Demo kreativ am 27.02.2016 ab 15:00 Uhr auf dem Neuen Markt in Rostock

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Die Initiative Volkstheater Rostock, die Rostocker Singakademie und die Schauspiel-Studierenden der Hochschule für Musik und Theater Rostock rufen die
Rostocker Bürgerschaft
auf, die Farce um das Volkstheater Rostock zu beenden. Wir verlangen, dass diese als höchstes Gremium der Stadt in den Punkten Struktur, umzusetzendes Konzept und Personal zum Erhalt der vier Sparten Schauspiel, Oper, Tanz- und Musiktheater die erforderlichen Entscheidungen trifft und beschließt.
Darüber hinaus fordern wir die Mitglieder der Rostocker Bürgerschaft auf, mehr Bürgernähe in die Stadtpolitik zu bringen.
Wir rufen auf zur Demonstration:
DEMOKReATIEv – Theater findet Stadt
27.02.16, 15.00 Uhr auf dem Rostocker Neuen Markt vor dem Rathaus
Wir laden alle Rostocker Bürgerinitiativen, Vereine und Interessensgemeinschaften, die mehr Fairness und Bürgerbeteiligung in der Hansestadt wollen, ein, uns zu unterstützen.
Beiträge, Reden, Banner und Schilder sind herzlich willkommen.
Aus dem Programm:
Sewan Latchinian gibt Schillers „Die Bürgschaft“
Reden von Sturmwächter für das Volkstheater Rostock
Stellungnahme des Fördervereins des Rostocker Volkstheaters
Offenes Mikrofon
Gemeinsamer Chor
Bekanntgabe des Standes der Laufenden Petition
Im Anschluss an die Demo findet ein gemeinsamer Umzug vor das Volkstheater statt.


Zum Warmmachen einige Zitate aus der Facebook-Seite der „Initiative Volkstheater Rostock“:


Stand der Bürgerbeteiligung in Rostock

„Politik ist Sache von uns allen, wir müssen uns aktiv in unsere eigenen Angelegenheiten einmischen, im Sinne eines Bündnisses für Rostock: Ein Bündnis von Menschen, die mit ihren Ideen, Erfahrungen und ihrer Arbeit Rostock voran bringen. Unabhängig von Parteizugehörigkeit, Weltanschauung und persönlichen Interessen soll das Wohl der Stadt im Mittelpunkt stehen.“

Roland Methling, 2005, wieder gefunden von Jan-Ole Ziegeler


Liebe Freundinnen, Freunde, Besucherinnen und Besucher des VTR, Schon Novalis (1772-1801) wusste,
“ Das Theater ist die tätige Reflexion des Menschen über sich“.
Das gilt in unsere moderne Informationsgesellshaft mehr denn je, setzt doch Theater mit seine VIELFÄLTIGEN Mitteln ganz eigene und besondere Akzente – auch abseits der allgegenwärtigem Informationsflut der Medien.
Theater bedeutet Kreativität, Kraft und Leidenschaft. Mögen die zahlreichen Angebote auch in dem vor uns liegenden Konzert- und Theaterjahr die Lust auf, Musik, Tanz und Schauspiel wecken. Toi, toi,toi und Vorhand auf zur 115. Spielzeit!

Roland Methling 2009, wieder gefunden von Any Dos Santos Lima


Erst gucken. Dann streichen.
Ich habe den klassischen „Schwanensee“ geliebt. Mir ihn immer wieder live angesehen – und sogar im Fernsehen. Seit Sonnabend ist das vorbei. Mir fällt dazu nur noch das Wort, pardon an alle Ballettliebhaber, kitschig ein. Weil Katja Taranu das Stück von all seinem Kitsch befreit – und seine Schönheit dadurch nur noch deutlicher zum Ausdruck gebracht hat. Angefangen beim Titel, von „Schwanensee“ zu „Schwarz//Weiß//Schwan“. Bis hin zum Ende, über dessen vermeintliche Happiness zu streiten lohnt: Siegfried bekommt seine Odette zurück. Der Vorhang aber senkt sich über das Paar, während es mit dem Rücken zueinander sitzt, jeder für sich, ohne auch nur einen Blick zu wechseln. Und die böse Zauberin tanzt (triumphiert?) zwischen ihnen. Gucken Sie selbst – Tanztheater at its best. Wie es in Berlin, Hamburg, München nicht schöner zu sehen sein dürfte – und das die Bürgerschaft mit dem Oberbürgermeister voran aus dem Theaterspielplan zu streichen beschlossen hat. Und das im Übrigen gerade mal drei Prozent des gesamten Theaterbudgets verschluckt…
Herr Methling, ich bin natürlich nicht bei jeder Tanztheatervorstellung, aber bei einigen. Sie habe ich dort nie gesehen. Falls Sie sich das bislang wirklich haben entgehen lassen – ich wünschte mir, Sie würden das jetzt nachholen. Sehen Sie sich „Schwarz//Weiß//Schwan“ an – und was Sie der Stadt wegzunehmen beabsichtigen. Und nehmen Sie alle Mitglieder der Bürgerschaft, die nicht bei der Premiere waren, gleich mit. Es lohnt sich. RENATE GUNDLACH


