funktioniert nicht mit Geheimtreffen, nicht mit Drohgebärden und ständig neuen Ultimaten, sondern einzig und allein mit offener Argumentation und mit Mehrheiten.

    Wie verkündete der Minister (ebenfalls am 17. Januar 2013) ganz richtig: „Allerdings habe ich den Bildungsausschuss darüber informiert, dass die Landesregierung sowohl die Entscheidung selbst als auch die Fristen, die die kommunalen Akteure für sich wählen, selbstverständlich verfassungsrechtlich zu respektieren haben.“

    Wir erwarten, dass sich der Minister und die Landeshauptstadt Schwerin ernsthaft diesem Diskussionsprozess stellen und nicht einseitige Verabredungen zu Lasten Dritter treffen!

    Wer ein ernsthaftes Interesse an Verhandlungen gleichberechtigter Partner auf Augenhöhe hat, sollte mit dem Säbelgerassel aufhören und den Arbeitsprozess demokratisch legitimierter Gremien respektieren! Es ist ein Irrglauben, dass eine dauerhafte Neuordnung der Theaterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern letztlich vor den Gerichten des Landes erstritten werden könnte.’“

    Alles in allem staunt der mündige Bürger wortlos angesichts dieses Lehrstücks in Sachen Landes-„Demokratie“! Würde es auf einer Theaterbühne aufgeführt, hielte es Jede und Jeder für eine ganz maßlose, unangemessene, politikfeindliche Inszenierung.

  3. Wenn ich aus der Ferne die Presseinformationen zur Brodkorb’schen Theaterpolitik verfolge, dann weiß ich nicht, worüber ich mehr staune – über die Unverfrorenheit eines Landesministers, die Entscheidungsfreiheit der Kommunen zu beschneiden, ober über die staatstragende Berichterstattung der Ostsee-Zeitung („Die Unabhängige im Norden“!):

    1. Ostseezeitung online vom 18.3.:

    „Berater sollen Staatstheater umstrukturieren

    Schwerin (dpa/mv) – Das Kultusministerium und die Stadt Schwerin haben sich am Montag auf eine Absichtserklärung für die Neustrukturierung des Staatstheaters in der Landeshauptstadt verständigt. Die Beratungsfirma Metrum werde bis Ende Mai Vorschläge vorlegen, wie das Schweriner Theater arbeiten könne, damit es wieder einen ausgeglichenen Haushalt habe, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Es werde in Schwerin zu Strukturveränderungen kommen müssen.

    Das Ministerium bedauerte, dass bei den Gesprächen am Montag kein Vertreter aus Rostock anwesend war. „Wir können nicht länger warten und Schwerin dafür bestrafen, dass es zu Verhandlungen bereit war“, sagte der Sprecher.

    Die Landesregierung hat die Bühnen in beiden Städten wiederholt zu einer Kooperation aufgefordert.“

    2. Ostseezeitung online vom 18.3.:

    „Theaterstreit: Rostock lässt Schwerin abblitzen
    Zur Unterzeichnung der Absichtserklärung über eine mögliche Fusion des Volkstheaters mit dem Schweriner Staatstheater ist am Montag kein einziger Vertreter aus Rostock in die Landeshauptstadt gereist.

    Rostock/Schwerin (OZ) – Politik des leeren Stuhls im Streit über die Theater-Zukunft: Zur Unterzeichnung der Absichtserklärung über eine mögliche Fusion mit dem Schweriner Staatstheater ist am Montag kein einziger Vertreter aus Rostock in die Landeshauptstadt gereist. Weder Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) noch die Fraktionsspitzen folgten der Einladung des Bildungsministers Mathias Brodkorb (SPD).

    Mit der Unterschrift unters Papier hätten sich die Beteiligten bereiterklärt, ergebnisoffen über ein Zusammengehen beider Häuser zu diskutieren. Zugestimmt haben hingegen die Schweriner: Das Staatstheater akzeptierte die Absichtserklärung nach stundenlangen Verhandlungen. Dort soll nun die Umstrukturierung rasch in Angriff genommen werden – erst mal ohne Fusion mit Rostock.“

    Und ich staune über das unsolidarische Verhalten der Stadt Schwerin. Die linke Oberbürgermeisterin von Schwerin wusste zweifellos von den Rostocker Terminen und der grundsätzlichen Rostocker Bereitschaft, miteinander zu reden. Aber da hätte man ja die Landesmittel teilen müssen, während nun der alleinige Zugang zum Brodkorb’schen Brotkorb gesichert scheint. Unterschreiben DIE LINKEn ihre Texte nicht immer „mit solidarischen Grüßen“? Alles nur Tünche!

