Geld ist genug da

Aus der Rede von Sahra Wagenknecht auf der letzten Bundestagssitzung:

Aktuell liegen die Militärausgaben der NATO beim etwa 13-Fachen der russischen. Und jetzt brauchen wir noch mehr Aufrüstung, um die Sicherheit in Europa zu gewährleisten? Was ist denn das für ein Irrsinn!

Trotzdem gehörten Sie, Frau Bundeskanzlerin, wieder einmal zu den ersten, die die Umsetzung des 2-Prozent-Ziels angekündigt haben. 2 Prozent, das bedeutet 25 Milliarden Euro jedes Jahr mehr für Mordwaffen, für Panzer und für Kriegsgerät, aber für gute Renten fehlt uns angeblich das Geld, und für bessere Bildung erst recht. Was sind denn das für absurde politische Prioritäten, die Sie hier setzen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.

Quelle: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/07/wagenknecht-rechnet-mit-merkel-ab-was-ist-denn-das-fuer-ein-irrsinn/

Es hat sich schon lange angedeutet, dass die „Haushaltskonsolidierung“ auf Landes- und auf Bundesebene „höheren Zielen“ dient. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Klugerweise im Sommerloch. Und in den Medien bestenfalls mit Prozentangaben, nicht aber mit der konkreten Zahl von zusätzlich 25 Milliarden € pro Jahr zu finden.

 

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Wenn ich das Wort Kultur höre…

„Wenn ich Kultur höre … entsichere ich meinen Browning“, heißt es im „Schlageter“-Stück des SS-Oberführers und Präsidenten der Reichsschrifttumskammer Hanns Johst. Göring übernahm das Zitat und benutzte es so oft, dass es gemeinläufig ihm zugeschrieben wird.

Warum dieser Rückblick? Vielleicht, weil es heute nur auf den ersten Blick etwas subtiler zuzugehen scheint, aber auf den zweiten Blick genauso brachial? Die Zustände am VTR müssen hier nicht explitzit genannt werden. Jetzt wird in Rostock die Kulturkeule gegen das LOHRO geschwungen (und wiederum ist der Herr Oberbürgermeister direkt beteiligt) und andernorts löst man mal eben so ein Orchester auf, in Mainz wird das Theater angezeigt, weil die Mitarbeiter im Theater Beethovens „Ode an die Freude“ sangen, während sich die AFD vor dem Theater versammelte…

Nein, eine Pistole brauchen die heutigen Kulturschänder nicht, es reichen ein Dreh am Geldhahn, Repressionen und willlfährige Schlechtschreiber…

Jetzt auch noch offene Angriffe auf die „Initiative Volkstheater“ – was ist denn das für ein schlechter Stil, liebe OZ? Die Ostsee-Zeitung war einmal Vorreiter für den Erhalt des vierspartigen Volkstheaters und setzte mit ihren OZ-Foren zum VTR Maßstäbe für ein deutliches Engagement zugunsten unseres Stadtheaters – solange Frank Pubantz die rostocker Lokalredaktion leitete. Inzwischen hat wohl nicht nur die Kulturredaktion eine offenbar gänzlich andere Sicht aufs Theater, wie der  Verriß der Tanztheater-Uraufführung „Robin Hood“ durch Kulturchef Michael Meyer überdeutlich zum Ausdruck brachte. Nun kann man ja einen Theaterbesuch mental sehr unterschiedlich erleben und entsprechend darüber berichten. Aber von einem verantwortlichen Redakteur darf man auch ein Mindestmaß an Sachlichkeit erwarten, sonst läuft es für den arglosen Leser auf Desinformation hinaus.

