Rostocker Sparwut

Strafzinsen statt Theaterfinanzierung: Eine Frage von Kultur(losigkeit).
ODER: Warum hat die Bürgerschaft den OB nicht zum OSPA-Anlegerforum geschickt?

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Unser aller Oberbürgermeister lässt immer und überall erkennen, wie sehr ihm die Tilgung der Schulden, die sein „Konzern“ hat, am Herzen liegt (woher die Schulden kommen, wer für sie verantwortlich ist, wie hoch sie sind – das erfahren die Bürger nicht. Und wenn ein Bürger seine (?) Bürgerschaft fragt, dann weiß die das auch nicht und will es wohl auch gar nicht wissen. Demokratie eben).

„Konzern“, so nennt der OB bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Kommune Rostock. So führt er auch die ihm anvertraute Stadt. Kultur? Brauchen wir kaum, da sparen wir. Bildung, Soziales, Bürgerbeteiligung und ähnlicher Krimskram? Da sparen wir auch!

Immobilienwirtschaft, Hoch- und Tiefbau? Für deren Interessen hat der „Konzern“ stets ein offenes Ohr.

Aber wie passt das alles mit einer neueren Zeitungsmeldung zusammen? „Die Strafzinsen bei Geldinstituten haben Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Die Hansestadt Rostock zahlt bereits für Guthaben bei einer ihrer Hausbanken, wie ein Sprecher…

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Rück- und Ausblick

Der Abriss des Großen Hauses sollte schon 2016 erfolgen

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Ostseezeitungs-Forum zum Volkstheater. Da sprach unser aller Oberbürgermeister in einem Nebensatz davon, dass das Große Haus 2016 ohnehin abgerissen werde. Auf entsprechende Nachfragen antwortete er nicht, und sprach statt dessen davon, dass der Theaterneubau spätestens zum Jubiläumsjahr 2018 bespielt werden könne.

Die große Brandgefahr währte lange

Jahre später wurde das Große Haus von einem Tag auf den anderen geschlossen – wegen Brandgefahr. Ein entsprechendes Gutachten1 lag dem Oberbürgermeister schon rund ein halbes Jahr früher vor, so dass kein vernünftiger Grund für die abrupte Schließung erkennbar war. Das Gutachten beanstandete vor allem die Brandlasten durch Kleidung in den Garderoben, die zwischen Zuschauerraum und Hauptausgang angeordnet seien. Das ist zwar in fast allen Theatern so, aber wenn es in Rostock bei einem Brand Leib und Leben der Zuschauer gefährdet, warum hat dann der OB ein halbes Jahr mit seiner Eilentscheidung gewartet, also ein halbes Jahr lang den Theatergängern diese Gefahr zugemutet? Einer der Theatergänger fand das Zögern seines OB, der doch „einer von uns“ sein will, nicht lustig und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Er bekam eine Absage, legte Beschwerde beim Oberstaatsanwalt ein und erhielt wieder eine Absage. Denn Staatsanwälte sind kluge Leute und wussten wohl um den Fake das OB.

Rund anderthalb Jahre blieb das Große Haus geschlossen. Als es wieder öffnete, befanden sich die Garderoben mit all ihren Brandlasten an gleicher Stelle wie vorher.

Schiffbauhalle 207

Aber während der anderthalb Jahre hatte man ausführlich die Eignung der Werfthalle 207 als Theaterspielstätte testen können… Der damalige Intendant Peter Leonhard war viel zu sanft, um sich dieser langen Testphase zu widersetzen.

Sein Nachfolger Sewan Latchinian verbat sich diese Ersatzspielstätte und orientierte statt dessen auf die volle Nutzung des Großen Hauses. Auch das war ein dringlicher Grund, ihn loszuwerden. Sein Nachfolger Joachim Kümmritz hingegen setzt die Wünsche seines Dienstherren konsequent um:

Die Bespielung der alten Werfthalle in Besitz vom Verein Tradition Ostseeschifffahrt ist auf fünf Jahre angelegt. Die Dauer war Reichel und Kümmritz wichtig, um dem Publikum Zuverlässigkeit zu geben und damit sich die Investition lohne.

 „Kabeltunnel würden zum Beispiel fest verlegt. Tische, Stühle, Sanitär, Zwischenlager, Ton – dergleichen sei zu bedenken. ebenda.

