151129 – Wolfgang Methling

Sturmwächter Prof. Dr. Wolfgang Methling am 29.11.2015:

 

151130-methlingLiebe Rostockerinnen und Rostocker, liebe Freunde des Volkstheaters Rostock,

es ist stürmisch draußen und ums Volkstheater. Und stürmisch ist es auch drinnen, im Rathaus und in der Stadtgesellschaft. Dem Volkstheater weht seit Monaten ein scharfer Wind, ja ein Sturm entgegen. In solch stürmischen Zeiten werden Sturmwächter für das Theater gebraucht. Einer von diesen möchte ich sein – nicht als ehemaliger Politiker der PDS/Linkspartei, sondern als Vorsitzender der parteineutralen Kulturstiftung Rostock e.V.. Die Kulturstiftung Rostock ist gewissermaßen ein freier Träger von Kultur, sie ist u.a. seit 10 Jahren Träger des Rostocker Kunstpreises.

Ich hatte schon bei verschiedenen Veranstaltungen die Gelegenheit, für den Erhalt des Rostocker Volkstheaters mit seinen vier Sparten zu sprechen. Lassen Sie mich ein paar Argumente vortragen:

Eine Reduzierung/Beschneidung auf zwei Sparten (oder die Mogelpackung 2+2) würde die Attraktivität und Leistungsfähigkeit des traditionsreichen Volkstheaters erheblich vermindern.
Eine Reduzierung auf zwei Sparten führt zwangsläufig zu einem geringeren Angebot an interessanten Inszenierungen. Das würde auch die wirtschaftliche Bilanz des Theaters durch geringere Einnahmen nachhaltig beschädigen. Der Verzicht auf das Musiktheater wäre deshalb „Sparen“ am falschen Ende.

Die Liquidation des Ballettes würde den Spielplan weniger attraktiv machen. Ersatz durch Gastspiele von anderen Theatern auf der Rostocker Bühne bedeutet selbstverständlich mehr leblose, blasse Standard-Bühnenbilder und -Inszenierungen. Die könnte man auch in der Stadthalle aufführen. Sie würden eine geringere Identifizierung der Einwohner mit Ihrem Theater nach sich ziehen. Der Verzicht auf Musik- und Tanztheater würde auch für die Philharmonie eine Einschränkung ihres Leistungspotenzials bedeuten.

Nicht zu unterschätzen ist die Funktion des Volkstheaters als Praxis- und Kooperationspartner für die Studenten und Absolventen der Hochschule für Musik und Theater. Hier können die Studierenden ihre Talente beweisen, den Personalbestand erweitern, sich für Aufgaben an anderen Theatern anbieten.

Ein Theater mit vier Sparten ist ebenso wichtig für die Attraktivität des Theaters für Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker. Welcher Spitzenkünstler will denn nach Rostock kommen und bleiben, wenn das Haus keinen guten Ruf als Volltheater, als Vierspartentheater hat. Sollen denn die Besten dem Beispiel von Stefan Rosinski folgen und an Theater mit sicherer Perspektive gehen? Soll denn auch unser tatkräftiger, kreativer Intendant Sewan Latchinian seine großartige innovative Arbeit an unserem Volkstheater beenden?

Schließlich will ich auf die Rolle des Theaters als „weicher“ Standortfaktor der Hansestadt Rostock, des Wirtschafts- und Wissenschaftszentrums des Landes Mecklenburg-Vorpommern, verweisen. Schon in Vergangenheit führten die teilweisen Defizite in der kulturellen Infrastruktur dazu, dass große Unternehmen den Hauptsitz ihrer Firma nach Hamburg oder in andere Zentren verlegt haben. Für die Ansiedelung von Firmen sind nicht nur Förderbedingungen und logistische Fragen wichtig, sondern auch die Attraktivität des Standortes durch kulturelle und Freizeitangebote.

Lassen Sie uns also gemeinsam das Volkstheater vor Sturmschäden durch Fehlentscheidungen im Rathaus schützen. Bekunden Sie Ihre Unterstützung für unser Volkstheater durch Ihre Teilnahme an den öffentlichen Willensbekundungen vor dem Rathaus (demnächst am 2. Dezember vor der Bürgerschaftssitzung) und anderswo. Vor allem aber: gehen Sie wie ich regelmäßig ins Theater! Das ist der beste Schutz des Theaters vor Sturmschäden!


Übernommen von der Facebook-Seite „Initiative Volkstheater