Rück- und Ausblick

Der Abriss des Großen Hauses sollte schon 2016 erfolgen

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Ostseezeitungs-Forum zum Volkstheater. Da sprach unser aller Oberbürgermeister in einem Nebensatz davon, dass das Große Haus 2016 ohnehin abgerissen werde. Auf entsprechende Nachfragen antwortete er nicht, und sprach statt dessen davon, dass der Theaterneubau spätestens zum Jubiläumsjahr 2018 bespielt werden könne.

Die große Brandgefahr währte lange

Jahre später wurde das Große Haus von einem Tag auf den anderen geschlossen – wegen Brandgefahr. Ein entsprechendes Gutachten1 lag dem Oberbürgermeister schon rund ein halbes Jahr früher vor, so dass kein vernünftiger Grund für die abrupte Schließung erkennbar war. Das Gutachten beanstandete vor allem die Brandlasten durch Kleidung in den Garderoben, die zwischen Zuschauerraum und Hauptausgang angeordnet seien. Das ist zwar in fast allen Theatern so, aber wenn es in Rostock bei einem Brand Leib und Leben der Zuschauer gefährdet, warum hat dann der OB ein halbes Jahr mit seiner Eilentscheidung gewartet, also ein halbes Jahr lang den Theatergängern diese Gefahr zugemutet? Einer der Theatergänger fand das Zögern seines OB, der doch „einer von uns“ sein will, nicht lustig und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Er bekam eine Absage, legte Beschwerde beim Oberstaatsanwalt ein und erhielt wieder eine Absage. Denn Staatsanwälte sind kluge Leute und wussten wohl um den Fake das OB.

Rund anderthalb Jahre blieb das Große Haus geschlossen. Als es wieder öffnete, befanden sich die Garderoben mit all ihren Brandlasten an gleicher Stelle wie vorher.

Schiffbauhalle 207

Aber während der anderthalb Jahre hatte man ausführlich die Eignung der Werfthalle 207 als Theaterspielstätte testen können… Der damalige Intendant Peter Leonhard war viel zu sanft, um sich dieser langen Testphase zu widersetzen.

Sein Nachfolger Sewan Latchinian verbat sich diese Ersatzspielstätte und orientierte statt dessen auf die volle Nutzung des Großen Hauses. Auch das war ein dringlicher Grund, ihn loszuwerden. Sein Nachfolger Joachim Kümmritz hingegen setzt die Wünsche seines Dienstherren konsequent um:

Die Bespielung der alten Werfthalle in Besitz vom Verein Tradition Ostseeschifffahrt ist auf fünf Jahre angelegt. Die Dauer war Reichel und Kümmritz wichtig, um dem Publikum Zuverlässigkeit zu geben und damit sich die Investition lohne.

 „Kabeltunnel würden zum Beispiel fest verlegt. Tische, Stühle, Sanitär, Zwischenlager, Ton – dergleichen sei zu bedenken. ebenda.

Mit Kümmritz ließe sich „mit dem Ensemble, mit leidenschaftlichen Schauspielern, Musikern, Sängern und Tänzern Theaterlust wecken“, sagt der Oberbürgermeister, „aber das schaffen wir nicht in der Doberaner Straße… „Ich sehe das als eine ganz große Chance, auch anknüpfend an ,West Side Story’ und an ,Broadway’, was wir 2010/2011 in der Halle 207 hatten.“ ebenda

So wird der Weg frei gemacht für den Abriss des Großen Hauses, wenngleich leicht verspätet. Ist ja auch ein wirklich attraktives Quartier, ideal für eine hochpreisige Neubebauung.

Wozu jetzt noch einen Theaterneubau?

Und wenn das so gut funktioniert in einer alten Schiffbauhalle, warum dann noch einen Theaterneubau errichten lassen? So befand unser aller OB am 21. Januar 2017: Ein Beschluss der Bürgerschaft habe dem Theaterneubau jegliche Basis entzogen (der Beschluss besagt, dass das Theater einen Theaterneubau nicht aus seinem laufenden Haushalt vorfinanzieren muss, denn andernfalls gäbe es zwar vielleicht irgendwann einen Theaterneubau, aber keine Akteure mehr, die es bespielen könnten. Die wären zwecks Bau-Vorfinanzierung schrittweise weggespart).