Mit Kümmritz ließe sich „mit dem Ensemble, mit leidenschaftlichen Schauspielern, Musikern, Sängern und Tänzern Theaterlust wecken“, sagt der Oberbürgermeister, „aber das schaffen wir nicht in der Doberaner Straße… „Ich sehe das als eine ganz große Chance, auch anknüpfend an ,West Side Story’ und an ,Broadway’, was wir 2010/2011 in der Halle 207 hatten.“ ebenda

So wird der Weg frei gemacht für den Abriss des Großen Hauses, wenngleich leicht verspätet. Ist ja auch ein wirklich attraktives Quartier, ideal für eine hochpreisige Neubebauung.

Wozu jetzt noch einen Theaterneubau?

Und wenn das so gut funktioniert in einer alten Schiffbauhalle, warum dann noch einen Theaterneubau errichten lassen? So befand unser aller OB am 21. Januar 2017: Ein Beschluss der Bürgerschaft habe dem Theaterneubau jegliche Basis entzogen (der Beschluss besagt, dass das Theater einen Theaterneubau nicht aus seinem laufenden Haushalt vorfinanzieren muss, denn andernfalls gäbe es zwar vielleicht irgendwann einen Theaterneubau, aber keine Akteure mehr, die es bespielen könnten. Die wären zwecks Bau-Vorfinanzierung schrittweise weggespart).

Da flossen reichlich Krokodilstränen (ebenda):

… persönlich bedauert Oberbürgermeister Roland Methling die Entscheidung sehr. „Unter diesen Voraussetzungen bleibt uns nichts weiter übrig, als uns vom Traum eines neuen Stadttheaters für Rostock zu verabschieden. Ich hatte die Umsetzung des schon 1993 von der Bürgerschaft beschlossen Projekts mit Übernahme des Amtes als Oberbürgermeister im Jahr 2005 als wichtiges Ziel betrachtet. Jahrelange Arbeit wird damit zunichte gemacht, um sich erneut um substanzielle Strukturentscheidungen zur Zukunftssicherung unseres Theaters zu drücken.“

Die Sanierungsmaßnahmen im derzeit vom Volkstheater genutzten Großen Haus an der Doberaner Straße waren darauf ausgerichtet, die Bespielbarkeit bis zum Jahr 2018 zu sichern. „Ein Theaterneubau ist in Rostock zwingend erforderlich. Die Mitglieder, die gestern diesen Beschluss der Bürgerschaft getragen haben, werden sich kurz- oder mittelfristig fragen lassen müssen, ob sie durch ihre Entscheidung wohlmöglich dem Theater seine Zukunftsbasis entzogen haben“, so Oberbürgermeister Roland Methling.

Noch viel zu viele Musiker

Wo er recht hat, hat er reicht. Und unser aller OB schlussfolgert weiter: Ohne Theaterneubau und Großes Haus brauchen wir in Rostock auch nicht mehr soooo viel Musiker. Der willfährige Intendant arbeitete zu, indem er frei gewordene Orchesterstellen nicht neu besetzte, obwohl die Musiker wegen der Sparvorgaben des OB und zugunsten einer vollen Besetzung schon mit weniger Entgelt in Form eines Haustarifvertrages auskommen. Die Künstlergewerkschaften kritisierten das und auch die stockenden Verhandlungen mit dem Theater und der Stadt.

Sofort nahm unser aller OB das zum Anlass, den Haustarifvertrag kurzerhand zu kündigen. Schließlich hatte er schon 2014 den Abschluss eines Haustarifs untersagt.

Pikant ist dabei auch dieses Detail: Während die Künstlergewerkschaften eine Vollbesetzung des Orchesters einfordern und andernfalls eine Klage androhen, informiert die Ostseezeitung, „Die Kündigung sei eine rein juristische Angelegenheit, zu der das Volkstheater durch die Klage der DOV gezwungen war“. Rein juristisch, ohne jede Auswirkung auf die Wirklichkeit, Frau Dr. Bachmann? Fake-News eben wie fast immer auch zum Thema Volkstheater.

Die Hanseln aber schweigen…

Die Schönen und Reichen fahren nach Hamburg oder Berlin ins Konzert oder Theater (sofern sie mal pausieren können beim Geldscheffeln) und der Rest hat ohnehin immer weniger Geld für Theater oder Konzert. Braucht Rostock wirklich (noch) ein Theater (fragte der OB schon kurz nach seiner Amtsübernahme)?

