Kultur der Herrschenden

Gefunden:

Wo käme man denn da hin, wenn in der Kultur den Herrschenden nicht genehme Meinungen geäußert werden dürften. Man stelle sich nur mal vor, in der Kultur könnte jemand die geliebten Freunde aus Übersee einfach so eine terroristische Bande von Angriffskriegern nennen und 9/11 als Inside-Job bezeichnen, die herrschende Ideologie des Zionismus schmähen oder Gotteslästerung gegen die Überhöhung des Holocausts zum quasi-religiösen Popanz betreiben. Nicht auszudenken. Es ist klar, dass da die Wellen hochschlagen. Kunst und Kultur hat schließlich die Aufgabe, die herrschende Macht in ein positives Licht zu stellen, und sie, wenn überhaupt, dann allenfalls so zaghaft zu kritisieren, dass die Kritik denn auch gleich als Lob verstanden würde, dass es nichts wirklich wichtiges zu kritisieren gibt.

Richtige Kultur ist schließlich, wenn man sich zu Tode langweilt, aber trotzdem hingeht, um dagewesen zu sein. Bloß keine Inhalte und nichts zum Nachdenken. In einer Zeit vor der großen Gleichschaltung von Medien, Kunst und Kultur war das freilich einmal anders. Leute wie Schiller, Marx und Brecht standen zu ihrer Zeit mal für eine Parteinahme in spannenden historischen Auseinandersetzungen. Aber wer weiß das schon noch?

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Verlorenes Theater Rostock (VTR)?

Schon bei dem recht merkwürdigen Rosinski-Konzept vermisste der aufmerksame Leser ein einleitendes Kapitel, das sich den Theaterbesuchern widmete. Wer kommt (noch?), wer bleibt weg, wer fehlt durchgehend – und warum?

Das blieb offen, aber weder der Gesellschafter (die Stadt Rostock, repräsentiert durch den OB) noch die Bürgerschaft im allgemeinen und der Theater-Aufsichtsrat im besonderen störte das. Merkwürdig.

Merkwürdig auch, dass das erste Tanztheater-Stück unter Sewan Latchinian („No satisfaction“) mit direkter Hilfe der Außenstelle M-V des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen entstand und daher konsequent die alte Kinkel-Forderung nach Delegitimierung der DDR umzusetzen versuchte (siehe auch die Beiträge auf diesem Blog „Pro und contra zu „No Satisfaction““ und „Dafür @ Dagegen„).

Danach versuchte sich das Tanzensemble an „Cafe colore“. Eine sehr schöne Idee, aber ziemlich einfallslos umgesetzt. Für die ganze Perten-Zeit gab es nur schnell über die Leinwand huschende Aufführungstitel und ein Perten-Zitat, das dem Theater bescheinigte, (auch) Ideologie zu vermitteln. Was wohl nach Auffassung der Aufführenden eine ganz schlimme Aussage darstellt.

Jetzt also das:

wir bedauern sehr, dass das Gastspiel mit MANFRED KRUG zu SPUR DER STEINE am Freitag, 23. September, krankheitsbedingt entfallen muss. Als Alternative wird es an diesem Abend ab 19:30 Uhr ein Konzert und eine Talkrunde im Großen Haus geben. Holm-Henning Freier vom Filmverein Latücht, der die Repressalien des DDR-Staates am eigenen Leib erfahren hat, und die Moderatorin Silke Hasselmann (Deutschlandradio, Deutschlandfunk, NDR) sprechen über den Umgang mit Film und Kino im DDR-Regime, die Rolle der DEFA und über das Verbot des Films „Spur der Steine“ von Frank Beyer. Anschließend spielt Thomas Putensen mit seinem Beat Ensemble die schönsten Lieder von Manfred Krug im Volkstheater.

(Quelle: Volkstheater).

Wird das Volkstheater Rostock jetzt direkt von der „Landeszentrale für politische Bildung“ oder eben vom BstU (mit-) bezahlt?

Freunde schrieben mit hierzu:

das halte ich … für skandalös, wie mit allem, was irgendwie mit der DDR zu tun hat, umgegangen wird!


