Bürgerforum: Das Freie StudentenOrchester Rostock e.V.

Den Admin erreichte der nachstehende „Diskussionsbeitrag für das heutige Bürgerforum“ mit der Bitte um Veröffentlichung hier auf diesem Blog. Dieser Bitte komme ich gerne nach, zumal auf dem Forum selbst diese Wortmeldung nicht zustande kam.

Liebe Kulturfreunde,

wir möchten uns als Freies StudentenOrchester Rostock e.V. (FSOR) an der Diskussion um die Zukunft des Volkstheaters beteiligen. Vorneweg sei gesagt: Wir begrüßen jedes Vorhaben, das das Theater als Ganzes stärkt und interessieren uns für jede Möglichkeit, Rostocker für Kultur vor Ort zu begeistern.

Das FSOR besteht aus über 60 Musikliebhabern, die an der Uni Rostock bzw. hmt studieren oder bereits im Berufsleben stehen. Die meisten von uns sind keine Profis auf ihrem Instrument – dafür jedoch leidenschaftliche und zum Teil sehr begabte Musiker, die ansonsten (angehende) Ärzte, Physiker, Lehrer oder ähnliches sind. Wir spielen im Durschnitt zwei Sinfoniekonzerte pro Hochschulsemester – eines davon in Rostock und eines auswärts. Des Weiteren engagieren wir uns sozial mit Projekten wie „Kinder in die 1. Reihe“ oder mit Benefizkonzerten z.B. für geflüchtete Schulkinder. Außerdem führen wir Kooperationsprojekte wie zuletzt „Karat meets Classic“ mit dem JugendSinfonieOrchester des Konservatoriums und der Band Karat durch.

Doch nun zum Theater: Wir sehen uns als Bereicherung für das kulturelle Leben der Hansestadt an – gerade weil wir niederschwellige Angebote für Instrumentalisten und Zuhörer schaffen (möchten). Wir wünschen uns seit einiger Zeit, im Volkstheater ein Konzert zu geben bzw. mit dem Theater zusammenzuarbeiten. Dies scheiterte zuletzt an drei Dingen:

  1. Das Volkstheater verlangt für die Saalmiete ein Entgelt, das das 3-4-fache vergleichbarer Säle in Rostock beträgt.
  2. Das Volkstheater hat wenige freie Termine. Kurzfristige Anfragen (< 1 Jahr Vorlaufzeit) sind nahezu aussichtslos.
  3. Anfragen für Kooperationsprojekte stoßen zumindest beim VTR-(noch)-Geschäftsführer Rosinski auf wenig Interesse.

Als gemeinnütziger Verein, der sehr basisdemokratisch geführt wird, entwickeln wir viele Projektideen, die aus unterschiedlichsten Gründen (zumeist wegen finanzieller Engpässe und weil wir ehrenamtlich mit begrenztem Zeitbudget arbeiten) oft nicht realisiert werden. Zuletzt wurden folgende Ideen diskutiert: ein Tanzprojekt zur Scheherezade von Rimski-Korsakow zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus der Region sowie professionellen Tänzern und Choreographen nach „Rhythm is it“, die Begleitung eines Stummfilmes, die Aufführung eines großen Orchesterwerkes (z.B. Mahler 2) mit einem zweiten Orchester (z.B. der Norddeutschen Philharmonie), Solisten und einem Chor, ein Videoprojekt für Schüler (selbtgedrehte Filme zu Filmmusik von Schostakowitsch).

Wenn wir die Aussagen in Rosinskis Strategiepapier (vom Januar 2016) lesen, so fühlen wir uns direkt angesprochen. Wir sind einer Meinung, wenn er schreibt, dass „Künste vor allem dann bilden, wenn man sie ausübt“. Weiterhin sind wir gleichermaßen davon überzeugt, „dass Konzepte mit dem Ziel der Entwicklung kollaborativer und partizipativer Formen die Theaterarbeit zunehmend politisch legitimieren und offenbar gleichzeitig dem Bedürfnis des Publikums nach Erlebnis und zeitgemäßen Formen der Beteiligung entsprechen“. Doch wo bleibt diese Beteiligung?

Mit der von Latchinian initiierten Bürgerbühne wurde ein Anfang gemacht. Doch was ist mit den freien Kulturträgern der Stadt? Ich sehe nicht, dass unabhängige Gruppen wie die Freigeister, ROhrSTOCK, das Tanzland usw. im Theater auftreten. Woran liegt das?

Wir setzen uns dafür ein, dass Kooperationen stärker gefördert, die freien Kulturträger ins Theater integriert und somit (neue) Zuschauer ans VTR herangeführt werden. Gleichzeitig soll damit verdeutlicht werden, was Laien können und was sie eben nicht können – warum wir also weiterhin ein Vier-Sparten-Theater benötigen.

Ihr FSOR

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