  4. Ja diese Presse! Auf Seiten des Theaters stehen sie selten und das schon seit 20 Jahren! Das neueste Beispiel ist der heutige Warnow-Kurier: Erst einmal Mist verbreiten, später dann erst recherchieren. Weiß diese Stadt nicht, dass sie Tarife des öffentlichen Dienstes den Künstlern „gewährt“? Aber gleich mit der Tasche der Rostocker Steuerzahler drohen! Wieder einmal hat sich sie Hauspostille des OB als Vorreiter von Desinformation und Volksverdummung hergegeben.

  5. Geld ist genug da…

    in den Landesministerien arbeiten überwiegend Juristen. Dennoch hat die Landesregierung in den vergangenen sechs Jahren mehr als zwei Millonen Euro für Anwaltshonorare ausgegeben, berichtet heute die SVZ (http://www.svz.de/nachrichten/home/top-thema/artikel/das-land-und-seine-berater.html).
    Würden die Beamten in den Ministerien selbst die Leistungen erbracht haben (wofür sie ja eigentlich da sind, dann stünden per anno etwas meht als 333.000 € mehr zur Verfügung – zum Beispiel für die Theaterfinanzierung.

    Doch das sind nur Peanuts, wenn wir über die Landesgrenze nach Berlin und dort in Sonderheit auf die Bundeswehr blicken. Da geht es richtig zur Sache. Nur ein einziger Posten sei aus aktuellem Anlass hier genannt: Vier fabrikneue“Tiger“-Kampfhubschrauber wurden in Afghanistan stationiert. Vier Milliarden Euro (4.000.000.000 €) kostete allein die Entwicklung. Die Stückkosten liegen zwischen 35 und 48 Millionen Dollar (Wikipedia). Die vier im fernen Afghanistan stationierten Hubschrauber bekamen zusätzlich schussfeste Platten am Cockpit, zusätzliche Kommunikationsanlagen und Sandfilter zum Schutz der empfindlichen Getriebe, berichtete die TAZ am 18.3. Neben sechs Piloten kamen für die Wartung der vier Tiger rund 60 zusätzliche Soldaten nach Masar-i-Scharif. Das alles kostet auch…
    Was die taz offenbar gar nicht mitbekommen hat: Am 5.3. stürzte in Bayern ein „Tiger“ bei einem Übungsflug für Afghanistan ab (http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Kampfhubschrauber-abgestuerzt-Tiger-duerfen-nicht-mehr-fliegen-id24316326.html). Nach der gleichen Quelle besitzt die Bundeswehr bereits 29 „Tiger“, die auch andernorts an „Kampfeinsätzen“ der Bundeswehr eingesetzt werden.

    So viel sinnlos vergeudetes Geld könnten die Kulturschaffenden gar nicht ausgeben…

  6. Frau Dr. Bachmann hat uns folgenden Text vom 21.3. zur Verfügung gestellt:

    Neue Attacke des Bildungsministers

    Erneut mischt sich Bildungsminister Brodkorb in kommunale Angelegenheiten und akzeptiert die Entscheidungen eines Kommunalparlaments nicht. Das ist Missachtung von Demokratie. Und erneut droht der Minister mit negativen Auswirkungen für Rostock, wenn die Stadt nicht seinen Forderungen nachkommt.

    Gestern ging ein Schreiben des Ministers an den Oberbürgermeister, in dem auf eine Beschlussfassung zum sog. Letter of intent vor Ostern gedrängt wird.

    Damit negiert der Minister die ihm bekannte Vereinbarung im Hauptausschuss der Rostocker Bürgerschaft vom 19.02. sowie den Beschluss der Bürgerschaft vom 06.03., die beide eine Beschlussfassung für den 10. April festlegten.

    Der Minister argumentiert scheinheilig mit zwei Positionen:

    1. Jeder Tag einer verzögerten Beschlussfassung würde den Steuerzahler unnötig Geld kosten.

    Das ist jedoch falsch, denn: Unabhängig davon, dass eine Beschlussfassung im Abstand von lediglich 14 Tagen keinen Einfluss auf Steuergelder hätte, bringt die offiziell kommunizierte reine Prüfung von Sachverhalten per se gar keine Einsparungen.

