Das große Schweigen

Seit Wochen ist nichts mehr vom Volkstheater Rostock zu lesen, zumindest nicht online auf Ostseezeitung, NNN, den Werbeblättchen, nicht einmal auf das-ist-rostock.de. Kein gutes Zeichen!

Dieser Blog wurde als Kommunikationsebene zwischen der Theatermannschaft und dem Theaterpublikum ins Leben gerufen. Aber die Theatermacher haben offenbar kein erkennbares Interesse daran, mit denjenigen in Kontakt zu treten, die allein es auf Dauer retten können – eben den Theatergängern. Eher im Gegenteil (?). Als Admin dieses Blogs wurde ich sogar aus dem VTR-Newsletter herausgefallen, vielleicht nur zufällig…

Es gab einmal eine gutbesuchte Podiumsdiskusssion zur Zukunft des Rostocker Theaters. Auf der durfte das Publikum zuhören, aber jeden Versuch einer Bemerkung verbat sich der Diskussionsleiter energisch.
Wohl damit es nicht noch einmal zu so einem unbotmäßigen Zwischenfall kommt, hat man eine neuerliche Diskussionsveranstaltung kurzerhand nach Berlin verlegt. Und dort in Berlin konnte sogar Eva-Maria Kröger aus dem Publikum heraus einen Zwischenruf machen!

In Rostock aber dürfen wir demnächst zu vielen, vielen Premieren gehen – mehr als die Haushaltskasse vieler Theaterfreunde hergibt. Das kann also auch keine Lösung sein, selbst wenn “Schauspieler eben – vorübergehend – weniger verdienen als Müllfahrer“ (nd, ebenda). Müllabfuhr ist Daseinsvorsorge, aber Theater?

Wie wichtig ist Kultur im allgemeinen und Theater im besonderen noch für diese Gesellschaft?

Wie wichtig ist Kultur im allgemeinen und Theater im besonderen für die „Macher“?

Wie wichtig ist den „Machern“ die (permanente) Kommunikation mit den „Konsumenten“? Reicht Beifall wirklich aus?

Fragen über Fragen, aber der Admin dieses Blogs steht offenbar allein im Regen.

Rostocker Paradoxien

Zum ersten Januar musste das Volkstheater die Spielstätte „Theater am Stadthafen (TiS)“ aufgeben, weil die Miete nicht mehr finanzierbar war. Außenstehenden wie mir erschien das paradox, denn das TiS ist im städtischen Besitz. Mit der Miete holte sich die Stadt eigentlich nur einen Teil ihrer Fördergelder fürs Theater zurück, ohne Miete sieht der kommunale Haushalt also etwas schlechter aus.

Für das VTR ist der Verlust der zweitgrößten Spielstätte sehr schmerzlich und auf jeden Fall ein Angebotsverlust sowohl hinsichtlich der Angebotspalette als auch hinsichtlich der Zuschauerplätze. Letzteres wiegt schwer, weil Theater ja heutzutage mehr nach der Anzahl der verkauften Karten als nach der Qualität der Aufführungen bewertet wird.

Der Januar ist noch gar nicht richtig vorbei, da gibt es merkwürdige Nachrichten zum TiS. Was unser Oberbürgermeister auf keinem Fall „seinem“ rostocker Theater zugestehen konnte, ist für ihn jetzt kein Problem mehr: Eine kostenlose Nutzung des TiS. Wenn das Parchimer Theater es nutzen will, so lange das Parchimer Haus wegen Baumängeln gesperrt ist (Baumängel? Da trappelt eine Nachtigall durch meine Erinnerungen…).