Da flossen reichlich Krokodilstränen (ebenda):

… persönlich bedauert Oberbürgermeister Roland Methling die Entscheidung sehr. „Unter diesen Voraussetzungen bleibt uns nichts weiter übrig, als uns vom Traum eines neuen Stadttheaters für Rostock zu verabschieden. Ich hatte die Umsetzung des schon 1993 von der Bürgerschaft beschlossen Projekts mit Übernahme des Amtes als Oberbürgermeister im Jahr 2005 als wichtiges Ziel betrachtet. Jahrelange Arbeit wird damit zunichte gemacht, um sich erneut um substanzielle Strukturentscheidungen zur Zukunftssicherung unseres Theaters zu drücken.“

Die Sanierungsmaßnahmen im derzeit vom Volkstheater genutzten Großen Haus an der Doberaner Straße waren darauf ausgerichtet, die Bespielbarkeit bis zum Jahr 2018 zu sichern. „Ein Theaterneubau ist in Rostock zwingend erforderlich. Die Mitglieder, die gestern diesen Beschluss der Bürgerschaft getragen haben, werden sich kurz- oder mittelfristig fragen lassen müssen, ob sie durch ihre Entscheidung wohlmöglich dem Theater seine Zukunftsbasis entzogen haben“, so Oberbürgermeister Roland Methling.

Noch viel zu viele Musiker

Wo er recht hat, hat er reicht. Und unser aller OB schlussfolgert weiter: Ohne Theaterneubau und Großes Haus brauchen wir in Rostock auch nicht mehr soooo viel Musiker. Der willfährige Intendant arbeitete zu, indem er frei gewordene Orchesterstellen nicht neu besetzte, obwohl die Musiker wegen der Sparvorgaben des OB und zugunsten einer vollen Besetzung schon mit weniger Entgelt in Form eines Haustarifvertrages auskommen. Die Künstlergewerkschaften kritisierten das und auch die stockenden Verhandlungen mit dem Theater und der Stadt.

Sofort nahm unser aller OB das zum Anlass, den Haustarifvertrag kurzerhand zu kündigen. Schließlich hatte er schon 2014 den Abschluss eines Haustarifs untersagt.

Pikant ist dabei auch dieses Detail: Während die Künstlergewerkschaften eine Vollbesetzung des Orchesters einfordern und andernfalls eine Klage androhen, informiert die Ostseezeitung, „Die Kündigung sei eine rein juristische Angelegenheit, zu der das Volkstheater durch die Klage der DOV gezwungen war“. Rein juristisch, ohne jede Auswirkung auf die Wirklichkeit, Frau Dr. Bachmann? Fake-News eben wie fast immer auch zum Thema Volkstheater.

Die Hanseln aber schweigen…

Die Schönen und Reichen fahren nach Hamburg oder Berlin ins Konzert oder Theater (sofern sie mal pausieren können beim Geldscheffeln) und der Rest hat ohnehin immer weniger Geld für Theater oder Konzert. Braucht Rostock wirklich (noch) ein Theater (fragte der OB schon kurz nach seiner Amtsübernahme)?

Es lohnt auch, sich mal die frühen Beiträge dieses Blogs anzusehen, beispielsweise https://vtrblog.wordpress.com/2013/04/04/verspatete-kenntnis-eines-bekannten-vorgangs/#comments und die zugehörigen Kommentare. Da waren die „Hanseln“ noch munter.


1Brandschutzkonzept vom Oktober 2010

Sie haben es getan!

Sie haben wirklich Brodkorb zum Finanzminister gemacht. Das ist ein ganz schlimmes Programm. Bislang kämpften wir für den Erhalt eines funktionsfähigen Vier-Sparten-Volkstheaters. Den Kampf haben wir jetzt wohl unwiderruflich verloren.

Schlimmer noch: Die kulturelle Verödung wird weiter gehen und nicht mehr vorzugsweise auf Vorpommern beschränkt bleiben. So wie die „Büchner“ nicht zu bewahren war, das Desinteresse der Landesregierung am Erhalt der Mühlendammschleuse unübersehbar ist, den wenigen noch vorhandenen Wassermühlen im Lande auf Teufel komm raus der Garaus gemacht wird (ganz schlimmes Beispiel: Wassermühle in Rüthing), so wird es jetzt auch auf andere Lebensbereich übergreifen. Immer mit dem Finanzargument, das bei genauerem Hinsehen jedoch kaum einmal greift.