…mir treten glatt die Tränen in die Augen angesichts der im Internet dargestellten Repressalien.
Hier will offensichtlich jemand seine karge Rente mit einem Taschengeld aufbessern, ob das klappen wird?… Unverständlich, dass Putensen bei dem Schwachsinn mitmacht…
Ansonsten grämt Euch doch nicht. Holter und Co. lassen grüßen….


… für mich, der nur die letzten 5 Jahre seines jungen Lebens in der DDR gelebt hat, ist das ja schon fast auch nur noch ein Stück Geschichte. Fast. Denn ich kann mich noch bruchstückhaft an Reste der DDR und den Übergang erinnern… Meine Eltern hatten nie Probleme in der DDR und fühlten sich in vielerlei Hinsicht auch wohl. Insbesondere in Anbetracht dessen, was wir heute haben.
Ich hatte noch das Glück, etwas Hauch der DDR in der Schulzeit mitzuerleben und bin immer wieder fasziniert über bestimmte Dinge von damals…
Ich selbst denke, hatte noch eine einigermaßen gemäßigte Darstellung über die DDR in der Schule. (ich war zwischenzeitlich zum Studium 2 Jahre im tiefkatholischen Teil Niedersachsens, wo mir schon abenteuerliche Dinge über die (ehemalige!) DDR entgegen schwappten, sowohl von Studenten als auch von Dozenten).
In mir erregt auch Besorgnis, dass Freunde von mir, die gerade ihr Abitur ablegten, mir erzählen, wie ihnen die DDR so vermittelt wurde. Wenn ich das so höre, habe ich das Gefühl, die DDR war vom 3. Reich nicht sehr weit entfernt…
Ja, mit zunehmender Zeit und abnehmenden Zeitzeugen wird komischerweise die Zahl der Gruselgeschichten mehr. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wer mehr über Holm-Henning Freier erfahren will, „der die Repressalien des DDR-Staates am eigenen Leib erfahren hat“, findet einiges im Internet (aber keine durchgehende Biographie, so dass manches offen bleibt):

  • Als Bundestagskandidat 2013 (als Beruf gibt er „Diplom-Filmwissenschaftler“ an) hat er auf konkrete Fragen zum Syrienthema lieber nicht geantwortet,
  • dafür aber seine Brötchen bei den Landesaussenstellen des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BstU) in Neubrandburg (2009-2013) und Chemnitz (ab 2014, obwohl da schon 64 Jahre alt) verdient.
  • Über die Repressalien der BRD will er offenbar nicht sprechen, obwohl er als letzter (Nachwende-) Intendant des DFF (!) unmittelbarer Zeitzeuge dafür wurde, wie das Adlershofer Fernsehen mit seinen hochbegabten Mitarbeitern erbarmungslos zerschlagen („gemühlfenzelt“) wurde (sollte man unbedingt nachlesen!).
  • Aber bei der „Zusammenarbeit … zwischen NS-Gedenkstätten und Gedenkstätten zu Repressionsgeschichte 1945 bis 1989“ ist er dabei .
  • und gedenkt – natürlich – auch 2013 des DDR-Volksaufstandes vor 60 Jahren.
  • 2015 ist er plötzlich „freier Journalist“.

Dabei  können die „Repressalien des DDR-Staates“ zumindest bei ihm nicht so schlimm gewesen sein, wenn man seiner Filmographie nachgeht:

1969/1970 Rottenknechte: Darsteller
1971/1972 Die große Reise der Agathe Schweigert: Darsteller
1975 Mein blauer Vogel fliegt: SS-Mann
1975: Requiem für Hans Grundig: Sprecher
1976/1977 Die Insel der Silberreiher: Darsteller
1978/1979 Des Henkers Bruder: Darsteller
1980-1982 Hotel Polan und seine Gäste: Darsteller
1981 DEFA KINOBOX [Jg. 1981 / Nr. 07]: Regie, Drehbuch
1981 Hahn Weltherr
1981 Gastregisseur am Puppentheater Karl-Marx-Stadt
1981/1982 Sabine Kleist, 7 Jahre: Darsteller
1982 Bildhauersymposium – Hoyerswerda im Sommer 1981
1982 Dein unbekannter Bruder: Darsteller
1985 Rechtsfindung: Inspektor
Ab 1986? Studium mit dem Abschluss als Diplom-Filmwissenschaftler ?

