Bürgerforum: Das Freie StudentenOrchester Rostock e.V.

Den Admin erreichte der nachstehende „Diskussionsbeitrag für das heutige Bürgerforum“ mit der Bitte um Veröffentlichung hier auf diesem Blog. Dieser Bitte komme ich gerne nach, zumal auf dem Forum selbst diese Wortmeldung nicht zustande kam.

Liebe Kulturfreunde,

wir möchten uns als Freies StudentenOrchester Rostock e.V. (FSOR) an der Diskussion um die Zukunft des Volkstheaters beteiligen. Vorneweg sei gesagt: Wir begrüßen jedes Vorhaben, das das Theater als Ganzes stärkt und interessieren uns für jede Möglichkeit, Rostocker für Kultur vor Ort zu begeistern.

Das FSOR besteht aus über 60 Musikliebhabern, die an der Uni Rostock bzw. hmt studieren oder bereits im Berufsleben stehen. Die meisten von uns sind keine Profis auf ihrem Instrument – dafür jedoch leidenschaftliche und zum Teil sehr begabte Musiker, die ansonsten (angehende) Ärzte, Physiker, Lehrer oder ähnliches sind. Wir spielen im Durschnitt zwei Sinfoniekonzerte pro Hochschulsemester – eines davon in Rostock und eines auswärts. Des Weiteren engagieren wir uns sozial mit Projekten wie „Kinder in die 1. Reihe“ oder mit Benefizkonzerten z.B. für geflüchtete Schulkinder. Außerdem führen wir Kooperationsprojekte wie zuletzt „Karat meets Classic“ mit dem JugendSinfonieOrchester des Konservatoriums und der Band Karat durch.

Doch nun zum Theater: Wir sehen uns als Bereicherung für das kulturelle Leben der Hansestadt an – gerade weil wir niederschwellige Angebote für Instrumentalisten und Zuhörer schaffen (möchten). Wir wünschen uns seit einiger Zeit, im Volkstheater ein Konzert zu geben bzw. mit dem Theater zusammenzuarbeiten. Dies scheiterte zuletzt an drei Dingen:

  1. Das Volkstheater verlangt für die Saalmiete ein Entgelt, das das 3-4-fache vergleichbarer Säle in Rostock beträgt.
  2. Das Volkstheater hat wenige freie Termine. Kurzfristige Anfragen (< 1 Jahr Vorlaufzeit) sind nahezu aussichtslos.
  3. Anfragen für Kooperationsprojekte stoßen zumindest beim VTR-(noch)-Geschäftsführer Rosinski auf wenig Interesse.

Als gemeinnütziger Verein, der sehr basisdemokratisch geführt wird, entwickeln wir viele Projektideen, die aus unterschiedlichsten Gründen (zumeist wegen finanzieller Engpässe und weil wir ehrenamtlich mit begrenztem Zeitbudget arbeiten) oft nicht realisiert werden. Zuletzt wurden folgende Ideen diskutiert: ein Tanzprojekt zur Scheherezade von Rimski-Korsakow zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus der Region sowie professionellen Tänzern und Choreographen nach „Rhythm is it“, die Begleitung eines Stummfilmes, die Aufführung eines großen Orchesterwerkes (z.B. Mahler 2) mit einem zweiten Orchester (z.B. der Norddeutschen Philharmonie), Solisten und einem Chor, ein Videoprojekt für Schüler (selbtgedrehte Filme zu Filmmusik von Schostakowitsch).

Wenn wir die Aussagen in Rosinskis Strategiepapier (vom Januar 2016) lesen, so fühlen wir uns direkt angesprochen. Wir sind einer Meinung, wenn er schreibt, dass „Künste vor allem dann bilden, wenn man sie ausübt“. Weiterhin sind wir gleichermaßen davon überzeugt, „dass Konzepte mit dem Ziel der Entwicklung kollaborativer und partizipativer Formen die Theaterarbeit zunehmend politisch legitimieren und offenbar gleichzeitig dem Bedürfnis des Publikums nach Erlebnis und zeitgemäßen Formen der Beteiligung entsprechen“. Doch wo bleibt diese Beteiligung?

Mit der von Latchinian initiierten Bürgerbühne wurde ein Anfang gemacht. Doch was ist mit den freien Kulturträgern der Stadt? Ich sehe nicht, dass unabhängige Gruppen wie die Freigeister, ROhrSTOCK, das Tanzland usw. im Theater auftreten. Woran liegt das?

