Rostocker Sparwut

Strafzinsen statt Theaterfinanzierung: Eine Frage von Kultur(losigkeit).
ODER: Warum hat die Bürgerschaft den OB nicht zum OSPA-Anlegerforum geschickt?

mcpoblog

Unser aller Oberbürgermeister lässt immer und überall erkennen, wie sehr ihm die Tilgung der Schulden, die sein „Konzern“ hat, am Herzen liegt (woher die Schulden kommen, wer für sie verantwortlich ist, wie hoch sie sind – das erfahren die Bürger nicht. Und wenn ein Bürger seine (?) Bürgerschaft fragt, dann weiß die das auch nicht und will es wohl auch gar nicht wissen. Demokratie eben).

„Konzern“, so nennt der OB bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Kommune Rostock. So führt er auch die ihm anvertraute Stadt. Kultur? Brauchen wir kaum, da sparen wir. Bildung, Soziales, Bürgerbeteiligung und ähnlicher Krimskram? Da sparen wir auch!

Immobilienwirtschaft, Hoch- und Tiefbau? Für deren Interessen hat der „Konzern“ stets ein offenes Ohr.

Aber wie passt das alles mit einer neueren Zeitungsmeldung zusammen? „Die Strafzinsen bei Geldinstituten haben Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Die Hansestadt Rostock zahlt bereits für Guthaben bei einer ihrer Hausbanken, wie ein Sprecher…

Ursprünglichen Post anzeigen 14 weitere Wörter

Advertisements

Sie haben es getan!

Sie haben wirklich Brodkorb zum Finanzminister gemacht. Das ist ein ganz schlimmes Programm. Bislang kämpften wir für den Erhalt eines funktionsfähigen Vier-Sparten-Volkstheaters. Den Kampf haben wir jetzt wohl unwiderruflich verloren.

Schlimmer noch: Die kulturelle Verödung wird weiter gehen und nicht mehr vorzugsweise auf Vorpommern beschränkt bleiben. So wie die „Büchner“ nicht zu bewahren war, das Desinteresse der Landesregierung am Erhalt der Mühlendammschleuse unübersehbar ist, den wenigen noch vorhandenen Wassermühlen im Lande auf Teufel komm raus der Garaus gemacht wird (ganz schlimmes Beispiel: Wassermühle in Rüthing), so wird es jetzt auch auf andere Lebensbereich übergreifen. Immer mit dem Finanzargument, das bei genauerem Hinsehen jedoch kaum einmal greift.

Eigentlich hat es schon lange übergegriffen, ob mit oder ohne Finanzargument:

  • Kein entschiedenes Vorgehen gegen Megaställe, sondern butterrweiche „Änderungs“-Genehmigungen zur hemmungslosen Vergrößerung bestehender Anlagen.
  • Glyphosat ist nicht so schlimm.
  • Uferrandstreifen minimieren und statt dessen den „guten ökologischen Gewässerzustand“ durch sündhaft teure Fischaufstiegsanlagen herstellen wollen (die dann nicht einmal mehr eine Wasserstandsregulierung ermöglichen).
  • Gegen den Willen der Einwohner alte (manchmal sogar unter Denkmalschutz stehende) Pflasterstraßen shreddern und zugunsten der Planer und Baufirmen mit viel öffentlichem Geld durch Asphalt ersetzen.
  • Zulassen, dass bei mehrteiligen Biogasanlagen jedes Teilelement als eigene GmbH deklariert wird, um den maximalen Förderbetrag abzufassen (aber den Investor von „Hohe Düne“ vor Gericht zerren, weil er Yachthafen und Hotelanlage als jeweils eigenständige Investgition deklarierte).
  • Nichts Ernsthaftes gegen die steigenden Grundwasserbelastungen (nicht nur Nitrat!) unternehmen.
  • Mit dem Trick einer „Änderungsgenehmigung“ in Rostock eine Müllverbrennung erlauben (ohne Umweltverträglichkeitsprüfung, ohne Öffentlichkeitsbeteiligung, mit minimaler Rauchgasreinigung und minimalster Überwachung des Schadstoffausstoßes).
  • Gegen ein eindeutiges Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) M-V über die Unrechtmäßigkeit dieser Erlaubnis Widerspruch einlegen.
  • Wegen der Klärschlammbelastungen nun auch noch den Klärschlamm verbrennen zu wollen.
  • usw. usf.