So ist das eben bei einem, der es offenbar in jedem gesellschaftlichen Umfeld versteht, oben zu schwimmen. „Ersatz“ für den krank gewordenen Manne Krug? Wohl kaum. Das ist, das macht krank.

Um auf die einleitende Frage zurückzukommen: Wer kommt (noch?), wer bleibt weg, wer fehlt durchgehend – und warum? Es kommen nicht mehr die Älteren und Alten, die wissen, wie es in der DDR war (und die „ihren“ Manne Krug unabänderlich ins Herz geschlossen haben), die sich nicht ständig „umschulen“ lassen wollen. Es kommen kaum Junge, weil sie die Vergangenheit wenig bis gar nicht interessiert. Es kommen einige im mittleren Alter, aber die meisten haben andere Sorgen oder sind Hartzies.

Für wen sind wohl Abende wie dieser „Ersatz“ gedacht? Interessiert die Verantwortlichen nur noch der politische Auftrag, auch wenn die Institution Theater dabei zugrunde geht?

„Unser“ Theater? Offenbar hoffnungslos verloren.

„Volkstheater“ im besten Sinne

„Als im Zuge des Anschlusses an die BRD die Kulturlandschaft Ostdeutschlands gerodet wurde, wie es kein ZK-Plenum der SED je vermochte (noch wollte)…“

lese ich heute in der „Jungen Welt“ und lese weiter:

Als im Land Brandenburg von ehedem fünf ganzjährig spielenden Theatern nur noch eins übrigblieb, fanden sich 2011 im Kurtheater Bad Freienwalde Menschen zusammen, die das Musiktheater liebten und seinen ästhetischen Wert nicht verloren geben wollten. Sie gründeten die Wanderoper Brandenburg. Das mobile Ensemble besucht nun seit fünf Jahren die Regionen, in denen die kulturelle Misere am größten und der Bedarf am höchsten ist. Es versucht dem Missstand etwas entgegenzusetzen, dass die Mehrheit der Brandenburger Schüler die Schule verlässt, ohne je eine Oper, ein Musical oder ein Ballett (oft selbst kein Konzert oder Schauspiel) gesehen zu haben. Auch in der Schulzeit wird deshalb gespielt, und eine Schülerkarte kostet nicht mehr als 3,50 Euro. Niemand soll von der »kulturellen Grundversorgung« ausgeschlossen werden.

Lest einfach den ganzen Artikel, es lohnt sich!

Geld ist genug da

Aus der Rede von Sahra Wagenknecht auf der letzten Bundestagssitzung:

Aktuell liegen die Militärausgaben der NATO beim etwa 13-Fachen der russischen. Und jetzt brauchen wir noch mehr Aufrüstung, um die Sicherheit in Europa zu gewährleisten? Was ist denn das für ein Irrsinn!

Trotzdem gehörten Sie, Frau Bundeskanzlerin, wieder einmal zu den ersten, die die Umsetzung des 2-Prozent-Ziels angekündigt haben. 2 Prozent, das bedeutet 25 Milliarden Euro jedes Jahr mehr für Mordwaffen, für Panzer und für Kriegsgerät, aber für gute Renten fehlt uns angeblich das Geld, und für bessere Bildung erst recht. Was sind denn das für absurde politische Prioritäten, die Sie hier setzen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.

Quelle: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/07/wagenknecht-rechnet-mit-merkel-ab-was-ist-denn-das-fuer-ein-irrsinn/

Es hat sich schon lange angedeutet, dass die „Haushaltskonsolidierung“ auf Landes- und auf Bundesebene „höheren Zielen“ dient. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Klugerweise im Sommerloch. Und in den Medien bestenfalls mit Prozentangaben, nicht aber mit der konkreten Zahl von zusätzlich 25 Milliarden € pro Jahr zu finden.

