Wenn ich das Wort Kultur höre…

„Wenn ich Kultur höre … entsichere ich meinen Browning“, heißt es im „Schlageter“-Stück des SS-Oberführers und Präsidenten der Reichsschrifttumskammer Hanns Johst. Göring übernahm das Zitat und benutzte es so oft, dass es gemeinläufig ihm zugeschrieben wird.

Warum dieser Rückblick? Vielleicht, weil es heute nur auf den ersten Blick etwas subtiler zuzugehen scheint, aber auf den zweiten Blick genauso brachial? Die Zustände am VTR müssen hier nicht explitzit genannt werden. Jetzt wird in Rostock die Kulturkeule gegen das LOHRO geschwungen (und wiederum ist der Herr Oberbürgermeister direkt beteiligt) und andernorts löst man mal eben so ein Orchester auf, in Mainz wird das Theater angezeigt, weil die Mitarbeiter im Theater Beethovens „Ode an die Freude“ sangen, während sich die AFD vor dem Theater versammelte…

Nein, eine Pistole brauchen die heutigen Kulturschänder nicht, es reichen ein Dreh am Geldhahn, Repressionen und willlfährige Schlechtschreiber…

Jetzt auch noch offene Angriffe auf die „Initiative Volkstheater“ – was ist denn das für ein schlechter Stil, liebe OZ? Die Ostsee-Zeitung war einmal Vorreiter für den Erhalt des vierspartigen Volkstheaters und setzte mit ihren OZ-Foren zum VTR Maßstäbe für ein deutliches Engagement zugunsten unseres Stadtheaters – solange Frank Pubantz die rostocker Lokalredaktion leitete. Inzwischen hat wohl nicht nur die Kulturredaktion eine offenbar gänzlich andere Sicht aufs Theater, wie der  Verriß der Tanztheater-Uraufführung „Robin Hood“ durch Kulturchef Michael Meyer überdeutlich zum Ausdruck brachte. Nun kann man ja einen Theaterbesuch mental sehr unterschiedlich erleben und entsprechend darüber berichten. Aber von einem verantwortlichen Redakteur darf man auch ein Mindestmaß an Sachlichkeit erwarten, sonst läuft es für den arglosen Leser auf Desinformation hinaus.

Was hat das mit den Angriffen auf die Initiative Volkstheater zu tun? Auf seiner eigenen Facebook-Seite hat sich ein Initiative-Mitglied sehr über die ungerechte „Kritik“ des Herrn Meyer geärgert und dazu geschrieben. Das wurde dann (facebook-üblich) auf der FB der Initiative rebloggt. Was zumindest den Herrn Andreas Meyer, Leiter der Lokalredaktion Rostock, offenbar so sehr ärgerte, dass er in der heutigen OZ-Ausgabe eine regelrechte Schlammschlacht eröffnete. Unter der Überschrift „Krawall statt Konsens“ erfahren die OZ-Leser, „im Ton vergreift sich die Initiative gewaltig“. Beweis: Ein (in Zahlen: 1)  Mitglied der Initiative „beschimpfte“ auf der Facebooik-Seite der Initiative unlängst die Rostocker als „sattgefressen“ und „lahm“ (richtig, aber auch nicht zielführend: Der Schreiber beschrieb die wenig theater-engagierte Mehrheit der Rostocker als sattgefressen und lahm). Ein einziges Mitglied von rund zweitausend ist für Herrn Meyer repräsentativ! Noch dazu auf Facebook, diesem Netzwerk, auf dem es von unbedarften, dümmlichen, oft pubertär wirkenden Kommentaren nur so wimmelt! Wäre mir FB nicht viel zu unangenehm und hätte ich die Zeit, würde ich jetzt auf der FB-Seite der OZ gründeln gehen. Herr Meyer, nach Ihrer Vorgehensweise wäre das Ergebnis für die OZ katastrophal!

Dank Herrn Meyer können wir aber die meyer’sche (Un-) Logik mit seinen eigenen Worten kurz zusammenfassen: „Wer geht schon gerne ins Theater, wenn er sich vorher beschimpfen lassen muss?“

Und ich selbst frage mich, warum zahlst Du noch für die OZ, statt für das eingesparte Geld ins Theater zu gehen?

