TTIP versus Theater

Auch Kunst ist warenförmig und damit von TTIP bedroht, schreibt Prof. Schweppendörfer heute im „neuen deutschland„. Muss man die „UNESCO-Konvention zum Schutz der kulturellen Vielfalt“ bemühen? Der Professor ist skeptisch und hat eine andere Vision:

„…was wäre, wenn die öffentliche Hand Museen, Theater, Orchester und Filmkunst aus dem Dschungel der Verwertung von Wert herausführt und »all diese Dinge« eben nicht mehr als Waren vermarktet, »für die man zahlt«? Wenn sie sie kostenlos zur Verfügung stellt? Wer mit der Idee ernst machen will, dass Kultur eine Bildungsinstitution ist, könnte doch versuchen, Kunst- und Kulturinstitute von Eintrittsgeldern zu befreien. Wenn man nicht als Mitbewerber auftritt, der Waren feilbietet, wird auch kein Wettbewerb verzerrt. Für den Besuch öffentlicher Schulen muss man schließlich auch nicht bezahlen. Man müsste ja deshalb nicht gleich die Museumspflicht einführen.

Natürlich ist solch ein Vorschlag utopisch… Aber warum nicht eine Utopie formulieren, anstatt gleich mit dem Appell an die UNESCO zu resignieren?“

Schweppendörfer hat recht: Wenn TTIP in Kraft tritt,

„könnten etwa die Tage der subventionierten deutschen Theaterlandschaft gezählt sein. Diese würde dann einen freien Wettbewerb verzerren, weil Staats- und Stadttheater, die mit öffentlichen Geldern unterstützt werden, in Konkurrenz mit Firmen träten, die Musicals produzieren. Entweder hätten dann alle Anbieter Anspruch auf Subventionen, oder es dürfte niemand von Staats wegen durch Zuschüsse privilegiert werden. Wer würde sich in der freien Theater-Marktwirtschaft beim Publikum wohl durchsetzen: die freie, experimentelle Kunst – Inszenierungen à la Claus Peymann, Frank Castorf, Christoph Marthaler und René Pollesch – oder die Leuchttürme der Kulturindustrie wie Andrew Lloyd Webber, Elton John und Udo Lindenberg?

Gilt es also, die Bastionen der Kultur gegen kommerzielle Gier zu verteidigen? Muss die Politik das »Theater als eine Bildungsinstitution« gegen das »Theater als Entertainment« verteidigen?“

Und vor allem: Soll man es allein der Politik überlassen, ob Theater als Bildungsinstitution überlebt? Sollte das nicht vor allem auch die Theatermacher und Theaterbesucher angehen? Wäre dazu nicht vor allem auch politisches Theater notwendig? Also Theater mit einem Spielplan, der ziemlich frei von Entertainment ist?

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