Kleine Chronik

Das ist nur der Versuch einer kleinen Chronik an Hand öffentlicher Informationen

20.07.2015

NDR: Radikales Volkstheater-Sparkonzept vorgelegt

Die Geschäftsführung des Volkstheaters Rostock hat am Montag [also heute, am 20.7.] in einem internen Papier die geforderte Komplettschließung des Musik- und Tanztheaters sowie die Halbierung des Schauspielensembles ins Spiel gebracht. Das würde die Entlassung von 92 Mitarbeitern bis 2020 bedeuten… Latchinian und Rosinski verweisen darauf, dass der verbleibende Restbetrieb auf ein Konzerthaus mit einem Bespieltheater im Schauspiel hinauslaufe.

 

21.07.2015

Schon einen Tag später berichtet der NDR: OB Methling kritisiert „Bankrotterklärung“.

Das Papier sei „eine einzige Bankrotterklärung“, sagte Methling am Dienstag. Dass es harte Einschnitte geben müsse, sei allen bewusst. Es sei aber unverständlich, dass die Theater-Geschäftsführung sich nicht an dem orientiert habe, was Gutachter zuvor aufgezeichnet hätten. „Stattdessen wird ein Papier vorgelegt, das eine einzige Inszenierung auf der Basis der größtmöglichen Provokation zu sein scheint.“

 

23.09.2015

„Sparzwang am Volkstheater Rostock: „Ich hab’ es gern unbequem“ (Latchinian)“: Berliner Zeitung

 

25.09.2015: „Es fehlt die tragende bürgerliche Schicht… dies ist eine postsozialistische Gesellschaft, die nicht weiß, wie sie mit sich selbst kommunizieren soll“: Rosinski in der taz.

 

28.09.2015

Wenn das Theater alles gibt“: das-ist-rostock.de

21.10.2015

Landtagsfraktion Die Grünen: 399/2015 Berger: Theater in MV bundesweit am effektivsten – Kosten für Theatergutachten laufen dagegen aus dem Ruder

 

23.10.2015

Erste wissenschaftlich fundierte Studie in Deutschland über ökonomische Auswirkungen eines Konzerthaus-Betriebs

 

03.11.2015

Junge Welt: Nicht neutral bleiben! „Die Gewehre der Frau Carrar“ an der Vorpommerschen Landesbühne.

 

03.11.2015

Ostsee-Zeitung: Oberbürgermeister entmachtet Theater-Chefs

 

04.11.2015

Die Quelle der vorstehend zitierten Ostsee-Zeitungs-Meldung ist die erst auf den 4.11.2015 datierte „Vorlage – 2015/IV/1241“, federführend ist die städtische „zentrale Steuerung“ (wer bitte ist das?!), federführender Senator ist der OB. Das Anliegen dieser Vorlage ist:

Es wurde bereits im Zusammenhang mit der damals getroffenen Entscheidung zur Kündigung von Herrn Latchinian darauf hingewiesen, dass ihm grundsätzlich das Recht zusteht, seine Meinung zu äußern, diese Freiheit jedoch in einem Spannungsverhältnis zu den Pflichten steht, die ein Anstellungsvertrag im Verhältnis zwischen einer Gesellschaft und einem Geschäftsführer begründet.

Fünf Anlagen (in Form von Zeitungsartikeln) belegen die vielfache „Verletzung“ dieses Spannungsverhältnisses in Form von gelb markierten Textstellen. Beispiele:

Wir wurden genötigt, ein Konzept aufzustellen mit von der Politik vorgegebenen Rahmenbedingungen.

Die Bürgerschaft hat die Materie abgegeben.

Im Volkstheater arbeiteten zu Wendezeiten 725 Menschen, heute sind es 280… Wird weiter gespart, werden Theater zerstört.

Dass man meint, bei der Kultur am schmerzfreiesten kürzen zu können, deute ich als Ausdruck einer gewissen geistigen Verwahrlosung, die leider in unserer Gesellschaft passiert.

Ergebnis wäre nicht das 2+2-Sparten-Modell, sondern „1,5 plus null“.

Für Latchinian ist Demokratie gleichbedeutend mit Theater, wer das schließen will, handle schlicht „undemokratisch“.

Die fünfte Anlage, ein Artikel in der Ostsee-Zeitung vom 28.8.2015, ist leider nicht zu öffnen. Aber auch ohne die dort erfolgten Markierungen wird in den vorstehend nur auszugsweise zitierten, vom OB offenbar zutiefst mißbilligten Textstellen deutlich, wie viel Meinungsfreiheit unser OB seinen Untergebenen zubilligt – nämlich KEINE! Nicht einmal Faktennennung (obige Zitate 1-3) ist erlaubt!

