Theater kann Mut machen…

Prof. Volker Rundshagen, Tourismusexperte an der Hochschule Stralsund, rät den Toursitikern  laut OZ vom 18./19.11.2017 u.a.:

Dem Urlaubsland MV empfiehlt Rundshagen daher, stärker auf die Kulturschiene zu setzen: „Wir haben die Backsteingotik, die Festspiele MV, Museen, Nationalparks und Künstlerkolonien. Hier sollten die Kräfte gebündelt und die buchbaren Angebote in Haupt- und Nebensaison ausgebaut werden.“

Theater vergisst auch der Stralsunder Rundshagen in dieser Aufzählung der „Kulturschiene“. Woran liegt es? Vielleicht daran:

Im Ernst: Theater kann die Welt nicht ändern. Aber Theater kann Mut machen, sie zu ändern.

Welches Theater in MV wäre hier zu nennen?

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Einfach nur peinlich

Roland I. hat in seinem „Städtischen Anzeiger“ vom 2.11.2017, Seite 2, folgendes verkünden lassen:

Ich, der unterzeichnende Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock, Roland Methling, vertrete in dieser Funktion die Hansestadt Rostock als alleinige Gesellschafterin der Volkstheater Rostock GmbH…

… Dem künstlerischen Geschäftsführer Herrn Sewan Latchinan wurde mit Gesellschafterbeschluss vom 06.0.6.2016 das Vertrauen entzogen. Deshalb erfolgt für Herrn Latchinan keine Entlastung.

Hat denn unserem heißgeliebten OB bislang wirklich niemand beibringen können, dass man keinen Brief, keinen Artikel, nicht einmal einen Absatz mit „ICH“ beginnt? Haben Elternhaus und Schule wirklich so grauslich versagt?

Rostocker Sparwut

Strafzinsen statt Theaterfinanzierung: Eine Frage von Kultur(losigkeit).
ODER: Warum hat die Bürgerschaft den OB nicht zum OSPA-Anlegerforum geschickt?

mcpoblog

Unser aller Oberbürgermeister lässt immer und überall erkennen, wie sehr ihm die Tilgung der Schulden, die sein „Konzern“ hat, am Herzen liegt (woher die Schulden kommen, wer für sie verantwortlich ist, wie hoch sie sind – das erfahren die Bürger nicht. Und wenn ein Bürger seine (?) Bürgerschaft fragt, dann weiß die das auch nicht und will es wohl auch gar nicht wissen. Demokratie eben).

„Konzern“, so nennt der OB bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Kommune Rostock. So führt er auch die ihm anvertraute Stadt. Kultur? Brauchen wir kaum, da sparen wir. Bildung, Soziales, Bürgerbeteiligung und ähnlicher Krimskram? Da sparen wir auch!

Immobilienwirtschaft, Hoch- und Tiefbau? Für deren Interessen hat der „Konzern“ stets ein offenes Ohr.

Aber wie passt das alles mit einer neueren Zeitungsmeldung zusammen? „Die Strafzinsen bei Geldinstituten haben Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Die Hansestadt Rostock zahlt bereits für Guthaben bei einer ihrer Hausbanken, wie ein Sprecher…

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Geld ist offenbar genug da

mcpoblog

Beispiel 1:

Letztlich besuchte MP Sellering den Rostocker Zoo und sagte rund 9 Mio. € Fördermittel für das Zoo-Neubauprojekt „Polarium“ zu. Das Geld ist, anders als beim Volkstheater, nicht an Bedingungen geknüpft, etwa an die Abschaffung von Tieren, Gehegeverkleinerungen oder Mitarbeiterentlassungen… Auch die Stadt Rostock darf ihre 10 % Eigenanteil ausgeben – immerhin 1 Mio. €! Obwohl der Innenminister M-V ansonsten jede zusätzliche Ausgabe mit Hinweis auf den unverzichtbaren Schuldenabbau verbietet.

Beispiel 2:

Die Rostocker Fracht- und Fischereihafen GmbH baut eine neue Kaikante. Die kostet rund 6 Mio. €, 72 % davon gibt die Landesregierung dazu. Öffentliche Gelder als Geschenk an eine Privatfirma. Da muss ja richtig viel Geld im Landeshaushalt übrig sein!

Beispiel 3:

Die so klamme Hansestadt Rostock will nun auch – und ganz schnell! – das Petritor wieder aufbauen, dass 1960 wegen seiner Bombenschäden und des zu hohen Aufwandes bei der Wiederherstellung abgerissen worden war…

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Geschichten & Materialien zur Historie des Volkstheatergebäudes gesucht!