Es lohnt auch, sich mal die frühen Beiträge dieses Blogs anzusehen, beispielsweise https://vtrblog.wordpress.com/2013/04/04/verspatete-kenntnis-eines-bekannten-vorgangs/#comments und die zugehörigen Kommentare. Da waren die „Hanseln“ noch munter.


1Brandschutzkonzept vom Oktober 2010

Sie haben es getan!

Sie haben wirklich Brodkorb zum Finanzminister gemacht. Das ist ein ganz schlimmes Programm. Bislang kämpften wir für den Erhalt eines funktionsfähigen Vier-Sparten-Volkstheaters. Den Kampf haben wir jetzt wohl unwiderruflich verloren.

Schlimmer noch: Die kulturelle Verödung wird weiter gehen und nicht mehr vorzugsweise auf Vorpommern beschränkt bleiben. So wie die „Büchner“ nicht zu bewahren war, das Desinteresse der Landesregierung am Erhalt der Mühlendammschleuse unübersehbar ist, den wenigen noch vorhandenen Wassermühlen im Lande auf Teufel komm raus der Garaus gemacht wird (ganz schlimmes Beispiel: Wassermühle in Rüthing), so wird es jetzt auch auf andere Lebensbereich übergreifen. Immer mit dem Finanzargument, das bei genauerem Hinsehen jedoch kaum einmal greift.

Eigentlich hat es schon lange übergegriffen, ob mit oder ohne Finanzargument:

  • Kein entschiedenes Vorgehen gegen Megaställe, sondern butterrweiche „Änderungs“-Genehmigungen zur hemmungslosen Vergrößerung bestehender Anlagen.
  • Glyphosat ist nicht so schlimm.
  • Uferrandstreifen minimieren und statt dessen den „guten ökologischen Gewässerzustand“ durch sündhaft teure Fischaufstiegsanlagen herstellen wollen (die dann nicht einmal mehr eine Wasserstandsregulierung ermöglichen).
  • Gegen den Willen der Einwohner alte (manchmal sogar unter Denkmalschutz stehende) Pflasterstraßen shreddern und zugunsten der Planer und Baufirmen mit viel öffentlichem Geld durch Asphalt ersetzen.
  • Zulassen, dass bei mehrteiligen Biogasanlagen jedes Teilelement als eigene GmbH deklariert wird, um den maximalen Förderbetrag abzufassen (aber den Investor von „Hohe Düne“ vor Gericht zerren, weil er Yachthafen und Hotelanlage als jeweils eigenständige Investgition deklarierte).
  • Nichts Ernsthaftes gegen die steigenden Grundwasserbelastungen (nicht nur Nitrat!) unternehmen.
  • Mit dem Trick einer „Änderungsgenehmigung“ in Rostock eine Müllverbrennung erlauben (ohne Umweltverträglichkeitsprüfung, ohne Öffentlichkeitsbeteiligung, mit minimaler Rauchgasreinigung und minimalster Überwachung des Schadstoffausstoßes).
  • Gegen ein eindeutiges Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) M-V über die Unrechtmäßigkeit dieser Erlaubnis Widerspruch einlegen.
  • Wegen der Klärschlammbelastungen nun auch noch den Klärschlamm verbrennen zu wollen.
  • usw. usf.

Ach, das ist ja nur eine klitzekleine Auswahl einer extrem bürger-, kultur- und zukunftsfeindlichen Landespolitik!

Dabei geht es am allerwenigsten darum, öffentliche Gelder einzusparen. Sonst dürfte beispielsweise nicht die betroffene Landesbehörde gegen das greifswalder OVG-Urteil auf Bundesebene zu Felde ziehen und dafür auch noch einen sehr teuren hamburger Rechtsanwalt anheuern – obwohl die Behörde einen fest angestellten, sachkundigen Juristen beschäftigt und es ja wohl im Lande noch andere gute Anwälte für Verwaltungsrecht gibt.

Was kann da noch ein VTR-Blog ausrichten? Sollten wir ihn als „Kassandra-Rufe“ weiterführen oder einstellen? Die unmittelbar Betroffenen wird weder das Eine noch das Andere interessieren, sie haben diesen Blog bislang nicht ein einziges mal genutzt.

Ein Leserbrief in der Ostsee-Zeitung:

Die Strukturreform muss weg!

