Ein wirklich langfristiger Plan wird deutlich

Mit dem zwischen unserer Stadtverwaltung  und dem Kultusministerium Schwerin ausgehandelten Entwurf einer „Zielvereinbarung“ scheint sich die Langzeitstrategie unseres OB Methling auszuzahlen: Rostock braucht kein Theater! Entertainment reicht.

Vor vielen Jahren, auf dem ersten Volkstheater-Forum der Ostseezeitung, entschlüpfte Herrn Methling der bemerkenswerte Satz, „2015 wird das Große Haus ohnehin abgerissen“. Keiner fragte nach dem Wieso und Warum, der Satz ging undank der Wegmoderation des OZ-Chefredakteurs und der euphorischen Neubau-Diskussion unter.

Dann folgte die Schließung des Großen Hauses wegen Brandgefahr. Zwar erst ein halbes Jahr nach Erstellung des Brandgutachtens, dafür dann aber ganz plötzlich – von einem Tag auf den anderen. Dass die Theaterbesucher ein halbes Jahr lang in wirklicher oder vermeintlicher Lebensgefahr geschwebt hatten, interessierte nicht einmal die Staatsanwaltschaft. Und die im Gutachten u.a. ausgewiesenen „Brandlasten“ der Garderoben am Hauptfluchtweg existieren auch heute noch unverändert fort.

Der dritte für den arglosen Externen erkennbare Streich war die erzwungene Kündigung des Theaters im Stadthafen (TiS) wegen zu hoher Mieten. Danach bot unser aller OB das vom Volkstheater leergezogene TiS dem Parchimer Theater zur unentgeltlichen Nutzung an. Jetzt dürfen andere darin spielen, was ihnen gegönnt sei – aber wäre unsere Bürgerschaft nicht zur Nachfrage verpflichtet, warum das VTR eine extraorbitant hohe Miete zu zahlen hatten und die anderen das Theaterchen kostenlos nutzen dürfen? Auch persönliche Nachfragen bei Bürgerschaftsabgeordneten brachten keine Erklärung, geschweige denn Klarheit.

Inzwischen ist das anvisierte Jahr 2015 ganz nah und die Entmietung des Großen Hauses entsprechend dringlich. Da kommen die Sparpläne aus Schwerin gerade recht und für allerhöchstens zwei Sparten reicht ja das TiS allemal aus! Wozu hat man es schließlich bespielbar gehalten?

Ja aber wo bleiben denn bei so einem Desaster die OB-Träume von einem Theater-Neubau am oder besser noch im Wasser? Die wird er doch, Investoren- und Tiefbau-Lobby-geneigt, nicht einfach so aufgeben? Die Antwort lesen wir heute in der Ostsee-Zeitung: Der Projektentwickler Harald Lochotzke reicht eine Bauvoranfrage für die Multifunktionshalle auf der Warnow in Rostock ein.

„Multifunktionshalle“ klingt ja ausgesprochen unverdächtig.

Wer stellt da Lachotzke’s Licht so unter den Scheffel? Auf der Webseite von Herrn Lachotzke steht im Klartext: „ Zauberhut – Theater am Stadthafen. Das Theater auf der Warnow – eine Vision für Rostock. Ein neues, ein spektakuläres Theater für Rostock! 50 Meter hoch aus Glas und Stahl, stabil auf Pfählen in der Warnow ruhend – das könnte ein neues Stück Rostock sein. Heimstatt für unser Theater …“

Für die Umsetzung hatte Lachotzke schon im Juni 1013 ganz konkrete Vorstellungen:

„Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Hansestadt einigen sich über die Grundstücksfrage. Infrastruktur, wie Straßen und Brücken, sowie die eigentliche Fläche werden vom Land und der Stadt für die Investition zur Verfügung gestellt. Die Investition selbst erfolgt im Rahmen eines Private Partnership-Projektes.

Nach Fertigstellung des Rohbaus wird die Fläche, die für die Theaternutzung vorgesehen ist, der Stadt zur Verfügung gestellt. Sie wird quasi Teil einer sich dann bildenden Eigentümergemeinschaft…“

Auf geschenktem Grund und Boden bauen hat natürlich was. Dennoch stieg, wenn ich mich recht erinnere, die ursprüngliche Kostenschätzung von 2013 (50 Mio.) schon mal um 10 Mio. auf aktuell 60 Mio. Euro, aber das ist ohnehin noch nicht das Ende der Fahnenstange. Unser aller OB veranschlagte für einen Theaterneubau am Wasser schließlich schon mal bis zu 80 Mio. €. Hier geht es schließlich auch nicht darum, Kultur einzusparen!

Noch Fragen?

Details u.a. hier.

https://de-de.facebook.com/Rostocks/posts/762737320434238 (auch den Kommentar von Sascha Miske nicht übersehen)

http://www.tvrostock.de/index.php/video/2528/nachgefragt-sendung-vom-04-09-2014/#

Aktuelle OZ-Leserumfrage zum Vorhaben: http://www.ostsee-zeitung.de/content/collectedinfo/5289727

https://vtrblog.wordpress.com/2013/06/06/alles-nur-zufall/


Weitere Berichte und Statements:

Dr. Sybille Bachmann: Unkultur beenden!
Torsten Koplin: Zielvereinbarung mit Volkstheater Rostock – Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt
Norddeutsche Neueste Nachrichten: Das Theater kämpft
ebenda: Theater statt shoppen
ebenda: OB verbietet Haustarif-Verhandlungen
ebenda: Premiere mit Vorspiel
ebenda: Intendant: Wir behalten alle vier Sparten
ebenda: Wir müssen Stadtgespräch werden

 

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