Niederträchtige Gemeinheiten statt Kulturpolitik – geht’s noch?!

Die Ostsee-Zeitung meldet heute:

Der Streit um die Zukunft des Volkstheaters Rostock hat sich nochmals verschärft. Um den finanziellen Sparvorgaben der Landesregierung genügen zu können, denken Aufsichtsrat und Theaterverwaltung offenbar über tiefere Struktureinschnitte nach, um zwei unkündbare Schauspieler auf diese Weise „rechtssicher“, d.h. ohne Klagemöglichkeit, betriebsbedingt kündigen zu können. Dazu soll, anders als bisher im  sogenannten „Hybridmodell“ vorgesehen, neben einem erweiterten Musiktheater kein Schauspiel mehr, sondern lediglich eine kleine Kinder- und Jugendtheatersparte bestehen.

Bekannt geworden ist der Streit aus Briefen der Volkstheater-Aufsichtsratsvorsitzenden Sybille Bachmann und des Intendanten Sewan Latchinian, der von diesen Plänen überrascht wurde und vor ihnen warnte. Darauf wurde ihm eine Verletzung der Vertraulichkeit und der Pflichten eines Geschäftsführers vorgeworfen. Bei den beiden unkündbaren Künstlern handelt es sich um die Schauspieler Petra Gorr und Ulrich K. Müller, zwei prägende und überregional bekannte Gestalten des Ensembles. Beobachter schlussfolgern aus dem Vorgang, dass das „Hybridmodell“ zu eng und gegen die Realitäten des Rostocker Theaters gerechnet worden war, um benötigte Mehrheiten zu erzielen, und jetzt verschärft werden müsse, um den finanziellen Vorgaben zu entsprechen.

Kein Kommentar.

Nachtrag: In einem leider bezahlpflichtien OZ-Artikel gibt es wichtige Informationen, die das Bild abrunden. Auch die befremdliche Rolle des kaufmännischen Geschäftsführers.

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Abgeschrieben: Palmyra. IS. Kultur.

Der Admin hat bei Facebook abgeschreiben, genauer gesagt bei der FB-Seite der „Initiative Volkstheater“. Vielleicht interessiert es die eine oder den anderen…

Guenter Hering, 16. Mai um 19:11

Vielleicht zum Mitfreuen…:

Als Sewan Latchinian die im Theaterbereich beunruhigenden Zerstörungstendenzen durch einen Bezug auf die Kulturzerstörungen des IS deutlich zu machen suchte, wurde er entlassen.
In einem anderen Land, das einigen als Reich des Bösen gilt, das aber seit jeher eine sehr innige und unzerstörbare Beziehung zu seiner Kultur und der anderer Völker hat, engagierte man sich sehr pragmatisch und erfolgreich gegen den IS. Mit dem Ergebnis, dass auch Palmyra befreit werden konnte.
Mehr noch: Dieses andere Land entsandte das Orchester eines seiner Theater nach Palmyra, um durch ein ernstes, würdevolles Konzert den Erhalt wenigstens eines Teils dieses unschätzbaren Weltkulturerbes zu feiern. Seht und hört selbst: https://deutsch.rt.com/kur…/38173–gebet-fur-palmyra-waleri/ (Ergänzung auf https://deutsch.rt.com/gesel…/38159-heute-live-auf-rt-gebet/).

palmyra  ‚Ein Gebet für Palmyra‘ – Waleri Gergijews Symphoniekonzert für die befreite Oasenstadt – komplett


Olaf Koppe Ich glaube, Sewan Latchinian wüsste diese russische Propaganda-Nr. sehr wohl einzuordnen…


Guenter Hering, 21.05.
„Russische Propaganda-Nr.“ also, Herr nd-Geschäftsführer und Verlagsleiter. Was ist in Ihren Augen Propaganda? Dass Palmyra vom IS befreit wurde und die vollständige Zerstörung Palmyra’s verhindert wurde? So eine „Propaganda“ hätte ich mir von den USA schon lange gewünscht, dann wäre viel unersetzliches Kulturerbe erhalten geblieben.

Oder meinen Sie mit Propaganda, dass Russland die Syrer nicht nur durch Luftangriffe, sondern auch vor Ort unterstützt? Ich finde das deutlich mutiger und ehrlicher als die „no-boots“-Strategie der USA, die statt dessen undifferenzierte Drohnenangriffe fliegt.

Oder stört es Sie heftig, dass die russischen Musiker ausgerechnet aus Leningrad kamen, einer Stadt, die auf andere Art sehr großes Leid erfahren musste und sich daher mit den IS-drangsalierten Syrern auf besondere Art solidarisch fühlt? Falls Sie sich angesichts Ihrer heftigen Russophobie nicht erinnern sollten: Ich meine die Leningrader Blockade.

Vor einem Jahr schrieb das nd noch darüber…

Noch eins, Herr Koppe: Bitte versuchen Sie nicht, sich zum Wortführer für unseren Intendanten zu machen. Den mögen wir nämlich, trotz seiner Ecken, Kanten und manchmal nicht glücklichen Entscheidungen. Er hat es auch noch immer nicht verlernt, seine Meinung selbst kundzutun…!