Wir setzen uns dafür ein, dass Kooperationen stärker gefördert, die freien Kulturträger ins Theater integriert und somit (neue) Zuschauer ans VTR herangeführt werden. Gleichzeitig soll damit verdeutlicht werden, was Laien können und was sie eben nicht können – warum wir also weiterhin ein Vier-Sparten-Theater benötigen.

Ihr FSOR

Mann über Bord!

Unzufriedene haben das Theaterschiff geentert und den Kapitän über Bord geworfen. Ohne Rettungsring. Geschweige denn in einem Beiboot ausgesetzt. Das sei zu teuer.

Der erste Offizier sieht diesem wüsten Treiben ziemlich gelassen zu. Er hat einen anderen Kurs als der Kapitän abgesteckt, will die Mannschaft ausdünnen und nimmt in Kauf, dass das Schiff in eine erhebliche Schieflage gerät. Aber dann hat er ja schon abgemustert…

Was werfen die Unzufriedenen dem Kapitän vor? Zu späte Ansage des zukünftigen Kurses (Spielplan), zu wenig Passagiere (Besucher = Einnahmen), Information der Mannschaft über die geplanten Kursänderungen seitens der Reederei (Geheimnisverrat!), vor allem aber fehlende Unterwürfigkeit gegenüber der Reederei.

Heute, am Dienstag, den 13.6. sollte der Spielplan für die neue Spielzeit vorgestellt werden. Weil der Kapitän acht Tage zuvor über Bord geworfen wurde und sich sein Geschäftsleitungspartner offenbar weigert, den Spielplan vorzustellen, fällt die Pressekonferenz aus. Auch der Aufsichtsrat scheint sich zu weigern, an Stelle des über Bord geworfenen Intendanten den Spielplan vorzustellen, obwohl doch gilt:

Kommt es bei einer AG zu einer sogenannten Führungslosigkeit, springt der Aufsichtsrat als passive Vertretung der Geschäftsführung ein, bis eine neue bestimmt … wird. http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/aufsichtsrat, auch http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/aufsichtsrat.html

Stellen wir also fest, ohne Kapitän

  • gibt es keinen öffentlich bekannt gemachten Spielplan,
  • fallen Vorstellungen aus (akktuell: „Sex und Liebe“),
  • gehen wegen fehlender Vorstellungen Einnahmen verloren.

Mit Kapitän wäre das alles vermeidbar gewesen.

Darf man angesichts dieser schlichten Fakten und vor allem auch angesichts des geheimen Antrages (160601-da-bachmann), den Kapitän über Bord zu werfen, einfach nur von „Unzufriedenen“ sprechen? Sind es nicht eher verfolgungswütige Schergen einer Obrigkeit, die höchst mittelalterlich anmuten? Selbst von inquisitorischem Vorgehen kann man nicht sprechen, denn bei der Inquisition gab es ein wohldefiniertes Verfahren, die Wahrheitsermittlung über den Weg rationaler Beweisführung stand im Vordergrund, wobei man sich insbesondere Zeugenaussagen bediente. Im aktuellen Fall gab es nur ein Geheimpapier für ein geheim tagendes und geheim beschließendes Gremium (genannt „Hauptausschuss“), ohne dass dem Angeklagten die Anklage zur Kenntnis gegeben oder ihm gar eine Stellungnahme dazu ermöglicht wurde. Tiefes Mittelalter? Irgendwie scheint das von den Exekutierenden selbst so empfunden zu werden, allerdings zielen die nachstehend zitierten Sätze gegen den Kapitän, nicht etwa gegen die Exekutierenden:

„Wenn die Freiheit der Kunst zur Versklavung des Künstlers führt, weil er in einem strukturellen Feudalsystem letztlich Leibeigener ist, dann muss das System in Zweifel gezogen werden.

Wenn ein strukturell so angelegtes System heutzutage tatsächlich despotisch ausgelebt wird und Leibeigene in existentielle Angst versetzt, dann steht es endgültig in Frage.

Wenn dann noch ein gutsherrlich anvertrautes Lehen (Theater) substantiell und existentiell gefährdet wird, dann besteht dringender Handlungsbedarf, sowohl im Interesse des Lehens als auch der Leibeigenen“ (zitiert aus der nicht mehr verfügbaren FB-Seite „Initiative Volkstheater“, Text von Frau Dr. Bachmann).