Was hat das mit den Angriffen auf die Initiative Volkstheater zu tun? Auf seiner eigenen Facebook-Seite hat sich ein Initiative-Mitglied sehr über die ungerechte „Kritik“ des Herrn Meyer geärgert und dazu geschrieben. Das wurde dann (facebook-üblich) auf der FB der Initiative rebloggt. Was zumindest den Herrn Andreas Meyer, Leiter der Lokalredaktion Rostock, offenbar so sehr ärgerte, dass er in der heutigen OZ-Ausgabe eine regelrechte Schlammschlacht eröffnete. Unter der Überschrift „Krawall statt Konsens“ erfahren die OZ-Leser, „im Ton vergreift sich die Initiative gewaltig“. Beweis: Ein (in Zahlen: 1)  Mitglied der Initiative „beschimpfte“ auf der Facebooik-Seite der Initiative unlängst die Rostocker als „sattgefressen“ und „lahm“ (richtig, aber auch nicht zielführend: Der Schreiber beschrieb die wenig theater-engagierte Mehrheit der Rostocker als sattgefressen und lahm). Ein einziges Mitglied von rund zweitausend ist für Herrn Meyer repräsentativ! Noch dazu auf Facebook, diesem Netzwerk, auf dem es von unbedarften, dümmlichen, oft pubertär wirkenden Kommentaren nur so wimmelt! Wäre mir FB nicht viel zu unangenehm und hätte ich die Zeit, würde ich jetzt auf der FB-Seite der OZ gründeln gehen. Herr Meyer, nach Ihrer Vorgehensweise wäre das Ergebnis für die OZ katastrophal!

Dank Herrn Meyer können wir aber die meyer’sche (Un-) Logik mit seinen eigenen Worten kurz zusammenfassen: „Wer geht schon gerne ins Theater, wenn er sich vorher beschimpfen lassen muss?“

Und ich selbst frage mich, warum zahlst Du noch für die OZ, statt für das eingesparte Geld ins Theater zu gehen?

 

 

Eine zentrale Botschaft

Wenn der stellvertretende Chefredakteur der WELT-Zeitungsgruppe zur Feder greift, will er eine zentrale Botschaft vermitteln. In diesem Fall lautet sie:

„Fack ju Subvention!

Die durchsubventionierte deutsche Kulturlandschaft produziert nur gremienverhunzte Konsensbrühe. Künstler müssen sich endlich entscheiden, ob sie Staatsflittchen sein oder Kunst hervorbringen wollen.“

Sehen wir mal vom Stil dieser Schreibe ab, den der Herr Poschart als WELT-Bürger pflegt, und schauen auf den Inhalt.

Als erstes fällt

der inflationäre Gebrauch des Wortes „Subvention“

auf, obwohl kluge Leute mehr als einmal und wohlbegründet darauf hingewiesen haben, dass dieser Begriff in bezug auf jegliche Kulturförderung völlig unangemessen ist. Muss man aber als Mann von WELT nicht wissen. Daher enthält der WELT-Artikel 17 mal das Wort Subvention, das sind 3 % aller Worte im Artikel. Offenbar glaubt der Autor selbst nicht so recht, dass wir ihm seinen Text glauben, und versucht es daher mit Wort-Stalking.

Als zweites sticht

die durchgehende Denunziation engagierter Künstler

ins Auge. Fürs Theater liest sich das unter anderem so:

„Die Freundeskreise besonders avantgardistischer, vermeintlich linker Kulturinstitutionen sind bourgeoiser als jeder Rotary Club. So geht bürgerliche Kultur, und deswegen ist die Lobby für ihre Subventionierung so groß.“

„Im Berlin tobt ein Theaterstreit, in dessen Zentrum eine Elite von Theaterfürsten steht. Das sauer verdiente Steuergeld, das ihnen die öffentliche Hand rüberschubst, erachten sie als selbstverständlich. Es sind oft dieselben, die am Kapitalismus, der BRD, dem Spießer kein gutes Haar lassen, die all das verachten, was sie ermöglicht. Für diese Verachtung werden sie bezahlt.“

„Es gehört wie im Theater zur inneren Logik der Subvention, dass man deren Gestus der Spende als Demütigung versteht und mit Respektlosigkeit erwidert. Man spuckt auf die öffentliche Hand, die zahlt.“

Kurz und knapp: Unser stellvertretender Ober-WELT-Bürger hat messerscharf erkannt, dass die Theatermacher das alles um so weniger ernst meinen, je engagierter und gesellschaftskritischer sie es darstellen. Staatsflittchen eben.