Gefunden:

Kennt ihr die Historie des Ortes, besitzt Fotos, Zeitungsartikel oder gar Gegenstände aus der Zeit der PHILHARMONIE oder dem Theater?

Für den 28. Mai 2016 plant unsere Tanzcompagnie eine ganz besondere Premiere: Im Stück CAFÉ COLORÉ werden Katja Taranu und ihr Team Geschichten aus der wechselvollen Vergangenheit des Gebäudeensembles des Volkstheaters erzählen.
Er war beliebtes Ausflugslokal, sozialdemokratisches Gewerkschaftshaus, Domizil der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront und ist seit nun mehr 72 Jahren ein lebendiges Theaterprovisorium.

Wir freuen uns auf eure Unterstützung!

Unsere Ansprechpartner in der Dramaturgie: Dörte Keck, Tel. 0381.3814640 / Martin Stefke, Tel. 0381.3814634 oder martin.stefke@rostock.de

theatergebaeude-frueher

Foto: Sammlung Andrasch

Mehr zur Inszenierung:
http://volkstheater-rostock.de/…/repert…/cafe-colore.1060513

 

Geld ist genug da! Wir fliegen sogar in den Krieg

Wer die aktuellen Nachrichten aufmerksam verfolgt, stellt immer wieder fest, Geld ist genug da – nur nicht für Bildung und Kultur. Der folgende Text beschränkt sich auf wenige Beispiele.

Auf Bundesebene: Bundeswehreinsatz in Syrien

Die taz merkt hierzu kurz und treffend an:

„Zum Schutz von Zivilisten war ein deutscher Militäreinsatz in Syrien jahrelang „undenkbar“, aber aus Solidarität zu Frankreich stellen wir innerhalb von drei Wochen sechs Tornados und eine Fregatte bereit. 134 Millionen Euro kostet das – anders eingesetzt, könnten wir mit diesem Geld Hunderttausenden Syrern eine Flucht nach Deutschland ersparen.“

Für unsere Sicht auf die Dinge halten wir fest: 134.000.000 € für den Krieg, nicht für Frieden, Bildung und Kultur. Und das ist nur ein Einsatz neben 14 (16) anderen, ist nur ein Militärposten neben vielen anderen (neue Euro-Hawk-Projekte, neue Sturmgewehre usw. usf.).

Zu recht merken kritische Bürger an, z.B. Benno Thiel:

Den Irrsinn sofort stoppen! Noch mal: Da begehen nicht integrierbare Franzosen und Belgier, die nicht aus Syrien sondern vorwiegend aus den Banlieues von Paris und Brüssel stammen, grausame Anschläge – und deswegen ziehen nun EU-Staaten in den Krieg.

Obwohl es keine rationale Hoffnung gibt, dass die Schlacht gegen die IS-Terrormilizen jemals zu gewinnen ist. Es gibt kein Konzept. Keine klaren Ziele. Keine Exit-Strategie, nichts. Die Logik? Keine.

Die Kurden, die die einzigen sind, die effektiv den IS bekämpfen, werden von den Türken, die das IS -Öl verscherbeln, bombardiert, die USA werfen Waffen und Munition über IS Gebiet ab, natürlich unbeabsichtigt, bombardieren ein Krankenhaus, ebenfalls mangels Zielwasser, und unser von Hochwürden Gauck und Gabriel hofierter Verbündeter Saudi Arabien, der Kirchen und Synagogen verbietet, für westliche Werte nur Hohn überig hat, der der schon mal Häftlinge auspeitschen und Köpfe und Hände abhacken lässt, finanziert mit Unterstützung der USA den IS. Und wir machen mit.

Und weiter:

Frankreich wurde nicht vom Ausland angegriffen, sondern von einigen dumpfen Milchbubis aus den Problemvierteln von Frankreich und Belgien. Nun müssen wir aber Frankreich dringend unterstützen!

Dumm ist nur, dass Deutschland Frankreich nur militärisch beistehen darf, wenn es gegenwärtig angegriffen wird. Die Anschläge von Paris sind aber vergangen – und die Gefahr zukünftiger Angriffe diffus.

Frankreich kann zwar das in der Charta der Vereinten Nationen verbriefte Notwehrrecht für sich beanspruchen, aber gegen wen? Zudem ist aber der Beistand Deutschlands damit längst noch nicht legitimiert.