Eigentlich hat es schon lange übergegriffen, ob mit oder ohne Finanzargument:

  • Kein entschiedenes Vorgehen gegen Megaställe, sondern butterrweiche „Änderungs“-Genehmigungen zur hemmungslosen Vergrößerung bestehender Anlagen.
  • Glyphosat ist nicht so schlimm.
  • Uferrandstreifen minimieren und statt dessen den „guten ökologischen Gewässerzustand“ durch sündhaft teure Fischaufstiegsanlagen herstellen wollen (die dann nicht einmal mehr eine Wasserstandsregulierung ermöglichen).
  • Gegen den Willen der Einwohner alte (manchmal sogar unter Denkmalschutz stehende) Pflasterstraßen shreddern und zugunsten der Planer und Baufirmen mit viel öffentlichem Geld durch Asphalt ersetzen.
  • Zulassen, dass bei mehrteiligen Biogasanlagen jedes Teilelement als eigene GmbH deklariert wird, um den maximalen Förderbetrag abzufassen (aber den Investor von „Hohe Düne“ vor Gericht zerren, weil er Yachthafen und Hotelanlage als jeweils eigenständige Investgition deklarierte).
  • Nichts Ernsthaftes gegen die steigenden Grundwasserbelastungen (nicht nur Nitrat!) unternehmen.
  • Mit dem Trick einer „Änderungsgenehmigung“ in Rostock eine Müllverbrennung erlauben (ohne Umweltverträglichkeitsprüfung, ohne Öffentlichkeitsbeteiligung, mit minimaler Rauchgasreinigung und minimalster Überwachung des Schadstoffausstoßes).
  • Gegen ein eindeutiges Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) M-V über die Unrechtmäßigkeit dieser Erlaubnis Widerspruch einlegen.
  • Wegen der Klärschlammbelastungen nun auch noch den Klärschlamm verbrennen zu wollen.
  • usw. usf.

Ach, das ist ja nur eine klitzekleine Auswahl einer extrem bürger-, kultur- und zukunftsfeindlichen Landespolitik!

Dabei geht es am allerwenigsten darum, öffentliche Gelder einzusparen. Sonst dürfte beispielsweise nicht die betroffene Landesbehörde gegen das greifswalder OVG-Urteil auf Bundesebene zu Felde ziehen und dafür auch noch einen sehr teuren hamburger Rechtsanwalt anheuern – obwohl die Behörde einen fest angestellten, sachkundigen Juristen beschäftigt und es ja wohl im Lande noch andere gute Anwälte für Verwaltungsrecht gibt.

Was kann da noch ein VTR-Blog ausrichten? Sollten wir ihn als „Kassandra-Rufe“ weiterführen oder einstellen? Die unmittelbar Betroffenen wird weder das Eine noch das Andere interessieren, sie haben diesen Blog bislang nicht ein einziges mal genutzt.

Ein Leserbrief in der Ostsee-Zeitung:

Die Strukturreform muss weg!

Helge Bothur aus Rostock

Offenbar bedeutet Reform in unserem Land immer nur: Reduktion, Verringerung, Abschaffen, Verkleinern.

So auch in der zweiten Intendanz seit Beginn der kulturellen Abwärtsspirale. Ob Latchinian, Kümmritz oder wer auch immer…

… Solange Banausen in Sachen Theater das Sagen haben, werden die Menschen in den Theatern immer weniger, die Inhalte und Strukturen ihrer Arbeit immer flacher und löchriger und die Wahrnehmung in der Bevölkerung immer schlechter. Dieser Logik konnte Latchinian nicht mit Kraft, kann Kümmritz nicht mit Ruhe entkommen.

Gewöhnen wir uns daran. Mindestens das Volkstheater Rostock wird es leistungsfähig, hochqualitativ und in der Stadtgesellschaft fest verankert, bald nicht mehr geben. Dafür sorgen die Herren Sellering, Caffier, Brodkorb und Methling.

Diese vier wollen das so. Sonst wäre es anders.

Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit! Das war einmal (Wiener Secession, 1897/98).

Mann über Bord!

Unzufriedene haben das Theaterschiff geentert und den Kapitän über Bord geworfen. Ohne Rettungsring. Geschweige denn in einem Beiboot ausgesetzt. Das sei zu teuer.

Der erste Offizier sieht diesem wüsten Treiben ziemlich gelassen zu. Er hat einen anderen Kurs als der Kapitän abgesteckt, will die Mannschaft ausdünnen und nimmt in Kauf, dass das Schiff in eine erhebliche Schieflage gerät. Aber dann hat er ja schon abgemustert…

Was werfen die Unzufriedenen dem Kapitän vor? Zu späte Ansage des zukünftigen Kurses (Spielplan), zu wenig Passagiere (Besucher = Einnahmen), Information der Mannschaft über die geplanten Kursänderungen seitens der Reederei (Geheimnisverrat!), vor allem aber fehlende Unterwürfigkeit gegenüber der Reederei.