Den Literaten, bildenden Künstlern und Filmemachern ergeht es nicht besser.

Als drittes folgt

die absolute Verarsche aller kunstinteressierten Menschen,

indem der stellvertretender Ober-WELT-Bürger die Welt mal schnell auf den Kopf stellt: „Die kulturellen Leitmedien im Fernsehen, die Serien, kommen in der Regel auch ohne Subvention zur Aufführung. Wer etwas sagen muss, weil es für ihn keine andere Option gibt, als Kunst zu machen, wird dies immer auch ohne finanzielle Unterstützung tun.“

Eben. Wir finanzieren alle das unsäglich seicht gewordene öffentlich-rechtliche Fernsehen mit einer unvermeidbaren Zwangsabgabe – aber „Subvention“ ist das natürlich nicht!

Die zentrale Botschaft,

auf die der stellvertretende Chefredakteur der WELT-Zeitungsgruppe so „überzeugend“ hingearbeitet hat, ist wenigstens konsequent und frei von jeglicher Eierei:

„Es wäre kein Problem, Kultursubventionen komplett einzustellen. Folgt man der Hegel’schen Idee der Kultur als Fortschritt im Geiste der Freiheit, dann gibt es kaum etwas, das sinnvollerweise zu fördern wäre.“

„DIE WELT“ ist kein beliebiges Blättchen, sondern ein Sprachrohr der Herrschenden. Aus diesem Blickwinkel wird sehr deutlich, warum das Theatersterben und andere Beschneidungen von kulturellen Aktivitäten nicht vorrangig den Kommunen und Landesregierungen anzulasten sind, warum unser kluger und integrer Ministerpräsident so hartnäckig schweigt und sich sein Kultusminister so zum Affen machen muss – es ist Staatsraison! Und als solche ein nur ein Element von vielen, die ein einziges Ziel haben: Den Bürgern das Denken abzugewöhnen, sie zu entmündigen bis hin zur Rechtlosigkeit. Nicht ohne Grund wettert der stellvertrende WELT-Mensch:

„richtig übel ist die Polemik dieser Subventionsfürsten, die jetzt gegen TTIP agitieren, gerne mit nationalen Ressentiments gegen den amerikanischen Kulturimperialismus. Motto: Kommt TTIP, kommt eine Hollywood-Monokultur.“

Kommt TTIP, kommt nicht nur USA-Monokultur, ungebremste Gen-Food, USA-Ideologie auf allen Bereichen, Aushebelung fast aller bürgerlicher Rechte, sofern sie Investoreninteressen entgegenstehen usw. usf.

Und neben TTIP kommt die schnelle Eingreiftruppe, kommen noch mehr militärische Aktivitäten an Russlands und Chinas Grenzen, erfolgt eine „Modernisierung“ der Bundeswehr sowie der ganzen NATO ohne absehbares Ende – es wäre noch viel aufzuzählen.

Auf einem anderen Blog fand ich ein Gedicht, das auch hierher zu gehören scheint:

Darum laßt uns alles wagen,
nimmer rasten, nimmer ruhn,
nur nicht dumpf, so gar nichts sagen,
und so gar nichts woll’n und tun.

Nur nicht brütend hingegangen
ängstlich in dem niedern Joch,
denn das Sehnen und Verlangen
und die Tat, sie bleibt uns doch!

Karl Marx

 

 

 

 

 

 

 

Es verschlägt einem die Sprache

Diese „Lehrstunden der Demokratie“, praktiziert am Thema Volkstheater, aber auf jeden anderen Bereich übertragbar, sollten wir Betroffenen sehr aufmerksam und keinesfalls passiv zur Kenntnis nehmen.