 

Geld ist genug da! Wir fliegen sogar in den Krieg

Wer die aktuellen Nachrichten aufmerksam verfolgt, stellt immer wieder fest, Geld ist genug da – nur nicht für Bildung und Kultur. Der folgende Text beschränkt sich auf wenige Beispiele.

Auf Bundesebene: Bundeswehreinsatz in Syrien

Die taz merkt hierzu kurz und treffend an:

„Zum Schutz von Zivilisten war ein deutscher Militäreinsatz in Syrien jahrelang „undenkbar“, aber aus Solidarität zu Frankreich stellen wir innerhalb von drei Wochen sechs Tornados und eine Fregatte bereit. 134 Millionen Euro kostet das – anders eingesetzt, könnten wir mit diesem Geld Hunderttausenden Syrern eine Flucht nach Deutschland ersparen.“

Für unsere Sicht auf die Dinge halten wir fest: 134.000.000 € für den Krieg, nicht für Frieden, Bildung und Kultur. Und das ist nur ein Einsatz neben 14 (16) anderen, ist nur ein Militärposten neben vielen anderen (neue Euro-Hawk-Projekte, neue Sturmgewehre usw. usf.).

Zu recht merken kritische Bürger an, z.B. Benno Thiel:

Den Irrsinn sofort stoppen! Noch mal: Da begehen nicht integrierbare Franzosen und Belgier, die nicht aus Syrien sondern vorwiegend aus den Banlieues von Paris und Brüssel stammen, grausame Anschläge – und deswegen ziehen nun EU-Staaten in den Krieg.

Obwohl es keine rationale Hoffnung gibt, dass die Schlacht gegen die IS-Terrormilizen jemals zu gewinnen ist. Es gibt kein Konzept. Keine klaren Ziele. Keine Exit-Strategie, nichts. Die Logik? Keine.

Die Kurden, die die einzigen sind, die effektiv den IS bekämpfen, werden von den Türken, die das IS -Öl verscherbeln, bombardiert, die USA werfen Waffen und Munition über IS Gebiet ab, natürlich unbeabsichtigt, bombardieren ein Krankenhaus, ebenfalls mangels Zielwasser, und unser von Hochwürden Gauck und Gabriel hofierter Verbündeter Saudi Arabien, der Kirchen und Synagogen verbietet, für westliche Werte nur Hohn überig hat, der der schon mal Häftlinge auspeitschen und Köpfe und Hände abhacken lässt, finanziert mit Unterstützung der USA den IS. Und wir machen mit.

Und weiter:

Frankreich wurde nicht vom Ausland angegriffen, sondern von einigen dumpfen Milchbubis aus den Problemvierteln von Frankreich und Belgien. Nun müssen wir aber Frankreich dringend unterstützen!

Dumm ist nur, dass Deutschland Frankreich nur militärisch beistehen darf, wenn es gegenwärtig angegriffen wird. Die Anschläge von Paris sind aber vergangen – und die Gefahr zukünftiger Angriffe diffus.

Frankreich kann zwar das in der Charta der Vereinten Nationen verbriefte Notwehrrecht für sich beanspruchen, aber gegen wen? Zudem ist aber der Beistand Deutschlands damit längst noch nicht legitimiert.

Das Hauptproblem ist also, dass Frankreich gegenwärtig überhaupt nicht angegriffen wird, die Anschläge von Paris sind vergangen. Syrien ist nach wie vor ein souveräner Staat, noch dazu Mitglied der Vereinten Nationen. Und deren Charta untersagt ausdrücklich die Unterstützung bewaffneter Aufstände in einem Land. Also was soll das Theater?

Sollte man sich an einer Verfassungsbeschwerde beteiligen? Den Aufruf an die Soldaten des Syrieneinsatzes verbreiten?

Auf Landesebene

Beispiel 1: Ausgaben für Computer

Die Landesregierung M-V gibt jährlich 85 Millionen € für Rechentechnik aus, für die Theater im Land aber nur 35 T€ – was der Rechnungshof  kritisiert.