Ach, das ist ja nur eine klitzekleine Auswahl einer extrem bürger-, kultur- und zukunftsfeindlichen Landespolitik!

Dabei geht es am allerwenigsten darum, öffentliche Gelder einzusparen. Sonst dürfte beispielsweise nicht die betroffene Landesbehörde gegen das greifswalder OVG-Urteil auf Bundesebene zu Felde ziehen und dafür auch noch einen sehr teuren hamburger Rechtsanwalt anheuern – obwohl die Behörde einen fest angestellten, sachkundigen Juristen beschäftigt und es ja wohl im Lande noch andere gute Anwälte für Verwaltungsrecht gibt.

Was kann da noch ein VTR-Blog ausrichten? Sollten wir ihn als „Kassandra-Rufe“ weiterführen oder einstellen? Die unmittelbar Betroffenen wird weder das Eine noch das Andere interessieren, sie haben diesen Blog bislang nicht ein einziges mal genutzt.

Ein Leserbrief in der Ostsee-Zeitung:

Die Strukturreform muss weg!

Helge Bothur aus Rostock

Offenbar bedeutet Reform in unserem Land immer nur: Reduktion, Verringerung, Abschaffen, Verkleinern.

So auch in der zweiten Intendanz seit Beginn der kulturellen Abwärtsspirale. Ob Latchinian, Kümmritz oder wer auch immer…

… Solange Banausen in Sachen Theater das Sagen haben, werden die Menschen in den Theatern immer weniger, die Inhalte und Strukturen ihrer Arbeit immer flacher und löchriger und die Wahrnehmung in der Bevölkerung immer schlechter. Dieser Logik konnte Latchinian nicht mit Kraft, kann Kümmritz nicht mit Ruhe entkommen.

Gewöhnen wir uns daran. Mindestens das Volkstheater Rostock wird es leistungsfähig, hochqualitativ und in der Stadtgesellschaft fest verankert, bald nicht mehr geben. Dafür sorgen die Herren Sellering, Caffier, Brodkorb und Methling.

Diese vier wollen das so. Sonst wäre es anders.

Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit! Das war einmal (Wiener Secession, 1897/98).

Geld ist genug da

Aus der Rede von Sahra Wagenknecht auf der letzten Bundestagssitzung:

Aktuell liegen die Militärausgaben der NATO beim etwa 13-Fachen der russischen. Und jetzt brauchen wir noch mehr Aufrüstung, um die Sicherheit in Europa zu gewährleisten? Was ist denn das für ein Irrsinn!

Trotzdem gehörten Sie, Frau Bundeskanzlerin, wieder einmal zu den ersten, die die Umsetzung des 2-Prozent-Ziels angekündigt haben. 2 Prozent, das bedeutet 25 Milliarden Euro jedes Jahr mehr für Mordwaffen, für Panzer und für Kriegsgerät, aber für gute Renten fehlt uns angeblich das Geld, und für bessere Bildung erst recht. Was sind denn das für absurde politische Prioritäten, die Sie hier setzen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.

Quelle: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/07/wagenknecht-rechnet-mit-merkel-ab-was-ist-denn-das-fuer-ein-irrsinn/

Es hat sich schon lange angedeutet, dass die „Haushaltskonsolidierung“ auf Landes- und auf Bundesebene „höheren Zielen“ dient. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Klugerweise im Sommerloch. Und in den Medien bestenfalls mit Prozentangaben, nicht aber mit der konkreten Zahl von zusätzlich 25 Milliarden € pro Jahr zu finden.

 

Öffentlicher Dringlichkeitsantrag zur sofortigen Abberufung der Vorsitzenden des VTR-Aufsichtsrates

Hiermit wird beantragt, die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Volkstheater Rostock GmbH von ihrer Funktion als Vorsitzende zu entbinden und darüber hinaus sie auch als Mitglied des Aufsichtsrates abzuberufen.

