(M)ein Rückblick aufs OZ-Theaterforum

Das ist mein ganz persönlicher, kurzer Rückblick auf das OZ-Theaterforum am 18.12.2014. Viel lieber würde ich die Ostsee-Zeitungs-Beiträge zum Geschehen zitieren, aber leider sind sie online bezahlpflichtig. Bei allem Verständnis dafür, dass die OZ ausreichend Einnahmen generieren muss – gelebte Solidarität mit dem Theater sähe anders aus.

Im Podium waren vertreten

  • für das Volkstheater der Intendant Sewan Latchinian und der Geschäftsführer Stefan Rosinski,
  • für die Parteien in der Bürgerschaft (in alphabetischer Reihenfolge) Frau Sybille Bachmann (Rostocker Bund), Frau Simone Briese-Finke (Grüne), Frau Eva-Marria Kröger (Linke), Herr Berthold Majerus (CDU) und Herr Thoralf Sens (SPD).
  • Abgesagt hatten sowohl der OB Roland Methling als auch Bildungsminister Mathias Brodkorb.

Gleich anfangs gab es unter anderem das Statement „Theater gehört nicht zu den prioritären Aufgaben der Daseinsvorsorge“ (Majerus).

Das ist zwar formalrechtlich korrekt. Man kann es entweder als obrigkeitsgegeben hinnehmen oder als mündiger Bürger in Frage stellen, weil menschgemacht. Podium und Publikum tendierten eindeutig zu letzterem. Die Diskussion arbeitete sich vom Ausgangspunkt „Wieviel Theater können wir finanzieren?“ über die Fragen „Wieviel Theater wollen wir?“, „Wieviel Theater brauchen wir?“ hin zur weitgehend gemeinsamen Auffassung, dass Theater ein ganz wichtiges Kulturelement und Kultur für die Gesellschaft unverzichtbar ist. „Kultur ist Daseinsvorsorge“ (Bachmann).

Natürlich kam die Diskussion immer wieder auf die finanziellen Rahmensetzungen zurück, insbesondere auf die kommunalen Anteile. Zu recht, denn eine Stadt, die wenig auf ihr Theater hält, darf kaum auf ausreichende externe Unterstützung hoffen

Daneben klangen immer wieder auch Landesaspekte an: Kann M-V auf Dauer Tourismusland Nr. 1 sein, wenn es seine kulturellen Potentiale zu wenig fördert? Sind gute kulturelle Angebote nicht auch ein unverzichtbares Gegengewicht zu den Wachstumstendenzen am rechten Rand?

Da wäre eigentlich auch die Bundesebene anzusprechen, denn so lange beispielsweise die Bundeswehr ausgiebig modernisiert wird und in vielen, kostspieligen Auslandseinsätzen aktiv ist, finden Steuergelder auf sehr kulturfeindliche Art und Weise Verwendung und fehlen auf Landes- und kommunaler Ebene. Ja aber, Kultur ist doch Ländersache? Bildung auch, doch wenn es die Herrschenden wollen, dann können sie beispielsweise ganz schnell das „Kooperationsverbot“ zwischen Bundesregierung und den Ländern für den universitäteren Bereich kippen. Könnten sie also auch im Kulturbereich… Das wäre bessere Daseinsvorsorge als die „Verteidigung unserer Interessen am Hindukusch“. Zumal das Interesse an den dortigen Rohstoffressourcen merklich geringer ausfiele, wenn die im Abfall enthaltenen Ressoucen nicht verbrannt, sondern recycelt würden (wobei wir wieder bei Veolia und den rund 8 Mio. € aus dem Stadtsäckel sind).

Muss ich explizit erwähnen, dass Podium und Publikum mehrheitlich ein Vierspartentheater erhalten wollen?

Nach rund 2 ½ Stunden Zuhören und Mitdiskutieren war das Publikum noch immer sehr munter, aber der Gastgeber läutete den Abschluss ein. Schade, dass kaum junge Leute anwesend waren. Reicht es den Studenten, gegen die RSAG-Fahrpreiserhöhungen zu protestieren, weil sie ja so überaus kostengünstig ins Theater gehen können? Und wo waren jene jungen Leute, die sich andernorts so überaus antikapitalistisch ausgeben? Sprechblasen sind offenbar doch bequemer als konkretes Engagement.

 

 

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