Heute, am Dienstag, den 13.6. sollte der Spielplan für die neue Spielzeit vorgestellt werden. Weil der Kapitän acht Tage zuvor über Bord geworfen wurde und sich sein Geschäftsleitungspartner offenbar weigert, den Spielplan vorzustellen, fällt die Pressekonferenz aus. Auch der Aufsichtsrat scheint sich zu weigern, an Stelle des über Bord geworfenen Intendanten den Spielplan vorzustellen, obwohl doch gilt:

Kommt es bei einer AG zu einer sogenannten Führungslosigkeit, springt der Aufsichtsrat als passive Vertretung der Geschäftsführung ein, bis eine neue bestimmt … wird. http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/aufsichtsrat, auch http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/aufsichtsrat.html

Stellen wir also fest, ohne Kapitän

  • gibt es keinen öffentlich bekannt gemachten Spielplan,
  • fallen Vorstellungen aus (akktuell: „Sex und Liebe“),
  • gehen wegen fehlender Vorstellungen Einnahmen verloren.

Mit Kapitän wäre das alles vermeidbar gewesen.

Darf man angesichts dieser schlichten Fakten und vor allem auch angesichts des geheimen Antrages (160601-da-bachmann), den Kapitän über Bord zu werfen, einfach nur von „Unzufriedenen“ sprechen? Sind es nicht eher verfolgungswütige Schergen einer Obrigkeit, die höchst mittelalterlich anmuten? Selbst von inquisitorischem Vorgehen kann man nicht sprechen, denn bei der Inquisition gab es ein wohldefiniertes Verfahren, die Wahrheitsermittlung über den Weg rationaler Beweisführung stand im Vordergrund, wobei man sich insbesondere Zeugenaussagen bediente. Im aktuellen Fall gab es nur ein Geheimpapier für ein geheim tagendes und geheim beschließendes Gremium (genannt „Hauptausschuss“), ohne dass dem Angeklagten die Anklage zur Kenntnis gegeben oder ihm gar eine Stellungnahme dazu ermöglicht wurde. Tiefes Mittelalter? Irgendwie scheint das von den Exekutierenden selbst so empfunden zu werden, allerdings zielen die nachstehend zitierten Sätze gegen den Kapitän, nicht etwa gegen die Exekutierenden:

„Wenn die Freiheit der Kunst zur Versklavung des Künstlers führt, weil er in einem strukturellen Feudalsystem letztlich Leibeigener ist, dann muss das System in Zweifel gezogen werden.

Wenn ein strukturell so angelegtes System heutzutage tatsächlich despotisch ausgelebt wird und Leibeigene in existentielle Angst versetzt, dann steht es endgültig in Frage.

Wenn dann noch ein gutsherrlich anvertrautes Lehen (Theater) substantiell und existentiell gefährdet wird, dann besteht dringender Handlungsbedarf, sowohl im Interesse des Lehens als auch der Leibeigenen“ (zitiert aus der nicht mehr verfügbaren FB-Seite „Initiative Volkstheater“, Text von Frau Dr. Bachmann).

Bislang gab es zwei Begleitschiffe für das Theaterschiff, den Verein „Freunde und Förderer Volkstheater Rostock e.V.“ und die „Initiative Volkstheater“ mit deutlicher Aufgabenteilung. Der wegen Struktur und Größe etwas schwerer manövrierende Förderverein widmet sich vor allem den Fernrouten, die deutlich weniger strukturierte, facebook-basierte „Initiative…“ vor allem dem aktuellen Geschehen, Feuerwehraktionen und anderen Rettungsversuchen.

Jetzt steht die „Initiative…“ auf Facebook nicht mehr zur Verfügung. Nachdem die Unzufriedenen den Kapitän über Bord des Theaterschiffes geworfen hatten, versuchten sie immer heftiger, auch das kleine Ini-Schiffchen zu entern. Das nahm so bedrohliche Formen an, dass der Eigner und Schiffsführer das Schifflein ganz schnell in einen rundum geschlossenen Hafen brachte. Es steht einfach nicht mehr zur Verfügung.