Dieser Antrag erfolgt unter Bezug auf die bekannt gewordene, nichtöffentliche Vorlage-Nr. 2016/DA/1824 mit dem Titel „Dringlichkeitsantrag“, datiert vom 01.06.2016, zur Vorlage und Entscheidung durch den Hauptausschuss am 06.06.2016, eingereicht von der Aufsichtsratsvorsitzenden (hier nachlesbar: 160601-da-bachmann).

Stil und Inhalte dieses Dringlichkeitsantrages vom 1.5. sind geeignet, das Ansehen der Kommunalpolitik in der Stadt Rostock, aber auch das Ansehen der Antragstellerin selbst ernsthaft zu beschädigen. Der Antrag verletzt in vielfacher Weise allgemeine Anstandsregeln, von politischer Korrektheit ganz zu schweigen.

Obwohl der Antrag der Aufsichtsratsvorsitzenden (im folgenden als AV abgekürzt) selbst alle Argumente meines Abberufungsantrages bereits einschließt, gehe ich nachstehend kurz auf einige Argumente/Vorwürfe der AV ein:

Vorwurf 1: Der Intendant hat eine Mail geschickt

und zwar nicht nur an den Aufsichtsrat, sondern auch an den Betriebsrat. Nach Auffassung der AV ist es jedoch unzulässig, den Betriebsrat zu informieren, „solange es keine einheitliche Geschäftsführer- oder Arbeitgeberposition gibt“. Das soll eine entlassungswürdige ‚Verletzung der Verschwiegenheitspflicht‘ sein? Nanu? Gilt nicht mehr, dass der Betriebsrat ein Organ zur Mitbestimmung und Vertretung der Arbeitnehmerinteressen, der auch an betrieblichen Entscheidungen mitwirkt?

Schlimmer noch, der Intendant hat eine Vorlage des kaufmännischen Geschäftsführer ernst genommen. Die Vorlage beinhaltete die Schließung des Tanztheater zum Sommer 2018. So lasen wir es ja auch mehrfach in den Zeitungen. Alles nur Spaß – es war lediglich ein Tippfehler und der Intendant hat nicht Korrektur gelesen! Das ist ein „Verstoß gegen die Fürsorgepflicht“ (AV).

Und wenn der Intendant schreibt, „wegen einiger sehr weniger Tausend Euro Mehrkosten bis zum Sommer 2018 für 2 langjährige, verdienstvolle Schauspielkollegen wird die im Hybridmodell eigentlich vorgesehene Option der Verkleinerung der Schauspielsparte … aufgegeben, eine kompakte Spartenschließung realisiert…“, dann deutet die AV das um zu folgender Unterstellung: „Im Hause wird dies als Schutz ausschließlich für die seitens des Intendanten mitgebrachten Schauspieler/innen und damit als Ungleichsbehandlung empfunden“. Das ist gleich mehrfach falsch:

  • Einer klaren Ansage des Intendanten wird eine „Empfindung im Haus“ entgegengestellt. Woher kommt diese Empfindung? Hält sich die AV mehr im Theater als ab ihrem Arbeitsplatz auf (was sagt ihr Arbeitgeber dazu?) oder hat sie Zuträger?
  • Der Intendant bezieht sich eindeutig auf zwei langjährige Schauspielkollegen und damit eindeutig nicht auf diejenigen, die er mitgebracht hat.
  • Von einem „Ausspielen von Beschäftigungsgruppen“ kann in den zitierten Textpassagen des Intendanten nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil!

Darf man Sachverhalte so schlimm uminterpretieren?

Dann steht da noch ein hinterfragungswürdiger Satz in dem AV-Antrag: „Das innerbetriebliche Ausspielen eines Geschäftsführer gegen einen anderen verstößt gegen die Pflichten eines Geschäftsführers“. Nanu? Wenn also ein GF einen (Tipp-) Fehler macht oder Schlimmeres, dann darf der andere GF dies nicht beanstanden? Ich kenne Fälle, bei denen ein GF den anderen sogar anzeigen musste… Durfte er gar nicht, Frau AV?