„Computer statt Bühne, Software statt Oper, Datenerfassung statt Arbeitsplätze“, merkt in einem OZ-Leserbrief Helge Bothur an.

Diese Verschwendung erinnert an eine etwas zurückliegende Situation, wo von einem Virus befallene Landes-Rechner einfach verschrottet und neue gekauft wurden. Verschrottet, nicht virusbereinigt und wiederverwendet oder wenigestens weiterverkauft! Vermeidbare Kosten: 187 300 Euro. – Von Kosteneinsparungen durch den Umstieg vom virenanfälligen Windows auf das virenresistente LINUX und den daraus resultierenden erheblichen Kosteneinsparungen mal ganz zu schweigen (die Stadt München demonstriert, wie gut das geht!).

Für unsere Sicht auf die Dinge halten wir fest: 85.000.000 €/Jahr für IT, aber nur 36.000.000 €/Jahr für die Theater im Land.

Beispiel 2: Viel Geld für Gemeindefusionen

Die Landesregierung will Gemeinde-Fusionen mit 40 Millionen bezuschussen.

Warum so viel Geld aufwenden? Großgemeinden haben den gleichen „Vorteil“ wie Großkreise: Die meisten Bürger sind dann weiter weg von den Entscheidungsträgern.

Auf der Ebene der Stadt Rostock

Beispiel 1: Petriviertel

Nur für die Erschließung als Wohngebiet wurden folgende Gelder ausgegeben (u.a. für aufwendig erstellte künstliche Wasserläufe und Brücken über dieselben):

Aktivitäten Mio. € gesamt Mio. € HRO
Erschließung Wohngebiet

13,5

5,5

Spiel-, Sport-, Erholungs- und Grünflächen

7,9

3,3

Gebietsübergreifende Baumaßnahmen

?

4,3

Summe städtische Teilfinanzierung

13,1

Begleitet wurde die Entwicklung des Viertels durch den Projektbeirat unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Roland Methling…“

Quelle: europaticker.de vom 27.11.2015

Beispiel 2: 8.000.000 für Veolia

Darüber berichteten der VTRblog schon vor einem Jahr.

Obwohl der Grund für die „Schadensersatzzahlung“ hinfällig wurde, weil Veolia ja den Folgevertrag für die Abfallentsorgung erhielt, ist bis heute nichts von einer Rückzahlung der rund 8 Mio. € an die Stadtkasse bekannt geworden.

Beispiel 3: Brücke über die Stadtautobahn

9.400.000€ Gesamtkosten, davon trägt die Stadt 3.200.000 €.

Weitere Beispiele

  • Es gab auch eine Machbarkeitsstudie für die Rostocker olympische und paralympische Segelwettbewerbe vor Warnemünde in den Jahren 2024 und 2028, Kosten unbekannt.
  • Der Umbau der Steintor-Kreuzung (geschätzte Kosten 2.600.000 €).
  • Dann sind da noch die Träume (wirklich nur Träume?) unseres Verkehrssenators über die Verlängerung der Straßenbahnlinien zusammen mit der Schaffung von Großparkplätzen und über die Verlegung der Trassenführung für die Straßenbahn zum Stadthafen.

Die Liste der Beispiele lässt sich gewiss noch verlängern. Für den Beweis, dass genug Geld da ist, wenn es nicht gerade um Bildung und Kultur geht, sollte es reichen.

Wenn ich das Wort Kultur höre…

„Wenn ich Kultur höre … entsichere ich meinen Browning“, heißt es im „Schlageter“-Stück des SS-Oberführers und Präsidenten der Reichsschrifttumskammer Hanns Johst. Göring übernahm das Zitat und benutzte es so oft, dass es gemeinläufig ihm zugeschrieben wird.