Was nun? Keine Initiative mehr zeigen, das Theaterschiff im Nebel vor sich hin dümpeln und den Kapitän allein im Wasser treiben lassen? Schließlich kriegen wir ja einen neuen…

Oder von den Theaterfeinden lernen und erst einmal einen ziemlich geschlossenen Kern bilden, den Unzufriedenen und ihren Gefolgsleuten keinen Zugang gewähren? Wir könnten diesen Kern „Freundeskreis Theater“ nennen. Fast unvermeidbar wäre das wohl auch ein Freundeskreis für Sewan Latchinian, denn unabhängig davor, ob man bewundernd oder kritisch zu ihm steht – so wie der Hauptausschuss mit ihm umging, geht man nicht mit seinen Mitmenschen um!

Jetzt seid Ihr Leser dieses Blogs dran: Wie machen wir weiter?

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Öffentlicher Dringlichkeitsantrag zur sofortigen Abberufung der Vorsitzenden des VTR-Aufsichtsrates

Hiermit wird beantragt, die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Volkstheater Rostock GmbH von ihrer Funktion als Vorsitzende zu entbinden und darüber hinaus sie auch als Mitglied des Aufsichtsrates abzuberufen.

Dieser Antrag erfolgt unter Bezug auf die bekannt gewordene, nichtöffentliche Vorlage-Nr. 2016/DA/1824 mit dem Titel „Dringlichkeitsantrag“, datiert vom 01.06.2016, zur Vorlage und Entscheidung durch den Hauptausschuss am 06.06.2016, eingereicht von der Aufsichtsratsvorsitzenden (hier nachlesbar: 160601-da-bachmann).

Stil und Inhalte dieses Dringlichkeitsantrages vom 1.5. sind geeignet, das Ansehen der Kommunalpolitik in der Stadt Rostock, aber auch das Ansehen der Antragstellerin selbst ernsthaft zu beschädigen. Der Antrag verletzt in vielfacher Weise allgemeine Anstandsregeln, von politischer Korrektheit ganz zu schweigen.

Obwohl der Antrag der Aufsichtsratsvorsitzenden (im folgenden als AV abgekürzt) selbst alle Argumente meines Abberufungsantrages bereits einschließt, gehe ich nachstehend kurz auf einige Argumente/Vorwürfe der AV ein:

Vorwurf 1: Der Intendant hat eine Mail geschickt

und zwar nicht nur an den Aufsichtsrat, sondern auch an den Betriebsrat. Nach Auffassung der AV ist es jedoch unzulässig, den Betriebsrat zu informieren, „solange es keine einheitliche Geschäftsführer- oder Arbeitgeberposition gibt“. Das soll eine entlassungswürdige ‚Verletzung der Verschwiegenheitspflicht‘ sein? Nanu? Gilt nicht mehr, dass der Betriebsrat ein Organ zur Mitbestimmung und Vertretung der Arbeitnehmerinteressen, der auch an betrieblichen Entscheidungen mitwirkt?

Schlimmer noch, der Intendant hat eine Vorlage des kaufmännischen Geschäftsführer ernst genommen. Die Vorlage beinhaltete die Schließung des Tanztheater zum Sommer 2018. So lasen wir es ja auch mehrfach in den Zeitungen. Alles nur Spaß – es war lediglich ein Tippfehler und der Intendant hat nicht Korrektur gelesen! Das ist ein „Verstoß gegen die Fürsorgepflicht“ (AV).

Und wenn der Intendant schreibt, „wegen einiger sehr weniger Tausend Euro Mehrkosten bis zum Sommer 2018 für 2 langjährige, verdienstvolle Schauspielkollegen wird die im Hybridmodell eigentlich vorgesehene Option der Verkleinerung der Schauspielsparte … aufgegeben, eine kompakte Spartenschließung realisiert…“, dann deutet die AV das um zu folgender Unterstellung: „Im Hause wird dies als Schutz ausschließlich für die seitens des Intendanten mitgebrachten Schauspieler/innen und damit als Ungleichsbehandlung empfunden“. Das ist gleich mehrfach falsch:

  • Einer klaren Ansage des Intendanten wird eine „Empfindung im Haus“ entgegengestellt. Woher kommt diese Empfindung? Hält sich die AV mehr im Theater als ab ihrem Arbeitsplatz auf (was sagt ihr Arbeitgeber dazu?) oder hat sie Zuträger?
  • Der Intendant bezieht sich eindeutig auf zwei langjährige Schauspielkollegen und damit eindeutig nicht auf diejenigen, die er mitgebracht hat.
  • Von einem „Ausspielen von Beschäftigungsgruppen“ kann in den zitierten Textpassagen des Intendanten nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil!

