Was hat es uns gebracht?

Das Bürgerforum am vergangenen Freitag war gut besucht. Die Regionalzeitungen berichteten mehr oder weniger ausführlich. Das Theater war nur ein Thema neben anderen, für diesen Blog natürlich das interessanteste. Ohne einen Bericht, Kommentar oder ähnliches als Startposition vorzugeben, wird hier die Frage in den Raum gestellt:

Was hat es uns gebracht?

Als Diskussionsanreiz seien hier drei Thesen genannt, die Diskussionsteilnehmer einbrachten und mit dem landläufigen Theaterbegriff nicht unbedingt vereinbar erscheinen:

  • Das bürgerliche Theater ist tot!
  • Der Neubau muss ein Multi-Kulti-Zentrum werden mit Angeboten von 8:00 bis 22:00 Uhr und darüber hinaus.
  • Der Neubau soll auch als Kongresszentrum nutzbar sein.

Auf ins Rathaus!

Städtebaulicher Ideenwettbewerb für das Areal Bussebart/Stadthafen

Für den etwa 13 Hektar großen Bereich nördlich der Langen Straße bis in den zentralen Bereich des Stadthafens an der Nordwestkante der historischen Altstadt starten nun die Vorbereitungen für die Auslobung eines städtebaulichen Ideenwettbewerbes, in dessen Ergebnis auch der endgültige Standort für das Theater gefunden werden soll.

Am Freitag, 25. Oktober 2013, sind alle interessierten Rostockerinnen und Rostocker in der Zeit von 17 Uhr bis etwa 20.30 Uhr in die Rathaushalle eingeladen, um ihre Vorstellungen und Meinungen in die Aufgabenstellung für den Ideenwettbewerb einzubringen:

  1. Zu Beginn informieren Oberbürgermeister Roland Methling, Ralph Müller, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft, und Uwe Drost, Geschäftsführer der D&K drost consult GmbH, über die Grundlagen und die Ziele des Wettbewerbes.
  2. Im Anschluss werden zwei Arbeitsgruppen jeweils für die möglichen Theaterstandorte am Bussebart bzw. im Stadthafen gebildet, um die Vorstellungen und Anregungen der Rostockerinnen und Rostocker  zusammen zutragen und zu diskutieren.
  3. Während der Veranstaltung sollen zwei Bürgervertreter aus den Reihen der Anwesenden durch das öffentliche Forum gewählt werden, welche dann als Gäste an den Preisgerichtssitzungen teilnehmen können.

Oberbürgermeister Roland Methling freut sich auf diesen Wettbewerb und den Dialog: „Das Bürgerforum zum Wettbewerb für die Bebauung der Nordseite des Neuen Marktes hat gezeigt, mit welchem Herzblut die Rostockerinnen und Rostocker an der Entwicklung ihrer Stadt teilnehmen.

Wir wollen auch für unser neues Stadttheater die nächsten Entwicklungsschritte für und vor allem mit allen gemeinsam gehen.“

Ziel des städtebaulichen Ideenwettbewerbes ist die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes, welches eine funktionale, stadträumliche und gestalterische Verbindung zwischen dem Hafen und der Stadt herstellt.

  1. Neben dem Schließen der Baulücke unterhalb des Hauses der Schifffahrt und
  2. dem Erschließen neuer Bauflächen im Stadthafen sollen
  3. die Baukanten der historischen Altstadt berücksichtigt und
  4. die vom Verkehr ausgehenden Barrieren minimiert werden. Die Innenstadt soll stadträumlich mit dem zentralen Bereich des Stadthafens und somit über die L22 direkt mit der Wasserkante an der Warnow verbunden werden.
  5. Dabei sind ein neuer Theaterstandort zu integrieren und
  6. ein Konzept für die öffentlichen Veranstaltungsflächen für den Weihnachts- und den Pfingstmarkt sowie die Hanse Sail zu entwickeln.

Im städtebaulichen Wettbewerb werden – aufgeteilt auf die zwei grundsätzlich möglichen Standorte für das Theater im Stadthafen und am Bussebart – zwei erste Preise vergeben.

Das Preisgericht hat zudem die Aufgabe, den aus ihrer Sicht zu empfehlenden Theaterstandort zu benennen.

