Dummdreist, demagogisch und rüpelhaft

Schausteller sind allenthalben gern gesehene Gäste. Doch wenn sie sich in innerstädtische Angelegenheiten einzumischen und Bevölkerung sowie Entscheider unter Druck zu setzen versuchen, dann ist das völlig unangemessen.

Die Fahrgeschäfte fürchten, sagen sie, wegen eines potentiellen Theaterneubaus auf dem Bussebart um ihre Stellplätze. Wer immer ihnen diesen Floh ins Ohr gesetzt hat:

  • Das Theater wird (wenn überhaupt) ganz sicher nicht auf den befestigten Flächen, sondern auf dem jetzigen Ödland gebaut werden. Es dürfte also nicht ein einziger bisheriger Stellplatz verloren gehen.
  • Selbst wenn es so käme: Es stünden Ausweichplätze im Stadthafen bereit. Das aber wäre zu weit, sagen die Schausteller. Nicht zu weit für die Theaterbesucher, sagen die Schausteller auch. Das klingt merkwürdig, denn Theater findet (fast) das ganze Jahr statt, „Rummel“ viel seltener (zumeist Ostern, Pflingsten, Weihnachten). Für einen Theaterbesuch zieht man sich in der Regel etwas besser an als zu einem Besuch von Marktständen und Fahrgeschäften. Macht nichts, sagen die Schausteller und fordern für sich selbst die besten Plätze: „Ja zum Theater“ – aber bitte so weit weg wie möglich!

Um ihre Forderung durchzusetzen, benahmen sich 20 Schausteller äußerst rüpelhaft:

  1. Sie blockierten noch am 8.4. den Neuen Markt mit ihren dicht an dicht geparkten großen Lkw’s.
  2. Sie lärmten mit ihren lauten Signalhörnern über eine lange Zeit hinweg, es war wirklich unerträglich. Viele Passanten, die den neuen Markt querten, hielten sich die Ohren zu und bei dem einen oder anderen mag es auch einen temporären Hörschaden gegeben haben.
  3. Sie ließen über eine halbe Stunde lang die Motoren laufen. Es war windstill auf dem Neuen Markt am8.4. zwischen 17:00 und 17:30 Uhr. So durfte jeder Passant auf dem Neuen Markt besonders viele krebserregende Dieselabgase einatmen – angeblich mit Genehmigung der Stadtverwaltung, auf die sich die Demonstranten beriefen.
  4. Insbesondere unter den vorgenannten Bedingungen war die mitgeführte Losung eine unverschämte Drohung: „Jetzt nur 20. Beim nächsten Mal können es 200 sein!“

Wem nützt das Geschrei? Da die Stadtverwaltung unlängst verlauten ließ, es seien nur noch zwei Theaterneubau-Standorte im Gespräch (Bussebart und Stadthafen), erscheint die Antwort einfach und eindeutig: Demjenigen, der den Stadthafen favorisiert! Er hatte ja auch von seinem Dienstzimmer den besten Blick auf dem Neuen Markt und das dortige Geschehen.

Bezüglich des Lärms und der Abgasbelastung ist der Senator für Umwelt gefragt: Wie konnte so ein Verhalten genehmigungsfähig sein? Seine Antwort werden wir gerne auf diesem Blog publizieren.

Bezeichnend erscheint auch (wieder einmal), dass die regionalen Zeitungen NNN und OZ Medien ausschließlich wohlwollend berichteten. Kritische Töne waren nur auf Das-ist-Rostock zu lesen (http://www.das-ist-rostock.de/artikel/49015_2013-04-06_volkskultur-gegen-hochkultur/). Über das rüpelhafte Benehmen am 8.4. allerdings auch hier kein Wort.

Und das Theater selbst? Schweigt.