Lehrende sind vor allem unser Oberbürgermeister, der bei jeder passenden Gelegenheit zu erkennen gibt, dass er Theater für völlig überflüssig hält, vor allem dann, wenn es Geld kostet. Unser aller Bildungsminister, der nur so viel Bildung zuläßt, wie durch den Landeshaushalt bezahlbar ist – egal, wieviel Bruttoinlandsprodukt an anderer Stelle sinnlos oder gar contraproduktiv vergeudet wird, ist leider auch dabei.

Diese beiden haben also mit einigen Fraktionen der Bürgerschaft verhandelt, mit anderen lieber nicht. Weil die anderen sich den geforderten Leistungseinschränkungen für das Volkstheater nicht unterwerfen wollten, sondern zusammen mit dem Theater ein alternatives, kulturfreundlicheres Konzept vertraten – wohlgemerkt ohne Mehrkosten!

Alternative Konzept zu diskutieren ist kein verbindlicher Bestandteil der praktizierten, „repräsentativen“ Demokratie. Statt dessen hörten wir schon des öfteren das von der Landesregierung vertretene Prinzip des „Durchregierens“.

Im Nachhinein erfahren die Ausgeschlossenen dann auch noch Hohn und Spott:

„Die beiden Fraktionen haben sich selbst ausgeschlossen. Frau Bachmann ist nie erschienen, wenn wir über das Thema geredet haben. Gleiches gilt für die Fraktion der Linken: Sie wollten nicht in Richtung Kompromiss denken und verhandeln. Damit haben sie sich selbst aus dem Prozess entfernt. Sie wurden nicht ausgeschlossen. Das zu behaupten ist lächerlich.“ (Malte Philipp, OB-Fraktion).

Richtig, Herr Philipp, wer nicht für uns ist, ist gegen uns und mit dem reden wir erst gar nicht!

Der Beschlussentwurf der wahrhaftigen Demokraten (CDU, SPD, Grüne + UFR/FDP (letztere zeichnen übrigens als Ersteller!) wurde hier veröffentlicht und enthält wundersame Textstellen, z.B. die Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen „vom Grundsatz her“:

Beispiel 1:

„Mit der Umsetzung der Neustrukturierung werden betriebsbedingte Kündigungen vom Grundsatz her ausgeschlossen. Zu deren Vermeidung sind alternative Beschäftigungsmöglichkeiten und tarifliche Regelungen anzubieten. Das Land erklärt sich bereit, die Hansestadt Rostock bei der Suche nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten zu unterstützen“

Man beachte: Es sollen alternative, nicht etwa zumutbare Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden. Müllmänner (im übrigen nicht schlecht entlohnt), Politessen sind da durchaus denkbar.

Beispiel 2:

„Das Umsetzungskonzept ist allen Rostockerinnen und Rostockern in einem Internetforum zugänglich zu machen. Die Auswertung der Bürgerhinweise erfolgt zwei Monate nach Veröffentlichung des Konzeptes“

Besser als Frau Dr. Bachmann kann man es kaum kommentieren:

„… hier steht der Verrat am Bürger: die Rostocker werden nicht mehr bei der Strukturentscheidung selbst eingebunden, sondern sollen der Geschäftsführung bei der Erarbeitung der Umsetzungskonzeption zur Schließung der beiden Sparten behilflich sein – derart Unverschämtes ist kaum noch fassbar“.

Beispiel 3:

Die Bürgerschaft schließt sich mehrheitlich sogar selbst vom weiteren Entscheidungsprozess aus:

„Der Entwurf des Umsetzungskonzepts ist der Bürgerschaft am 09.09.2015 zur Kenntnisnahme vorzulegen“.

Zur Kenntnisnahme, nicht etwa zur Beratung und Entscheidung! Dr. Bachmann (ebenda): Die Bürgerschaft

„hat nichts mehr zu sagen, das machen die beiden Herren unter sich aus – der Kuhhandel wird perfekt“.