Bislang gab es zwei Begleitschiffe für das Theaterschiff, den Verein „Freunde und Förderer Volkstheater Rostock e.V.“ und die „Initiative Volkstheater“ mit deutlicher Aufgabenteilung. Der wegen Struktur und Größe etwas schwerer manövrierende Förderverein widmet sich vor allem den Fernrouten, die deutlich weniger strukturierte, facebook-basierte „Initiative…“ vor allem dem aktuellen Geschehen, Feuerwehraktionen und anderen Rettungsversuchen.

Jetzt steht die „Initiative…“ auf Facebook nicht mehr zur Verfügung. Nachdem die Unzufriedenen den Kapitän über Bord des Theaterschiffes geworfen hatten, versuchten sie immer heftiger, auch das kleine Ini-Schiffchen zu entern. Das nahm so bedrohliche Formen an, dass der Eigner und Schiffsführer das Schifflein ganz schnell in einen rundum geschlossenen Hafen brachte. Es steht einfach nicht mehr zur Verfügung.

Was nun? Keine Initiative mehr zeigen, das Theaterschiff im Nebel vor sich hin dümpeln und den Kapitän allein im Wasser treiben lassen? Schließlich kriegen wir ja einen neuen…

Oder von den Theaterfeinden lernen und erst einmal einen ziemlich geschlossenen Kern bilden, den Unzufriedenen und ihren Gefolgsleuten keinen Zugang gewähren? Wir könnten diesen Kern „Freundeskreis Theater“ nennen. Fast unvermeidbar wäre das wohl auch ein Freundeskreis für Sewan Latchinian, denn unabhängig davor, ob man bewundernd oder kritisch zu ihm steht – so wie der Hauptausschuss mit ihm umging, geht man nicht mit seinen Mitmenschen um!

Jetzt seid Ihr Leser dieses Blogs dran: Wie machen wir weiter?

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Statement des Theaterfördervereins zur Entlassung des Intendanten

Es steht noch nicht auf der Webseite des Vereins „Freunde und Förderer Volkstheater Rostock e.V.“, das Statement, sondern bislang nur auf der Facebookseite „Initiative Volkstheater“. Da nicht alle (kulltur-) interessierten Bürger auf Facebook sind, findet sich das Statement auch hier.

Statement des Theaterfördervereins zur Entlassung des Intendanten

Sehr geehrte Mitglieder der Bürgerschaft der Hansestadt Rostock, sehr geehrte Damen und Herren der Lokalpresse sowie des NDR, sehr geehrte und hochverdiente Streiter im Dienste einer freien Kultur in Rostock!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Frau Dr. Bachmann!

Die Freunde und Förderer haben die schlechte Nachricht erhalten. Dem Intendanten wurde fristlos gekündigt. Das Theater erwartet die Ankunft eines neuen Intendanten, des wievielten nun bereits?
Die Freunde und Förderer des Volkstheaters sind bestürzt, auf welchem Niveau in Rostock Kulturpolitik und Kommunikation mit dem Bürger betrieben wird.
Im Anhang finden Sie das Statement des Vereins zur fristlosen Entlassung des Intendanten.

Am 16. Juni findet das Bürgerforum statt. Das ist gut. Es scheint
dringend erforderlich, mit den in Verantwortung stehenden Politikern sowie den Amtsträgern dieser Stadt ins Gespräch zu kommen.

Mit hochachtungsvollen Grüßen
Im Namen des Vorstandes

Antje Jonas

Mit freundlichen Grüßen

Antje Jonas
Vereinsvorsitzende

Statement der „Freunde und Förderer Volkstheater Rostock e.V.“ zur fristlosen Kündigung des Volkstheater-Intendanten Sewan Latchinian