“ Bitte hört auf, dieses Theater noch weiter zu verkleinern, kaputtzusparen, in Frage zu stellen, schlechtzureden und von der Arbeit abzuhalten, in dem ich Oper, Schauspiel, Ballett, ja auch Konzertmusik kennen und lieben gelernt habe, an dessen Aufführungen ich bis heute aktuelle Inszenierungen, auch ‚gößerer‘ Häuser messe, dessen Wichtigkeit von noch mehr Rostockern als bisher erkannt werden sollte, weil es sonst nämlich schnell zu spät sein könnte, das über Jahrzehnte hinweg zurecht kontrovers, aber eben diskutiert worden ist, das etwas zu sagen hat zu alldem, was uns gegenwärtig fassunglos und zornig macht, das auch darum in dieser Stadt selbstverständlich sein und verteidigt werden sollte, damit es sich mutig und mit leichtem Sinn wieder mit unseren, nämlich der Menschheit Problemen auseinandersetzen kann und sich nicht mit absurden Sparauflagen, bürokratischen Schikanen, überflüssigen Brandmauern und politisch künstlerischer Ignoranz zu beschäftigen gezwungen ist! Verbeugung und Applaus für all diejenigen am VTR, die trotz allem gerade in den letzten Jahren mit soviel Hingabe und Talent ihre wunderbaren Berufe ausüben mit immer wieder bemerkenswerten Ergebnissen, die jetzt uns, ihr Publikum brauchen und die wir brauchen, mehr denn je!
Jörg Lichtenstein, Rostocker
Jörg Lichtenstein, Salzburg, Österreich“


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Eure Solidarität und Unterstützung ist am Samstag um 15 Uhr vorm Rostocker Rathaus bitter nötig. Dazu sind Beiträge, Reden, Banner und Schilder herzlich willkommen! Denn beim Kampf ums Volkstheater geht’s längst um Grundfragen der Demokratie und der Bürgermitsprache. Für viele Menschen zeigt sich hier unverhohlen die ignorante Fratze der Macht gegenüber dem, was Bürger wollen und fachkompetente Kulturschaffende für sinnvoll erachten. Daher seid samstags bitte möglichst zahlreich dabei, bringt Freunde und Bekannte mit für einen unüberhörbaren Protest! Quelle: FB-Seite von CONEXEUM.


160225-auf-die-barrikadenZum Matrosendenkmal: „Die Gedenkstätte hat die politischen Veränderungen überdauert, weil sie früher wie heute Menschen ermutigen soll, selbstbestimmt zu handeln, weil es zum Bild der Stadt Rostock gehört und Rostock sich zu seiner Geschichte bekennt.“ (Hannelore Rabe).

Quelle für Bild und Text: FB-Seite von CONEXEUM.


Update

Informationen zur Demo gibt es u.a. hier:

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Petition für den Erhalt der vier Sparten am Volkstheater gestartet

Die „Initiative Volkstheater Rostock“ hat am Donnerstag, den 18. Februar, eine Online-Petition zum Erhalt der vier Sparten auf der Plattform change.org gestartet. Darin wird die Rostocker Bürgerschaft aufgefordert, dem Gesellschafterbeschluss des Oberbürgermeisters, das Volkstheater in ein Opernhaus umzuwandeln, zu widersprechen, um gemeinsam mit der Theatergeschäftsführung und den Verantwortlichen in Stadt und Land an einem tragbaren Zukunftsmodell für das Volkstheater als Vierspartenhaus zu arbeiten.

