„Sturmwächter“-Rede von Malte Rüther für den Erhalt des Rostocker Volkstheaters vom 17.11.2015 (Es gilt das gesprochene Wort)

Rostockerinnen und Rostocker, ich freue mich: Wir sehen heute ein Konzert mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock, mit den Gesangssolisten und dem Opernchor des Rostocker Volkstheaters. Musik, die etwas bedeutet und in uns bewegt. Gesang, die elementarste aller Musikformen, der die Seele direkt berührt, Kultur, die uns bereichert, die unser Rostock bereichert.

Rostockerinnen und Rostocker, ich bin traurig: Das, was wir heute erleben dürfen, wird es wohl bald in Rostock nicht mehr geben. Schuld sind Engstirnigkeit und Kleingeist, die Arroganz der Macht und der unbedingte Wille, ein wertvolles Kulturgut zu zerstören, in Teilen der Rostocker Kommunalpolitik und der Landespolitik.

Rostockerinnen und Rostocker, lasst Euch nicht für dumm verkaufen! Euer Oberbürgermeister und Euer so genannter „Bildungsminister“ sagen, dass sie das Volkstheater „zukunftsfähig“ machen wollen – und zu diesem Zweck sollen alle Gesangssolisten, der gesamte Opernchor und alle Tänzer entlassen werden, eiskalt und ersatzlos gestrichen. Was ist das für denn eine kranke Logik? Das Theater wird nicht zukunftsfähig gemacht, es wird weggespart. Arbeitsamt statt Tanz, Hartz IV statt Opern. Das „halbe“ Volkstheater ohne Sänger und Tänzer soll aber die gleichen Einnahmen erzielen wie bisher das ganze – Ein wahres Wunderwerk der Rechenkunst, Herr Methling, Herr Brodkorb, jeder Controller würde für so etwas entlassen werden (Vielleicht entlassen die Wähler ja Sie auch…)!

Wer rechnen kann, weiß, dass dieses Modell nicht aufgeht, dass Orchester und Schauspiel als nächstes auf der Streichliste stehen werden, und dass das von den eingesparten Gehältern des entlassenen Ensembles finanzierte Gebäude am Bussebart vieles sein wird, nur kein lebendiges Theater, allenfalls eine Mehrzweckhalle. Doch von Alternativen will der OB nichts wissen: Schließlich hat er die Spartenschließung ja angekündigt, nun setzt er sie um, ob sie Sinn ergibt, ist da egal.

Mit Verlaub, Herr Methling: Wer so viel Energie darauf verwendet, ein funktionierendes, erstklassiges und angesehenes Theaterensemble mit einem über Jahrzehnte gewachsenen Opernchor zu zerschlagen, obwohl es Alternativen gibt, die finanzierbar sind; wer so viel Energie darauf verwendet, ein Unesco – Weltkulturerbe, nämlich die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft, hier in Rostock zu zerstören,–der betreibt Bilderstürmerei und nichts anderes. So viel Meinungsfreiheit muss sein, auch in Rostock! Mich können Sie ja nicht entlassen…

Rostockerinnen und Rostocker,

wollt ihr das alles wirklich? Oder wollt Ihr Eurer Theater behalten, pflegen, nach vorne bringen, mehr von Euren Mitbürgern für Orchester, Gesang, Tanz und Schauspiel begeistern und ins Theater mitbringen? Und wollt Ihr mit Euren Kindern und Enkeln noch in die Oper und ins Tanztheater gehen können? Oder sollen sie in einer Stadt der kulturellen Verflachung aufwachsen, deren Kultur nur noch Jahrmärkte sind?

Rostockerinnen und Rostocker, das Theater gehört nicht Herrn Methling und Herrn Brodkorb – Es ist Euer Volkstheater, tut etwas dafür! Sagt Euren Stadtoberen, dass Ihr das Volkstheater weiter wollt. Sagt ihnen, dass Ihr die Opern wollt, dass Ihr den Tanz wollt, dass Ihr Euren Opernchor, Eure Sänger und Tänzer behalten wollt. Sagt Euren Stadtoberen, dass Ihr keine leere Betonhülle am Bussebart wollt, als Mausoleum eines einst lebendigen Volkstheaters . Seid solidarisch, Rostocker! Und Sagt Eurem Bildungsminister, sagt Eurem Ministerpräsidenten: Wenn Ihr das Rostocker Volkstheater weiter zerstört, wenn Ihr Eure Politik nicht ändert, könnt Ihr Eure Wiederwahl vergessen.

Und, Mitglieder der Bürgerschaft: Lasst auch Ihr Euch nicht für dumm verkaufen, so wie am 25. Februar, als Ihr für den Kahlschlag als „Kompromiss“ getarnt, als ihr für die Spartenschließung als „Kooperation“ getarnt gestimmt habt, Frau Briese-Finke, Herr Dr. Terpe. Knickt nicht wieder und weiter ein, stoppt den Kulturkahlschlag stoppt die Totengräber des Volkstheaters jetzt!

Es lebe das Rostocker Volkstheater mit allen seinen Sparten und Mitarbeitern!

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