 

 

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8 Gedanken zu „Wenn ich das Wort Kultur höre…

  1. Genau so sehe ich das auch. Die Ostseezeitung macht Stimmung gegen das Theater und Initiative Volkstheater . Zunächst der Verriss des Tanzmärchens, zu dem ein Besucher nachfolgende Leserzuschrift an die OZ gesandt hat (Auszüge): „Ich saß in einer komplett ausverkauften Vorstellung unter 500 begeisterten Kindern. Dieses getanzte Weihnachtsmärchen ist überaus gelungen. Die Kinder, die ich erlebte, haben sich sehr gern, ganz naiv und ohne Probleme auf das „Nicht Sprechen“ eingelassen. Hoher künstlerischer Anspruch sowie lustvolle Erzählweise sind nicht an den Kindern vorbeigegangen. Wie Robin Hoods Pfeile ins Schwarze , traf sie die Tanzcompagnie wieder einmal mitten ins Herz.“ Und gestern nun die Diffamierung der Initiative Volkstheater, die seit dem Frühjahr mit so viel, national weithin beachteten Aktionen versucht hat, ihr Theater zu retten und die der Herr Meyer mit Krawall betitelt. Das ist eine Unverschämtheit und ich habe auch einen entsprechenden Leserbrief verfasst. Mal sehen, ob er gedruckt wird. Gute Idee übrigens: Bei solch einer Berichterstattung bleibt eigentlich nur eine Konsequenz – das Geld hier zu sparen und es ins Theater zu tragen.

  2. Helge Bothur, Mitglied der Bürgerschaft Rostock (Fraktion Die Linke) und Mitglied der „Initiative Volkstheater“, schrieb auf Facebook den folgenden Text und bat darum, ihn zu teilen, teilen, teilen. Was ich hiermit gerne mache:

    Helge Bothur
    24. November um 22:47

    Chaos bei der Mehrheit.

    SPD, Grüne und UFR wollen in Rostock mit Teilen der CDU eine Struktur durchsetzen, die sie 2+2 nennen.
    Wie?
    Davon haben sie bis heute keine Ahnung.
    Sie haben allerdings – die Mehrheit.

    Roland Methling ist das „scheißegal“.
    Er will das Theater kurz und klein.
    Irgendeinen Saal findet er schon, für einige Konzerte und ein bißchen eingekauftes Schauspiel.

    Das passt nicht zusammen.
    Das verunsichert.
    Das kostet mindestens 90 Arbeitsplätze.
    Wenn nicht sogar alle.

    Dabei hat die Geschäftsführung des Theaters eine Konzeption, wonach niemand entlassen werden muss.
    Eine Konzeption, die uns gutes Theater erlaubt.
    Eine Konzeption für unsere Kinder und Enkel.

    Ich fordere, dieses Konzept umzusetzen.
    Wer sich dieser Forderung anschließen mag, teile und teile und teile diese Zeilen.

    Ahoi. Helge Bothur

  3. Bitte objektiv bleiben!

    Ina Weber aus Leipzig
    Artikel veröffentlicht: Donnerstag, 26.11.2015 18:58 Uhr | Artikel aktualisiert: Freitag, 27.11.2015 16:46 Uhr
    Tweet

    Leipzig. Als ehemalige Rostockerin verfolge ich auch aus der Ferne das ungute Geschehen um das Rostocker Volkstheater, lese neben der OZ auch die öffentliche Facebookseite der „Initiative Volkstheater“.

    Der heutige OZ-Beitrag „Krawall statt Konsens“ wirkt auf mich sehr unprofessionell. Ein Journalist, noch dazu ein leitender, sollte objektiv bleiben können, auch wenn er sich über Texte anderer ärgert!

    Im Artikel heißt es: „Bei Facebook beschimpfte ein Mitglied der Unterstützer jüngst die Rostocker. Die … seien ’satt gefressen‘ und ‚lahm'“. DIE Rostocker, also alle, also wohl auch sich selbst? Doch wohl kaum!

