Eine wirklich gute Anregung

Auf der Facebookseite der „Initiative Volkstheater Rostock“ veröffentlichte heute Jana Petrat einen Aufruf, den ich für alle Nicht-FB-Mitmenschen hier wiedergebe:

Liebe Initiativgemeinde,

es ist ruhig geworden hier. Das ist schön. Einerseits. Andererseits frage ich mich, ob es hier wirklich nichts Anderes zu bereden gibt, als „wie toll die Vorstellung wieder war“.
Laut der Facebookanzeige gibt es 1778 Mitglieder in dieser Initiativgruppe.

Während es also so nett still hier ist, könnte man doch eigentlich mal wirklich interessante Themen ansprechen. Nämlich wisst ihr, dass das Theater sich in der Spielzeitplanung für die kommende Spielsaison befindet.
Und da Ihr das alle wisst, frage ich mich, warum nicht endlich mal eine Diskussion darüber stattfindet, was IHR, das Theaterpublikum, Euch wünscht. Alle sind schnell auf´s Tapez gebracht, wenn es darum geht, wie schlimm wieder etwas ist, was im Theater mit dem ein oder anderen dort Arbeitenden geschieht, wie ungerecht Beschlüsse der Bürgerschaft und des OBs sind, was alles nicht geht und doch gehen müsste….
Das ist aber nur die eine Seite, um die sich diese Initiativseite kümmern könnte/müsste.

Die Theatermitarbeiter werden seit Jahren immer wieder gefragt, warum die Veranstaltungen nicht in einem Maße gefüllt sind, welches die Stadt zufriedenstellt.
Und so frage ich nun: Tja, liebe Initiative, woran liegt es, dass die Stücke nicht gut gefüllt sind? Denn die Mitarbeiter orakeln seit Jahren. Deren Glaskugeln sind schon ganz schmierig und nebelig.
Also, was fehlt Euch, was habt Ihr für Anregungen, was erwartet Ihr von EUREM Theater? Was hält Euch davon ab, die Veranstaltungen in Scharen zu besuchen? Wären nämlich nur ein Fünftel der Anzahl der Mitglieder dieser Initiative in jeder Vorstellung, die das Theater anbietet, bräuchten wir überhaupt keine Initiative, denn die Frage der Daseinsberechtigung hätte sich für Stadt, Land und Theater auf einen Schlag erledigt.

DAS ist eine Sache, die, so finde ich, auch in eine INITIATIVE (deren Name beinhaltet die Erarbeitung, das etwas AKTIV – in dem Fall vom Theater – umgesetzt werden kann) gehören. Und nicht nur, dass Ihr wieder protestiert, wenn die Stadt etwas beschließt oder nicht beschließt.
Wie soll der Spielplan aussehen, damit IHR die Säle füllt? Denn erst, wenn ihr das benennen könnt, ist die Sache mit der Initiative auch wirklich rund.

Die Zeit dafür ist jetzt und war eigentlich schon viel eher. Nämlich ein ganze vergangene Spielzeit lang, damit das Theater Euch einen Spielplan hätte vorlegen können, den ihr auch gut findet.
Für den diesjährigen Plan dürfte mein Eintrag sowieso etwas zu spät kommen, soviel kann ich sagen, aber diese Vorschläge verlieren ihre Berechtigung und Gültigkeit nicht. Und evtl. kann man trotzdem die ein oder andere Anregung in Betracht ziehen.

Und was sind Eure Erwartungen an das Theater, was hält Euch – außer die politischen/medialen Diskussionen – davon ab, ins Theater zu gehen? Dass Musiktheater seit Jahren gerade bei den älteren Generationen stark gefragt ist, ist bekannt. Aber das Theater bietet halt nicht nur Musiktheater an, sondern es besteht auch noch aus Schauspiel und Tanz. Auch diese Veranstaltungen sind nicht so rege besucht, dass man sagen kann, die Zahlen überzeugen Stadt und Land.
Woran liegt das? Liegt es am Angebot? Wenn ja, wie müsste ein Angebot aussehen, das einen Großteil der Bevölkerung befriedigt? Liegt es am Ensemble? Liegt es an den Tagen, an denen Theater stattfindet? Oder daran, wie die Stücke inszeniert sind?

Entsprechende Vorschläge können auch hier auf dieser Seite unter Nutzung der Kommentarfunktion gemacht werden, sofern sie nicht auf FB eingereicht werden. Für solche eine Kommunikation zwischen Theatermachern und Theaterbesuchern ist dieser Blog ursprünglich eingerichtet worden…

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3 Gedanken zu „Eine wirklich gute Anregung

  1. Liebe Jana,
    das hast Du sehr treffend gesagt und es ist eine Tatsache, dass viele der potentiellen Besucher einfach keine Ideen haben, aber viel Kritik („da geh ich nicht hin!“).
    Liebe Leute: sagt mal, was Ihr sehen möchtet. Schlagt Stücke oder Autoren vor, die Euch interessieren.
    Manche Wünche sind erfüllbar!
    Mich würde es z.B. freuen, wenn wieder mal eine Operngala aufgelegt würde.
    Auch konzertatnte Opernaufführungen ziehen viele Besucher und sind nicht so aufwendig. Wir haben ein tolles Ensemble und es gibt einige Opern, die auf Grund ihrer schwachen Handlung selten gespielt werden, obwohl sie eine herrliche Musik haben (z.B. Die Perlenfischer).

  2. Ich halte es für problematisch und nicht wirklich zielführend, das Publikum zu fragen, was es sehen möchte. Wer wird sich an Umfragen beteiligen? Vermutlich diejenigen, die sowieso ins Theater gehen. Ich glaube auch kaum, dass es das Programm ist, das die bisher Passiven nicht anspricht. Die Gründe dafür, dem Theater fern zu bleiben, werden vielfältiger Natur sein- reichen vielleicht von Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige über den Berufsalltag und Berufsstress, der wochentags kaum Raum für abendliche Theaterbesuche lässt. Aber es gibt auch einfache Desinteresse – nicht allen kann und wird Theater wichtig sein. Außerdem bin ich überzeugt, dass 100 Befragte ebenso viele Vorschläge machen würden. Gabriele z.B. wünscht sich eine Operngala. Ich würde gern mehr zeitgenössische Dramatik erleben. Hilft das in der Programmplanung wirklich weiter? Und letztlich kann nur das Theater einschätzen, was ist realisierbar mit den vorhandenen personellen und sachlichen Ressourcen. Solange sich an der öffentlichen Wahrnehmung des Theaters in Rostock nichts ändert und es nicht aus den (durchaus auch gewollten und forcierten) negativen Schlagzeilen herauskommt, wird es schwer sein, die Säle voll zu bekommen. Dies werden Umfragen zu gewünschten Aufführungen nicht ändern.

    • Ja und nein!

      Ja, denn auf dem Weihnachtsmann-Wunschzettel darf man auch alle Wünsche aufschreiben und die Eltern wählen dann das Realisierbare aus.

      Nein, die Summe aller Antworten reicht nicht aus:

      • Diejenigen, die nicht ins Theater gehen, weil der Spielplan nicht ihren Interessen entspricht, erfahren auch nichts von einer Umfrage.
      • Diejenigen, die sich nicht an einer Umfrage beteiligen, weil sie zwar Theater sehr lieben, sich den Theaterbesuch nicht leisten können, fehlen auch.
      • Meine Schlußfolgerung: Das VTR braucht dringend eine gute Zielgruppenanalyse (und in diesem Zusammenhang auch Wunschlisten) und darauf aufbauend ein entsprechend angepasstes Rabattsystem.

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