Helge Bothur aus Rostock

Offenbar bedeutet Reform in unserem Land immer nur: Reduktion, Verringerung, Abschaffen, Verkleinern.

So auch in der zweiten Intendanz seit Beginn der kulturellen Abwärtsspirale. Ob Latchinian, Kümmritz oder wer auch immer…

… Solange Banausen in Sachen Theater das Sagen haben, werden die Menschen in den Theatern immer weniger, die Inhalte und Strukturen ihrer Arbeit immer flacher und löchriger und die Wahrnehmung in der Bevölkerung immer schlechter. Dieser Logik konnte Latchinian nicht mit Kraft, kann Kümmritz nicht mit Ruhe entkommen.

Gewöhnen wir uns daran. Mindestens das Volkstheater Rostock wird es leistungsfähig, hochqualitativ und in der Stadtgesellschaft fest verankert, bald nicht mehr geben. Dafür sorgen die Herren Sellering, Caffier, Brodkorb und Methling.

Diese vier wollen das so. Sonst wäre es anders.

Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit! Das war einmal (Wiener Secession, 1897/98).

Verlorenes Theater Rostock (VTR)?

Schon bei dem recht merkwürdigen Rosinski-Konzept vermisste der aufmerksame Leser ein einleitendes Kapitel, das sich den Theaterbesuchern widmete. Wer kommt (noch?), wer bleibt weg, wer fehlt durchgehend – und warum?

Das blieb offen, aber weder der Gesellschafter (die Stadt Rostock, repräsentiert durch den OB) noch die Bürgerschaft im allgemeinen und der Theater-Aufsichtsrat im besonderen störte das. Merkwürdig.

Merkwürdig auch, dass das erste Tanztheater-Stück unter Sewan Latchinian („No satisfaction“) mit direkter Hilfe der Außenstelle M-V des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen entstand und daher konsequent die alte Kinkel-Forderung nach Delegitimierung der DDR umzusetzen versuchte (siehe auch die Beiträge auf diesem Blog „Pro und contra zu „No Satisfaction““ und „Dafür @ Dagegen„).

Danach versuchte sich das Tanzensemble an „Cafe colore“. Eine sehr schöne Idee, aber ziemlich einfallslos umgesetzt. Für die ganze Perten-Zeit gab es nur schnell über die Leinwand huschende Aufführungstitel und ein Perten-Zitat, das dem Theater bescheinigte, (auch) Ideologie zu vermitteln. Was wohl nach Auffassung der Aufführenden eine ganz schlimme Aussage darstellt.

Jetzt also das:

wir bedauern sehr, dass das Gastspiel mit MANFRED KRUG zu SPUR DER STEINE am Freitag, 23. September, krankheitsbedingt entfallen muss. Als Alternative wird es an diesem Abend ab 19:30 Uhr ein Konzert und eine Talkrunde im Großen Haus geben. Holm-Henning Freier vom Filmverein Latücht, der die Repressalien des DDR-Staates am eigenen Leib erfahren hat, und die Moderatorin Silke Hasselmann (Deutschlandradio, Deutschlandfunk, NDR) sprechen über den Umgang mit Film und Kino im DDR-Regime, die Rolle der DEFA und über das Verbot des Films „Spur der Steine“ von Frank Beyer. Anschließend spielt Thomas Putensen mit seinem Beat Ensemble die schönsten Lieder von Manfred Krug im Volkstheater.

(Quelle: Volkstheater).

Wird das Volkstheater Rostock jetzt direkt von der „Landeszentrale für politische Bildung“ oder eben vom BstU (mit-) bezahlt?

Freunde schrieben mit hierzu:

das halte ich … für skandalös, wie mit allem, was irgendwie mit der DDR zu tun hat, umgegangen wird!


…mir treten glatt die Tränen in die Augen angesichts der im Internet dargestellten Repressalien.
Hier will offensichtlich jemand seine karge Rente mit einem Taschengeld aufbessern, ob das klappen wird?… Unverständlich, dass Putensen bei dem Schwachsinn mitmacht…
Ansonsten grämt Euch doch nicht. Holter und Co. lassen grüßen….