    Von Einsparungen könnten sachlich Uninformierte höchstens im Falle der Aufnahme sofortiger Fusionsverhandlungen ausgehen. Informierte hingegen wüssten, dass die geplante Vollfusion zunächst Millionen Euro an Mehrkosten verursachen würde (vermutet 7,8 Mio.) und geplante Kosteneinsparungen (14 Mio.) bis dato völlig unbelegt sind, weil die Prüfung fehlt und sie in Zweifel zu ziehen würden, allein aufgrund bestehender tarifrechtlicher Festlegungen. Auch würde das Land M-V keinen Cent sparen, da es seinen Zuschuss immer gleich halten möchte, wie seit vielen Jahren. Und die Rostocker Finanzen gehen den Bildungsminister nichts an.

    2. Ohne sofortige Prüfung würden mögliche Anregungen aus Rostock nicht berücksichtigt werden, da die METRUM GmbH ihre Arbeit nach Osten aufnehmen möchte.

    Das ist falsch, denn: Die Anregungen aus Rostock, konkret die Forderung nach einer vertieften Prüfung von drei Modellen und die Erweiterung konkreter Prüfgegenstände um zu tatsächlichen Entscheidungsgrundlagen zu kommen, sind dem Minister seit vielen Wochen bekannt. Wenn der Minister an Sacharbeit und einer ergebnisoffenen Prüfung von Kooperation und Fusion interessiert wäre, hätte er diese Anregungen längst aufgenommen.

    Hinzu kommt: Selbst wenn METRUM am 02.04. mit der Arbeit beginnt, gibt es keinen Hinderungsgrund dafür, dass weitere Anregungen im Prüfprozess aufgenommen werden, es sei denn, das Ministerium würde einen abschließenden Prüfkatalog vertraglich festlegen. Das aber wäre ein äußerst schlechter Vertrag.

    Die Rostocker Bürgerschaft sollte nicht erneut in Aktionismus verfallen, wie sie es auf Druck der SPD leider am 05.12. und 06.03. getan hat, und ganz in Ruhe sowie sachlich fundiert über die Vereinbarung am 10.04. entscheiden.

    Der Minister sollte endlich seine permanente Einmischung in kommunale Rostocker Angelegenheiten beenden und aufhören die Bürgerschaft mit den JUSOS zu verwechseln, wo derartige Methoden üblich sein sollen.

    Sybille Bachmann

    Ergänzend gibt es eine Analyse der (undatierten) Absichtserklärung aus Schwerin, die unter http://www.warnow-bote.de/dokumente/vtr/VTR%20-%20LOI.Textvergleich.pdf nachgelesen werden kann.

  7. Ein ergänzender Text von Frau Dr. Bachmann, ebenfalls vom 21.3.:

    Prüfung einer eventuellen Nötigung seitens des Bildungsministers

    Im § 240 Nötigung des Strafgesetzbuches heißt es unter anderem:

    (1) Wer einen Menschen rechtswidrig … durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung … nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    (2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn … die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.

    (3) Der Versuch ist strafbar.

    (4) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
    … 3. seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtsträger missbraucht.

    Sowohl in der Öffentlichkeit als auch in internen Runden mit Vorsitzenden von Rostocker Bürgerschaftsfraktionen hat der Bildungsminister mehrfach Leistungskürzungen für das Volkstheater Rostock bzw. die Hansestadt Rostock angekündigt, falls die Bürgerschaft (und damit auch die Fraktionsvorsitzenden) nicht Beschlüsse entsprechend seinen Vorstellung fasst.

    Somit wird Rostocker Entscheidungsträgern ein „empfindliches Übel“ angedroht, um sie „zu einer Handlung“ zu bewegen(1).

    Die Androhung des Übels kann wahrscheinlich als verwerflich angesehen werden (2).

    Dass es sich bei den mehrfachen Äußerungen mindestens um den Versuch einer Nötigung (3) handeln könnte, ist bereits aus Überschriften von Medien ableitbar (Kultusminister droht: Dann gibt es kein Geld vom Land mehr / Minister verhängt Theater-Ultimatum).

    Dieses Vorgehen erfolgte durch den Minister nicht als Privatperson, sondern als Amtsträger (4).

    In einer ersten Bewertung könnte von einer Drohung/Nötigung im Amt gegenüber Abhängigen ausgegangen werden.

    Nach Zusammentragung aller Unteralgen werde ich in den kommenden Tagen eine juristische Bewertung veranlassen, nicht mit der vordringlichen Absicht eine entsprechende Anzeige zu stellen, sondern mit dem Ziel der Beendigung dieses Politikstils.