Vorwurf 2: Der Intendant hat noch eine Mail geschickt,

deren Inhalt auf Seite 4 oben des AV-Antrages nachgelesen werden kann. Jeder arglose Mitbürger empfindet die dort zitierten Sätze als gut und richtig. Was macht die Aufsichtsratsvorsitzende daraus? Ich zitiere (nur ausschnittsweise, wer sich alle Vorwürfe und Fehlinterpretationen antun will, lese den AV-Antrag):

  • „Der Intendant kündigt den künftigen Bruch von Vertraulichkeit an“ – davon lese ich kein Wort in der Intendantenmail.
  • „Der Intendant belegt, dass er weiterhin Informationen weitergeben wird, egal, ob sie korrekt oder unkorrekt sind“. DAS soll er belegt haben? Wenn ja, warum wird es dann nicht zitiert? Weil es eine üble Unterstellung ist?

Vorwurf 3: Der Intendant hat ein Interview gegeben

Aussagen des Intendanten werden in tabellarischer Kurzform mit Anmerkungen kommentiert. Nicht alles ist von Außenstehenden bewertbar, konzentrieren wir auf das, was wir erkennen können:

„Der Theaterneubau verzögere sich weiter“ – „Behauptung ohne Beleg“.

„Das VTR können bis 2013 aufhören zu existieren“ – „Vermutung ohne Beleg“.

„… Heute habe ich Entlassungen in Größenordnungen schwarz auf weiß als Planung auf dem Papier“ – „… Falschdarstellung ( Leser fassen das als Kündigung auf)“.

Hier ist nur ein Beleg von vielen zum verzögerten Theaterneubau: „Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) erklärt, dass er keine Möglichkeit mehr sieht, ein neues Theaterhaus zu bauen… Die Einschätzung des Rostocker Oberbürgermeisters halten wir für realistisch, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums…“ (NDR).

Auch wenn man den vom OB zitierten Text von Minister Brodkorb liest, darf man heftige Zweifel am Zustandekommen eines Theaterneubaus heben.

Die Schlussfolgerungen der Aufsichtsratsvorsitzenden sind beeindruckend, wir zitieren hier nur die ersten zwei:

  • „Mit dem Interview verlässt der Intendant den innerbetrieblichen Raum“. Was will uns die AV hiermit sagen? Ist dem Intendanten jeglicher Freigang entzogen worden, steht er unter Hausarrest?
  • „Die Information über „Entlassungen“ verstößt gegen die Pflicht zur Verschwiegenheit über betriebliche Interna“. Eine Entlassung als rein innerbetriebliches Ereignis, dass auch dem Arbeitsamt besser nicht zu melden ist? Die Welt der AV ist doch sehr verschieden von meiner.

Vorwurf 4: Es geht ums Geld

Auch hier sind die Aussagen beeindruckend:

  • Die Nichterfüllung der im Herbst 2015 beschlossenen Wirtschaftsplanvorgaben 2016 in puncto Umsatzerlöse liegen in der Verantwortung des künstlerischen Geschäftsführers/Intendanten.“ Da kannste was lernen. Der kaufmännische GF macht wohl nur den Buchhalter. Und schreibt befremdliche Konzepte, unabgestimmt mit dem Intendanten. Obwohl der doch ausschließlich auch für das Pekuniäre zuständig ist… Ist hier nicht Einsparungspotential zu erkennen?
  • Der ersatzlose Ausfall von Vorstellungen stellt ein sog. Organisationsversagen seitens des Intendanten dar.“ Denn: „Für den Fall einer Erkrankung ist Ersatz vorzusehen bzw. zu organisieren…“. Klaro: Bei einem solchen Schauspielerüberschuss wie am VTR kann man alle Rollen doppelt besetzen und darüber hinaus auch noch entlassen (oder ist kündigen die richtigere Vokabel? Ich habe den Unterschied noch immer nicht verstanden).