Aber viel, viel wichtiger ist, dass Ihr alle die Möglichkeit nutzt, Eure Meinung zum „Hybridmodell“ zu äußern! Nur noch bis zum 25. Mai, also bis zum kommenden Mittwoch, besteht diese Möglichkeit!

Die Einschränkungen sind zwar eine Entmündigung der rostocker Bürger, aber besser hier mitgemacht als durchgehend geschwiegen!

 

 

 

Caffier spricht Klartext

Heute steht der „Ostsee-Zeitung“  ein Interview mit dem Innenminister Lorenz Caffier [1]. Seine Aussagen zur Einflussnahme der Landesregierung auf die Stadtpolitik im allgemeinen und zum Theaterneubau im besonderen sind bemerkenswert und sehr eindeutig:

Frage: Es drängt sich zuletzt der Verdacht auf, das Sie Rostock als Innenminister finanziell an der kurzen Leine halten.

Caffier: Der Eindruck täuscht. Es gab eine Vereinbarung vor mehreren Jahren und ich bin jemand, der sich grundsätzlich an Vereinbarungen hält. Die Zielvereinbarung hieß immer: Rostock hat weiterhin zehn Millionen Euro Schulden jährlich zu tilgen. Und dann kann Rostock sich innerhalb des Haushaltskorridors bewegen…


Frage: Steht die Zusage, dass sich das Land am Theaterneubau beteiligt?

Caffier: Es gibt ja eine Reihe von Zusagen, wenn mal die Frage der Theaterstruktur endgültig geklärt ist. In Zusammenhang mit dem Gesamtpaket hat sich daran nichts geändert, auch was den Theaterneubau betrifft. Wobei ich immer dafür werbe, dass die Hansestadt ihren Investitionskorriodor nicht zu hoch hängt, weil das nachher dazu führt, dass Projekte nicht dementsprechend begleitet werden. Man soll sich nur so viel aufladen, wei man auch realisieren kann. Da gibt es eine Prioritätenliste, und die muss in der Stadt abgearbeitet werde.

Halten wir fest:

  1. Die Hansestadt Rostock ist nicht frei in ihrem Handeln. Die Landesregierung legt fest, wieviel Schulden pro Jahr zu tilgen sind. Damit legt die Landesregierung fest, wieviel Geld der Stadt für ihr Handeln übrig bleibt. „Kommunale Selbstbestimmung light“?
  2. Bei den Investitionen, die die Hansestadt Rostock tätigen darf, gibt es „eine Prioritätenliste, und die muss in der Stadt abgearbeitet werden“. Ein Theaterneubau steht offenbar nicht auf dieser Liste – oder ganz hinten.
  3. Erst sei die „Theaterstruktur“ umzusetzen. Dieses Theatershreddern ist also nicht auf dem Mist des Kultusministers gewachsen, sondern offenbar einhellige Meinung der Landesregierung. Schade, Herr Sellering, ich hätte Ihnen mehr Kultur zugetraut…
  4. Die klare Ansage des Innenministers erklärt auch den Text des Herrn Brodkorb, den man auf der Rathaus-Internetseite nachlesen kann (dazu später einmal mehr).
  5. Dank der Aussagen des Innenministers wird deutlich, wie die Stadtverwaltung die Theatermacher und die Bürger über viele Jahre bewusst getäuscht hat. Wie wurde Peter Leonard in seiner ersten Amtsperiode mit dem Versprechen eines alsbaldigen Theaterneubaus an der Nase herumgeführt! Was nahm er alles an Demütigungen und Belastungen seines ganzen Ensembles auf sich, weil er den OB-Versprechungen glaubte! Der es zweifellos besser wusste, wie man jetzt den Ausführungen des Innenministers entnehmen muss. Aber unser OB übt ja jetzt schon Selbstkritik: 160513-ob-zitat

Nein, ich mag Herrn Caffier nicht besonders. Auch, weil er Sparen und ein soziales Pflichtjahr für wichtiger hält als Kultur. Aber seine Ehrlichkeit imponiert mir.

Eine ganz andere und für den normalen Bürger offene Frage ist, was sind das für immense Schulden, die Rostock tilgen muss? Wofür wurden sie gemacht, wer hat sie zu verantworten?


[1] (Printausgabe S. 9 und bezahlpflichtig http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Politik/Caffier-Rostock-muss-weiter-sparen, Internetkurzfassung http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Politik/Caffier-Hansestadt-muss-weiter-sparen)

Neues Outfit

Der Theaterblog hat ein neues Outfit bekommen. Die Zeiten werden immer haariger – da hat sich der Admin gedacht, das Erscheinungsbild sollte sachlicher und lesbarer werden. Zumal viele und selbst kluge Leute immer weniger in der Lage sind, längere Texte aufzunehmen und zu verstehen, Zusammenhänge zu erfassen und möglichst auch zwischen den Zeilen zu lesen. Smartphone & Co. machens möglich…

Vielleicht ist die neue grafische Oberfläche („Twenty Eleven“ bei WordPress) beim Verstehen hilfreich. Über Nutzermeinungen freut sich der Admin!