    Auch ein Minister hat Beschlüsse der Rostocker Bürgerschaft zu respektieren.
    Entsprechend der mehrheitlichen Übereinkunft (außer SPD) vom 19.02. im Hauptausschuss der Rostocker Bürgerschaft wird die Verwaltung der Hansestadt Rostock spätestens am 19.03. einen Letter of Intent vorlegen. Dies erfolgt auf der Basis von zwei Entwürfen aus den Reihen der Bürgerschaft (Beschlüsse vom 06.03.). Über die Endfassung hat die Bürgerschaft am 10.04. zu entscheiden.
    Danach sollen zügig gemeinsame Gespräche zwischen dem Ministerium sowie den Stadtverwaltungen und Theaterleitungen von Rostock und Schwerin stattfinden.

    Diese Zeitkette sowie die entsprechenden Beschlüsse waren dem Minister bekannt, so dass sein Vorgehen in den letzten Tagen eine der Sache nicht dienliche Einmischung in kommunale Vorgänge in Rostock darstellte, die zu einer weiteren Eskalation führte. Dieser Politikstil ist zu beenden, nötigenfalls auch mit rechtlichen Mitteln.

    Dr. Sybille Bachmann

  8. Von der Landtagsfraktion DIE LINKE an „die lieben Theaterfreundinnen“ gesendet:

    Schwerin (dpa/mv) – Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) ist wegen seines Agierens im Streit um die Zukunft des Volkstheaters Rostock unter Beschuss geraten. Der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Torsten Koplin, warf Brodkob am Freitag vor, Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) zu undemokratischem Handeln aufzufordern. In einem Brief hatte Brodkorb Methling nahegelegt, noch vor der entscheidenden Sitzung der Bürgerschaft am 10. April eine Absichtserklärung (Letter of Intent) zum Zusammengehen mit dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin zu unterzeichnen. Die von der Landesregierung angestrebte Fusion hat in Rostock viele Kritiker.

    Koplin mahnte Brodkorb zu einem „respekt- und kulturvollen Umgang“ in Ausübung seines Amtes. Er müsse sich seiner Vorbildfunktion bewusst sein. Brodkorb hatte Methling unter anderem vorgeworfen, mit seiner Politik einen kulturellen Trümmerhaufen in Rostock herbeizuführen.

    Die Landesregierung hatte in der Theaterfrage am Montag die Absichtserklärung mit der Landeshauptstadt Schwerin unterzeichnet. Eine Vertretung aus Rostock war mit Hinweis auf die Sitzung der Bürgerschaft am 10. April nicht anwesend. Ein Ministeriumssprecher hatte anschließend gesagt, nun sei die Zeit für Rostock abgelaufen.

    Der Koalitionspartner CDU kritisierte: „Der Letter of Intent war wenig hilfreich.“ Es müsse alles unterbleiben, was die Beteiligten
    vor Ort in die Schützengräben zwinge, forderte der kulturpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Marc Reinhardt. Ein unabhängiger Koordinator sei nötig.

    Reinhardt sieht nach eigenem Bekunden die Tür hin zu einem Theaterkompromiss aber noch nicht verschlossen. „Wir brauchen eine Lösung, die im ganzen Land akzeptiert werden kann. Dafür ist ein ehrliches Bemühen auf allen Seiten erforderlich, wenigstens das Gespräch zu führen.“ Ohne Kompromisse werde es nicht gehen. Die Stadt Rostock müsse mit einer einheitlichen Position auftreten, dazu müssten sich Oberbürgermeister und Bürgerschaft endlich durchringen. Die Bürgerschaft will am 10. April die Position der Hansestadt in der Theaterdebatte beschließen. Bisher sind die Signale aus Rostock widersprüchlich.

    Alle Theater in Mecklenburg-Vorpommern stehen unter einem gewaltigen Finanzdruck. Ein Grund sind stagnierende Zuschüsse des Landes seit Mitte der 90er Jahre, während die Personal- und Sachkosten immer weiter steigen. Die Trägerkommunen sehen sich kaum noch in der Lage, die Kosten zu tragen. Mittels Fusionen und Personalabbau soll eine zukunftsfähige Theaterstruktur im Land geschaffen werden.

    # dpa-Notizblock

  9. Geld ist eigentlich genug da… Das schrieb ich schon am 20.3.

    Morgen, am 23.3., führt DIE LINKE im Rostocker Rathaus eine landesweite Friedenskonferenz durch. Als Redner sind angekündigt Helmut Scholz (Mitglied der Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne im Europäischen Parlament), Dr. Dietmar Bartsch (stellv. Vorsitzender Bundestagsfraktion DIE LINKE), Paul Schäfer (verteidigungspolitischer Sprecher Bundestagsfraktion DIE LINKE), Steffen Bockhahn Mitglied des Bundestages und der Rostocker Bürgerschaft für DIE LINKE), Helmut Holter (Vorsitzender der Landtagsfraktion DIE LINKE) und Peter Ritter (innenpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion DIE LINKE).