… für mich, der nur die letzten 5 Jahre seines jungen Lebens in der DDR gelebt hat, ist das ja schon fast auch nur noch ein Stück Geschichte. Fast. Denn ich kann mich noch bruchstückhaft an Reste der DDR und den Übergang erinnern… Meine Eltern hatten nie Probleme in der DDR und fühlten sich in vielerlei Hinsicht auch wohl. Insbesondere in Anbetracht dessen, was wir heute haben.
Ich hatte noch das Glück, etwas Hauch der DDR in der Schulzeit mitzuerleben und bin immer wieder fasziniert über bestimmte Dinge von damals…
Ich selbst denke, hatte noch eine einigermaßen gemäßigte Darstellung über die DDR in der Schule. (ich war zwischenzeitlich zum Studium 2 Jahre im tiefkatholischen Teil Niedersachsens, wo mir schon abenteuerliche Dinge über die (ehemalige!) DDR entgegen schwappten, sowohl von Studenten als auch von Dozenten).
In mir erregt auch Besorgnis, dass Freunde von mir, die gerade ihr Abitur ablegten, mir erzählen, wie ihnen die DDR so vermittelt wurde. Wenn ich das so höre, habe ich das Gefühl, die DDR war vom 3. Reich nicht sehr weit entfernt…
Ja, mit zunehmender Zeit und abnehmenden Zeitzeugen wird komischerweise die Zahl der Gruselgeschichten mehr. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wer mehr über Holm-Henning Freier erfahren will, „der die Repressalien des DDR-Staates am eigenen Leib erfahren hat“, findet einiges im Internet (aber keine durchgehende Biographie, so dass manches offen bleibt):

  • Als Bundestagskandidat 2013 (als Beruf gibt er „Diplom-Filmwissenschaftler“ an) hat er auf konkrete Fragen zum Syrienthema lieber nicht geantwortet,
  • dafür aber seine Brötchen bei den Landesaussenstellen des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BstU) in Neubrandburg (2009-2013) und Chemnitz (ab 2014, obwohl da schon 64 Jahre alt) verdient.
  • Über die Repressalien der BRD will er offenbar nicht sprechen, obwohl er als letzter (Nachwende-) Intendant des DFF (!) unmittelbarer Zeitzeuge dafür wurde, wie das Adlershofer Fernsehen mit seinen hochbegabten Mitarbeitern erbarmungslos zerschlagen („gemühlfenzelt“) wurde (sollte man unbedingt nachlesen!).
  • Aber bei der „Zusammenarbeit … zwischen NS-Gedenkstätten und Gedenkstätten zu Repressionsgeschichte 1945 bis 1989“ ist er dabei .
  • und gedenkt – natürlich – auch 2013 des DDR-Volksaufstandes vor 60 Jahren.
  • 2015 ist er plötzlich „freier Journalist“.

Dabei  können die „Repressalien des DDR-Staates“ zumindest bei ihm nicht so schlimm gewesen sein, wenn man seiner Filmographie nachgeht:

1969/1970 Rottenknechte: Darsteller
1971/1972 Die große Reise der Agathe Schweigert: Darsteller
1975 Mein blauer Vogel fliegt: SS-Mann
1975: Requiem für Hans Grundig: Sprecher
1976/1977 Die Insel der Silberreiher: Darsteller
1978/1979 Des Henkers Bruder: Darsteller
1980-1982 Hotel Polan und seine Gäste: Darsteller
1981 DEFA KINOBOX [Jg. 1981 / Nr. 07]: Regie, Drehbuch
1981 Hahn Weltherr
1981 Gastregisseur am Puppentheater Karl-Marx-Stadt
1981/1982 Sabine Kleist, 7 Jahre: Darsteller
1982 Bildhauersymposium – Hoyerswerda im Sommer 1981
1982 Dein unbekannter Bruder: Darsteller
1985 Rechtsfindung: Inspektor
Ab 1986? Studium mit dem Abschluss als Diplom-Filmwissenschaftler ?

So ist das eben bei einem, der es offenbar in jedem gesellschaftlichen Umfeld versteht, oben zu schwimmen. „Ersatz“ für den krank gewordenen Manne Krug? Wohl kaum. Das ist, das macht krank.

Um auf die einleitende Frage zurückzukommen: Wer kommt (noch?), wer bleibt weg, wer fehlt durchgehend – und warum? Es kommen nicht mehr die Älteren und Alten, die wissen, wie es in der DDR war (und die „ihren“ Manne Krug unabänderlich ins Herz geschlossen haben), die sich nicht ständig „umschulen“ lassen wollen. Es kommen kaum Junge, weil sie die Vergangenheit wenig bis gar nicht interessiert. Es kommen einige im mittleren Alter, aber die meisten haben andere Sorgen oder sind Hartzies.