Beispiel 4:

Das ganze natürlich zum Wohl der Kultur und der BürgerInnen:

…damit das Kulturangebot den Einwohnern und Einwohnerinnen der Hansestadt so wie der Umlandgemeinden erhalten bleibt…“

Eine weitere Übung in Sachen „Demokratie“:

Die vier theatertötenden Bürgerschaftsfraktionen gaben eine Pressekonferenz exklusiv nur für zwei Medien, die OZ und die NNN. Frau Eva-Maria Kröger wagte es, als Zuhörerin daran teilzunehmen, denn sie ist nicht nur Fraktionsvorsitzende einer der von dem bisherigen Procedere ausgeschlossenen Fraktionen, sondern auch Vorsitzende der Volkstheater GmbH Rostock:

„Auf Betreiben des ebenfalls anwesenden Kulturministers Mathias Brodkorb sei sie schließlich von den Teilnehmern genötigt worden, den Raum zu verlassen. Oberbürgermeister Roland Methling als Hausherr der spontanen Pressekonferenz sei nicht eingeschritten“ (Schlößer).

„Mit dem Rauswurf von Eva-Maria Kröger aus der heutigen Pressekonferenz der Quadrilla mit Minister und OB haben sich die Beteiligten von jeglichem Anstand verabschiedet“ (Dr. Bachmann, ebenda).

Frank Schlößer kommentiert es (hier nur gekürzt) wie folgt:

„Rostock? Das ist doch die Stadt,… die sich Hansestadt nennt – aber nicht aus Stolz und Selbstbewusstsein. Sondern aus einem protzigen Traditions-Dünkel heraus, der eher zu einem Pissnest passt. Rostock ist die Stadt, in der die Quadratmeterpreise Spitzenpreise erreichen, die größer wird – und deshalb ihr Theater kleiner macht. Damit es besser zu den städtischen Kleingeistern passt, zu den Bonsai-Hanseaten, die sich damit brüsten, schon ewig nicht mehr im Theater gewesen zu sein. Zu den Bonsai-Demokraten, die nur irgendwie endlich eine langwierige Diskussion vom Tisch haben wollen und dafür eine zweite Stadthalle bekommen…“

Und ein Leser fügt hinzu, dabei den Kreis zur Einleitung meiner bescheidenen Zusammenfassung schließend:

Börger M., 26.02.2015 | 11:43:

Aber Herr Schlösser, Rostock und seine demokratisch gewählte Bürgerschaft als Pissnest zu bezeichnen, dass ist schon ein eine klitzekleine Unverfrorenheit.
Und die immer so gehuldigten breiten gesellschaftlichen demokratischen Bündnisse haben beschlossen wozu Sie von den Bürgern gewählt worden sind.
Nun sollten Sie – als (un)abhängiger Journalist – doch hier nicht den schlechten Verlierer geben, sondern im Gegenteil, den Demokraten Beifall für Ihren Mut, Ihre Weitsicht und Ihre Entschlusskraft, spenden – so wie es der Bürger entschieden hat.
Überall breit legitimierte Demokraten, im Landtag und der Landesregierung, in der Bürgerschaft und sogar an der Spitze der Verwaltung.
Genau darum heisst es ja auch: MV tut gut.


 

Sehr viele Detailinformationen finden sich auf den vier Artikeln von das-ist-rostock.de, jeder enthält viele weiterführende und wichtige Links:

20.2.2015 – 34 Prozent der Rostocker Bürgerschaft sind von den derzeitigen Diskussionen um Spartenschließungen am Volkstheater ausgeschlossen.

24.2.2015 – vor der Bürgerschaftssitzung

26.2.2015 – danach

27.2.2015 – Thierse-Brief

Nachlese

Es war bitter kalt auf der Theater-Demo am 28.1. – so kommt diese Nachlese ein wenig später. Was finden wir in den Medien zu dieser vom Aufwand her nicht geringen Veranstaltung?