Darf man Sachverhalte so schlimm uminterpretieren?

Dann steht da noch ein hinterfragungswürdiger Satz in dem AV-Antrag: „Das innerbetriebliche Ausspielen eines Geschäftsführer gegen einen anderen verstößt gegen die Pflichten eines Geschäftsführers“. Nanu? Wenn also ein GF einen (Tipp-) Fehler macht oder Schlimmeres, dann darf der andere GF dies nicht beanstanden? Ich kenne Fälle, bei denen ein GF den anderen sogar anzeigen musste… Durfte er gar nicht, Frau AV?

Vorwurf 2: Der Intendant hat noch eine Mail geschickt,

deren Inhalt auf Seite 4 oben des AV-Antrages nachgelesen werden kann. Jeder arglose Mitbürger empfindet die dort zitierten Sätze als gut und richtig. Was macht die Aufsichtsratsvorsitzende daraus? Ich zitiere (nur ausschnittsweise, wer sich alle Vorwürfe und Fehlinterpretationen antun will, lese den AV-Antrag):

  • „Der Intendant kündigt den künftigen Bruch von Vertraulichkeit an“ – davon lese ich kein Wort in der Intendantenmail.
  • „Der Intendant belegt, dass er weiterhin Informationen weitergeben wird, egal, ob sie korrekt oder unkorrekt sind“. DAS soll er belegt haben? Wenn ja, warum wird es dann nicht zitiert? Weil es eine üble Unterstellung ist?

Vorwurf 3: Der Intendant hat ein Interview gegeben

Aussagen des Intendanten werden in tabellarischer Kurzform mit Anmerkungen kommentiert. Nicht alles ist von Außenstehenden bewertbar, konzentrieren wir auf das, was wir erkennen können:

„Der Theaterneubau verzögere sich weiter“ – „Behauptung ohne Beleg“.

„Das VTR können bis 2013 aufhören zu existieren“ – „Vermutung ohne Beleg“.

„… Heute habe ich Entlassungen in Größenordnungen schwarz auf weiß als Planung auf dem Papier“ – „… Falschdarstellung ( Leser fassen das als Kündigung auf)“.

Hier ist nur ein Beleg von vielen zum verzögerten Theaterneubau: „Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) erklärt, dass er keine Möglichkeit mehr sieht, ein neues Theaterhaus zu bauen… Die Einschätzung des Rostocker Oberbürgermeisters halten wir für realistisch, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums…“ (NDR).

Auch wenn man den vom OB zitierten Text von Minister Brodkorb liest, darf man heftige Zweifel am Zustandekommen eines Theaterneubaus heben.

Die Schlussfolgerungen der Aufsichtsratsvorsitzenden sind beeindruckend, wir zitieren hier nur die ersten zwei:

  • „Mit dem Interview verlässt der Intendant den innerbetrieblichen Raum“. Was will uns die AV hiermit sagen? Ist dem Intendanten jeglicher Freigang entzogen worden, steht er unter Hausarrest?
  • „Die Information über „Entlassungen“ verstößt gegen die Pflicht zur Verschwiegenheit über betriebliche Interna“. Eine Entlassung als rein innerbetriebliches Ereignis, dass auch dem Arbeitsamt besser nicht zu melden ist? Die Welt der AV ist doch sehr verschieden von meiner.

Vorwurf 4: Es geht ums Geld

Auch hier sind die Aussagen beeindruckend:

  • Die Nichterfüllung der im Herbst 2015 beschlossenen Wirtschaftsplanvorgaben 2016 in puncto Umsatzerlöse liegen in der Verantwortung des künstlerischen Geschäftsführers/Intendanten.“ Da kannste was lernen. Der kaufmännische GF macht wohl nur den Buchhalter. Und schreibt befremdliche Konzepte, unabgestimmt mit dem Intendanten. Obwohl der doch ausschließlich auch für das Pekuniäre zuständig ist… Ist hier nicht Einsparungspotential zu erkennen?
  • Der ersatzlose Ausfall von Vorstellungen stellt ein sog. Organisationsversagen seitens des Intendanten dar.“ Denn: „Für den Fall einer Erkrankung ist Ersatz vorzusehen bzw. zu organisieren…“. Klaro: Bei einem solchen Schauspielerüberschuss wie am VTR kann man alle Rollen doppelt besetzen und darüber hinaus auch noch entlassen (oder ist kündigen die richtigere Vokabel? Ich habe den Unterschied noch immer nicht verstanden).

