Dummheit kann man nicht verbieten…

Politik ist oft ein schmutziges Geschäft. Wir erleben es gerade bei der Landes-Theaterpolitik. Die Medien sind auch nicht gerade zimperlich. Regional zeigen sie sich gegenüber dem Volkstheater wenig hilfreich. Aber was kann man erwarten, wenn nicht einmal Bundespolitiker vor unfairer Berichterstattung sicher sein können.

Da hat unser aller Bundeswirtschaftsminister eine recht dumme Formulierung benutzt und schon rast ein Shitstorm durch alle Medien. In dem geht die zweite Satzhälfte völlig unter, dabei hätte diese wirklich Beachtung verdient – auch im Hinblick auf die Theaterproblematik.

Man muss lange googeln, bevor man die originalen Satz findet: „Ich habe auch sehr frühzeitig deutlich gemacht, dass man Dummheit nicht verbieten kann, sondern man muss [sie] eben durch Bildung, Aufklärung, durch politische Maßnahmen bekämpfen…“

Naziideologie ist zweifellos viel mehr als nur Dummheit, wenngleich Dummheit vielfach ein guter Nährboden für Naziideologie sein kann. Aber dass man das rechte Gedanken-Ungut durch Bildung, Aufklärung und politische Maßnahmen bekämpfen kann und muss, sollte unstrittig sein. Hier stimme ich Herrn Rösler gerne zu und hoffe sehr, dass er im Bundeskabinett darauf hinwirkt, für Bildung, Aufklärung und politische Maßnahmen ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen.

Als Bundeswirtschaftminister weiß er, was vor wenigen Tagen der neugewählte Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) aussprach: Die Staatseinnahmen sind so hoch wie nie. – Mehr Bildung etc. ist also vom Staat bezahlbar.

„Ein Satz wie ein Hammerschlag“, schrieb die sueddeutsche.de in bezug auf die erste Satzhälfte. Schlimm, wenn selbst Journalisten nur noch sehr kurze Texte geistig verarbeiten können. Wir brauchen den Hammerschlag für die zweite Satzhälfte, für wirklich mehr Bildung usw. – und damit auch gut finanzierte Theater, selbst in Rostock!

Lassen Sie uns gemeinsam und bei jeder Gelegenheit darauf hinwirken, dass der Rösler’sche Satz keine Sprechblase bleibt. Wie die benötigten Gelder dorthin kommen, wo sie gebraucht werden, kann uns egal sein. Ausreden über Bundes- oder Länderzuständigkeiten sollten sich angesichts der Ergebnisse der NSU-Untersuchungsausschüsse erledigt haben. Die Erfahrung lehrt, wo ein Politikerwille ist, ist auch ein Weg. Nehmen wir die FDP beim Wort und zwar noch VOR der Bundestagswahl!

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3 Gedanken zu „Dummheit kann man nicht verbieten…

  1. Die Rösler’sche Position halte ich auch deshalb für bemerkenswert, weil die Mövenpick-Partei bislang immer für ein sehr differenziertes Bildungs- (und Politik-) System eintrat und mit den bildungs- und einkommensferneren Bevölkerungsschichten wenig am Hut hatte. Aber gerade in den bildungs- und einkommensferneren Schichten rekrutieren die Neonazis besonders erfolgreich. Wenn Rösler also die „Dummheit“ durch „Bildung, Aufklärung und politische Maßnahmen bekämpfen“ will, dann ist das eine bemerkenswerte Abkehr von der bisherigen FDP-Bildungspolitik. Hoffentlich kann er seine Ansicht durchsetzen… Nehmen wir ihn beim Wort!

  2. Zu was Dummheit fähig ist, zeigt der Umgang unseres Kulturministers mit dem Rostocker Max-Samuel-Haus (siehe http://max-samuel-haus.de/rettung/index.html): Da wird eine Stiftung, die sich der Vermittlung von Wissen über jüdische Geschichte und Kultur, um damit Antisemitismus und Intoleranz wirksam zu bekämpfen, wegen behebbarer Formalien in den Konkurs getrieben. Eine Stiftung, die als weiteren Schwerpunkte die inhaltliche Kinder- und Jugendarbeit sowie eine öffentlich zugängliche Bibliothek mit besonderem Schwerpunkt zur jüdischen Geschichte zum Arbeitsgegenstand hat.

    In einem der ersten Beiträge diese Blogs war zu lesen: „Vor allem sollten wir eines stets bedenken: Kultur ist die stärkste Kraft gegen rechtes Gedankenungut, nichts fürchten die Rechten so sehr wie eine vitale, gelebte Kultur. „Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Revolver“. So weit darf es nie wieder kommen (https://vtrblog.wordpress.com/page/2/).

    Die Gefährdung des Max-Samuel-Hauses durch das Bildungsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern lässt einen gruselnl

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