  • Die OZ hält sich wie fast immer ziemlich bedeckt, ihr Bericht ist in Wort und Bild etwas mager (bezahlpflichtige Beiträge sind nicht berücksichtigt). Dazu gibt es zwei kurze Vidos: Ein Statement des Chefredakteurs und ein Demobericht (leider nur über den Chefredaktuer-Link zu ereichen).
  • Freundlicher gehen die Norddeutschen Neuen Nachrichten mit der Veranstaltung um: Ein nicht ganz so kurzer Textbeitrag und eine längere Fotostrecke. Dazu ein Interview mit dem Intendanten und am Vortag ein Bericht über die Organisatoren.
  • das-ist-rostock.de fehlt natürlich nicht, aber Frank Schlößer hat offenbar auch heftig gefroren – sein Beitrag kommt mir untypisch unterkühlt vor. Aber es gibt auch noch ein herzerwärmendes Interview mit Peter Bause. – Leider sind die Leserbriefe zum Schlößer-Artikel mehrheitlich negativ und unfair, die Briefschreiber haben erkennbar weder auf dem Neuen Markt mitgefroren noch das Theater wenigstens ab und an besucht. Aus dem warmen Heim kommen Hassbotschaften. Hier nur zwei Kostproben: (a) „…die freche Theaterkaste mit ihren radikalen Freunden lügt… derartig dreist die klebrigen Pfoten aufhällt … Die Wahrheit ist, wenn nicht die Linken, die 500 Leutchen und Mitarbeiter zusammengekarrt hätten, würde überhaupt niemand mehr für das Überbezahlte Orchester und seinen Intendanten auf die Strasse gehen. – Nein Rostock, eine solche feine Gesellschaft hast du wirklich nicht verdient.“, (b) „… Angestellte und diffuse Personen aus dem Halbschatten des dunklen Theaterumfeldes geifern um Beifall und kreischen in schrillen Tönen nach noch mehr Steuergeld. – Wer so etwas mitgemacht hat, weiss, solche Aufmärsche muss man verhindern und den Anfängen dieser Machenschaften mit allen demokratischen Mitteln vereint entgegentreten.“ usw. usf.
  • Nicht zu vergessen ist die Webseite des Theaterfördervereins, wo man den Redebeitrag von Frau Jonas nachlesen und im Anhang zwei Videos ansehen kann (Bericht vom  NDR-Nordmagazin, Bericht vom TV-Rostock).

Auf der Veranstaltung wurde angekündigt, dass die Beiträge der Veranstaltung auf CD dokumentiert und den Bürgerschaftsabgeordneten zur Verfügung gestellt werden sollen. Hoffen wir, dass diese CD auch für alle interessierten Theaterfreunde verfügbar ist.

(M)ein Rückblick aufs OZ-Theaterforum

Das ist mein ganz persönlicher, kurzer Rückblick auf das OZ-Theaterforum am 18.12.2014. Viel lieber würde ich die Ostsee-Zeitungs-Beiträge zum Geschehen zitieren, aber leider sind sie online bezahlpflichtig. Bei allem Verständnis dafür, dass die OZ ausreichend Einnahmen generieren muss – gelebte Solidarität mit dem Theater sähe anders aus.

Im Podium waren vertreten

  • für das Volkstheater der Intendant Sewan Latchinian und der Geschäftsführer Stefan Rosinski,
  • für die Parteien in der Bürgerschaft (in alphabetischer Reihenfolge) Frau Sybille Bachmann (Rostocker Bund), Frau Simone Briese-Finke (Grüne), Frau Eva-Marria Kröger (Linke), Herr Berthold Majerus (CDU) und Herr Thoralf Sens (SPD).
  • Abgesagt hatten sowohl der OB Roland Methling als auch Bildungsminister Mathias Brodkorb.

Gleich anfangs gab es unter anderem das Statement „Theater gehört nicht zu den prioritären Aufgaben der Daseinsvorsorge“ (Majerus).

Das ist zwar formalrechtlich korrekt. Man kann es entweder als obrigkeitsgegeben hinnehmen oder als mündiger Bürger in Frage stellen, weil menschgemacht. Podium und Publikum tendierten eindeutig zu letzterem. Die Diskussion arbeitete sich vom Ausgangspunkt „Wieviel Theater können wir finanzieren?“ über die Fragen „Wieviel Theater wollen wir?“, „Wieviel Theater brauchen wir?“ hin zur weitgehend gemeinsamen Auffassung, dass Theater ein ganz wichtiges Kulturelement und Kultur für die Gesellschaft unverzichtbar ist. „Kultur ist Daseinsvorsorge“ (Bachmann).