Als Sewan Latchinian, der von den Stadtoberen erwählte Intendant, nach Rostock kam, erwarteten Politik, Verwaltung sowie auch das Publikum neuen Schwung für das von vielen als lethargisch wahrgenommene Vier-Sparten-Volkstheater. Der Theatermann machte sich an die Arbeit und versetzte mit seiner Energie und Leidenschaft die Rostocker in Erstaunen.
In nur zwei Jahren kamen zustande: zwei bemerkenswerte Theaterspektakel, mehrere Uraufführungen, darunter ein Text von Uwe Johnson. Gespielt wurde in der Brauerei und im Bunker, im Zoo und auf der Hohen Düne. In der Kleinen Komödie gelang die Sommerbespielung. Die Theaterkantine lud nach Vorstellungsende die Zuschauer zu Gespräch und Wein. Ein neues Format, der „Denkraum“, ging an den Start. Und so auch die Bürgerbühne und das Puppenspiel. Bis heute fährt die blaue Theaterstraßenbahn durch Rostock und kündet von dem Potenzial und Aufbruch des Volkstheaters unter dem Intendanten Sewan Latchinian. Zwei und oftmals drei Vorstellungen täglich sorgten dafür, dass das Theater vom Stadtvolk wieder wahrgenommen wurde. Wer versucht, dem Intendanten und dem Ensemble künstlerisches Versagen vorzuwerfen, sollte gut argumentieren können.
Die wirkliche Krise setzte mit der wankelmütigen Kulturpolitik der Bürgerschaft ein, die dem Druck seitens des Oberbürgermeisters und des Kultusministers nicht standhalten konnte oder wollte. So sah sich der Intendant, zweifellos ein kantiger Charakter und Urheber markiger Worte, nach nur wenigen Monaten mit einem beispiellosen Schwenk der Rostocker Theaterpolitik konfrontiert. Sicher gehört es zu den Aufgaben eines Geschäftsführers, sich dem Gesellschafter gegenüber loyal zu verhalten. Doch für den politisch gewollten, organisierten Kulturabbau brauchte es keinen Intendanten, sondern einen Insolvenzverwalter. Diese Rolle zu übernehmen war der Intendant nicht bereit. Kann man ihm das vorwerfen?
Wir alle gehören nun ein weiteres Mal zu den Verlierern einer Kulturpolitik, die ein kluges und geordnetes Verfahren genannt zu werden nicht verdient. Es fehlt, frei nach Brecht, an Leidenschaft, Anmut, Mühe und Verstand.

Rostock verliert einen streitbaren Intendanten. Rostock verspielt mit dem Abbruch einer vielversprechenden Theaterentwicklung ein weiteres Mal die Chance, seine kulturelle Identität jenseits großer Volksfeste auszuprägen. In Rostock gilt eine Meinung schon als Argument; hier reicht es, sich persönlich bei Amtsinhabern und Volksvertretern missliebig zu machen, um abgestraft zu werden. Eine Stadt, die ihre Kultur nicht schätzt, die Intendant um Intendant verschleißt, die mit ihrer eigenen Geschichte kulturell nur wenig anzufangen weiß, ist keine Großstadt! Rostock verzichtet schlecht gelaunt weiterhin auf eine niveauvolle Streitkultur, auf geistvolle Urbanität und wird mit dieser provinziellen Miesepetrigkeit unweigerlich weiter zurückfallen hinter die anderen Ostsee-, Hanse- und Theaterstädte.

Im Namen des Vorstandes
Antje Jonas
Vorsitzende
Rostock, den 08 Juni 2016

Öffentlicher Dringlichkeitsantrag zur sofortigen Abberufung der Vorsitzenden des VTR-Aufsichtsrates

Hiermit wird beantragt, die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Volkstheater Rostock GmbH von ihrer Funktion als Vorsitzende zu entbinden und darüber hinaus sie auch als Mitglied des Aufsichtsrates abzuberufen.

Dieser Antrag erfolgt unter Bezug auf die bekannt gewordene, nichtöffentliche Vorlage-Nr. 2016/DA/1824 mit dem Titel „Dringlichkeitsantrag“, datiert vom 01.06.2016, zur Vorlage und Entscheidung durch den Hauptausschuss am 06.06.2016, eingereicht von der Aufsichtsratsvorsitzenden (hier nachlesbar: 160601-da-bachmann).

Stil und Inhalte dieses Dringlichkeitsantrages vom 1.5. sind geeignet, das Ansehen der Kommunalpolitik in der Stadt Rostock, aber auch das Ansehen der Antragstellerin selbst ernsthaft zu beschädigen. Der Antrag verletzt in vielfacher Weise allgemeine Anstandsregeln, von politischer Korrektheit ganz zu schweigen.