Das Hauptproblem ist also, dass Frankreich gegenwärtig überhaupt nicht angegriffen wird, die Anschläge von Paris sind vergangen. Syrien ist nach wie vor ein souveräner Staat, noch dazu Mitglied der Vereinten Nationen. Und deren Charta untersagt ausdrücklich die Unterstützung bewaffneter Aufstände in einem Land. Also was soll das Theater?

Sollte man sich an einer Verfassungsbeschwerde beteiligen? Den Aufruf an die Soldaten des Syrieneinsatzes verbreiten?

Auf Landesebene

Beispiel 1: Ausgaben für Computer

Die Landesregierung M-V gibt jährlich 85 Millionen € für Rechentechnik aus, für die Theater im Land aber nur 35 T€ – was der Rechnungshof  kritisiert.

„Computer statt Bühne, Software statt Oper, Datenerfassung statt Arbeitsplätze“, merkt in einem OZ-Leserbrief Helge Bothur an.

Diese Verschwendung erinnert an eine etwas zurückliegende Situation, wo von einem Virus befallene Landes-Rechner einfach verschrottet und neue gekauft wurden. Verschrottet, nicht virusbereinigt und wiederverwendet oder wenigestens weiterverkauft! Vermeidbare Kosten: 187 300 Euro. – Von Kosteneinsparungen durch den Umstieg vom virenanfälligen Windows auf das virenresistente LINUX und den daraus resultierenden erheblichen Kosteneinsparungen mal ganz zu schweigen (die Stadt München demonstriert, wie gut das geht!).

Für unsere Sicht auf die Dinge halten wir fest: 85.000.000 €/Jahr für IT, aber nur 36.000.000 €/Jahr für die Theater im Land.

Beispiel 2: Viel Geld für Gemeindefusionen

Die Landesregierung will Gemeinde-Fusionen mit 40 Millionen bezuschussen.

Warum so viel Geld aufwenden? Großgemeinden haben den gleichen „Vorteil“ wie Großkreise: Die meisten Bürger sind dann weiter weg von den Entscheidungsträgern.

Auf der Ebene der Stadt Rostock

Beispiel 1: Petriviertel

Nur für die Erschließung als Wohngebiet wurden folgende Gelder ausgegeben (u.a. für aufwendig erstellte künstliche Wasserläufe und Brücken über dieselben):

Aktivitäten Mio. € gesamt Mio. € HRO
Erschließung Wohngebiet

13,5

5,5

Spiel-, Sport-, Erholungs- und Grünflächen

7,9

3,3

Gebietsübergreifende Baumaßnahmen

?

4,3

Summe städtische Teilfinanzierung

13,1

Begleitet wurde die Entwicklung des Viertels durch den Projektbeirat unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Roland Methling…“

Quelle: europaticker.de vom 27.11.2015

Beispiel 2: 8.000.000 für Veolia

Darüber berichteten der VTRblog schon vor einem Jahr.

Obwohl der Grund für die „Schadensersatzzahlung“ hinfällig wurde, weil Veolia ja den Folgevertrag für die Abfallentsorgung erhielt, ist bis heute nichts von einer Rückzahlung der rund 8 Mio. € an die Stadtkasse bekannt geworden.

Beispiel 3: Brücke über die Stadtautobahn

9.400.000€ Gesamtkosten, davon trägt die Stadt 3.200.000 €.

Weitere Beispiele

  • Es gab auch eine Machbarkeitsstudie für die Rostocker olympische und paralympische Segelwettbewerbe vor Warnemünde in den Jahren 2024 und 2028, Kosten unbekannt.
  • Der Umbau der Steintor-Kreuzung (geschätzte Kosten 2.600.000 €).
  • Dann sind da noch die Träume (wirklich nur Träume?) unseres Verkehrssenators über die Verlängerung der Straßenbahnlinien zusammen mit der Schaffung von Großparkplätzen und über die Verlegung der Trassenführung für die Straßenbahn zum Stadthafen.

Die Liste der Beispiele lässt sich gewiss noch verlängern. Für den Beweis, dass genug Geld da ist, wenn es nicht gerade um Bildung und Kultur geht, sollte es reichen.

„Sturmwächter“-Rede von Malte Rüther für den Erhalt des Rostocker Volkstheaters vom 17.11.2015 (Es gilt das gesprochene Wort)

Rostockerinnen und Rostocker, ich freue mich: Wir sehen heute ein Konzert mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock, mit den Gesangssolisten und dem Opernchor des Rostocker Volkstheaters. Musik, die etwas bedeutet und in uns bewegt. Gesang, die elementarste aller Musikformen, der die Seele direkt berührt, Kultur, die uns bereichert, die unser Rostock bereichert.