Eine Zeitungsente? Wohl kaum, sowohl die Schweriner Volkszeitung berichtet online in zwei Artikeln (http://www.svz.de/lokales/parchimer-zeitung/rostock-solidarisch-mit-parchim-id5581026.html; http://www.svz.de/lokales/parchimer-zeitung/intendant-ueberrascht-und-erfreut-id5588986.html) und die Ostseezeitung in der Printversion vom 1./2. Februar. Online-Leserbriefe auf der SVZ-Webseite kommentieren das Geschehen hinreichend, ich kann mir wohl eigene Betrachtungen ersparen:

Rene Dreier | 31.01.2014 | 11:21 Uhr

Kein Hüsing

Grundsätzlich ist ja lobenswert wenn sich die Theater im Land gegenseitig helfen, mir entzieht sich allerdings die Erkenntnis wie hier dem Parchimer Theaterpublikum geholfen wird.
Geht es jetzt um die Erhaltung der Arbeitsplätze der Theatermitarbeiter oder um die Aufrechterhaltung der Theaterkultur in der Stadt Parchim? Ein Spielbetrieb des Parchimer Theaters in Rostock hilft doch den Theaterfreunden aus dem Parchimer Umkreis nicht wirklich weiter und kann unter diesen Umständen auch keine Notlösung sein. Das wäre ja fast so als wenn in Parchim die Straßenbahn ausfällt, wenn`s denn eine geben würde, und in Rostock zusätzliche Bahnen fahren.
Die Theater, nicht nur in Parchim, hätten mal rechtzeitig auf kritische Stücke umsteigen sollen. Zum Beispiel von Fritz Reuter „Kein Hüsing“. Passt doch irgendwie in unsere heutige Zeit, oder?
Hofnarren in früherer Zeit erfüllten auch ihre Aufgabe.

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Heiko Heimlich | 31.01.2014 | 18:29 Uhr

Nicht nach Adam Riese

Der Rostocker Oberbürgermeister stellt also dem Parchimer Theater das „Theater am Stadthafen (TiS)“ kostenlos zur Verfügung. Wie großherzig!

Das Volkstheater Rostock (VTR) musste Anfang Januar aus dem TiS ausziehen wegen zu hoher Mieten. Obwohl das VTR und auch das TiS der Stadt Rostock gehört, kassierte die Stadt monatlich 30.000 € Miete und holte sich so ihre Theaterförderung zu großen Teilen wieder zurück. Diese 360.000 €/Jahr fehlen jetzt im Rostocker Haushalt.

Nichts desto trotz gewährt jetzt unser OB dem Parchimer Theater eine kostenlose Nutzung, die er seinem Rostocker Theater um nichts in der Welt zugestehen konnte. Merkwürdig? Mitnichten, denn der OB gilt als ausgemachter Theaterfeind. Wenn die Parchimer im TiS spielen, dann ziehen sie Zuschauer vom VTR ab und der OB kann nachweisen, dass das VTR jetzt noch unrentabler geworden ist.

Von Adam Riese stammen solche Rechenkünste nicht, eher von Machiavelli.

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Der Parchimer Intendant will das Rostocker Angebot nur annehmen, wenn keine bereits in Rostock vorhandene Angebote verdrängt werden. Aber neben der inhaltlichen Angebotskonkurrenz gibt es eine Statistikkonkurrenz, auf die auch ein Leser der SVZ hinweist:

Heiko Heimlich | 31.01.2014 | 18:40 Uhr

Konkurrenz – leider

Auch wenn keine bestehenden Angebote verdrängt werden, ist die Nutzung des Theaters am Stadthafen (TiS) durch das Parchimer Theater eine Konkurrenz zum Volkstheater (VTR). Theaterkarten sind teuer und trotz aller Theaterbegeisterung können sich die meisten Theaterbesucher nur wenige Aufführungen im Jahr leisten. Wer demnächst ins TiS zu den Parchimern geht, fehlt dem VTR in dessen Besucherstatistik. Schlimm, aber wahr. Die aktuellen Berichte über die unerwartet niedrigen Einzelhandelsumsätze im Weihnachtsgeschäft und Winterschlussverkauf sprechen Bände…

Ob wohl die Rostocker Bürgerschaft diesen Alleingang unseres OB hinnimmt, zu ihrem und unserem Schaden? Solidarität ist ein gutes Wort, aber es sollte nicht so offensichtlich missbraucht werden.