Obwohl der Antrag der Aufsichtsratsvorsitzenden (im folgenden als AV abgekürzt) selbst alle Argumente meines Abberufungsantrages bereits einschließt, gehe ich nachstehend kurz auf einige Argumente/Vorwürfe der AV ein:

Vorwurf 1: Der Intendant hat eine Mail geschickt

und zwar nicht nur an den Aufsichtsrat, sondern auch an den Betriebsrat. Nach Auffassung der AV ist es jedoch unzulässig, den Betriebsrat zu informieren, „solange es keine einheitliche Geschäftsführer- oder Arbeitgeberposition gibt“. Das soll eine entlassungswürdige ‚Verletzung der Verschwiegenheitspflicht‘ sein? Nanu? Gilt nicht mehr, dass der Betriebsrat ein Organ zur Mitbestimmung und Vertretung der Arbeitnehmerinteressen, der auch an betrieblichen Entscheidungen mitwirkt?

Schlimmer noch, der Intendant hat eine Vorlage des kaufmännischen Geschäftsführer ernst genommen. Die Vorlage beinhaltete die Schließung des Tanztheater zum Sommer 2018. So lasen wir es ja auch mehrfach in den Zeitungen. Alles nur Spaß – es war lediglich ein Tippfehler und der Intendant hat nicht Korrektur gelesen! Das ist ein „Verstoß gegen die Fürsorgepflicht“ (AV).

Und wenn der Intendant schreibt, „wegen einiger sehr weniger Tausend Euro Mehrkosten bis zum Sommer 2018 für 2 langjährige, verdienstvolle Schauspielkollegen wird die im Hybridmodell eigentlich vorgesehene Option der Verkleinerung der Schauspielsparte … aufgegeben, eine kompakte Spartenschließung realisiert…“, dann deutet die AV das um zu folgender Unterstellung: „Im Hause wird dies als Schutz ausschließlich für die seitens des Intendanten mitgebrachten Schauspieler/innen und damit als Ungleichsbehandlung empfunden“. Das ist gleich mehrfach falsch:

  • Einer klaren Ansage des Intendanten wird eine „Empfindung im Haus“ entgegengestellt. Woher kommt diese Empfindung? Hält sich die AV mehr im Theater als ab ihrem Arbeitsplatz auf (was sagt ihr Arbeitgeber dazu?) oder hat sie Zuträger?
  • Der Intendant bezieht sich eindeutig auf zwei langjährige Schauspielkollegen und damit eindeutig nicht auf diejenigen, die er mitgebracht hat.
  • Von einem „Ausspielen von Beschäftigungsgruppen“ kann in den zitierten Textpassagen des Intendanten nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil!

Darf man Sachverhalte so schlimm uminterpretieren?

Dann steht da noch ein hinterfragungswürdiger Satz in dem AV-Antrag: „Das innerbetriebliche Ausspielen eines Geschäftsführer gegen einen anderen verstößt gegen die Pflichten eines Geschäftsführers“. Nanu? Wenn also ein GF einen (Tipp-) Fehler macht oder Schlimmeres, dann darf der andere GF dies nicht beanstanden? Ich kenne Fälle, bei denen ein GF den anderen sogar anzeigen musste… Durfte er gar nicht, Frau AV?

Vorwurf 2: Der Intendant hat noch eine Mail geschickt,

deren Inhalt auf Seite 4 oben des AV-Antrages nachgelesen werden kann. Jeder arglose Mitbürger empfindet die dort zitierten Sätze als gut und richtig. Was macht die Aufsichtsratsvorsitzende daraus? Ich zitiere (nur ausschnittsweise, wer sich alle Vorwürfe und Fehlinterpretationen antun will, lese den AV-Antrag):

  • „Der Intendant kündigt den künftigen Bruch von Vertraulichkeit an“ – davon lese ich kein Wort in der Intendantenmail.
  • „Der Intendant belegt, dass er weiterhin Informationen weitergeben wird, egal, ob sie korrekt oder unkorrekt sind“. DAS soll er belegt haben? Wenn ja, warum wird es dann nicht zitiert? Weil es eine üble Unterstellung ist?

Vorwurf 3: Der Intendant hat ein Interview gegeben

Aussagen des Intendanten werden in tabellarischer Kurzform mit Anmerkungen kommentiert. Nicht alles ist von Außenstehenden bewertbar, konzentrieren wir auf das, was wir erkennen können:

„Der Theaterneubau verzögere sich weiter“ – „Behauptung ohne Beleg“.

„Das VTR können bis 2013 aufhören zu existieren“ – „Vermutung ohne Beleg“.