    Ein nebenstehender Artikel trägt die Unterüberschrift „Nach einem Jahr hat die ‚Initiative Volkstheater‘ bei Politik und Bürgern kaum etwas erreicht – Spartenschließung steht kurz bevor“. Und im Text wird festgestellt, „dass die Initiative bei ihrem Kurs jedoch nur bedingt Rückhalt seitens der Bevölkerung bekommt…“

    Also ich empfinde das als Schlechtschreiben. Ehrenamtliches Engagement wird immer hochgelobt, aber im Konkreten so gerne bekrittelt. Die Mitglieder der „Initiative Volkstheater“ tun das, was ihnen möglich ist. Die Wirkung ihres Tuns ist zu gering. Darf man sie deshalb schlecht schreiben?

  4. Ein Leserbrief in der OZ (http://www.ostsee-zeitung.de/Extra/Meinung/Leserbriefe/zum-Artikel-Theaterfreunde-fuer-die-Rettung-des-Theaters):

    zum Artikel: Theaterfreunde für die Rettung des Theaters

    Gabriele Friesecke aus Rostock
    Artikel veröffentlicht: Donnerstag, 26.11.2015 14:15 Uhr | Artikel aktualisiert: Freitag, 27.11.2015 16:23 Uhr
    Tweet

    Rostock. Warum werden all die Bemühungen der Initiative Volkstheater, in Rostock das Vierspartenhaus zu erhalten, durch Redakteure der Ostseezeitung so gering geschätzt? Der Verein hat seit Monaten u.a. mehrere Demos für Theater und Intendanten mit mehreren Hundert Teilnehmern organisiert, bundesweit Prominente aus Kultur und Politik als Unterstützer gewonnen, für bundesweites Augenmerk gesorgt. Die Mitglieder haben sicher viele Stunden ihrer Freizeit geopfert. Von all dem kein Wort im Artikel der OZ. Sollte solches bürgerschaftliches Engagement nicht gerade besonders gewürdigt werden und dabei jeder noch so kleine Erfolg Erwähnung finden? Und warum drückt ein Redakteur der Lokalredaktion der Initiative Volkstheater den Stempel „Krawall statt Konsens“ auf? Das ist unwahr und unfair. Ich war selbst aus Überzeugung und Liebe zum Rostocker Volkstheater bei allen Demos und Aktionen dabei. Von Krawall keine Spur. Im Gegenteil. Und darum nutze ich als Rostockerin hier die Möglichkeit, all den Mitgliedern und Sympathisanten der Initiative für ihr Engagement zu danken und zu bitten, auf jeden Fall weiter zu machen.

    Gabriele Friesecke

  5. Ein Leserbrief von Meike Müller an die Ostseezeitung,
    dokumentiert auf der Facebook-Seite der „Initiative Volkstheater“ und von dort übernommen:

    Meike Müller
    27. November um 20:35

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Ihre Berichterstattung zum Thema Volkstheater und damit zum Erhalt
    oder zur Zerstörung kultureller Traditionen in unserer Stadt macht mich
    betroffen.
    Besonders in der Ausgabe vom 26. November( aber nicht nur da) äußern
    Sie sich einseitig und sehr negativ zum Geschehen am Volkstheater und
    zur Arbeit der „Initiative Volkstheater“. Alle drei Artikel in dieser
    Ausgabe sind sehr tendenziös. Die wahren Hintergünde werden nicht
    sachlich herausgearbeitet. Sie schreiben das Volkstheater in der
    Öffentlichkeit klein. Sie machen es verächtlich. Ein Beispiel dafür ist
    der Verriss zur Premiere des Tanztheaters „Robin Hood“ zwei Tage zuvor.
    Wer innerlich schwankt, geht nach den vielen Abwertungen eventuell in
    keine Vorstellung mehr. Gegen solche lügenhafte Berichterstattung
    verwahre ich mich entschieden.
    In Wirklichkeit brillieren das Tanztheater (Robin Hood u. a.), das
    Schauspiel ( der Volksfeind ua.), das Musiktheater (Entführung aus dem
    Serail) und die Norddeutsche Phlharmonie mit ihren Konzerten
    unverdrossen. Ich möchte betonen: heldenmütig. Während in der OZ von
    „Chaos“, vom Kampf „für Rettung im letzten Akt“, von „Krawall statt
    Konsens“ die Rede ist,-alles negative Bilder, die vielleicht den Tod des
    Theaters schon vorwegnehmen sollen, arbeiten die künstlerischen und
    technischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf hohem Niveau zur Freude
    ihrer Zuschauer.
    Verächtlich machen Sie auch die Bürgerinitiative zur Rettung des
    Volkstheaters. Sie habe nichts erreicht.- Erreicht hatte die
    „Initiative“ mit vielen Rostockerinnen und Rostockern die Rücknahme der
    fristlosen Kündigung des Intendanten,
    Sie hat mit Benefitzkonzerten und anderen Aktionen auf die Situation
    des Volkstheaters aufmerksam gemacht. Ihr demokratisches Recht haben die
    Mitglieder bei Protesten auf der Hanse-Sail und bei der
    Olympia-Berwerbung öffentlich gemacht. Sie haben mit Sonderaktionen zur
    Verschönerung des Theatergeländes beigetragen, sie haben Sammelaktionen
    für Flüchtlinge gestartet u.v.a.m.