Wie auch immer, der Intendant ist schuld.

Vorwurf 5: Der Spielplan

Auf zweieinhalb Seiten werden Vorgänge beschrieben, ohne dass Außenstehende, auch der Hauptausschuss nicht, diese hinsichtlich der Objektivität nachvollziehen können dürfte.

Einiges, was dem Intendanten seitens der AV zum Vorwurf gemacht wird, erscheint dem Schreiber dieser Zeilen durchaus nachvollziehbar und richtig. So wird zu einer Intendantenrede auf einer VTR-Vollversammlung am 29.2.16 berichtet,

  • „… der Gesellschafter müsse jetzt das Modell entscheiden“,
  • der Intendant „sei sich nicht sicher, ob die Planung jetzt zu stoppen und die Bürgerbeteiligung abzuwarten ist“,
  • der Intendant plädierte „für Aufhebung Zielvereinbarung und Gesellschafterbeschluss“,
  • er polemisierte gegen das Hybridmodell.

Das alles sollten erlaubte Überlegungen sein und keine Grundlage für Vorwürfe.

Weiter erfahren wir aus dem Antragstext im Abschnitt 5, S. 8, dass der Intendant noch am Tag seiner Krankmeldung aufgefordert wurde, die Planung vorzulegen und er ebenfalls noch am gleichen Tag antwortete und u.a. darauf auf die Notwendigkeit politischer Entscheidungen hinwies. Alles falsches Verhalten? Ebenfalls während seiner Krankschreibung, schrieb der Intendant an den Aufsichtsrat: „… wäre ich dankbar, wenn der Aufsichtsrat Maßnahmen beschließt, die nächste Schritte innerhalb der bisherigen Planungen, auch während meiner Erkrankung, im Interesse der Betriebsabläufe ermöglichen“. Auch falsch? Mit solchen und anderen Sachstandsinformationen (oder sollte ich hier besser Anführungszeichen benutzen?) gibt es dann u.a. folgende Schlussfolgerungen (bitte bei Interesse selbst alles nachlesen):

  • Der Intendant hat den Aufsichtsrat mehrfach unkorrekt über den tatsächlichen Stand der Spielzeitplanung informiert“.
  • „Die Planung ist bis zuletzt unvollständig geblieben“.
  • „Der schwache Spielplan bleibt hinter den Möglichkeiten des Hauses…“.

Vorwurf 6: Blockierung und Diskreditierung des Umstrukturierungsprozesses als Geschäftsführer

Zu diesem Thema gibt es drei Seiten Text. Die Informationen erscheinen mir aus ihrem jeweiligen Zusammenhang gerissen – es ist schwer bis unmöglich, sie zu werten oder zu kommentieren..

Wohl unfreiwillig wird deutlich, dass auch der Aufsichtsrat nicht davor zurückscheut, Interna weiterzureichen: „In einer Mail der Aufsichtsratsvorsitzenden … an die Mitlgieder des Gremiums heißt es: ‚Seit Tagen versucht die Anwältin von Herrn Latchinan einen Verhandlungstermin mit dem Oberbürgermeister zu bekommen. Verhandlungsgegenstand ist die vorzeitige Vertragsauflösung…’“. Quod licet Iovi, non licet bovi? Der AR als Jupiter? Es scheint an der Zeit, das ganze Geschehen mal auf die Bühne zu bringen.

Weiterhin wird sehr deutlich, dass man uns selbst bei der thematisch extrem eingeschränkten „Bürgerbeteiligung“ getäuscht hat, denn es gibt neben dem „Hybridmodell, 1. Fortsetzung“ des Herrn Rosinski auch ein Intendanten-Konzept „Hybridmodell für das VTR, 2. Fortsetzung“. Letzteres aber wurde vom Aufsichtsrat einfach ‚weggewogen‘. Müssen wir dummen Bürger / Ochsen nicht wissen müssen…

Fazit

Die nichtöffentliche Vorlage-Nr. 2016/DA/1824 mit dem Titel „Dringlichkeitsantrag“, datiert vom 01.06.2016, zur Vorlage und Entscheidung durch den Hauptausschuss am 06.06.2016 ist in meinen Augen ein Ausdruck ungebremster Verfolgungswut. Sie entspricht wohl kaum den Erwartungen von Objektivität und Sachlichkeit, die man für diese Thematik und von diesem Gremium erwarten darf. Deshalb mein diesbezüglicher Antrag, den ich im Grundsatz bereits einleitend begründet habe und der Gliederung des AV-Antrages folgend argumentativ zu untersetzen versuchte.