Warum dieser Rückblick? Vielleicht, weil es heute nur auf den ersten Blick etwas subtiler zuzugehen scheint, aber auf den zweiten Blick genauso brachial? Die Zustände am VTR müssen hier nicht explitzit genannt werden. Jetzt wird in Rostock die Kulturkeule gegen das LOHRO geschwungen (und wiederum ist der Herr Oberbürgermeister direkt beteiligt) und andernorts löst man mal eben so ein Orchester auf, in Mainz wird das Theater angezeigt, weil die Mitarbeiter im Theater Beethovens „Ode an die Freude“ sangen, während sich die AFD vor dem Theater versammelte…

Nein, eine Pistole brauchen die heutigen Kulturschänder nicht, es reichen ein Dreh am Geldhahn, Repressionen und willlfährige Schlechtschreiber…

Jetzt auch noch offene Angriffe auf die „Initiative Volkstheater“ – was ist denn das für ein schlechter Stil, liebe OZ? Die Ostsee-Zeitung war einmal Vorreiter für den Erhalt des vierspartigen Volkstheaters und setzte mit ihren OZ-Foren zum VTR Maßstäbe für ein deutliches Engagement zugunsten unseres Stadtheaters – solange Frank Pubantz die rostocker Lokalredaktion leitete. Inzwischen hat wohl nicht nur die Kulturredaktion eine offenbar gänzlich andere Sicht aufs Theater, wie der  Verriß der Tanztheater-Uraufführung „Robin Hood“ durch Kulturchef Michael Meyer überdeutlich zum Ausdruck brachte. Nun kann man ja einen Theaterbesuch mental sehr unterschiedlich erleben und entsprechend darüber berichten. Aber von einem verantwortlichen Redakteur darf man auch ein Mindestmaß an Sachlichkeit erwarten, sonst läuft es für den arglosen Leser auf Desinformation hinaus.

Was hat das mit den Angriffen auf die Initiative Volkstheater zu tun? Auf seiner eigenen Facebook-Seite hat sich ein Initiative-Mitglied sehr über die ungerechte „Kritik“ des Herrn Meyer geärgert und dazu geschrieben. Das wurde dann (facebook-üblich) auf der FB der Initiative rebloggt. Was zumindest den Herrn Andreas Meyer, Leiter der Lokalredaktion Rostock, offenbar so sehr ärgerte, dass er in der heutigen OZ-Ausgabe eine regelrechte Schlammschlacht eröffnete. Unter der Überschrift „Krawall statt Konsens“ erfahren die OZ-Leser, „im Ton vergreift sich die Initiative gewaltig“. Beweis: Ein (in Zahlen: 1)  Mitglied der Initiative „beschimpfte“ auf der Facebooik-Seite der Initiative unlängst die Rostocker als „sattgefressen“ und „lahm“ (richtig, aber auch nicht zielführend: Der Schreiber beschrieb die wenig theater-engagierte Mehrheit der Rostocker als sattgefressen und lahm). Ein einziges Mitglied von rund zweitausend ist für Herrn Meyer repräsentativ! Noch dazu auf Facebook, diesem Netzwerk, auf dem es von unbedarften, dümmlichen, oft pubertär wirkenden Kommentaren nur so wimmelt! Wäre mir FB nicht viel zu unangenehm und hätte ich die Zeit, würde ich jetzt auf der FB-Seite der OZ gründeln gehen. Herr Meyer, nach Ihrer Vorgehensweise wäre das Ergebnis für die OZ katastrophal!

Dank Herrn Meyer können wir aber die meyer’sche (Un-) Logik mit seinen eigenen Worten kurz zusammenfassen: „Wer geht schon gerne ins Theater, wenn er sich vorher beschimpfen lassen muss?“

Und ich selbst frage mich, warum zahlst Du noch für die OZ, statt für das eingesparte Geld ins Theater zu gehen?

 

 

Kultur oder brutale Ökonomie?