    Ob wohl wenigstens einer der illustren Herren (warum sind eigentlich keine Frauen dabei???) auf die permanenten Kürzungen für kulturelle Aktivitäten bei ständig steigenden Ausgaben für Rüstung und militärische Abenteuer zu sprechen kommt? Wir würden gerne auf diesem Blog davon lesen können!

  10. Am 20.3.2013 meldete mvpo.com:
    „Rostocker SPD-Fraktion setzt sich für einen Theaterneubau am Standort Am Bussebart ein

    Rostock/MVPO Die SPD-Fraktion im Rostocker Rathaus hat sich auf ihrer jüngsten Fraktionssitzung mit breiter für einen Theaterneubau am Standort Am Bussebart ausgesprochen.

    Damit will sie gegenüber der angekündigten Vorlage der Verwaltung auf einen städtebaulichen Wettbewerb für den Stadthafen verzichten.

    „Unter sachkundiger Begleitung des Stadtplanungsamts haben wir intensiv das Für und Wider diskutiert“, so Fraktionsvorsitzender Dr. Steffen Wandschneider. „Der Bussebart ist nach den vorliegenden Gutachten bereits jetzt der klar beste Standort.“ Die Verwaltung hatte mit guten Argumenten für beide möglichen Standorte einschließlich des Christinenhafens geworben. Für den Standort Christinenhafen ist ein städtebaulicher Wettbewerb zur Entwicklung des Gesamtareals Warnowufer zwingend notwendig, der nicht nur die Möglichkeiten der Entwicklung der Kaikante vorsieht, sondern auch Lösungsmöglichkeiten für die Straßenquerung L22 aufzeigt. Solch ein Verfahren dauert 9-12 Monate und ist mit zusätzlichen Kosten von ca. 150.000 Euro verbunden. „Der Christinenhafen ist ein fantastischer Standort, den wir in Zukunft behutsam entwickeln müssen. Das Rostocker Theater hat hier jedoch nicht den besten Platz, den es verdient“, so Wandschneider weiter. Für einen Standort des Theaterneubaus Am Bussebart sprechen für die Sozialdemokraten insbesondere sehr gute Anbindung an den ÖPNV, den fußläufige Lage, aber auch die geringeren Kosten für Gründung und Hochwasserschutz, da der Baugrund günstigere Bedingungen bietet. „Wir wollen ein Theater im Herzen der Stadt“, so Aufsichtsratsmitglied Thoralf Sens. Der Baukörper des Theaters stellt an dieser Stelle ein Bindeglied zwischen der Langen Straße und dem Stadthafen dar und kann mit Hilfe eines Hochbauwettbewerbs in repräsentativer Lage in der Langen Straße eine gute städtebauliche Einordnung erfahren.

    „Wir werden in der Bürgerschaft für eine schnelle Entscheidung für den Vorzugsstandort werben. Der mit dem Neubau eines Theaters verbundene schmerzliche Verlust von Flächen für den Weihnachtsmarkt oder Ostermarkt muss über neu auszuweisende Flächen aufgefangen werden,“ so Dr. Wandschneider abschließend.

    MVPO Rostock red/hro

    Quelle: SPD Fraktioin HRO“

    Dazu gibt es drei Leserbriefe, der erste wurde von mvpo nicht veröffentlicht:
    „Die Existenz des Volkstheaters steht auf der Kippe und die SPD beschäftigt sich mit einem Theaterneubau. Selbst wenn er irgendwann realisiert wäre – es wird dann kein eigenständiges Theaterensemble mehr geben, wenn man es jetzt nicht bewahrt!“

    „Völlig losgelöst…
    Für völlig losgelöst von der Wirklichkeit halte ich es, in der aktuellen Phase der Theatermisere über Neubau-Standorte nachzudenken. Wenn nicht JETZT die Finanzierung des Volkstheaters gesichert wird, haben wir nach Fertigstellung eines Theaterneubaus kein Ensemble mehr. Der OB will jede einzelne Ausgabe des Volkstheaters überprüfen, weil das Geld nicht reicht, und glaubt zugleich, einen Neubau finanzieren zu können?“ Diesen Leserkommentar veröffentlichte die SVZ nicht!

    „Entscheidung SPD
    Ich bin völlig desorientiert. Einmal kritisiert Herr Stabelfeld (SPD) den Rostocker OB, weil er es ablehnt, über die Fusion des Schweriner mit dem Rostocker Theater, welches der Kulturminister Brodkorb durchsetzen will zu verhandeln.

