Grandioses Theater, genauso, wie es sein muß…

Theaterferien beim VTR und viele Veränderungen in der kommenden Spielzeit. Wird es ein „grandioses Theater, genauso, wie es sein muß“?

In der heutigen „Jungen Welt“ bekommt die Aufführung eines anderen Theaters diese ehrenvolle Bezeichnung: Die multinationale Theaterkommune „Ton und Kirschen“ tourt durchs Land, unter anderem mit dem frühen Brecht-Stück „Hans im Glück“. Leider reicht die Theatermacher-Landkarte nach Norden nur bis Putlitz, wo sie heute „Hans im Glück“ aufführen. Heute – also zu spät, sich auf die Räder zu machen.

Dabei berichtet die JW-Rezension von einem kaum noch steigerungsfähigem Theatererlebnis:

„Die respektvolle Annäherung an den Text geht einher mit klug entwickelten, gespenstisch genau inszenierten Bildern, realistischen und surrealistischen. Das Theater ist wild, turbulent und total.

Geradezu ein Markenzeichen von »Ton und Kirschen« ist der souveräne, entschlossene und fröhliche Umgang mit allen nur denkbaren szenischen Mitteln: Puppenspiel, Pantomime, Live­musik, Rummelplatz-Lichtor­gien – und vor allem Schauspielkunst. Sieben Darsteller spielen zum Teil mehrere Rollen, allesamt präzise gezeichnet, kräftig, auch satirisch überhöht. Und einer ist der Hans, startet als liebenswerter Depp und endet so tragisch wie uneinsichtig, all unserer Kritik und all unserer Liebe wert. Hauptdarsteller Rob Wyn Jones schafft es, die Figur trotz ihrer Einfalt den Zuschauern nahezubringen, ohne sie auch nur im Allergeringsten zu denunzieren; mit ihm zusammen stürzen wir ab aus dem fröhlichsten Treiben in den bittersten Ernst, auch in des jungen Brechts lyrische Beschreibungen der Natur. Das Ergebnis ist grandioses Theater, genauso, wie es sein muß.“

Am So., den 07. September, ab 16.00 Uhr treten „Ton und Kirschen“ mit dem Stück PERPETUUM MOBILE im Rothener Hof (Borkow – OT Rothen; http://www.rothenerhof.de) auf.

Update: Heute lese ich in einer anderen Zeitung:

„…Inszenierungsintelligenz, ein sprühendes Feuerwerk an Einfällen, immer eine sensibel-wunderzarte Musik und umwerfendes schauspielerisches Können machen die Aufführungen in Wettenbostel zum Erlebnis. … In Wettenbostel konnten Zuschauer jeder Altersstufe ein Theater erleben, das nicht »vollgefressene Unaufmerksamkeit« (Jürgen Holtz) bedient. Stattdessen waren Kreativität und Unkonventionalität im besten Sinne zu erfahren, die alle Sinne erforderten und beförderten.

… Die Jahrmarkttheater-Aufführungen entlassen den Gast immer mit der Gewissheit, dass im Chaos Klarheit möglich ist. Und auch, wenn es mit dem Mut zum Übermut spielt, ausschließlich irritationsgierig ist es nie. Der Regisseur erhebt sich nicht über den Dramentext, trotz allen Einfallsreichtums. Er lässt seine Schauspieler an keiner Stelle allein, auch wenn er sie wie in »Was ihr wollt« im Teich baden gehen lässt. Und Matschoß ist auch ein Professionalist der Einsamkeit, ohne dass Lächerlichkeit Raum griffe…“

„Es muss im Herzen bleiben“, sagt die „Macherin“ Anja Imig. Das sollte jede gute Theateraufführung. Deshalb habe Angst vor den Rostocker Stapelläufen: Mehrere Stücke nacheinander und dazwischen Essen und Trinken. Also doch ein Theater, das „vollgefressene Unaufmerksamkeit“ bedient? Wir werden sehen.

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2 Gedanken zu „Grandioses Theater, genauso, wie es sein muß…

  1. Trotz aller schauspielerischen Qualitäten – die Akteure träumen offenbar NICHT von einem Theaterneubau! Sollte das vielleicht eine Anregung für Rostock sein?

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