Hier noch eine Beobachtung am Rande: Die“Montagsdemo“ am 8.4 wurde von einem jungen Mann mit einer VATRO-Firmenjacke koordiniert. Wer googelt, findet letztendlich VATRO auf http://www.polygongroup.com/de/, ein Unternehmen mit deutschem Hauptsitz in Olpe,  31 Niederlassungen und 650 Mitarbeitern in Deutschland. Europaweit agiert das Unternehmen als POLYGONVATRO mit 2800 Mitarbeitern und über 415 Mio. € Jahresumsatz. Da fragt man sich, was ein auf die Sanierung von Brand- und Wasserschäden spezialisiertes Unternehmen mit Fahrgeschäften zu tun hat. Vermutlich nichts, aber über einen Partner sind auch „immobilienwirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen“ im Angebot….

Ein Ausschnitt der 20 dicht aufmarschierten LKW. In jedem Führerhaus die Drohung "Jetzt nur 20. Beim nächsten Mal können es 200 sein!"

Ein Ausschnitt der 20 dicht aufmarschierten LKW. In jedem Führerhaus die Drohung „Jetzt nur 20. Beim nächsten Mal können es 200 sein!“

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Hier die Drohung noch einmal

Hier die Drohung noch einmal

Abgase - so intensiv, dass man sie selbst auf dem Foto gut erkennt. Und das 200-fach?

Abgase – so intensiv, dass man sie selbst auf dem Foto gut erkennt. Und das 200-fach?

Der Abmarsch am 8.4. gegen 17:30 Uhr

Der Abmarsch am 8.4. gegen 17:30 Uhr

Größer ging es nicht, aber gut für den Ausblick aus dem Rathaus...

Größer ging es nicht, aber gut für den Ausblick aus dem Rathaus…

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2 Gedanken zu „Dummdreist, demagogisch und rüpelhaft

  1. Welcher Platz ist mit dem Theater-Standort „Bussebart“ eigentlich gemeint? Sind es die befestigten Flächen, die die Schausteller (zeitweilig) nutzen und die ansonsten als Parkplatz dienen? Ist es nicht eher das derzeitige Ödland, das von keinem Schausteller genutzt werden kann?

    null
    Der Bussebart im Luftbild, leider eine ältere Aufnahme. Unten rechts der frühere Verlauf der Langen Straße, oben der Parkplatz, den die Schausteller nutzen, in der Mitte die Brache, auf der ein Theaterneubau errichtet werden könnte (diese Fläche ist durch den Straßenneubau etwas kleiner als im Bild). Am oberen Bildrand ist der Kanonsberg erkennbar.
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    Eine aktuelle Darstellung der Straßenverläufe und Flächen. Die grüne Fläche zwischen „Am Kanonsberg“ und „Lange Straße) ist der potentielle Standort für einen Theaterneubau.
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    Seit dem Umbau des Kanonsberges zielen alle drei Kanonen nicht mehr auf die Gewässerlinie, sondern auf das „Theater am Stadthafen“. Bewußte oder unfreiwillige Symbolik?

    • Nur eine kurze Bemerkung zu den Kanonen auf der letzten Abbildung und dem zugehörigen Kommentar:

      Die Stellung der Kanonen entspricht der damaligen Ausrichtung entsprechend der geltenden Verteidigungsstrategie. Wenn die Kanonen rechtwinklig zur heutigen Straße aufgestellt wären, wären die Schiffe, gegen die man sich hätte verteidigen wollen, schon lange hinter der damaligen, weiter nördlich gelegenen Hafensperre. Für eine Verteidigung wäre es dann wohl zu spät gewesen. Die Fläche, auf der das Hafenhaus steht, ist erst später in der heutigen Form aufgeschüttet worden.
      Vielmehr war die rechtwinklige Ausrichtung auf die Gewässerlinie in jüngster Zeit ohne Begründung – es sei denn, man hätte die „eigenen“ Anlagen und Schiffe beschießen wollen …
      Also: bewusst: ja, Symbolik: jedenfalls nicht das Theater betreffend.

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