Die Petition kann online mit Namens- und Adressangabe  von jedem unterzeichnet werden. Die Online-Petition findet man im Internet unter der Adresse http://chn.ge/1PKQaf0

Die Petition für den Erhalt der Mühlendammschleuse unterzeichneten mehr als sechstausend Bürger. Mindestens so viel Unterschriften sollte auch die Theaterpetition erreichen. Bootsschleppe statt Schleuse, Opernhaus statt Vierspartentheater – es ist das gleiche Grundschema. Nur dass beim Theaterthema alles noch viel undurchsichtiger, verlogener, brutaler abläuft und sich wie ein Menetekel in Bezug auf das Bürgerwohl darstellt. Daher sollten auch diejenigen Bürger in Rostock und Umgebung unterschreiben, die keine Theaterfans sind, sich aber nicht der Entscheidungswillkür einiger weniger unterwerfen wollen.

Schlimmer geht’s nimmer? DOCH!

Schlimmer kann es nicht mehr kommen? DOCH!

Vor Jahrzehnten brachte mein damaliger Chef von einer Polenreise folgenden Witz mit:

Treffen sich ein Pessimist und ein Optimist. Der Optimist klagt und jammert: Es ist wirklich schlimm, ganz ganz schlimm, schlimmer kann es wirklich nicht mehr kommen! Erwidert der Pessimist kurz und knapp: DOCH!

Die Ostsee-Zeitung vermeldet am 16. Februar 2016,

Latchinian soll gehen… Die Rostocker Politik hat entschieden: Der Volkstheater-Intendant soll vorzeitig seinen Hut nehmen. Als Abfindung sind 150 000 Euro im Gespräch… Der Hauptausschuss der Bürgerschaft gab für diesen Schritt am Dienstagabend „grünes Licht“ und beauftragte das Rathaus, eine „gütliche Trennung“ herbeizuführen… Auch der kaufmännische Geschäftsführer, Stefan Rosinski, soll seinen Stuhl vorzeitig räumen. Er wechselt im Sommer als neuer Theater-Chef nach Halle. Ein Mitarbeiter von Methling habe ihm angeboten, sofort zu gehen – bei vollen Bezügen bis Vertragsende. Das berichten Aufsichtsräte.

Geld ist also genug da, entgegen allem bisherigen Lamento aus dem Rathaus. Die von der Stadt für den Erhalt der Mühlendammschleuse aufzubringenden 200.000 € fehlten angeblich im Stadtsäckel. Logisch, denn würden sie aufgebracht, könnte ein Kulturgut erhalten und genutzt werden. Jetzt ist (im Haushalt nicht geplantes!) Geld in vergleichbarer Größenordnung plötzlich vorhanden. Auch logisch, denn es soll für die Beschädigung (man könnte auch Vernichtung sagen)  eines anderen Kulturgutes eingesetzt werden.

Die Norddeutschen Neuesten Nachrichten berichten sogar,

Laut geheimem Dringlichkeitsantrag der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 hat der Intendant selbst „gegenüber der Hansestadt Rostock sein Begehren auf sofortige Auflösung des Anstellungsverhältnisses erklärt“

Und IOCO (nach eigener Darstellung „ein non-profit Unternehmen mit Kultur-Fans. Wir schreiben, kommentieren, berichten über Kulturelles aus dem deutschen Sprachraum“) weiß besonders viel:

„Die Gesellschafterversammlung hat auf Empfehlung des Aufsichtsrates die Geschäftsführung des Volkstheaters beauftragt, die Modellvariante „Opernhaus“ mit einem eigenen Ensemble bei Musiktheater und Orchester in Übereinstimmung mit der mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern geschlossenen Zielvereinbarung weiter zu entwickeln.“

Die Gesellschafterversammlung? Hat der OB als einziger Gesellschafter sich mit sich selbst versammelt oder ist Schlimmeres im Spiel?

„Basis ist eine bereits gemeinsam mit dem Beteiligungsmanagement der Hansestadt Rostock und der Geschäftsführung der Volkstheater Rostock konzipierte Opernhaus-Variante.“

Wer ist das Beteiligungsmanagement der Hansestadt Rostock? Wieso erfahren wir erst jetzt und nur dank IOCO, dass die Opernhaus-Variante einvernehmlich mit der VTR-Geschäftsführung entstand? War und ist alles andere wirklich nur Theaterdonner?

Man könnte auf Grund des Stils dieser Veröffentlichung annehmen, dass der Text vom OB – natürlich im Einvernehmen mit dem OB (siehe „Gesellschafterversammlung“) – stammt.