Natürlich kam die Diskussion immer wieder auf die finanziellen Rahmensetzungen zurück, insbesondere auf die kommunalen Anteile. Zu recht, denn eine Stadt, die wenig auf ihr Theater hält, darf kaum auf ausreichende externe Unterstützung hoffen

Daneben klangen immer wieder auch Landesaspekte an: Kann M-V auf Dauer Tourismusland Nr. 1 sein, wenn es seine kulturellen Potentiale zu wenig fördert? Sind gute kulturelle Angebote nicht auch ein unverzichtbares Gegengewicht zu den Wachstumstendenzen am rechten Rand?

Da wäre eigentlich auch die Bundesebene anzusprechen, denn so lange beispielsweise die Bundeswehr ausgiebig modernisiert wird und in vielen, kostspieligen Auslandseinsätzen aktiv ist, finden Steuergelder auf sehr kulturfeindliche Art und Weise Verwendung und fehlen auf Landes- und kommunaler Ebene. Ja aber, Kultur ist doch Ländersache? Bildung auch, doch wenn es die Herrschenden wollen, dann können sie beispielsweise ganz schnell das „Kooperationsverbot“ zwischen Bundesregierung und den Ländern für den universitäteren Bereich kippen. Könnten sie also auch im Kulturbereich… Das wäre bessere Daseinsvorsorge als die „Verteidigung unserer Interessen am Hindukusch“. Zumal das Interesse an den dortigen Rohstoffressourcen merklich geringer ausfiele, wenn die im Abfall enthaltenen Ressoucen nicht verbrannt, sondern recycelt würden (wobei wir wieder bei Veolia und den rund 8 Mio. € aus dem Stadtsäckel sind).

Muss ich explizit erwähnen, dass Podium und Publikum mehrheitlich ein Vierspartentheater erhalten wollen?

Nach rund 2 ½ Stunden Zuhören und Mitdiskutieren war das Publikum noch immer sehr munter, aber der Gastgeber läutete den Abschluss ein. Schade, dass kaum junge Leute anwesend waren. Reicht es den Studenten, gegen die RSAG-Fahrpreiserhöhungen zu protestieren, weil sie ja so überaus kostengünstig ins Theater gehen können? Und wo waren jene jungen Leute, die sich andernorts so überaus antikapitalistisch ausgeben? Sprechblasen sind offenbar doch bequemer als konkretes Engagement.

 

 

Freud und Leid

Freud und Leid existieren so oft und heftig neben einander. Zeitgleich zum stolzen Stapellauf am VTR müssen wir die schlimme Erkrankung von Jewgenij Potschekujew zur Kenntnis nehmen.


 

Der Stapellauf

Der Stapellauf in die 120. Spielzeit des Volkstheaters war ein voller Erfolg – so berichten es übereinstimmend die OZ (mit Bildergalerie und Video), die NNN (mit Bildergalerie), das-ist-rostock usw. usf. Hier die Pressemitteilung des Volkstheaters:

Spielzeiteröffnung am 20. September 2014: 1. STAPELLAUF Neubeginn

Am 20. September ist die 120. Spielzeit des Volkstheaters Rostock mit dem dreiteiligen, spartenübergreifenden Spektakel 1. STAPELLAUF Neubeginn eröffnet worden. Die Premiere war mit über 500 Zuschauern, darunter viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, aus Politik, Wirtschaft und Kultur restlos ausverkauft.

Mit dem offiziellen Spielzeitauftakt hat die monatelange Vorbereitungszeit der Spielzeit 2014/15 unter der neuen Intendanz von Sewan Latchinian ihren Höhepunkt erreicht.