Unter der Überschrift „Theater sollten wirklich kooperieren“ schrieb Malte Rüther einen sehr lesenswerten Gastbeitrag in der „Ostsee-Zeitung„. Das löste auf der Facebook-Seite der Initiative Volkstheater eine lebenhafte Diskussion aus. Beides, den Artikel und wie auch die Diskussionen,  kann man dort vollständig nachlesen. Nur zum Appetitmachen hier einige Zitate:

warum soll Rostock warum sollen sich seine Bürger wieder klein machen, schreiben und reden lassen… aber Hallo! Rostock ist ne geile Stadt und Rostock hat ein sehr gutes Theater – und frag mal einer ob die Staatsoper in Berlin oder die Semperoper Gewinn machen – never! Das Kulturgut Theater kann man nicht auf Gewinnmaximierung und Profitabilität reduzieren, das sind pubertäre frühkapitalistische Sichtweisen…


VTR ist eine GmbH und muss wirtschaftlich, auch wenn ihr Ziel ein andere ist, agieren… Und auch ein Kommunalbetrieb ist der Wirtschaftlichkeit unterworfen…

… Mich interessiert nicht wie viele Intendanten und Geschäftsführer gekommen und gegangen sind…


Theater ist geistige Bildung, Lebensqualität und damit ein weicher Standortfaktor . Die Finanzierung von Theatern nennt man nicht Subvention, sondern Zuschuss. Schulen und Bibliotheken rechnen sich auch nicht nach Kosten und Ertrag. Ich kann Ihre Agumentation nicht nachvollziehen..

Theaterkultur in Rostock wurde schon von sehr langer Hand zu einem verzichtbaren Bestandteil degradiert. Das beginnt mit einem adäquaten Gebäude, was seit 20 jahren entstehen soll und geht weiter über die fehlende Dynamisierung der Zuschüsse und die damit einhergehende Ausdünnung der Ensemble. Und es zielte darauf, dass man nun endlich den Gnadenschuss setzen könnte.


Würde es so einfach sein, wie … es beschreibt,… Die BRD, unsere Heimat, wäre im Augenblick pleite. Fakt, angesichts von Billionen! Staatsschulden? Was machen wir nun? Der Staat sind wir selbst. Entlassen sollten wir uns. Und dann? … Theater sind eben nicht im „Freien Markt“ unterwegs. Die „Freien Kulturträger“ übrigens auch nicht. … wo sehen Sie den Unterschied zwischen „Freien Kulturträgern“ und, demzufolge „Unfreien Theatern“? Welchen Stellenwert geben Sie Theatern als Pflichtbestandteil des Bildungssystems in unserer Gesellschaft? Ich hoffe, den von Straßen und Schienen… Stellen Sie diese unrentablen Infrastruktursysteme, die Riesen unter den gestützten Systemen unserer Gesellschaft, auch und gleichsam in Frage? Wenn Nein, warum nicht?


Ob man die Finanzierung von Theater nun Subvention oder Zuschuss nennt ist mir egal. Reine Wortklauberei. Natürlich werden auch Schulen/Bibliotheken nach Kosten und Ertrag gerechnet. Zu wenig Schülerzahlen wird die Schule geschlossen. Allein seit 2004 wurden im ganzen Land knapp 200 Schulen dicht gemacht. Seit 2005 wurden knapp 70 Öffentliche Biblliotheken im Land geschlossen.


Es ist schon komisch von ein VTR auf die Struktur der BRD zu kommen. Sehr Fraglich….


Theater ist ein öffentliches Gut, volkswirtschaftlich genannt „meritorisches Gut“. Der Staat stellt derartige Güter zur Verfügung, weil der freie Markt sie mangels möglicher Rentabilität nicht erbringen würde, die Gesellschaft aber dennoch einen Bedarf für sie sieht – hier wegen der unschätzbaren kulturellen Bedeutung der Stadttheater, von Musiktheater, klassischer Musik, Schauspiel und Tanz, einem von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Kulturgut, für unsere Gesellschaft. Das einzigartige an der deutschen Tradition der Stadttheater ist, dass es diese Art von Kultur auch in mittelgroßen Städten wie Rostock gibt und nicht nur in Berlin, Hamburg und auf 3Sat. Ob und in welchem Umfang die öffentliche Hand dieses öffenliche Gut finanziert, ist eine urdemokratische Entscheidung, und deshalb diskutieren wir hier.


Wie es scheint, lässt das kommende TTIP schon mal grüßen.