Weiter im kruden Text:

„„Das Volkstheater muss nun auf der Basis der Zielvereinbarung das Konzept für ein erfolgreiches Opernhaus weiter detailliert ausarbeiten“, so OB Methling .“

Wer bitte muss detailliert ausarbeiten, wenn die beiden Geschäftsführer umgehend ihre Funktion niederlegen sollen? Das wohlgemerkt drei Tage vor dem Termin, ein Konzept für die Weiterführung des VTR vorzulegen. Wer hat da so grosse Angst, trotz der kürze der Zeit und trotz der irrealen Forderungen im „Gesellschafterbeschluss“ könnte ein überzeugend gutes Konzept herauskommen?

Unterzeichnet ist der etwas wirre IOCO-Artikel mit „PMHR 01.02.2016“. Meint das eine PresseMitteilung der Hansestadt Rostock vom 1.2.16? Auf der Webseite der Hansestadt gibt es keine diesbezügliche PM, aber dort ist man insgesamt geizig und verschweigt auch die aktuelle OB-PM (in der er sich selbst zitiert). Um die lesen zu können, braucht es einen ganz besonderen Link, den ich auf der FB-Seite „Initiative Volkstheater“ fand. Auf der Rathaus-Webseite fand ich den Text nicht.

Am 17.02.16 meldet die SVZ, dass unser aller OB den Intendanten behalten will:

„Im Dauerstreit um das Rostocker Volkstheater hat sich Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) für eine Weiterbeschäftigung des Intendanten Sewan Latchinian ausgesprochen. Der Hauptausschuss hatte den OB am Dienstag beauftragt, mit Latchinian eine einvernehmliche Lösung zur Vertragsaufhebung zu erreichen. Hintergrund ist die Entscheidung, das traditionsreiche Vier-Sparten-Haus auf zwei Sparten zu reduzieren und gleichzeitig ein Opernhaus als künftigen Theaterbau zu etablieren. … „Ich trage den Beschluss des Hauptausschusses nicht mit…“

Also doch ein doppelter OB?

Weitere Texte zum Thema:

NDR

NMZ

FOCUS

Die Ostsee-Zeitung vom 18.02.16 berichtet:

„„Latchinian ist mein wichtigster Mann“, sagt Methling heute.“

Andreas Meier im heutigen OZ-Kommentar (ebenda):

Ausgerechnet Methling! Der Rathaus-Chef, der Theater- Intendant Latchinian noch vor einem Jahr aus der Stadt jagen wollte, will ihn nun unbedingt halten. Latchinian sei sein „wichtigster Mann“.

Sorry, Herr OB, das kauft Ihnen niemand ab….

Nein, das Theater braucht definitiv keine Schauspielsparte. Dafür hat die Hansestadt ja das Rathaus.

Selbst Insider haben die Überblick verloren, wer denn nun welches Ziel verfolgt.

 

 

 

Die Stadt – das bin ICH!

Seit wenigen Tagen gibt es einen Gesellschafterbeschluss – und nicht nur ich bin ziemlich verwirrt, wie wir so schnell in den Absolutismus zurückfallen konnten.

Eigentlich begann meine Verwirrtheit schon, als das VTR in eine GmbH umgewandelt wurde. So eine Firma gründet man vorzugsweise zum Zweck der Gewinnerzielung, was ja bei einem Stadttheater bekanntlich kaum möglich ist. Zwar sind als Zweck auch künstlerische Ziele erlaubt, aber was bringt das im konkreten Fall? Die begrenzte Haftung schützt ja bei Überschuldung nur vor externen Gläubigern, aber die kamen und kommen im konkreten Fall nicht vor. Außer man will sich bei abrupter Schließung des VTR vor den Gehalts- und Lohnforderungen der Beschäftigten schützen. Ob das allerdings funktionieren würde, bleibt offen, denn der einzige Gesellschafter der VTR-GmbH ist nun mal die Stadt Rostock und jede Kommune hat eine Fürsorgepflicht für ihre Bürger…

Jetzt also ein „Gesellschafterbeschluss“, bekannt gegeben drei Tage vor einer außerordentlichen Sitzung der rostocker Bürgerschaft zu eben diesem Thema. Da fragt man sich doch, wer ist der wirkliche Souverän in dieser Stadt?

Wikipedia meint: In der Theorie ist das Volk Inhaber der Souveränität (→ Volkssouveränität). Doch je nach Verfassung hat das Volk mehr oder weniger die Souveränität oder Staatsgewalt an Staatsoberhaupt und Parlament delegiert.

In Rostock sind die Einwohner eindeutig nicht der Souverän. Ihre „Souveränität“ beschränkt sich darauf, die Mitglieder der Bürgerschaft wählen zu dürfen, brav Steuern. Gebühren und Abgaben zu bezahlen und den Beschlüssen des wirklichen Souveräns zu folgen.