Neben der ersten Mitspieloper der Musikgeschichte, Wilhelm Dieter Sieberts UNTERGANG DER TITANIC, feierten Uwe Johnsons INGRID BABENDERERDE und Kay Pollaks Theaterstück WIE IM HIMMEL Premiere. Das gesamte Theaterspektakel wurde von Intendant Sewan Latchinian inszeniert. Jede der drei Inszenierungen thematisiert das Phänomen des Neubeginnens auf unterschiedliche Weise: auf dem Gebiet der Technik, der Politik sowie der Liebe bzw. der Kunst.

Die Mitspieloper UNTERGANG DER TITANIC begann nach einer offiziellen Begrüßung um 16.00 Uhr auf dem Theatervorplatz. Von dort aus wurden die Besucher als Passagiere der 2. Klasse in den GROSSEN SAAL geführt, um anschließend über den Backstagebereich des Theaters in den Wirtschaftshof »evakuiert« zu werden und das Finale der 1979 in Berlin uraufgeführten Oper wiederum auf dem Vorplatz des Theaters zu erleben.

Das zweite Stück INGRID BABENDERERDE wurde in der Bühnenfassung des Volkstheaters Rostock von Holger Teschke, der ebenfalls zur Premiere anwesend war, uraufgeführt. Der Mecklenburger Dichter Uwe Johnson schilderte in seinem Erstlingsroman wie in den Anfängen der DDR bereits ihr Ende angelegt war.

WIE IM HIMMEL, nach dem gleichnamigen schwedischen Filmerfolg, bildete als dritte Inszenierung des Abends mit einem großen Finale den Abschluss des Eröffnungsspektakels. Gemeinsam mit dem Opernchor, der Singakademie Rostock und der Norddeutschen Philharmonie Rostock erzählt Kay Pollak die Geschichte des Stardirigenten Daniel Daréus, der nach einem Herzinfarkt in sein Heimatdorf zurückkehrt und dort einen ganz persönlichen Neubeginn wagt.

Thematisch an den Inszenierungen orientiert, wurden in der ersten Pause Auszüge aus dem letzten Speisemenü der Titanic vom 14. April 1912, in der zweiten Pause neu interpretierte Klassiker der ostdeutschen Schulspeisung angeboten.

Insgesamt sechs Mal bis in den Oktober wird die Auftaktveranstaltung wiederholt. Medienpartner des Theaterspektakels ist die OSTSEE-ZEITUNG.

„Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen, vor deren Hintergrund die künstlerischen Leistungen des Theaters wieder einmal in den Hintergrund zu rücken drohten, ist das spartenübergreifende Eröffnungsspektakel ein künstlerisches wie politisches Statement zugleich“, unterstrich Intendant Sewan Latchinian.


 

Jewgenij Potschekujew

das-ist-rostock berichtet in seiner Ausgabe vom 19.9. über die unheilbare Erkrankung des Pianisten Jewgenij Potschekujew. Seine Krankenkasse verweigert ihm Leistungen, die sein Leiden lindern könnten.

Am vergangenen Sonntag fand deshalb ein Benefizkonzert auf Schloss „K“ statt. Aber das Konzert folgte wohl zu dicht auf den „Stapellauf“ und wurde zumindest auf das-ist-rostock auch erst sehr spät angekündigt – es wird nicht viel zur unterstützenden Finanzierung beigetragen haben.

Ein weiteres Benefizkonzert, dass effizienter beworben wird und in einem viel größeren Raum stattfinden sollte, hat Jewgenij Potschekujew allemal verdient.

Eine sinnvolle Ergänzung ist das von Opernchor-Sänger Nils Pille auf seinen Namen eingerichtete Spendenkonto für den kranken Pianisten – mit dem Betreff „Hilfe für Jewgenij“, Iban: DE 60 1305 0000 1040517206, Bic: NOLADE21 ROS. Wir Musik- und Theaterliebhaber sollten es nutzen und uns dabei nicht schämen, wenn wir nur einen bescheidenen Beitrag leisten können – auf die Endsumme kommt es an!


 

PS

Dem Vernehmen nach war Herr Minister Brodkorb zwar nicht beim Stapellauf, aber er liest mit Schauspielstudierenden der HMT Rostock am 18. Oktober – in Güstrow!