Rostockerinnen und Rostocker, ich bin traurig: Das, was wir heute erleben dürfen, wird es wohl bald in Rostock nicht mehr geben. Schuld sind Engstirnigkeit und Kleingeist, die Arroganz der Macht und der unbedingte Wille, ein wertvolles Kulturgut zu zerstören, in Teilen der Rostocker Kommunalpolitik und der Landespolitik.

Rostockerinnen und Rostocker, lasst Euch nicht für dumm verkaufen! Euer Oberbürgermeister und Euer so genannter „Bildungsminister“ sagen, dass sie das Volkstheater „zukunftsfähig“ machen wollen – und zu diesem Zweck sollen alle Gesangssolisten, der gesamte Opernchor und alle Tänzer entlassen werden, eiskalt und ersatzlos gestrichen. Was ist das für denn eine kranke Logik? Das Theater wird nicht zukunftsfähig gemacht, es wird weggespart. Arbeitsamt statt Tanz, Hartz IV statt Opern. Das „halbe“ Volkstheater ohne Sänger und Tänzer soll aber die gleichen Einnahmen erzielen wie bisher das ganze – Ein wahres Wunderwerk der Rechenkunst, Herr Methling, Herr Brodkorb, jeder Controller würde für so etwas entlassen werden (Vielleicht entlassen die Wähler ja Sie auch…)!

Wer rechnen kann, weiß, dass dieses Modell nicht aufgeht, dass Orchester und Schauspiel als nächstes auf der Streichliste stehen werden, und dass das von den eingesparten Gehältern des entlassenen Ensembles finanzierte Gebäude am Bussebart vieles sein wird, nur kein lebendiges Theater, allenfalls eine Mehrzweckhalle. Doch von Alternativen will der OB nichts wissen: Schließlich hat er die Spartenschließung ja angekündigt, nun setzt er sie um, ob sie Sinn ergibt, ist da egal.

Mit Verlaub, Herr Methling: Wer so viel Energie darauf verwendet, ein funktionierendes, erstklassiges und angesehenes Theaterensemble mit einem über Jahrzehnte gewachsenen Opernchor zu zerschlagen, obwohl es Alternativen gibt, die finanzierbar sind; wer so viel Energie darauf verwendet, ein Unesco – Weltkulturerbe, nämlich die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft, hier in Rostock zu zerstören,–der betreibt Bilderstürmerei und nichts anderes. So viel Meinungsfreiheit muss sein, auch in Rostock! Mich können Sie ja nicht entlassen…

Rostockerinnen und Rostocker,

wollt ihr das alles wirklich? Oder wollt Ihr Eurer Theater behalten, pflegen, nach vorne bringen, mehr von Euren Mitbürgern für Orchester, Gesang, Tanz und Schauspiel begeistern und ins Theater mitbringen? Und wollt Ihr mit Euren Kindern und Enkeln noch in die Oper und ins Tanztheater gehen können? Oder sollen sie in einer Stadt der kulturellen Verflachung aufwachsen, deren Kultur nur noch Jahrmärkte sind?

Rostockerinnen und Rostocker, das Theater gehört nicht Herrn Methling und Herrn Brodkorb – Es ist Euer Volkstheater, tut etwas dafür! Sagt Euren Stadtoberen, dass Ihr das Volkstheater weiter wollt. Sagt ihnen, dass Ihr die Opern wollt, dass Ihr den Tanz wollt, dass Ihr Euren Opernchor, Eure Sänger und Tänzer behalten wollt. Sagt Euren Stadtoberen, dass Ihr keine leere Betonhülle am Bussebart wollt, als Mausoleum eines einst lebendigen Volkstheaters . Seid solidarisch, Rostocker! Und Sagt Eurem Bildungsminister, sagt Eurem Ministerpräsidenten: Wenn Ihr das Rostocker Volkstheater weiter zerstört, wenn Ihr Eure Politik nicht ändert, könnt Ihr Eure Wiederwahl vergessen.

Und, Mitglieder der Bürgerschaft: Lasst auch Ihr Euch nicht für dumm verkaufen, so wie am 25. Februar, als Ihr für den Kahlschlag als „Kompromiss“ getarnt, als ihr für die Spartenschließung als „Kooperation“ getarnt gestimmt habt, Frau Briese-Finke, Herr Dr. Terpe. Knickt nicht wieder und weiter ein, stoppt den Kulturkahlschlag stoppt die Totengräber des Volkstheaters jetzt!

Es lebe das Rostocker Volkstheater mit allen seinen Sparten und Mitarbeitern!