Die Bewohner Rostocks haben also ihre Mündigkeit an die Bürgerschaft abgetreten. Sie stellt das oberste politische Gremium dar – liest man zumindest auf der offiziellen Webseite der Stadt.

In praxi aber formuliert der Oberbürgermeister im Alleingang einen „Gesellschafterbeschluß“, so als würde ihm die VTR-GmbH wirklich ganz alleine gehören. Das ist schlimm. Viel schlimmer aber erscheint mir, dass die Bürgerschaft auf ihre für den 3.2. angesetzte Sondersitzung verzichtet, statt diesen Termin zu nutzen, um dem Herrn Oberbürgermeister gehörig die Hosen herunter zu ziehen. Wohlgemerkt alle Fraktionen haben beantragt, die Sitzung nicht durchzuführen! Womit die Frage entschieden ist, wer in der rauhen Wirklichkeit der Souverän in dieser Stadt ist.

Wozu brauchen wir unter diesen Bedingungen noch eine Bürgerschaft? Was wäre, wenn wir statt der einzusparenden Theatersparten die Bürgerschaft einsparen und die so frei werdenden Gelder dem Theater zugestehen würden?

Richtige Demokratie müsste darunter nicht leiden. Denn das Theater ist jetzt schon zu einem Ort der Meinungsbildung geworden und 15 rostocker Bürgerinitiativen schaffen sich gerade eine gemeinsames „Dach“.

Zur gesellschaftlichen Funktion gerade des Schauspiels hier nur einige Zitate:

Gundula: Musiktheater ist zweifelsohne toll. Es berührt, entspannt, begeistert, lädt zum Träumen ein. Aber: es tut auch keinem weh. Es ist nicht wie das Schauspiel in der Lage, aufzurütteln, sich in die politische Diskussion einzumischen, zu bilden, gesellschaftliche Problem aufzuzeigen. Musiktheater tut keinem weh. Und darum fällt ein OB auch solch eine Entscheidung.

Regine Schreier: Das gesprochene Wort erreicht als erstes den Zuschauer…

… und manchmal mischt sich sogar das Publikum ein, ganz politisch, ganz konstruktiv – siehe die „Volksfeind“-Aufführungen!

Der Souverän Methling I. macht einen grundsätzlichen Denkfehler, der zwar formal in einer sogenannten „repräsentativen Demokratie“ erlaubt, aber dennoch grundfalsch ist: Wir Bürger dieser Stadt sind nicht nur „Stakeholder“, also Anspruchsgruppen, sondern im weiteren Sinn auch „Shareholder“, also Mitbesitzer der juristischen Person Stadt Rostock. Denn ohne uns Einwohner gäbe es diese juristische Person nicht. Wir finanzieren sie – ohne uns Steuerzahler (Firmen einbegriffen) wäre sie schon längst pleite. Was also macht ein kluger Souverän? Er kümmert sich um seine Bürger, achtet ihre Sorgen und Ansprüche – und kommuniziert mit ihnen. Und was macht ein sehr unkluger Souverän? Er kümmert sich ums Bauen, Bauen, Bauen und erlässt einen „Gesellschafterbeschluß“.

Inga Wolff: Es geht hier ausschliesslich um Immobiliendeals (zwei) und die gehen nur, wenn das Theater den Standort räumt und in ein neues Haus zieht. Gelder werden aber nur für ein kleines Haus bewilligt, also reduzieren… Was wegfällt ist den Entscheidern egal. Aber entscheiden müssen sie. “Was wollen Sie für die Bürger Rostocks?” wäre die richtige Frage. Das was jetzt passiert, ist eine relativ schnelle, einfache und kurzfristig billigere Lösung um die Immobiliendeals endlich einzutüten.

Weil man das Recht nicht finden konnte, hat man die Macht gefunden (Unbekannt).

„So geht die Seele eines Theaters in die Brüche“

„so geht die Seele eines Theaters in die Brüche“, das ist der Schlußsatz eines sehr lesenswerten Artikels von Michael Lages in der Zeitschrift „Die deutsche Bühne“. Einfach mal anklicken!

Kommentare zur „Köpfung“

Auf NDR zur Artikel und dem Videobeitrag am 2.2.2016 (nur eine Auswahl):

JayJay schrieb am 02.02.2016 09:20 Uhr:
Bei einer halben Milliarde Überschuss im Jahr 2015 muss natürlich – aus Kostengründen! – dringend Kulturabbau betrieben werden.
Is klar.


