Theaterhorror

Es ist kaum vorstellbar und scheint doch wahr zu sein: Den Mitgliedern des VTR-Ensembles wurde zum Spielzeitende gekündigt – mit Ausnahme des Orchesters und einigen wenigen „mit Bestandsschutz“ (vielleicht auch das Tanztheater ausgenommen?). Weil der neue Intendant „seine eigenen Leute mitbringt“… Und die Betroffenen schweigen.

Ein derart geheimes (und gemeines) Vorgehen ist ein übler Vertrauensbruch gegenüber dem Publikum. Warum wohl sind die Anatevka-Vorstellungen von Anfang an so gut besucht? Das Stück ist es nicht allein, viele wollen auch „nur“ ihren Peter Bause erleben, von dem sie wissen, wo er spielt, gibt es hohe Theaterkunst. Ein anderes Beispiel: Interessieren an „Virgina Woolf“ vordergründig die Ehestreitigkeiten (die kann man schließlich auch kostenlos daheim erleben) oder sind es nicht vor allem die Vollblutkomödianten Sandra-Uma Schmitz und Ulrich K. Müller, die uns in die Vorstellung locken? Offensichtlich wollen die Verantwortlichen die Bindungen zwischen den Künstlern und ihrem Publikum zerstören, um uns Konsumenten dann ein Bespieltheater auftischen zu können. In Unkenntnis dessen, dass es zwischen Kunst und Konsum gewisse Unterschiede gibt.

Als die Musiker für mehr Gehalt und Vollbeschäftigung warnstreikten, wusten sie bereits, dass ihre Kollegen vom Sprech- und Musiktheater mehrheitlich gekündigt waren. Was für ein Egoismus (und auch unglaubliche Kurzsichtigkeit), angesichts dieses Kahlschlages nur an sich selbst zu denken!

Heute ist wieder einmal der „Tag der Einheit“ und unter den Älteren werden es immer mehr, die sagen, das hätten sie so nicht gewollt, als sie ’89 auf die Straße gingen. Bananen statt Kultur ist auch wirklich ein schlechter Tausch. In dem so traurig armen Land wurde Kultur immer großzügig finanziert, Theater einbegriffen. Und wenn einmal ein Intendant wechselte, dann kündigte man doch nicht den Schauspielern und Sängern! Ein solcher Versuch hätte vermutlich weit mehr Unwillen hervorgerufen als die beabsichtigte Einführung des „Kaffee-Mix“. Aber bei allen Fehlern, die unsere damaligen Politiker machten, SO blöd waren sie denn doch nicht. Im Gegenteil, sie gingen mehrheitlich gerne und oft ins Theater.

Ich stelle mir gerade vor, bei einem Tierheim wechselt die Leitung und es würden daher auch die Tiere freigesetzt. Was für ein Aufschrei gäbe das! Aber mit Menschen kann man es offenbar machen. „Das ist im Westen seit eh und je so üblich“, höre ich immer wieder von Theaterleuten. Wer unter solchen Bedingungen nicht wütend wird, dem ist wohl nicht zu helfen.

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