    Fürsprecher wie Armin Müller-Stahl, Corinna Harfourch, die
    Bundestagsabgeordnete Christine Lyciega, Charly Hübner, Peter Sodann,
    der chilenische Schriftsteller Omar Saavedra Santis, der Rapper Materia,
    der Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse, Hans-Jügen Mende, die
    Sängerin Manuela Uhl, die Pianistin Jana Simowitch, Claus Peymann,
    Professor Klinkmann aus Rostock und viele, viele andere haben Bedenken
    gegen den Kulturabbau geäußert, und klar für den Erhalt des Hauses in
    seiner jetzigen Form geworben.
    Sie haben den Bürgermeister und einen Tel der Bürgerschaft beschworen,
    die Vernichtungspläne ad acta zu legen. Vergeblich. Viele Protestbriefe
    wurden geschrieben, auf die in den seltesten Fällen einer der Adressaten
    antwortete (Bürgerschaft:SPD, CDU; Die Grünen)
    Das Aktuellste an Aktionen sind die Sturmwache-Reden vor den
    Vorstellungenauf dem Theaterplatz. Auch die OZ hat Briefe für den
    Bestand des Theaters erhalten. Wieviel sind es denn gewesen. Wäre mal
    interessant zu wissen.
    Das Aktuellste z. Z. sind die Sturmwachen-Reden vor den Vorstellungen.
    Alles wurde von der “ Initiativer Volkstheater“ angeschoben und am Leben
    gehalten. Wer das als Journalist so abwertet, der hat keine Ahnung, will
    keine Ahnung haben.
    Mit freundlichen Grüßen M. Müller

  6. Ein Leserbrief von Bernadette Kaiser an die Ostseezeitung,
    dokumentiert auf der Facebook-Seite der “Initiative Volkstheater” und von dort übernommen:

    Bernadette Kaiser
    27. November um 19:19

    Aua, was waren das für Äußerungen über das Theater und die „Initiative Volkstheater „? Als kulturell interessierte Bürgerin bin ich entsetzt über das was mit unserem Theater passiert! Es kann nicht sein, dass die gewählten Volksvertreter, nur weil ihre persönlichen Interessen woanders liegen und finanzielle Mittel ( immer) knapp sind – mit einem Federstrich Jahrhunderte gewachsene Theaterkultur vernichten!
    Ich wünsche mir von Ihnen (der OZ) und auch besonders von gewissen Leuten, die das Volk vertreten, dass sie erkennen, wie wichtig und positiv ein /unser Theater ist und dass es mit allen Mitteln unterstützt werden muss. In Rostock gibt es von Seiten der Stadt anstatt Freude, Stolz und Dankbarkeit, die für die Mühen aller Theatermitarbeiter und das interessante Angebot angesagt wären, nur abwertende und kleinliche Ränkespiele mit dem Ziel, das Theater und den Intendanten zu diskreditieren. Ich bin traurig über diese Entwicklung und kann nicht verstehen, weshalb Herr Methling das Theater „klein“ haben will. Wozu ein neues Haus? Für Großveranstaltungen? Und wozu bitte die HMT? Ich hoffe, dass alle, die meiner Meinung sind und das Theater in seiner Vielfalt behalten wollen, sich laut zu Wort melden! Letzte Möglichkeit!! Susanne Kaiser. (Meine Mail an die OZ)

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