Regine Schreier schrieb am 02.02.2016 23:39 Uhr:

Das ist kurz gedacht. Eine 121 jährige Tradition wird vom OB abgeschafft. Das gesprochene Wort erreicht als erstes den Zuschauer, was wird aus den Klassikern und Klassenrauminszenierungen für die Jugend, was aus der Komödie Warnemünde, was aus…- alles gesungen? Ich mag die Oper, aber zuerst stand für mich das Theater, schade und wieder sind Ferien und keiner weiß davon, einfach ungerecht und falsch, Danke Herr Latchinian für die tollen Stapelläufe, die sind nun ein Untergang


MultoBene schrieb am 03.02.2016 06:17 Uhr:

Ich verstehe nicht ganz, warum der NDR hier nicht etwas kritischer nachhakt: Es war doch genau Frau Bachmann, die über das gesamte letzte Jahr jede 2+2-Lösung abgelehnt hat und lautstark mit den Theaterlobbyisten auf dem Neuen Markt gegen OB Methling protestiert hat – auch weil sie mit ihm einen kleinen Privatkrieg am Laufen hat.

Und nun knickt die Dame ein (warum?) und darf hier unwidersprochen erklären, es sei „ein guter Tag für Rostock“? Diesen guten Tag hätte man schon vor einem Jahr haben können, wenn Frau Bachmann damals CDU und SPD mit dem Opernhaus-Vorschlag unterstützt hätte.
Sie hat dem VTR bzgl. Strukturveränderung und Neubau ein ganzes Jahr gekostet, und stellt sich jetzt unwidersprochen auf die Seite der zufriedenen Jubler? Ein schlechter Witz…


Lore C. – Rostock schrieb am 03.02.2016 08:02 Uhr:

Na, nun hat der Noch-OB ja erreicht, was er wollte, der Intendant wird gehen.
Unterstützung fand er augenscheinlich in der Achse Bachmann – Brotkorb!

Also nicht Neues bei uns an der Ostsee – allerdings hätten wir das schon vor Monaten ahben können.

Naja, die 100 Jahre (später), die schon Bismarck in’s Gespräch brachte.


Stillstandsaktionismus ohne nachhaltigen Sinn schrieb am 03.02.2016 11:11 Uhr:

Ein Bürgermeister der „handelt“? Sein Verhalten war absolut vorhersagbar. Er schaut auf aktuelle Zahlen und „entscheidet“ Opernhaus. Er war nicht in der Lage, die soziale Reaktion seiner Stadt zu reflektieren, ohne den Glanz der Philharmonie schmälern zu wollen. Wir sind in einer Tages-Technokratie der Politik verhangen. Politik für Leben ist kaum mehr Maßstab. Die gesamte Theater“reform“ in MV bleibt Lebens-Sinn schuldig. Ohne Verkehrs- und Tourismuskonzept stolpert ein Minister in Bruderschaft mit Tagesentscheidern wie Herrn Methling in eine fatale Strukturentscheidung für das Land. Die jungen Leute gehen schweigend. Wir haben einen Generationenkonflikt, den sich die Generation 50+ mit ihren selbst erzogenen „Jungpolitikern“ als Mehrheitsmeinung kultiviert, das sie in den letzten 15 Jahren des Dauerfeuers von Verordnungen zur Lebensregulation die Orientierung (menschlich nachvollziehbar) in Tausenden von Bürostunden und Meetings der gleichen Maschinerie verloren haben. Keiner fragt nach denen, täglich für Null Euro an den normalsten Orten des Lebens ihre Zeit opfern, um den psychischen Kollaps der Gesellschaft zu verhindern. Diese Menschen müssen auch irgendwo auftanken, um nicht den Halt zu verlieren, denn sie sind eine Minderheit, obwohl sie alles zusammenhalten. Neben der Natur bleibt oft nur Kultur, um den Kopf frei und oben zu behalten. Das Ersatzleben aus und mit Plasmabildschirmen hilft hier nicht, es bildet eine fatale Einheit mit dem Denken von 12 bis Mittag.