Natürlich ist meine gesamte Wortmeldung sowohl Ironie wie auch bitterer Ernst und wird ohne jede direkte Wirkung bleiben. Im besten Fall macht er das eine oder andere Mitglied des Hauptausschusses etwas nachdenklich. Vielleicht motiviert mein Text auch den einen oder anderen Rostocker Bürger, am Bürgerforum am 16. Juni ab 17:00 Uhr in der Rathaushalle teilzunehmen.

Und deshalb vier Seiten Text?

 

Niederträchtige Gemeinheiten statt Kulturpolitik – geht’s noch?!

Die Ostsee-Zeitung meldet heute:

Der Streit um die Zukunft des Volkstheaters Rostock hat sich nochmals verschärft. Um den finanziellen Sparvorgaben der Landesregierung genügen zu können, denken Aufsichtsrat und Theaterverwaltung offenbar über tiefere Struktureinschnitte nach, um zwei unkündbare Schauspieler auf diese Weise „rechtssicher“, d.h. ohne Klagemöglichkeit, betriebsbedingt kündigen zu können. Dazu soll, anders als bisher im  sogenannten „Hybridmodell“ vorgesehen, neben einem erweiterten Musiktheater kein Schauspiel mehr, sondern lediglich eine kleine Kinder- und Jugendtheatersparte bestehen.

Bekannt geworden ist der Streit aus Briefen der Volkstheater-Aufsichtsratsvorsitzenden Sybille Bachmann und des Intendanten Sewan Latchinian, der von diesen Plänen überrascht wurde und vor ihnen warnte. Darauf wurde ihm eine Verletzung der Vertraulichkeit und der Pflichten eines Geschäftsführers vorgeworfen. Bei den beiden unkündbaren Künstlern handelt es sich um die Schauspieler Petra Gorr und Ulrich K. Müller, zwei prägende und überregional bekannte Gestalten des Ensembles. Beobachter schlussfolgern aus dem Vorgang, dass das „Hybridmodell“ zu eng und gegen die Realitäten des Rostocker Theaters gerechnet worden war, um benötigte Mehrheiten zu erzielen, und jetzt verschärft werden müsse, um den finanziellen Vorgaben zu entsprechen.

Kein Kommentar.

Nachtrag: In einem leider bezahlpflichtien OZ-Artikel gibt es wichtige Informationen, die das Bild abrunden. Auch die befremdliche Rolle des kaufmännischen Geschäftsführers.

Caffier spricht Klartext

Heute steht der „Ostsee-Zeitung“  ein Interview mit dem Innenminister Lorenz Caffier [1]. Seine Aussagen zur Einflussnahme der Landesregierung auf die Stadtpolitik im allgemeinen und zum Theaterneubau im besonderen sind bemerkenswert und sehr eindeutig:

Frage: Es drängt sich zuletzt der Verdacht auf, das Sie Rostock als Innenminister finanziell an der kurzen Leine halten.

Caffier: Der Eindruck täuscht. Es gab eine Vereinbarung vor mehreren Jahren und ich bin jemand, der sich grundsätzlich an Vereinbarungen hält. Die Zielvereinbarung hieß immer: Rostock hat weiterhin zehn Millionen Euro Schulden jährlich zu tilgen. Und dann kann Rostock sich innerhalb des Haushaltskorridors bewegen…


Frage: Steht die Zusage, dass sich das Land am Theaterneubau beteiligt?

