Nicht nur Nötigung, sondern auch Mordversuch

In der Wochenendausgabe der „Ostsee-Zeitung“ von 13./14.9.2014 finden sich zwei Beiträge, die das Gruseln lehren:

  • auf Seite 1: „Rostocker Volkstheater droht Streik zum Saisonauftakt. Politiker diskutieren Schließung von zwei der vier Sparten“.
  • Auf Seite 12: „Schließung von Sparten: ‚Unfassbar und unfair'“.

Wer direkten Zugang zur Print- oder Internetausgabe der OZ hat, kann hier mit Lesen aufhören und sollte gleich mit dem Kommentieren beginnen. Für alle ohne solch einen Zugang folgen hier einige Zitate aus den Ausführungen von Herrn Latchinian.

„Das ein Neuer am siebenten Tag erfährt, dass da offensichtlich zwischen Stadt und Land unter Ausschluss der Bürgerschaft, des Aufsichtsrats, des Volkstheaters Gespräche gelaufen sind, dass hier schon im Herbst Spartenschließungen beschlossen werden sollen, ist unfassbar und unfair…“

„Ich hatte in den Vorgesprächen zur Intendantenkür dreimal die Gelegenheit, mich mit Oberbürgermeister Roland Methling bekannt zu machen. Eine ganz wesentliche Verabredung haben wir hinter verschlosssenen Türen getroffen: Ich kriege zwei Spielzeiten Gelegenheit zu beweisen, dass vier Sparten ein Reichtum für die Hansestadt sind und nicht in erster Linie Kostenfaktor. Und, dass wir frühestens 2016 entscheiden, ob wir uns einige Sparten nicht mehr leisten können. Es war für mich eine fundamentale Verabredung, ein bisschen wie die Wette zwischen Faust und Mephisto…“

„Methling widerspricht: Man sei sich einig gewesen, „dass dauerhaft nur ein Zwei-Sparten-Theater mit Schwerpunkt Schauspiel überlebensfähig sein kann“…“

„Es ist viel Feigheit im politischen Raum…“

„Es ist unverschämt zu sagen, wir ziehen euch 500 000 ab, weil ihr nicht spurt. Da sind verantwortungslose, fahrlässige Politiker am Werk, das sollten wir Rostocker uns nicht gefallen lassen…“

„Das Theater ist ein lebendiger Organismus, nicht nur eine Anordnung von Segmenten, die man wie bei einer Titanic nach und nach fluten könnte. Man würde nicht nur verletzen, sondern mittelfristig töten…“

Wer unseren OB länger kennt, wird sich nicht wundern, dass er jetzt angesichts des Rückenwindes aus Schwerin den Schafspelz abwirft. Insider berichteten schon am Beginn seiner ersten Amtszeit von seiner Frage, ob Rostock denn überhaupt ein Theater brauche.

Natürlich hat Frank Pubantz in seiner Kolummne „Tiefschlag vor dem Spektakel“ (auch OZ 13./14.9.) recht, wenn er schreibt: „Ein Minimum an Fairness aber wäre, klar zu sagen: Wir wollen hier kein Theater mehr“. Doch seit wann sind Politiker fair?

So manchem leidenschaftlichen Theatergänger wird Brecht’s „Galilei“ einfallen, der an seine Beweissteinchen glaubte und an die Möglichkeit, die Abgesandten der Inquisition durch einen Blick durchs Fernrohr von der Existenz der Jupitermonde zu überzeugen. Was die Abgesandten ablehnten, weil sie ja wussten, was richtig war und was nicht.

Vielleicht sollte man doch mehr politisches Theater spielen, das nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern weit darüber hinaus zu engagierter Solidarität?

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Ein Gedanke zu „Nicht nur Nötigung, sondern auch Mordversuch

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