Auf dem Weg zum Bespieltheater?

Am 14.1.2014 meldet die NNN online: „Generalmusikdirektor (GMD) Florian Krumpöck verlässt im Sommer das Rostocker Volkstheater. Diese Nachricht sorgt derzeit bei Klassikfreunden wie den Mitgliedern der Philharmonischen Gesellschaft für Aufregung. Denn der österreichische Pianist und Dirigent hat, seit er 2011 das Amt des GMD in Rostock übernahm, zahlreiche Konzertbesucher begeistert, die Norddeutsche Philharmonie mit viel Sinn und Kennerschaft auf einen guten Weg gebracht… „Es war nicht meine Entscheidung, nicht in Rostock zu bleiben. Ich hätte hier ursprünglich sehr gerne weiter gearbeitet.“

Einen Tag später berichtet die NNN online: „Im Streit um die Position des Rostocker Generalmusikdirektors (GMD) hat sich der designierte Intendant Sewan Latchinian durchgesetzt. Damit wird es zumindest in der kommenden Spielzeit keinen GMD am Volkstheater geben. Dies ist das Ergebnis Aufsichtsratssitzung am Donnerstag. Die Spielzeit 2014/15 soll genutzt werden, um einen neuen GMD für die Norddeutsche Philharmonie zu finden. Bis dahin werden Gastdirigenten eingeladen. Zusätzlich übernehmen Mitarbeiter des Hauses Aufgaben, die jetzt der GMD erfüllt. So soll ein Mitglied der Philharmonie künftig als Orchesterdirektor Organisatorisches übernehmen.“

Sind Gastdirigenten und ein zusätzlicher Orchesterdirektor kostengünstiger als ein (ausgezeichneter!) GMD? Wohl kaum! Kann man mit wechselnden Gastdirigenten eine vergleichbare Qualität erreichen? Mit Sicherheit nicht!

In der Printausgabe der NNN vom 15.1. erfahren wir mehr: Entgegen dem tarifvertraglich geregelten Mitspracherecht des Orchesters, das zugunsten des GMD Krumpöck votierte, lehnte der künftige Intendant die Vertragsverlängerung für den GMD ab: „Ich habe überhaupt nichts gegen den Künstler Florian Krumöck. Aber gegen den Leiter“. Weil er zu viel auswärts wäre. Die Sicht des GMD wirkt überzeugender: „Gastdirigenten bringen immer sehr viel Leben in einen musikalischen Betrieb – aber nur unter der Voraussetzung, dass es gleichzeitig eine konstante Führung gibt… Wer könnte sich eine Fußballmannschaft mit wechselnden Gaststrainern vorstellen?“

Aber genau die konstante Führung verweigert der künftige Intendant Herrn Krumpöck und bietet ihm nur an, als ständiger Gast Konzerte der Rostocker Philharmonie zu leiten, ohne Entscheidungsbefugnisse, ohne Programmrechte, ohne den Titel GMD. Das muß sich ein Florian Krumpöck wirklich nicht zumuten lassen.

Dass Herr Latchinian in dieser Frage sich selbst auf das heftigste widerspricht, ist leicht zu erkennen. Er findet, der GMD hätte zu wenig geleitet (wie kann er das als noch für Senftenberg verantwortlich überhaupt fundiert bewerten, wenn doch die betroffenen Philharmoniker es ganz anders sehen?) und schafft „deshalb“ die Funktion eines GMD völlig ab. Weil er künftig keine steile Hirarchie mehr möchte, wie er sagt. Weil er neben sich keinen anderen mit Mitspracherecht duldet, wie es scheint.

Das ist ein schmerzhafter, entscheidender Schritt zum Bespieltheater und der Aufsichtsrat geht ihn mit, ohne sich die Argumente von Herrn Krumpöck oder dem tarifvertraglich mitspracheberechtigten Orchester auch nur anzuhören. Von außen sieht das alles sehr nach „steiler Hierarchie“ aus! Eben typisch Rostock.

Immerhin liegt Rostock an der Küste und im schlimmsten Fall werden die Orchestermusiker nicht gleich entlassen, sondern als Kurkapelle an die einzelnen Badeorte ausgeliehen – ganz im Sinn des Bespieltheater-Modells.

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