„… Heute habe ich Entlassungen in Größenordnungen schwarz auf weiß als Planung auf dem Papier“ – „… Falschdarstellung ( Leser fassen das als Kündigung auf)“.

Hier ist nur ein Beleg von vielen zum verzögerten Theaterneubau: „Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) erklärt, dass er keine Möglichkeit mehr sieht, ein neues Theaterhaus zu bauen… Die Einschätzung des Rostocker Oberbürgermeisters halten wir für realistisch, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums…“ (NDR).

Auch wenn man den vom OB zitierten Text von Minister Brodkorb liest, darf man heftige Zweifel am Zustandekommen eines Theaterneubaus heben.

Die Schlussfolgerungen der Aufsichtsratsvorsitzenden sind beeindruckend, wir zitieren hier nur die ersten zwei:

  • „Mit dem Interview verlässt der Intendant den innerbetrieblichen Raum“. Was will uns die AV hiermit sagen? Ist dem Intendanten jeglicher Freigang entzogen worden, steht er unter Hausarrest?
  • „Die Information über „Entlassungen“ verstößt gegen die Pflicht zur Verschwiegenheit über betriebliche Interna“. Eine Entlassung als rein innerbetriebliches Ereignis, dass auch dem Arbeitsamt besser nicht zu melden ist? Die Welt der AV ist doch sehr verschieden von meiner.

Vorwurf 4: Es geht ums Geld

Auch hier sind die Aussagen beeindruckend:

  • Die Nichterfüllung der im Herbst 2015 beschlossenen Wirtschaftsplanvorgaben 2016 in puncto Umsatzerlöse liegen in der Verantwortung des künstlerischen Geschäftsführers/Intendanten.“ Da kannste was lernen. Der kaufmännische GF macht wohl nur den Buchhalter. Und schreibt befremdliche Konzepte, unabgestimmt mit dem Intendanten. Obwohl der doch ausschließlich auch für das Pekuniäre zuständig ist… Ist hier nicht Einsparungspotential zu erkennen?
  • Der ersatzlose Ausfall von Vorstellungen stellt ein sog. Organisationsversagen seitens des Intendanten dar.“ Denn: „Für den Fall einer Erkrankung ist Ersatz vorzusehen bzw. zu organisieren…“. Klaro: Bei einem solchen Schauspielerüberschuss wie am VTR kann man alle Rollen doppelt besetzen und darüber hinaus auch noch entlassen (oder ist kündigen die richtigere Vokabel? Ich habe den Unterschied noch immer nicht verstanden).

Wie auch immer, der Intendant ist schuld.

Vorwurf 5: Der Spielplan

Auf zweieinhalb Seiten werden Vorgänge beschrieben, ohne dass Außenstehende, auch der Hauptausschuss nicht, diese hinsichtlich der Objektivität nachvollziehen können dürfte.

Einiges, was dem Intendanten seitens der AV zum Vorwurf gemacht wird, erscheint dem Schreiber dieser Zeilen durchaus nachvollziehbar und richtig. So wird zu einer Intendantenrede auf einer VTR-Vollversammlung am 29.2.16 berichtet,

  • „… der Gesellschafter müsse jetzt das Modell entscheiden“,
  • der Intendant „sei sich nicht sicher, ob die Planung jetzt zu stoppen und die Bürgerbeteiligung abzuwarten ist“,
  • der Intendant plädierte „für Aufhebung Zielvereinbarung und Gesellschafterbeschluss“,
  • er polemisierte gegen das Hybridmodell.

Das alles sollten erlaubte Überlegungen sein und keine Grundlage für Vorwürfe.

Weiter erfahren wir aus dem Antragstext im Abschnitt 5, S. 8, dass der Intendant noch am Tag seiner Krankmeldung aufgefordert wurde, die Planung vorzulegen und er ebenfalls noch am gleichen Tag antwortete und u.a. darauf auf die Notwendigkeit politischer Entscheidungen hinwies. Alles falsches Verhalten? Ebenfalls während seiner Krankschreibung, schrieb der Intendant an den Aufsichtsrat: „… wäre ich dankbar, wenn der Aufsichtsrat Maßnahmen beschließt, die nächste Schritte innerhalb der bisherigen Planungen, auch während meiner Erkrankung, im Interesse der Betriebsabläufe ermöglichen“. Auch falsch? Mit solchen und anderen Sachstandsinformationen (oder sollte ich hier besser Anführungszeichen benutzen?) gibt es dann u.a. folgende Schlussfolgerungen (bitte bei Interesse selbst alles nachlesen):

  • Der Intendant hat den Aufsichtsrat mehrfach unkorrekt über den tatsächlichen Stand der Spielzeitplanung informiert“.
  • „Die Planung ist bis zuletzt unvollständig geblieben“.
  • „Der schwache Spielplan bleibt hinter den Möglichkeiten des Hauses…“.