Wie auch beim städtebaulichen Ideenwettbewerb für die Bebauung der Nordseite Neuer Markt hat die Hansestadt Rostock ein offenes, zweiphasiges Wettbewerbsverfahren gewählt. Ein offener Wettbewerb bedeutet, dass in der ersten Phase alle geeigneten Stadtplaner mit Landschaftsarchitekten und fachlicher Unterstützung von Verkehrsplanern teilnehmen können. Die durch das Preisgericht ausgewählten Wettbewerbsbeiträge der ersten Phase für die zweite Phase bleiben anonym und werden erst nach dem Ende der 2. Phase und der abschließenden Preisgerichtssitzung bekannt gegeben. Mit diesem Verfahren wird eine Gleichbehandlung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewährleistet.

Geplanter zeitlicher Ablauf des städtebaulichen Ideenwettbewerbes:

  1. Beschlussfassung der Auslobungsunterlagen:       Februar 2014
  2. Auslobung des Wettbewerbes:                                    Ende Februar 2014
  3. Preisgerichtssitzung 1. Phase:                                      Mai 2014
  4. Preisgerichtssitzung 2. Phase:                                      September 2014

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Rostock.

Anmerkung: Die Detailziele des Wettbewerbes (hier durchnumeriert von 1 bis 7) haben es in sich, inhaltlich und auch kostenmäßig. Es sollten viele Bürger teilnehmen und sich bereits im Vorfeld gut überlegen, welchen eigenen Standpunkt sie zu den Einzelzielen haben und wie sie ihn begründen können.

Mehr Details zum Thema (einschl. informativer Karte) finden sich auf das-ist-rostock.de

Theaterhorror

Es ist kaum vorstellbar und scheint doch wahr zu sein: Den Mitgliedern des VTR-Ensembles wurde zum Spielzeitende gekündigt – mit Ausnahme des Orchesters und einigen wenigen „mit Bestandsschutz“ (vielleicht auch das Tanztheater ausgenommen?). Weil der neue Intendant „seine eigenen Leute mitbringt“… Und die Betroffenen schweigen.

Ein derart geheimes (und gemeines) Vorgehen ist ein übler Vertrauensbruch gegenüber dem Publikum. Warum wohl sind die Anatevka-Vorstellungen von Anfang an so gut besucht? Das Stück ist es nicht allein, viele wollen auch „nur“ ihren Peter Bause erleben, von dem sie wissen, wo er spielt, gibt es hohe Theaterkunst. Ein anderes Beispiel: Interessieren an „Virgina Woolf“ vordergründig die Ehestreitigkeiten (die kann man schließlich auch kostenlos daheim erleben) oder sind es nicht vor allem die Vollblutkomödianten Sandra-Uma Schmitz und Ulrich K. Müller, die uns in die Vorstellung locken? Offensichtlich wollen die Verantwortlichen die Bindungen zwischen den Künstlern und ihrem Publikum zerstören, um uns Konsumenten dann ein Bespieltheater auftischen zu können. In Unkenntnis dessen, dass es zwischen Kunst und Konsum gewisse Unterschiede gibt.

Als die Musiker für mehr Gehalt und Vollbeschäftigung warnstreikten, wusten sie bereits, dass ihre Kollegen vom Sprech- und Musiktheater mehrheitlich gekündigt waren. Was für ein Egoismus (und auch unglaubliche Kurzsichtigkeit), angesichts dieses Kahlschlages nur an sich selbst zu denken!

Heute ist wieder einmal der „Tag der Einheit“ und unter den Älteren werden es immer mehr, die sagen, das hätten sie so nicht gewollt, als sie ’89 auf die Straße gingen. Bananen statt Kultur ist auch wirklich ein schlechter Tausch. In dem so traurig armen Land wurde Kultur immer großzügig finanziert, Theater einbegriffen. Und wenn einmal ein Intendant wechselte, dann kündigte man doch nicht den Schauspielern und Sängern! Ein solcher Versuch hätte vermutlich weit mehr Unwillen hervorgerufen als die beabsichtigte Einführung des „Kaffee-Mix“. Aber bei allen Fehlern, die unsere damaligen Politiker machten, SO blöd waren sie denn doch nicht. Im Gegenteil, sie gingen mehrheitlich gerne und oft ins Theater.

Ich stelle mir gerade vor, bei einem Tierheim wechselt die Leitung und es würden daher auch die Tiere freigesetzt. Was für ein Aufschrei gäbe das! Aber mit Menschen kann man es offenbar machen. „Das ist im Westen seit eh und je so üblich“, höre ich immer wieder von Theaterleuten. Wer unter solchen Bedingungen nicht wütend wird, dem ist wohl nicht zu helfen.