Ein offener Brief an den Bildungsminister und die SPD-Landtagsabgeordneten

In einem offenen Brief vom 27.01.2016 hat die Initiative Volkstheater
Rostock die SPD-Landtagsabgeordneten aus Rostock und Umgebung, Jochen Schulte, Julian Barlen, Rainer Albrecht, Ralf Mucha, Stefanie Drese sowie Mathias Brodkorb, aufgefordert, die vorhandene Ungleichbehandlung des Volkstheaters Rostock sowie die Bevorzugung des Staatstheaters Schwerin aufzuklären und für eine gerechte und transparente Kulturpolitik zu sorgen, welche die Herstellung gleicher Bedingungen an den Theatern des Landes einschließt. Nachfolgend der Text des wortgleich an die vorgenannten Abgeordneten gerichteten Schreibens:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Aus Medienberichten haben wir erfahren, dass es hinsichtlich der
Theaterfinanzierung im Lande zu starken Disparitäten kommt. In einem
bisher unter Verschluss gehaltenen Gutachten der „GSA GmbH“ wird
attestiert, dass dem Staatstheater Schwerin von Seiten des Landes
erhebliche Vorteile gewährt werden, darunter Sonderzahlungen, die
unentgeltliche Nutzung von Immobilien, Insolvenzhilfen, die eine deutliche
Bevorzugung vor anderen Theatern des Landes darstellen (siehe OZ vom 18. Januar 2016).

Besonders drastisch zeigt sich die damit verbundene Benachteiligung
anderer Theater im Falle des Volkstheaters Rostock. Hier wird die
Gewährung von Zuschüssen und die Gewährung von Beihilfen für einen
Theaterneubau an eine eigens abgeschlossene, unrealistische
„Zielvereinbarung“ geknüpft, deren finanzielle Vorgaben einen radikalen
Abbau des Ensembles des Volkstheaters unvermeidlich machen würde. Damit steht das Rostocker Theater unter besonderem Druck, den Rahmenbedingungen der sogenannten Zielvereinbarung zu genügen, wird es zu Spartenschließungen und erheblichen Einschnitten am Angebot gezwungen. Im Ergebnis steht ein einseitiger kultureller Kahlschlag zu Lasten Rostocks, welcher der Bedeutung unserer Stadt als „Regiopole“ und als einziger Großstadt des Landes diametral entgegensteht.

Andererseits steht das Schweriner Theater trotz Sonderzahlungen und
weiterer Hilfen des Landes immer wieder vor der Insolvenz, was nun auch in einer breiten Öffentlichkeit die Frage nach Sinn und Erfolg der
sogenannten „Theaterreform“ aufwirft. In der öffentlichen Wahrnehmung ist diese „Reform“ zum Scheitern verurteilt, da sie einseitig auf Kürzungen,
Spartenschließungen, Angebotskürzungen und inkompatible Fusionen setzt und -bei seit 20 Jahren unveränderter finanzieller Ausstattung- den Theatern des Landes ein Sterben auf Raten verordnet. Es muss einen neuen Ansatz in der Kulturpolitik des Landes geben, zu dem auch eine bessere Finanzierung der Häuser gehören muss, wie in allen anderen Bundesländern inzwischen erfolgt.

Sehr geehrter Damen und Herren, wir wenden uns an Sie sowie die weiteren Abgeordneten aus Rostock und Umgebung, da wir Sie in der Pflicht sehen, die vorhandene Ungleichbehandlung des Volkstheaters Rostock und die Bevorzugung des Staatstheaters Schwerin aufzuklären und für eine gerechte und transparente Kulturpolitik zu sorgen, welche die Herstellung gleicher Bedingungen an den Theatern des Landes einschließt. Ihre Aufgabe ist es, im Interesse Ihrer Wähler zu handeln und verfehlten politischen Projekten wie der „Theaterreform“ eine Absage zu erteilen.

Bitte lassen Sie uns Ihre Stellungnahme zukommen.

Mit freundlichen Grüßen

für die „Initiative Volkstheater Rostock“

Thomas Kunzmann Malte Rüther Jan-Ole Ziegeler Dr. Christine Lucyga

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Die „Initiative Volkstheater Rostock“ ist eine private, unabhängige und überparteiliche Kooperative Rostocker Bürger, initiiert von Thomas Kunzmann, Malte Rüther und Jan-Ole Ziegeler, zum Erhalt des Rostocker Volkstheaters mit den Sparten Tanztheater, Musiktheater, Schauspiel und der Norddeutschen Philharmonie.

Schirmherren der „Initiative Volkstheater“ sind der Schauspieler Charly
Hübner und die Bundestagsabgeordnete a.D. Dr. Christine Lucyga.

Übernommen von der Facebookseite der „Initiative Volkstheater Rostock“.

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