Maria schrieb am 03.02.2016 11:14 Uhr:
Noch ist nicht aller Tage Abend. Aufgeben gilt nicht. Kann nicht endlich jemand diesen selbstherrlichen Methling stoppen? Nun also macht Methling doch, was Brodkorb will. Und gerade jetzt hätte man doch gute Karten, dies nicht zu tun. Jetzt, wo alle Welt weiß, welch mieses Spiel der Minister betreibt und wie er im Hintergrund jahrelang das Schweriner Theater finanziell bevorzugt hat. Jetzt ist Brodkorb offen in der Kritik. Seine unsägliche Kulturpolitik wird im Landtag Maß genommen. Ich glaube kaum, dass er es jetzt noch vertreten könnte, Rostock den ausstehenden Betrag nicht zu gewähren. Und gerade jetzt stellt sich Methling hin und sagt: „Ich habe entschieden.“ Wie unverfroren!
Rostocker, wir wollen uns doch wohl unser Schauspiel und Tanztheater nicht nehmen lassen. Wir wollen doch wohl unseren Intendanten behalten. Also, auf geht`s.


Gundula schrieb am 03.02.2016 11:36 Uhr:

Musiktheater ist zweifelsohne toll. Es berührt, entspannt, begeistert, lädt zum Träumen ein. Aber: es tut auch keinem weh. Es ist nicht wie das Schauspiel in der Lage, aufzurütteln, sich in die politische Diskussion einzumischen, zu bilden, gesellschaftliche Problem aufzuzeigen. Musiktheater tut keinem weh. Und darum fällt ein OB auch solch eine Entscheidung. (Obwohl er generell nichts von Theater, auch nicht vom Musiktheater hält.)


Uwe schrieb am 03.02.2016 14:24 Uhr:
War das der letzte Racheakt von Rosinski, bevor er geht?
Fakt ist, dass er in seinem Positionspapier das Opernhaus favorisiert hat, so dass der OB hier auf den Zug aufspringen konnte.
Fakt ist aber eben auch, dass Rosinski im Papier abwertend über das Rostocker Schauspiel (auch der DDR-Vergangenheit) schreibt. Warum wohl?
Er geht weg, er hat in Rostock bald nichts mehr zu melden. Warum beschmutzt er dann noch das eigene Nest?

Auch auf der öffentlichen Facebookseite „Initiative Volkstheater Rostock“ herrscht Verwirrung, Verbitterung, Ratlosigkeit, Wille zum Widerstand ohne zu wissen wie… Nur zum Appetitmachen hier einige wenige Textstellen:

Jan-Ole Ziegeler
Jeder kennt diese Momente, in denen er nicht weiß, ob er lachen oder weinen soll. In der Rostocker Theaterdebatte ergeht es mir seit vier, fünf Jahren am Stück so.
Der OB als einziger Gesellschaftervertreter (wie absurd!) der VTR GmbH hat einen Beschluss zu Papier gebracht. Ich bin mir sicher, dass er weiß, was er will, aber ich bin mir ebenfalls sicher, dass wir zum zigsten mal nicht einen einzigen, brauchbaren Schritt weiter sind.
Und Herr Methling beweist, dass es ihm vollkommen egal ist, über welche Leiche, bzw. Spartenschließung, er gehen muss, um seine Idee einer zweiten Stadthalle auf seiner Maritimen Meile anstelle eines zukunftsfähigen Volkstheaters Rostock, durchgesetzt zu bekommen.
Aber das grundsätzliche Problem in dieser zähen, grotesken Theaterdebatte ist die Rostocker Bürgerschaft. Unter den 53 Mitgliedern sind bei weitem zu wenige, die sich bürgernah mit den Themen der Stadt befassen.
UND: Bevor es jetzt wieder von irgendeinem CDU- SPD- oder UfR-Heini abgetan wird, fragen wir doch unsere 53 mal, wer erklären kann, was im actori-Gutachten steht, wer von ihnen 2+2 erklären kann, wer von ihnen weiß, was die Zielvereinbarung (abgekartet zwischen Methling und Brodkorb) bedeutet und was in Methlings aktuellem Beschluss steht . . . Man wird bei mindestens 80% der „gewählten Rostocker Volkstvertreter“ lange Gesichter und Ahnungslosigkeit zur Antwort bekommen. Versprochen!


Tobias Sosinka

@ #‎Sewan_Latchinian‬ Das und Sie machen mich traurig +++

@ ‪#‎Stefan_Rosinski‬ +++ Das und Sie machen mich wütend +++


Rainer Schnös

Es ist und bleibt ein Affront gegen den Intendanten, das Ensemble und das Publikum: wie soll man denn dagegen noch ankämpfen?
Dieser OB will sich einen sehr zweifelhaften Platz in Rostocks Stadtgeschichte schaffen.
Ob man alles blockieren und aussitzen sollte bis dieses Ego ausgewechselt wird?-Abgesehen davon: für eine Oper von Rang reichen die Zuschüsse doch auch nicht. Ich muss immer wieder an Prenzlau und sein Orchester denken: alle Instrumentengruppen außer Streicher wurden abgewickelt: das Ergebnis: flachere publikumswirksame Programme.
Eine Stadt wie Rostock braucht ein progressives MusikTheater und Schauspiel und Tanz. Ohne all das wird die HFM geschwächt, die Bürger haben keine Chance, sich kulturell zu bilden und die Kinder sehen nichts außer Zauberflöte und Hänsel und Gretel.
Rostock muss jetzt auf die Straße für ein echtes „Volkstheater “ mit Charakter und Profil.
In Italien kann man sich ansehen, wohin so eine Politik führt: Stagionebetrieb=Monokultur