    Andererseits favorisiert die SPD ein neues Theater in Rostock am Bussebart. Nun muss sich die SPD einmal entscheiden, Fusion mit dem Schweriner Theater oder Neubau eines Rostocker Theater am Bussebart.“ Dieser Leserbrief von Johann Helbig aus Rostock erschien am 26.3. in der OZ.

  11. Frau Dr. Bachmann (Rostocker Bund) stellte uns mit Datum von 14.04. folgenden Text zur Verfügung:

    Das Land agierte von Beginn an verlogen

    Als Minister Brodkorb im September 2012 durch die Firma METRUM GmbH neun Modelle zur möglichen Umstrukturierung der Theater- und Orchesterlandschaft M-V vorstellte, hieß es, dass diese reine Diskussionsmodelle seien, die jederzeit veränderbar wären, selbst weitere Modelle seien vorstellbar. Den Kommunen hätten ausreichend Zeit für eine Positionierung.

    Doch bereits vor Ablauf der dann doch gestellten Frist beschloss die Koalition die Variante Fusion, damals noch in den Varianten Teilfusion oder Vollfusion. Bereits zu diesem Zeitpunkt, Anfang Dezember 2012, wurde klar, dass eine ergebnisoffene Prüfung von Modellen nie vorgesehen war. Das Ergebnis stand von Anfang an fest. Schließlich hatte das Bildungsministerium METRUM in eine bestimmte Richtung beauftragt, die nicht in Gefahr gebracht werden soll.

    Dem Druck aus der Landesregierung beugte sich einzig und allein die Stadt Schwerin. Für den Bereich Mecklenburg ging es de facto auch ausschließlich um sie. Ein maroder städtischer Haushalt, der Jahr für Jahr neue Defizite aufhäuft, kann kein eigenes Theater finanzieren. Dafür, so die Strategen aus dem Ministerium, soll die Stadt Rostock herangezogen werden. Alles andere waren und sind rhetorische Nebelbomben. Diese sind mit dem heutigen Tage endgültig geplatzt und folgende Aussagen des Ministers haben sich als Lügen entpuppt:

    – es gehe ausschließlich um die Prüfung von Varianten
    – das Prüfergebnis müsse nicht übernommen werden
    – es gibt keine Erpressung.

    Heute hat das Bildungsministerium die seitens Bürgerschaft und Stadtverwaltung Rostock beschlossene Vereinbarung zur vertieften Prüfung von Varianten strikt zurückgewiesen. Eine Kooperation käme gar nicht in Frage, nur eine Vollfusion, bei eventuellem Zugeständnis eine Teilfusion. Wenn Rostock der Fusion nicht sofort zustimme, dann überlege sich die Landesregierung, ob sie sich am Theaterneubau beteilige. Sie respektiere aber die Eigenständigkeit des VTR. Akzeptanz bei Mittelentzug stellt den Versuch erneuter Erpressung dar.

    Es ging nie um eine Prüfung, sondern ausschließlich die sofortige Zustimmung zu einer Fusion, geprüft werden sollen lediglich die Wege zu dieser Vollfusion. Genau dies hatte die Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 von Beginn an erklärt und bereits im Dezember den Antrag gestellt, ein Konzept für ein eigenständiges VTR zu erarbeiten. Das wurde durch die Bürgerschaft abgelehnt. Nun muss sie es tun, mit vier Monaten Verspätung.

    Der Rostocker Steuerzahler sollte zur Abwendung der für ca. Mai anstehenden Insolvenz des Schweriner Theaters herhalten. Das ist aber nicht Aufgabe der Rostocker Bürger. Zumal die Schweriner es versäumt haben, die Auflagen des sog. WIKOM-Gutachtens zu ihrem Theater umzusetzen oder Alternativen aufzuzeigen. Die Umsetzung aber war für METRUM die Voraussetzung aller neun Modelle. Schwerin hat seine Finanzhausaufgaben nicht erfüllt und wollte sich bei den Rostockern bedienen. Das ist nun definitiv gescheitert.

    Wie geht es weiter?

    Die METRUM GmbH wird die Vollfusion der Theater Schwerin und Rostock auch ohne Beteiligung der Hansestadt prüfen (das stand schon immer fest, man wollte beide Kommunen nur mit ins Boot holen um von Beginn an das Ergebnis Fusion akzeptiert zu bekommen). Das VTR soll dazu die Zahlen liefern, aber keinen Einfluss auf deren Verwendung haben. Dass dies zu falschen und unvollständigen Ergebnissen führt, ist bereits der ersten Studie zu entnehmen.