Caffier: Es gibt ja eine Reihe von Zusagen, wenn mal die Frage der Theaterstruktur endgültig geklärt ist. In Zusammenhang mit dem Gesamtpaket hat sich daran nichts geändert, auch was den Theaterneubau betrifft. Wobei ich immer dafür werbe, dass die Hansestadt ihren Investitionskorriodor nicht zu hoch hängt, weil das nachher dazu führt, dass Projekte nicht dementsprechend begleitet werden. Man soll sich nur so viel aufladen, wei man auch realisieren kann. Da gibt es eine Prioritätenliste, und die muss in der Stadt abgearbeitet werde.

Halten wir fest:

  1. Die Hansestadt Rostock ist nicht frei in ihrem Handeln. Die Landesregierung legt fest, wieviel Schulden pro Jahr zu tilgen sind. Damit legt die Landesregierung fest, wieviel Geld der Stadt für ihr Handeln übrig bleibt. „Kommunale Selbstbestimmung light“?
  2. Bei den Investitionen, die die Hansestadt Rostock tätigen darf, gibt es „eine Prioritätenliste, und die muss in der Stadt abgearbeitet werden“. Ein Theaterneubau steht offenbar nicht auf dieser Liste – oder ganz hinten.
  3. Erst sei die „Theaterstruktur“ umzusetzen. Dieses Theatershreddern ist also nicht auf dem Mist des Kultusministers gewachsen, sondern offenbar einhellige Meinung der Landesregierung. Schade, Herr Sellering, ich hätte Ihnen mehr Kultur zugetraut…
  4. Die klare Ansage des Innenministers erklärt auch den Text des Herrn Brodkorb, den man auf der Rathaus-Internetseite nachlesen kann (dazu später einmal mehr).
  5. Dank der Aussagen des Innenministers wird deutlich, wie die Stadtverwaltung die Theatermacher und die Bürger über viele Jahre bewusst getäuscht hat. Wie wurde Peter Leonard in seiner ersten Amtsperiode mit dem Versprechen eines alsbaldigen Theaterneubaus an der Nase herumgeführt! Was nahm er alles an Demütigungen und Belastungen seines ganzen Ensembles auf sich, weil er den OB-Versprechungen glaubte! Der es zweifellos besser wusste, wie man jetzt den Ausführungen des Innenministers entnehmen muss. Aber unser OB übt ja jetzt schon Selbstkritik: 160513-ob-zitat

Nein, ich mag Herrn Caffier nicht besonders. Auch, weil er Sparen und ein soziales Pflichtjahr für wichtiger hält als Kultur. Aber seine Ehrlichkeit imponiert mir.

Eine ganz andere und für den normalen Bürger offene Frage ist, was sind das für immense Schulden, die Rostock tilgen muss? Wofür wurden sie gemacht, wer hat sie zu verantworten?


[1] (Printausgabe S. 9 und bezahlpflichtig http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Politik/Caffier-Rostock-muss-weiter-sparen, Internetkurzfassung http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Politik/Caffier-Hansestadt-muss-weiter-sparen)

Werkstatt unserer Gesellschaft oder Theaterelend und Erpressung?

1. Gesellschaftlich unverzichtbar?

In einem Gastbeitrag für die Ostseezeitung weist Frau Prof. Barbara Kisseler, Kultursenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg und Vorsitzende des Deutschen Bühnenvereins darauf hin, dass

„die Theater in unserer Gesellschaft unverzichtbar sind. Sie setzen sich mit der aktuellen Wirklichkeit unserer Welt auseinander und ermöglichen dies auch ihrem Publikum, ihrer Stadt, ihrem Netzwerk. Auch Politiker täten gut daran, diese Funktion zum einen stärker anzuerkennen, und zum anderen die aus dieser Reflexion wachsenden Erkenntnisse in ihren Entscheidungen zu Veränderungen in den Theatern zu berücksichtigen…

Mit all ihren Formen des Engagements nehmen die Theater ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr, mischen sich ein und widerlegen so das Vorurteil vom elitären und wirklichkeitsfremden Elfenbeinturm. Sie stellen sich immer wieder der Herausforderung, aktuelle gesellschaftliche Themen zu bearbeiten und zu reflektieren.