Vorwurf 6: Blockierung und Diskreditierung des Umstrukturierungsprozesses als Geschäftsführer

Zu diesem Thema gibt es drei Seiten Text. Die Informationen erscheinen mir aus ihrem jeweiligen Zusammenhang gerissen – es ist schwer bis unmöglich, sie zu werten oder zu kommentieren..

Wohl unfreiwillig wird deutlich, dass auch der Aufsichtsrat nicht davor zurückscheut, Interna weiterzureichen: „In einer Mail der Aufsichtsratsvorsitzenden … an die Mitlgieder des Gremiums heißt es: ‚Seit Tagen versucht die Anwältin von Herrn Latchinan einen Verhandlungstermin mit dem Oberbürgermeister zu bekommen. Verhandlungsgegenstand ist die vorzeitige Vertragsauflösung…’“. Quod licet Iovi, non licet bovi? Der AR als Jupiter? Es scheint an der Zeit, das ganze Geschehen mal auf die Bühne zu bringen.

Weiterhin wird sehr deutlich, dass man uns selbst bei der thematisch extrem eingeschränkten „Bürgerbeteiligung“ getäuscht hat, denn es gibt neben dem „Hybridmodell, 1. Fortsetzung“ des Herrn Rosinski auch ein Intendanten-Konzept „Hybridmodell für das VTR, 2. Fortsetzung“. Letzteres aber wurde vom Aufsichtsrat einfach ‚weggewogen‘. Müssen wir dummen Bürger / Ochsen nicht wissen müssen…

Fazit

Die nichtöffentliche Vorlage-Nr. 2016/DA/1824 mit dem Titel „Dringlichkeitsantrag“, datiert vom 01.06.2016, zur Vorlage und Entscheidung durch den Hauptausschuss am 06.06.2016 ist in meinen Augen ein Ausdruck ungebremster Verfolgungswut. Sie entspricht wohl kaum den Erwartungen von Objektivität und Sachlichkeit, die man für diese Thematik und von diesem Gremium erwarten darf. Deshalb mein diesbezüglicher Antrag, den ich im Grundsatz bereits einleitend begründet habe und der Gliederung des AV-Antrages folgend argumentativ zu untersetzen versuchte.

Natürlich ist meine gesamte Wortmeldung sowohl Ironie wie auch bitterer Ernst und wird ohne jede direkte Wirkung bleiben. Im besten Fall macht er das eine oder andere Mitglied des Hauptausschusses etwas nachdenklich. Vielleicht motiviert mein Text auch den einen oder anderen Rostocker Bürger, am Bürgerforum am 16. Juni ab 17:00 Uhr in der Rathaushalle teilzunehmen.

Und deshalb vier Seiten Text?

 

Und das zum Kindertag?!

Auf der Facebook-Seite „Initiative Volkstheater“ wurde ein nichtöffentlicher Dringlichkeitsantrag (2016/DA/1824) öffentlich, der es in sich hat: 160601-da-bachmann

Frau Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende des VTR-Aufsichtsrates, beantragt, „Herr Sewan Latchinian wird aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführer abberufen und sein Geschäftsführeranstellungsvertrag aus wichtigem Grund fristlos gekündigt“.

Es wird kaum öffentlichen Protest geben. Der Antrag ist nichtöffentlich und es gibt nicht so viele Leser der Facebook-Seite. Vor allem aber: Es schnürt einem die Kehle zu. Es lähmt das Denkvermögen. Es macht hilflos. Es könnte in den Selbstmord treiben.

Datiert ist das Schreiben auf den 1.6.2016, also auf den Kindertag. Ehrlicher wäre eine um einen Tag frühere Datierung gewesen, denn am 31. Mai ist der Weltuntergang… Aber was ist schon ehrlich an diesem Text?

Bitte tut es Euch an und lest diese unsäglichen 13 Textseiten! 160601-da-bachmann