    Die Hansestadt Rostock sollte daher Zahlen nur dann an METRUM liefern, wenn das Studienergebnis vor Veröffentlichung durch die Stadt Rostock auf korrekte Wiedergabe und Einordnung geprüft wurde. Ansonsten sollte sich Rostock der Weitergabe von Zahlen verweigern.

    Die Hansestadt Rostock wiederum hat drei Aufgaben zu erfüllen:
    * Die Darstellung der finanziellen Machbarkeit eines eigenständigen Vier-Sparten-Ensembletheaters ab Fertigstellung des Neubaus, bei gleichzeitigen internen strukturellen Veränderungen und einer inhaltlichen Profilierung.
    * Die Suche nach Übergangslösungen bis zur Fertigstellung des Neubaus (ca. 2020). Hierzu gehört auf jeden Fall eine Veränderung beim Orchester: Entweder wird ein Haustarif bei der Philharmonie durchgesetzt oder sie wird in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert, die sich mittels der angebotenen Leistungen selbst finanziert. Ab 2020 kann neu überlegt werden.
    * Stadtverwaltung und Theaterleitung lassen Schritte zur rechtlichen Durchsetzung einer gleichberechtigten Teilhabe an der Landesfinanzierung der Theater und Orchester in M-V prüfen.

    Eine Politik, die auf Druck und Erpressung basiert und keinerlei Denkalternativen zulässt, ist weder demokratisch noch echte Politik. Das Land musste damit scheitern.

    Rostock hat nun die Chance und Pflicht mit eigenen Ideen in die Offensive zu gehen. Und eine Kooperation mit Schwerin ist weiterhin möglich, aber erst, wenn das dortige Theater eigene Anstrengungen zur Sanierung unternommen hat.

    Sybille Bachmann

  12. Auf mvpo.de ist mit Datum vom 16.04.2013 folgendes zu lesen:

    „Schwerin/MVPO Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Die Linke) hat sich enttäuscht von der Rostocker Verweigerungshaltung bei der Bildung eines gemeinsamen Staatstheaters Mecklenburg gezeigt:

    „Ich verstehe überhaupt nicht, was gegen eine gemeinsame Prüfung des Modells Staatstheater Mecklenburg spricht und bin enttäuscht, dass es mit Rostock keine Zusammenarbeit für eine zukunftsfähige Theater- und Orchesterstruktur in Mecklenburg gibt“, so die Oberbürgermeisterin. „Auch für Schwerin war es nicht einfach, sich parteiübergreifend und unter Mitwirkung der Intendanz sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters auf Fusionsgespräche einzulassen. Dass die Uneinigkeit zwischen der Bürgerschaft und dem Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock nun dazu führt, dass unser Theater allein im Regen stehen bleibt, ist im höchsten Maße verantwortungslos. Ich erwarte vom Bildungsministerium, dass Schwerin aus der Verweigerungshaltung Rostocks keine Nachteile erwachsen.“

    MVPO Schwerin red/sn“

    Einen Leserkommentar von mir auf der mvpo-Webseite wurde leider nicht freigeschaltet. Er lautet: „Verantwortungslos, sehr geehrte Frau Gramkow, finde ich vor allem, wenn nicht die unzureichende Finanzierung von Kultur beklagt wird, sondern sich Kommunalpolitiker sogenannten „Sachzwängen“ unterwerfen und damit letztendlich zum Kulturabbau beitragen.“

  13. Durch die Hintertür? Gestern besuchte Bildungsminister Mathias Brodkorb das Parchimer Theater, meldet die Schweriner Volkszeitung heute. In dem kurzen Beitrag heißt es unter anderem:

    Interessante Themen gab es sicherlich, denn noch ist nicht klar, wie die Theaterstruktur im Land aussehen wird. Das Landestheater kooperiert derzeit mit dem Volkstheater Rostock. „Es war ein außerordentlich konstruktives Gespräch“, sagte Ott-Albrecht im Anschluss. „Kernpunkt war die Sicherung des Standortes Parchim als produzierender Standort für das Kinder- und Jugendtheater unter Einbindung in das Konzept des Landes“, so der Theaterleiter. Klar war, dass auch über die Möglichkeit einer noch engeren Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Schwerin diskutiert wurde. „Im Ergebnis werden intensive Gespräche zwischen Land und kommunalem Träger fortgesetzt, um gemeinsam mit der Metrum Management GmbH (sie hatte neun Modelle einer künftigen Theaterstruktur erarbeitet) Modelle zu prüfen, die für die Theater im Land und die Parchimer Bühne über das Jahr 2020 hinaus zukunftsfähige Lösungen aufzeigen“, so Ott-Albrecht.

