151201 – Christine Borgwald und Hubertus Wunschik

STURMWACHE für das Volkstheater Rostock von Christine Borgwald und Hubertus Wunschik am 01.12.:

Es ist alles schon gesagt:

Kulturelle Bildung ist ein unverzichtbares Element für die Zukunft unserer Städte und Gemeinden. Ob jemand als Kind, als junger Mensch oder als Erwachsener die Chance und die Möglichkeit erhält, im kommunalen Umfeld seine künstlerischen und kreativen Neigungen und Begabungen zu entdecken und aktiv zu entfalten, kann der Stadt nicht gleichgültig sein.
Entsprechend differenziert sollte das Angebot, entsprechend vielfältig sollten die Aktionsfelder und Zugänge gestaltet werden. Gerade die intensive gesamtgesellschaftliche Diskussion um Reformen im Bildungswesen unterstreicht die Aktualität und Dringlichkeit nach kommunaler Moderation kultureller Bildungsprozesse.

Quelle: Dr. Stephan Articus, geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städtetages; Köln und Berlin, im September 2003

Es ist alles schon gesagt:

Es gilt, die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt in den Vordergrund zu stellen und dabei Identität zu ermöglichen, Integration zu unterstützen und das demokratische Miteinander zu befördern. Die Städte brauchen dafür die Partizipation der staatlichen Ebene genauso wie die der Wirtschaft und der Bürgerschaft selbst.
Eine zentrale Herausforderung in der pluralistischen Gesellschaft ist die Vielfalt von Lebensformen und Kulturen.
Kulturelle Vielfalt als Reichtum – und nicht als Bedrohung – für die eigene Lebensgestaltung erfahren zu können, ist ein zentrales Ziel demokratischer Kulturpolitik.
Die schwindende Integrationskraft tradierter Institutionen, Agenturen und Milieus – noch verschärft durch die strukturelle Krise der Arbeitsgesellschaft – erzeugt einen zunehmenden Bedarf nach neuen Orientierungssystemen und Navigationskompetenzen.

Quelle: Prof. Dr. Rita Süssmuth, Schwetzingen, im Mai 2003

Es ist alles schon gesagt:

Man staunt immer wieder, wie wenig Menschen, so klug sie sonst sein mögen, merken, welche Krisen im privaten wie auch im politischen und sozialen Leben die Verzwergung und die Verödung der Phantasie und Kultur mit sich bringt.

nach Erich Kästner

Es ist alles schon gesagt:

Wir fordern die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung auf, sich ohne inhaltliche, künstlerische und personelle Vorbehalte für die Zukunft des Volkstheaters Rostock als Vierspartenhaus mit Schauspiel, Musiktheater, Tanz und der Norddeutschen Philharmonie Rostock einzusetzen.
Es geht nicht nur um die Stadt Rostock. Es geht auch um die Region und unser Land.
Wir erwarten einen menschlichen und fairen Streit um die kulturwirtschaftliche Entwicklung unserer Regiopole.
Die Ränkespiele um die zukünftige Besetzung politischer Pöstchen auf dem Rücken des Theaters und der Kulturschaffenden müssen im Sinne von Transparenz und Wahrhaftigkeit ein Ende haben! Kultusministerium, Stadtverwaltung und Bürgerschaft sind verantwortlich für die kulturelle Entwicklung unserer Region: Wir erwarten einen Kulturentwicklungsplan, nicht einen Kulturabwicklungsplan!

aus: Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen Landkreis Rostock, 2015


Bereits im März 2011 hatte die Bürgerschaft beschlossen, Kulturpolitische Leitlinien für die Hansestadt Rostock zu entwickeln. Diese sollten die Grundlage für einen Kulturentwicklungsplan bilden. Im Mai 2012 wurde der Entwurf der kulturpolitischen Leitlinien zur Diskussion gestellt.
Im Januar 2014 beauftragten Kulturausschuss und Bürgerschaft der Hansestadt Rostock den Oberbürgermeister Roland Methling, eine Bestandsaufnahme aller kultureller Aktivitäten in der Hansestadt vorzunehmen. Der Bürgerschaft sollte bis März 2014 ein Zeit- und Maßnahmeplan zur Erarbeitung eines Kulturentwicklungsplanes der Hansestadt 2013 – 2019 vorgelegt werden, der bis Januar 2015 beschlossen werden sollte.

Dieser Kulturentwicklungsplan liegt bis heute nicht vor. So wie es kein tragfähiges Konzept für die Zukunft des Volkstheaters gibt, so gibt es auch kein Konzept für die gesamte kulturelle Entwicklung der Hansestadt.
Roland Methling entwickelt die Kultur nicht, er will sie abwickeln. Er fördert die Kultur nicht, er will sie kaputt sparen.
Warum macht er das? Welche Interessen verfolgt er?

Sparen an unserem Volkstheater in Rostock ist nicht dazu geeignet, ein kulturelles Zentrum von überregionaler Bedeutung zu erhalten.
Und letztendlich geht es nicht nur um das Volkstheater in Rostock sondern um die gesamte Kulturentwicklung in unserem Land.

Christine Borgwald, Hubertus Wunschik, Rostock, 01.12.2015


Übernommen von der Facebook-Seite der „Initiative Volkstheater“.