 

04.11.2015

NDR: Theaterleitung von Planungen ausgeschlossen

 

04.11.2015

Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer: Rostocks Theater-Groteske erlebt den nächsten Akt: OB Methling „übernimmt“

 

04.11.2015

Das Magazin Klassic.com meldet: Volkstheater Rostock: Theaterleitung von Planungen ausgeschlossen

 

05.11.2015

Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger: „Der Oberbürgermeister als Künstler

 

05.11.2015

Die „neue musikzeitung“ ist vermutlich sehr dicht dran am Hintergrund allen Geschehens:

Rostock: Die Theater-Demontage in Meck-Pomm nimmt groteske Formen an: Zunächst hatte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling vergeblich versucht, den Intendanten des Volkstheaters Sewan Latchinian fristlos zu kündigen. Die Bürgerschaft der Hansestadt machte die Kündigung rückgängig. Nun geht Methling einen anderen Weg: Er übernimmt den Job einfach selbst und entbindet Latchinian und Geschäftsführer Stefan Rosinski kurzerhand jeglicher Verantwortung oder Mitarbeit am Zukunftskonzept. Methling schreibt es lieber selbst mit Hilfe von gutbezahlten externen Beratern. Die kommen aus Methlings Immobilien-Umfeld und planen die Umgestaltung aller Spielstätten in sogenannte volkstümlich-erotische „Vergnügungs-Zentren“.

Endlich benennt es mal einer, das „Immobilien-Umfeld“!

 

06.11.2015

Schnelle Bestätigung der nmz-Ahnung: Heute berichtet die Ostsee-Zeitung über einen „50-Millionen-Euro-Plan für den Stadthafen“. 50 Millionen Euro, so viel soll(te) das neue Theater kosten. Für diesen Neubau muss die Theatertruppe schon ab 2016 löhnen. Und nun wird aus dem Theaterneubau ein „Erlebniszentrum zur Seefahrt“, ein „Maritim-Touristisches Zentrum“! Dagegen ist ja der Lachotzke-Vorschlag des „Zuckerhutes“ ein reines Zuckerschlecken. Deshalb wohl wurde die Bauanfrage für den Zuckerhut auch umgehen negativ beschieden.

Ein Leserbrief bringt es wohl auf den Punkt: Nachtigall, ick hör dir trapsen!


 

ab 07.11.2015

Sturmwache für das Volkstheater Rostock

Eine Aktion für Toleranz und Solidarität: Die Bürger der Hansestadt Rostock wachen über ihre Stadt und ihr Volkstheater

Beginnend mit dem 7. November 2015, dem Premierentag von Henrik Ibsens EIN VOLKSFEIND in der Regie von Sewan Latchinian, werden Bürger Rostocks an Vorstellungstagen jeweils abends 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn symbolisch ihren Dienst als Sturmwächter antreten.

Dank der Unterstützung der Initiative Volkstheater Rostock werden Bürger auf dem „Turm“ -der Außentreppe am Probebühnentrakt – für ca. 15 Minuten den Posten eines Sturmwächters beziehen, um mit einem Glockenschlag und persönlichen Worten die Bewohner der Hansestadt einschließlich ihres Theaters vor nächtlichen Stürmen oder Unwettern zu warnen.

Hintergrund dieser symbolischen Besetzung des Hauses ist die andauernde und breite Beteiligung Rostocker Bürger, die im Frühjahr mit großer Vehemenz für das Theater mit allen vier Sparten und die Weiterarbeit des entlassenen Intendanten Sewan Latchinian demonstrierten. Diese öffentliche Partizipation soll angesichts der aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen mit einer langfristigen Aktion weiter erhalten und neu angeregt werden und die STURMWACHE als Plattform der demokratischen Meinungsäußerung genutzt werden.

Interessenbekundungen für diese außergewöhnliche Aufgabe eines „Sturmwächters“ hat es bereits gegeben. Weiterhin aufgerufen, sich als Sturmwächter zu beteiligen, sind bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die einen besonderen Bezug zu Rostock haben und natürlich alle interessierten Bürger der Hansestadt Rostock, die sich für das Begehren des Volkstheaters aussprechen wollen.

Interessierte können sich an die Initiative Volkstheater Rostock wenden: Jan-Ole Ziegeler, initiative-volkstheater@gmx.de oder Tel.: 0172 2796835.


 

Und natürlich die „Initiative Volkstheater Rostock“, immer tagaktuell, immer engagiert:

https://www.facebook.com/groups/1553224471592219/


 

Auch eine kleine Nebenfrage sollte erlaubt sein: Woher kommt plötzlich das viele Geld für die Unterbringung und Versorgung der vielen Flüchtlinge? Kultur ist nicht teilbar, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft sind ein unverzichtbares Element. Aber gerade wegen der Unteilbarkeit: Woher kommt jetzt plötzlich das viele Geld?

http://www.ostsee-zeitung.de/Extra/Meinung/Leserbriefe/Politik-Leserbriefe/Unterbringung-von-Asylbewerbern

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