    Nachdem also die Landesregierung die Rostocker Gesprächspartner beim Arbeitsgespräch am 11.4. abrupt vor die Tür setzte („Aus Sicht des Kultusministeriums ist die Schnittmenge zwischen Land, Schwerin und Rostock nicht groß genug, um eine Absichtserklärung mit drei Beteiligten zu verabschieden“, sagte ein Ministeriumssprecher gestern nach dem Treffen des Staatssekretärs Sebastian Schröder (SPD) mit Vertretern beider Städte [SVZ 12.4.]), versucht es nun Herr Brodkorb durch die Parchimer Hintertür und will offenbar die gute Zusammenarbeit zwischen dem Parchimer und Rostocker Theater zukunsten des Staatstheaters Schwerin beendet wissen.

    Im Rostocker Theater war Herr Brodkorb jedenfalls noch nicht…

  14. „Mittlere Reife“ oder Neues aus dem Hause Brodkorb
    Die regionalen und auch einige überregionale Zeitungen melden heute Befremdliches: Die Prüfungsunterlagen zum Erwerb der Mittleren Reife sind im Fach Deutsch höchst fehlerhaft. Schreibfehler, die eigentlich jedes Schreibprogramm und sogar diese Blogsoftware automatisch anzeigt, sind im Prüfungstext verblieben. Offenbar wurden sie vom Verfasser als richtig angesehen. Das Ministerium erklärte hierzu, „die Texte der zentralen Prüfungen würden von einer Fachkommission erstellt, die überwiegend aus Lehrkräften besteht, die das Fach vertreten. Es erfolge zudem ein Kontrolllesen durch Lehrkräfte. Vor Drucklegung werde im Ministerium die Endkontrolle durchgeführt“ (SVZ vom 18.4. http://www.svz.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/artikeldetail/artikel/peinlich-fuenf-setzen.html). Wenn sie doch wenigstens geschwiegen hätten!
    Die SVZ merkt an gleicher Stelle auch noch an, dass auch 2011 Prüfungsaufgaben fehlerhaft bzw. nicht verständlich waren.

    Entsprechend sarkastisch fielen die Leserkommentare aus:
    .
    WOLF POLSKI 18.04.2013 07:09
    von einer Fachkommission erstellt, die überwiegend aus Lehrkräften besteht, die das Fach vertreten. Es erfolge zudem ein Kontrolllesen durch Lehrkräfte. Vor Drucklegung werde im Ministerium die Endkontrolle durchgeführt.
    Und dann immer noch Fehler? das wirft ein bezeichnendes Licht auf alle Beteiligten. 🙂

    .
    HOMO KRITIKUS 18.04.2013 07:24
    bedauerlich, jedoch als ein Einzelfall zu betrachten
    wohl eher die Regel! Was ich da schon für Geschichten von Gymnasiallehrern gehört habe… CDs die nicht laufen… schrille Sprecherstimmen, die schon akustisch nicht zu verstehen waren, geschweige denn inhaltlich etc. Man könnte den Eindruck haben, diese Tätigkeiten werden von Hilfkräften ausgeführt, die weder Motivation noch die fachliche Qualifikation besitzen.

    .
    ARTHUR MOGGER 18.04.2013 10:51
    Das Sicherste wäre,…
    …Texte generell nur noch in Lautschrift zu verfassen; dann ist es nämlich zum Beispiel völlig egal, ob Grad oder Grat; und die Groß- und Kleinschreibung spielt ebenfalls keine Rolle.
    Noch einfacher wäre es, allen Schülern, die es 12 oder 13 Jahre physisch und psychisch in einer Schule ausgehalten haben, ein Abiturzeugnis auszureichen. Das würde solche Blamagen gänzlich ausschließen, da überhaupt kein Prüfungstext mehr formuliert werden müsste.

    Angesichts solcher Vorkommnisse sollte es nicht mehr verwundern, dass das Ministerium im Umgang mit den Theatern im Land so extrem unglücklich agiert. Sie können es offenbar nicht besser.
    Verschwörungstheoretisch lässt sich sogar annehmen, die Qualität der von den Theatern erbrachten kulturellen Leistungen soll absichtlich so dramatisch gestutzt werden, damit die Bildungsunterschiede zwischen den Ministerialen und den Theaterschaffenden nicht so auffallen.
    Vielleicht schreibt ein Sarkastiker ein aktuelles Stück GRADwanderung?!

    Zur Illustration zwei Bilder aus der SVZ, weil die Artikel dort viel zu kurze Zeit stehen bleiben:

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