Wie auch immer, der Intendant ist schuld.

Vorwurf 5: Der Spielplan

Auf zweieinhalb Seiten werden Vorgänge beschrieben, ohne dass Außenstehende, auch der Hauptausschuss nicht, diese hinsichtlich der Objektivität nachvollziehen können dürfte.

Einiges, was dem Intendanten seitens der AV zum Vorwurf gemacht wird, erscheint dem Schreiber dieser Zeilen durchaus nachvollziehbar und richtig. So wird zu einer Intendantenrede auf einer VTR-Vollversammlung am 29.2.16 berichtet,

  • „… der Gesellschafter müsse jetzt das Modell entscheiden“,
  • der Intendant „sei sich nicht sicher, ob die Planung jetzt zu stoppen und die Bürgerbeteiligung abzuwarten ist“,
  • der Intendant plädierte „für Aufhebung Zielvereinbarung und Gesellschafterbeschluss“,
  • er polemisierte gegen das Hybridmodell.

Das alles sollten erlaubte Überlegungen sein und keine Grundlage für Vorwürfe.

Weiter erfahren wir aus dem Antragstext im Abschnitt 5, S. 8, dass der Intendant noch am Tag seiner Krankmeldung aufgefordert wurde, die Planung vorzulegen und er ebenfalls noch am gleichen Tag antwortete und u.a. darauf auf die Notwendigkeit politischer Entscheidungen hinwies. Alles falsches Verhalten? Ebenfalls während seiner Krankschreibung, schrieb der Intendant an den Aufsichtsrat: „… wäre ich dankbar, wenn der Aufsichtsrat Maßnahmen beschließt, die nächste Schritte innerhalb der bisherigen Planungen, auch während meiner Erkrankung, im Interesse der Betriebsabläufe ermöglichen“. Auch falsch? Mit solchen und anderen Sachstandsinformationen (oder sollte ich hier besser Anführungszeichen benutzen?) gibt es dann u.a. folgende Schlussfolgerungen (bitte bei Interesse selbst alles nachlesen):

  • Der Intendant hat den Aufsichtsrat mehrfach unkorrekt über den tatsächlichen Stand der Spielzeitplanung informiert“.
  • „Die Planung ist bis zuletzt unvollständig geblieben“.
  • „Der schwache Spielplan bleibt hinter den Möglichkeiten des Hauses…“.

Vorwurf 6: Blockierung und Diskreditierung des Umstrukturierungsprozesses als Geschäftsführer

Zu diesem Thema gibt es drei Seiten Text. Die Informationen erscheinen mir aus ihrem jeweiligen Zusammenhang gerissen – es ist schwer bis unmöglich, sie zu werten oder zu kommentieren..

Wohl unfreiwillig wird deutlich, dass auch der Aufsichtsrat nicht davor zurückscheut, Interna weiterzureichen: „In einer Mail der Aufsichtsratsvorsitzenden … an die Mitlgieder des Gremiums heißt es: ‚Seit Tagen versucht die Anwältin von Herrn Latchinan einen Verhandlungstermin mit dem Oberbürgermeister zu bekommen. Verhandlungsgegenstand ist die vorzeitige Vertragsauflösung…’“. Quod licet Iovi, non licet bovi? Der AR als Jupiter? Es scheint an der Zeit, das ganze Geschehen mal auf die Bühne zu bringen.

Weiterhin wird sehr deutlich, dass man uns selbst bei der thematisch extrem eingeschränkten „Bürgerbeteiligung“ getäuscht hat, denn es gibt neben dem „Hybridmodell, 1. Fortsetzung“ des Herrn Rosinski auch ein Intendanten-Konzept „Hybridmodell für das VTR, 2. Fortsetzung“. Letzteres aber wurde vom Aufsichtsrat einfach ‚weggewogen‘. Müssen wir dummen Bürger / Ochsen nicht wissen müssen…

Fazit

Die nichtöffentliche Vorlage-Nr. 2016/DA/1824 mit dem Titel „Dringlichkeitsantrag“, datiert vom 01.06.2016, zur Vorlage und Entscheidung durch den Hauptausschuss am 06.06.2016 ist in meinen Augen ein Ausdruck ungebremster Verfolgungswut. Sie entspricht wohl kaum den Erwartungen von Objektivität und Sachlichkeit, die man für diese Thematik und von diesem Gremium erwarten darf. Deshalb mein diesbezüglicher Antrag, den ich im Grundsatz bereits einleitend begründet habe und der Gliederung des AV-Antrages folgend argumentativ zu untersetzen versuchte.