Dies stößt manchen bitter auf…

Der Dichter Bert Brecht sagte es so: „Der Künstler hat nicht nur die Verantwortung vor der Gesellschaft, er zieht auch die Gesellschaft zur Verantwortung.“ Theater werden zu einem Großteil mit öffentlichen Geldern gefördert…

Die öffentliche Finanzierung ermöglicht künstlerische Intervention. Künstler wie Christoph Schlingensief haben gezeigt, dass ihre Projekte direkt und konfrontativ in die Gesellschaft einschlagen können, der theatrale Raum umgedacht werden kann, man sich von den Textvorgaben lösen und Neues schaffen kann, das das Spektrum der Stadttheater um ein Vielfaches erweitert.

Im Theater kumulieren Tradition und Moderne, historische Verortung und Neuinterpretation, Repräsentanz auf der Bühne und Interaktion mit dem Publikum zu etwas, das für jeden real erlebbar wird. So kann das Theater ganz unmittelbar und direkt die Frage stellen, wie wir in unserer Gesellschaft leben wollen. Es kann mit Witz und Sinnlichkeit, aber auch mit Provokation Kritik äußern. Es führt uns die Werte vor Augen, die in unserer Gesellschaft gelten.“

Man sollte den ganzen Beitrag lesen. Jeder Satz ist richtig. Jeder Satz gilt nicht für die „Hansestadt“ Rostock.

2. In Rostock eher verzichtbar!

Frank Schlößer analysiert die rostocker Situation und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis:

„…der Kahn läuft auf die Klippen zu… Ob das Schiff nun auf den Felsen landet oder ob vorher die Kessel explodieren und das Schiff führerlos auf dem Meer treibt – das Ende der MS Volkstheater ist so oder so in Sicht und auch eine 130jährige Tradition geht zuende, wenn – wie Gustav Mahler einst sagte – es nicht mehr um die Weitergabe des Feuers, sondern nur um die Anbetung der Asche geht.

… Die „MS Volkstheater Rostock“ wird dagegen im Bermuda-Viereck zwischen Kopenhagen, Hamburg, Berlin und Stettin versinken. In dieser Stadt ein neues Volkstheaterschiff auf Kiel zu legen, ist genauso sinnvoll wie einen Leuchtturm im Marianengraben zu bauen. Sewan Latchinian war der letzte Kapitän auf diesem Schiff. Wir wissen jetzt: Mit dieser Reederei konnte er nur scheitern. Derzeit sieht es so aus, als endet das Volkstheater wie die Deutsche Kaiserliche Marine im Jahre 1919 in Scapa Flow.“

Pikantes Detail: „…Oberbürgermeister Roland Methling … hat weder den vorgelegten neuen Spielplan von Sewan Latchinian als Arbeitsgrundlage akzeptiert noch traut er dem Intendanten zu, dass er …das Sparmodell am Volkstheater umsetzt“ (ebenda). Wie formulierte Frau Prof. Kisseler? „Die öffentliche Finanzierung ermöglicht künstlerische Intervention.“ Aber doch nicht in Rostock!

Man sollte auch diesen Artikel in voller Länge lesen.

3. Erpressung

Die Ostsee-Zeitung meldet heute:

„Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) stellt Rostock zusätzliche fünf Millionen Euro für den Bau eines neuen Theaters in Aussicht. Wenn die Hochschule für Musik und Theater (HMT) dort Räume bekommt…

„Das Geld ist da, aber das ist kein Selbstläufer“, wiederholt er seine Position. Voraussetzung bleibt nach wie vor, dass das Volkstheater, so wie in der Zielvereinbarung von 2015 festgelegt, „zukunftssichere Strukturen“ schafft.“

„Zukunftssichere Strukturen“ – das meint unverändert die Abschaffung der Schauspielsparte. Weil Sprechtheater am ehesten „Werkstatt unserer Gesellschaft“ sein kann, uns die Werte vor Augen führt, die in unserer Gesellschaft gelten?