Ein Schmerzensschrei

„Wie schal das Ganze

Das Ende bahnt sich seinen Weg wie die vom Teufel gerittenen bellenden, geifernden Straßenhunde durch die Zäune der Städte. Das Orchester rattert, keucht wie die Dampfloks von ehedem (musikalische Leitung: Henrik Nánási). Der Rhythmus überschlägt sich. Chöre, in wildester Verfassung, überschreien sich wechselseitig. Krach im Kloster. Blut. Befallene Leiber. Stöhnende, röhrende Weiber wälzen sich am Boden. Veitstanz“, schreibt Stefan Amzoll einleitend in seiner Rezension einer Prokofchew-Inszenierung („neues deutschland“ vom 22.1.2014).

Und weiter:

Es sei, bitte schön, den Häusern möglichst immer guter Erfolg gewünscht und deren Leistungen seien angemessen gewürdigt. Doch wenn’s zu schlecht kommt, funktioniert das nicht. Wie im vorliegenden Fall. Das »Feurige Engel«-Ding, das die Komische Oper aufwendig aufs Schild hob, ist ein Flop, eine Zumutung, ein Ärgernis ohnegleichen. Das kann doch nicht wahr sein: Ein Musiktheater, in seinen zeittypischen Äußerungen lebendiges Menschenwerk seit 500 Jahren, verhakt mit den Zeitläuften oder wider diese stehend, eine Bühne, so sehr favorisiert, weil sie anderes und mehr kann als das Schauspiel, eine, die in ihren herausforderndsten Formen den Gewalten Anlass gab (und alsbald wieder geben dürfte), gedungene Buhrufer, Schlägertrupps, Polizeieinheiten vor Ort zu bringen – dies Medium schreit geradezu nach Wirklichkeit, mindestens nach ihrem Atem, und sei es ein Hauch, der das Dasein umweht und Menschliches tangiert, nach Lebensnähe, wie fern die Musik zur praktischen Welt auch stehen mag. Wer von all dem nichts hält, von dem ist nichts zu halten. Der sollte die Finger von dieser Kunstform lassen, ja überhaupt keiner Kunst professionell auf Staats- oder sonstige Kosten frönen. Freiheit der Kunst: Freiheit allen Schrotts? Noch des letzten Blödsinns?

Nun kehrt die handelsübliche »Magie« des obsessiven Bildröhrenhokuspokus auch in die sich bedeutend nennenden Häuser ein. Er ist sogar längst schon drin und geriert sich als »hochkulturell«…“

Der lesenswerte Artikel endet mit dem Wort „Opernelend“. Es bleibt nur anzumerken, dass es andere Sparten zuweilen ähnlich schlimm treiben und dass es wohl letztendlich dieses Theater-Elend und nicht (nur) das immer knapper werdende Geld ist, das die Theater umbringt.

Ob die mannheimer Konferenz der Dramaturgischen Gesellschaft da wohl gegenhalten kann?

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