Natürlich ist meine gesamte Wortmeldung sowohl Ironie wie auch bitterer Ernst und wird ohne jede direkte Wirkung bleiben. Im besten Fall macht er das eine oder andere Mitglied des Hauptausschusses etwas nachdenklich. Vielleicht motiviert mein Text auch den einen oder anderen Rostocker Bürger, am Bürgerforum am 16. Juni ab 17:00 Uhr in der Rathaushalle teilzunehmen.

Und deshalb vier Seiten Text?

 

Und das zum Kindertag?!

Auf der Facebook-Seite „Initiative Volkstheater“ wurde ein nichtöffentlicher Dringlichkeitsantrag (2016/DA/1824) öffentlich, der es in sich hat: 160601-da-bachmann

Frau Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende des VTR-Aufsichtsrates, beantragt, „Herr Sewan Latchinian wird aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführer abberufen und sein Geschäftsführeranstellungsvertrag aus wichtigem Grund fristlos gekündigt“.

Es wird kaum öffentlichen Protest geben. Der Antrag ist nichtöffentlich und es gibt nicht so viele Leser der Facebook-Seite. Vor allem aber: Es schnürt einem die Kehle zu. Es lähmt das Denkvermögen. Es macht hilflos. Es könnte in den Selbstmord treiben.

Datiert ist das Schreiben auf den 1.6.2016, also auf den Kindertag. Ehrlicher wäre eine um einen Tag frühere Datierung gewesen, denn am 31. Mai ist der Weltuntergang… Aber was ist schon ehrlich an diesem Text?

Bitte tut es Euch an und lest diese unsäglichen 13 Textseiten! 160601-da-bachmann

Niederträchtige Gemeinheiten statt Kulturpolitik – geht’s noch?!

Die Ostsee-Zeitung meldet heute:

Der Streit um die Zukunft des Volkstheaters Rostock hat sich nochmals verschärft. Um den finanziellen Sparvorgaben der Landesregierung genügen zu können, denken Aufsichtsrat und Theaterverwaltung offenbar über tiefere Struktureinschnitte nach, um zwei unkündbare Schauspieler auf diese Weise „rechtssicher“, d.h. ohne Klagemöglichkeit, betriebsbedingt kündigen zu können. Dazu soll, anders als bisher im  sogenannten „Hybridmodell“ vorgesehen, neben einem erweiterten Musiktheater kein Schauspiel mehr, sondern lediglich eine kleine Kinder- und Jugendtheatersparte bestehen.

Bekannt geworden ist der Streit aus Briefen der Volkstheater-Aufsichtsratsvorsitzenden Sybille Bachmann und des Intendanten Sewan Latchinian, der von diesen Plänen überrascht wurde und vor ihnen warnte. Darauf wurde ihm eine Verletzung der Vertraulichkeit und der Pflichten eines Geschäftsführers vorgeworfen. Bei den beiden unkündbaren Künstlern handelt es sich um die Schauspieler Petra Gorr und Ulrich K. Müller, zwei prägende und überregional bekannte Gestalten des Ensembles. Beobachter schlussfolgern aus dem Vorgang, dass das „Hybridmodell“ zu eng und gegen die Realitäten des Rostocker Theaters gerechnet worden war, um benötigte Mehrheiten zu erzielen, und jetzt verschärft werden müsse, um den finanziellen Vorgaben zu entsprechen.

Kein Kommentar.

Nachtrag: In einem leider bezahlpflichtien OZ-Artikel gibt es wichtige Informationen, die das Bild abrunden. Auch die befremdliche Rolle des kaufmännischen Geschäftsführers.

Neues Outfit

Der Theaterblog hat ein neues Outfit bekommen. Die Zeiten werden immer haariger – da hat sich der Admin gedacht, das Erscheinungsbild sollte sachlicher und lesbarer werden. Zumal viele und selbst kluge Leute immer weniger in der Lage sind, längere Texte aufzunehmen und zu verstehen, Zusammenhänge zu erfassen und möglichst auch zwischen den Zeilen zu lesen. Smartphone & Co. machens möglich…

Vielleicht ist die neue grafische Oberfläche („Twenty Eleven“ bei WordPress) beim Verstehen hilfreich. Über Nutzermeinungen freut sich der Admin!