Lasst Euch nichts vormachen

Lasst euch nichts vormachen: Das Volkstheater nach dem „2+2“-Kahlschlag wäre kein lebendiges Stadttheater mehr, das schöne teure leere neue Gebäude wäre dann eine leere Hülse und Steuergeldverschwendung.

Auszüge aus dem Ergebnisbericht – Ergänzende Aufgabenstellung zum Ergebnis des Berichtes der Strukturuntersuchung des Volkstheaters Rostock vom Januar 2014 actori GmbH:

„5. Szenarien 2 und 3 – Schließung von Tanz und Musiktheater

Die nichtmonetären Auswirkungen einer Realisierung von Szenario 2 oder Szenario 3 wären massiv. Diese beiden Szenarien bedeuten nicht nur einen strukturellen Eingriff in ein bestehendes Haus, sondern nach dem Verlust von Tanz- und Musiktheatersparte das Ende des VTR in der heutigen Form als Mehrspartenhaus, das durch ein Schauspielhaus mit lose angebundenem Orchester ersetzt würde. Dies würde das Ende der bestehenden Theatertradition bedeuten und einen weitgehenden konzeptionellen und künstlerischen Neuanfang notwendig machen.
Durch die teilweise oder gänzliche Streichung eigener Produktionen in den Sparten würde sich die Zahl der Vorstellungen in den betroffenen Sparten um bis zu 70% verringern – dies zeigt, dass auch der quantitative Einschnitt in den Sparten massiv ist und nicht durch Gastspiele ausgeglichen werden kann. Zusätzlich ist der qualitative Verlust zu beachten, dass Rostock in Szenario 2 und 3 nicht mehr selbständige Produktionsstätte für die Kunstform Musiktheater und Tanz sein würde; eingekaufte Vorstellungen werden in viel geringerem Maße auf spezifische Problemstellungen und Erwartungen des Publikums in Rostock eingehen können. Das Orchester verlöre mit dem Musiktheater einen Großteil seiner bisherigen Aufgaben; 41% der Orchesterdienste werden heute für das Musiktheater verwendet. Eine Neudefinition seiner Tätigkeiten wäre notwendig und es ist fraglich, ob etwa durch Tourneen eine ähnlich hohe Auslastung der Kapazitäten erreicht werden kann.

Langfristig könnte dies die Existenz des Orchesters bedrohen. Die sozialen Auswirkungen wären ebenfalls erheblich; das VTR würde je nach Ausgestaltung des Szenarios rund 80 Mitarbeiter verlieren – d.h. mehr als 30% der heutigen Belegschaft. (…)

Die Einsparungen in den beiden Szenarien ergeben sich hauptsächlich durch die Auflösung der beiden Ensembles, des Chores sowie durch den Abbau aller weiteren Stellen in den beiden Sparten. Neben diesen Personalkosten, die eindeutig den beiden Sparten zuzuordnen sind, fallen anteilig auch fixe Personalkosten in allgemeinen Bereichen weg, u.a. in Veranstaltungstechnik oder beim Hauspersonal. Einnahmeverluste für die rund 100 wegfallenden Vorstellungen in den beiden Sparten werden von den Einsparungen abgezogen. Ebenso wird ein zu erwartender Rückgang der Sponsoringeinnahmen miteinkalkuliert. (…)

Insgesamt zeigen die Verluste bei Vorstellungen und bei Besuchern bei Tanz (rund 50% weniger Vorstellungen), bei Musiktheater (rund 70% weniger Vorstellungen) und Kinder- und Jugendtheater (rund 50% der Zuschauer) den Verlust im kulturellen Angebot. Für die Stadt Rostock kommt ein Identitätsverlust hinzu: Rostock scheidet bei Szenario 2 und 3 aus dem Kreis der Städte mit einer eigenen Kunstproduktion in diesen Sparten aus.“

Ergänzung aus der Fußnote (10): „Tatsächlich zeigt sich in vielen Städten, dass ein Opernpublikum durch ein regelmäßiges Angebot erst „herangezogen“ werden muss – bei einem stark ausgedünnten Angebot besteht die Gefahr, dass das Theater in dieser Sparte überhaupt nicht mehr ins Bewusstsein rückt und dann selbst die verbleibenden Vorstellungen mit geringen Auslastungen konfrontiert würden.“

Es es ist eine Wiederholung, aber ich wiederhole es eben: Auf der Streichliste stehen 21 der 26 ausländischen Ensemblemitglieder des Volkstheaters, vor allem des Opernchors des Tanztheaters: Fast alle Ausländer im Theater sollen gefeuert werden – Menschen, die seit Jahren und Jahrzehnten mit ihren Familien in Rostock leben, arbeiten, Steuern bezahlen und unsere Stadt sowie ihre Kultur bereichern. Ein Armutszeugnis für Rostock und ein Verlust für eine Stadt, die interkulturell sein wollen sollte. Dank der Stimmen von Grünen, CDU, SPD und UFR/FDP in der Rostocker Bürgerschaft.

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