Christopher Dietrich

Ich wundere mich sehr über den Ausdruck [in einem FB-Statement von Dr. Bachmann; Admin], das Schauspiel werde nicht abgeschafft, sondern bekomme nur neue Produktionsformen. In der OZ wurden Sie mit dem Vorschlag zitiert, man könne hier ja mit der Compagnie de Comedie kooperieren. Die Compagnie ist schon Ergebnis einer Entlassungswelle am VTR nach der Wende. Sie musste sich seither immer mehr verkleinern und hält nur durch ein kleines, extrem engagiertes und vielfach ehrenamtliches Team den Spielbetrieb im eigenen Haus (!) aufrecht. Vielleicht ist da mal eine Kooperation drin, aber damit kann doch nicht ansatzweise eine abgewickelte Schauspielsparte kompensiert werden. Das sind auch keine neuen Produktionsformen. Mich hat (neben dem Inhalt) schon am 2+2-Beschluss geärgert, dass so getan wurde, als würde es nicht zuallererst um Streichung und Abbau gehen. Wenn man diesen Abbau aus best. Gründen beschließt oder mitträgt, dann sollte man auch den Mut haben, sich dazu zu bekennen und keine unrealistische Perspektiven für die abgebauten Sparten verkünden.

Inga Wolff
Es geht hier ausschliesslich um Immobiliendeals (zwei) und die gehen nur, wenn das Theater den Standort räumt und in ein neues Haus zieht. Gelder werden aber nur für ein kleines Haus bewilligt, also reduzieren.. Was wegfällt ist den Entscheidern egal. Aber entscheiden müssen Sie. „Was wollen Sie für die Bürger Rostocks?“ wäre die richtige Frage. Das was jetzt passiert, ist eine relativ schnelle, einfache und kurzfristig billigere Lösung um die Immobiliendeals endlich einzutüten.
Und auch unser aller Oberbürgermeister meldet sich (auf Deutschlandradio Kultur) zu Wort:
Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass – auch aus meiner Erfahrung mit der Rostocker Theaterszene – Orchester und Schauspiel in einer Studentenstadt wie Rostock die bessere Variante gewesen wäre. Aber wenn der kulturpolitische Sachverstand – Geschäftsführung und Aufsichtsrat gemeinsam – zu der Auffassung gelangt, Opernhaus ist die Perspektive für das Theater Rostock, dann werde ich mich dem auch nicht verwehren.
Schuld sind eben immer nur die anderen.

Schnell geköpft

Zwei Tage vor der Sondersitzung der Rostocker Bürgerschaft zur Zukunft des Volkstheaters (VTR) gibt es einen „Gesellschafterbeschluss“ (alleiniger Gesellschafter ist die Stadt Rostock) mit folgenden Inhalten (in der Zusammenfassung durch Dr. Bachmann):

  1. Der Gesellschafterbeschluss legt die Variante Opernhaus nicht als weiter zu prüfendes Modell fest, sondern bereits als umzusetzende definitive Strukturentscheidung

  2. Schauspiel- und Tanztheater sind nicht im VTR abzusichern, sondern lediglich in Rostock anzubieten

  3. Da die Umsetzung durch die Geschäftsführung des VTR angeordnet wird, ist eine Beschlussfassung durch die Bürgerschaft nicht vorgesehen; dieses Vorgehen ist legitimiert durch den knappen Bürgerschaftsbeschluss vom 25.02.2015 (sog. 2+2-Beschluss von SPD, CDU, UFR/FDP, Bündnis 90/Die Grünen), obwohl dieser unter dem Gegenstand „Bürgerbeteiligung zur Neustrukturierung der VTR GmbH“gefasst wurde.

Den Originaltext des Gesellschafterbeschlusses und den vollständigen Kommentar durch Frau Dr. Bachmann kann man hier nachlesen: 16-02-01 Gesellschafterbeschluss.Bewertung