Für wen sind wohl Abende wie dieser „Ersatz“ gedacht? Interessiert die Verantwortlichen nur noch der politische Auftrag, auch wenn die Institution Theater dabei zugrunde geht?

„Unser“ Theater? Offenbar hoffnungslos verloren.

„Volkstheater“ im besten Sinne

„Als im Zuge des Anschlusses an die BRD die Kulturlandschaft Ostdeutschlands gerodet wurde, wie es kein ZK-Plenum der SED je vermochte (noch wollte)…“

lese ich heute in der „Jungen Welt“ und lese weiter:

Als im Land Brandenburg von ehedem fünf ganzjährig spielenden Theatern nur noch eins übrigblieb, fanden sich 2011 im Kurtheater Bad Freienwalde Menschen zusammen, die das Musiktheater liebten und seinen ästhetischen Wert nicht verloren geben wollten. Sie gründeten die Wanderoper Brandenburg. Das mobile Ensemble besucht nun seit fünf Jahren die Regionen, in denen die kulturelle Misere am größten und der Bedarf am höchsten ist. Es versucht dem Missstand etwas entgegenzusetzen, dass die Mehrheit der Brandenburger Schüler die Schule verlässt, ohne je eine Oper, ein Musical oder ein Ballett (oft selbst kein Konzert oder Schauspiel) gesehen zu haben. Auch in der Schulzeit wird deshalb gespielt, und eine Schülerkarte kostet nicht mehr als 3,50 Euro. Niemand soll von der »kulturellen Grundversorgung« ausgeschlossen werden.

Lest einfach den ganzen Artikel, es lohnt sich!

Geld ist offenbar genug da

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Beispiel 1:

Letztlich besuchte MP Sellering den Rostocker Zoo und sagte rund 9 Mio. € Fördermittel für das Zoo-Neubauprojekt „Polarium“ zu. Das Geld ist, anders als beim Volkstheater, nicht an Bedingungen geknüpft, etwa an die Abschaffung von Tieren, Gehegeverkleinerungen oder Mitarbeiterentlassungen… Auch die Stadt Rostock darf ihre 10 % Eigenanteil ausgeben – immerhin 1 Mio. €! Obwohl der Innenminister M-V ansonsten jede zusätzliche Ausgabe mit Hinweis auf den unverzichtbaren Schuldenabbau verbietet.

Beispiel 2:

Die Rostocker Fracht- und Fischereihafen GmbH baut eine neue Kaikante. Die kostet rund 6 Mio. €, 72 % davon gibt die Landesregierung dazu. Öffentliche Gelder als Geschenk an eine Privatfirma. Da muss ja richtig viel Geld im Landeshaushalt übrig sein!

Beispiel 3:

Die so klamme Hansestadt Rostock will nun auch – und ganz schnell! – das Petritor wieder aufbauen, dass 1960 wegen seiner Bombenschäden und des zu hohen Aufwandes bei der Wiederherstellung abgerissen worden war…

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Geld ist genug da

Aus der Rede von Sahra Wagenknecht auf der letzten Bundestagssitzung:

Aktuell liegen die Militärausgaben der NATO beim etwa 13-Fachen der russischen. Und jetzt brauchen wir noch mehr Aufrüstung, um die Sicherheit in Europa zu gewährleisten? Was ist denn das für ein Irrsinn!

Trotzdem gehörten Sie, Frau Bundeskanzlerin, wieder einmal zu den ersten, die die Umsetzung des 2-Prozent-Ziels angekündigt haben. 2 Prozent, das bedeutet 25 Milliarden Euro jedes Jahr mehr für Mordwaffen, für Panzer und für Kriegsgerät, aber für gute Renten fehlt uns angeblich das Geld, und für bessere Bildung erst recht. Was sind denn das für absurde politische Prioritäten, die Sie hier setzen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.

Quelle: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/07/wagenknecht-rechnet-mit-merkel-ab-was-ist-denn-das-fuer-ein-irrsinn/

Es hat sich schon lange angedeutet, dass die „Haushaltskonsolidierung“ auf Landes- und auf Bundesebene „höheren Zielen“ dient. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Klugerweise im Sommerloch. Und in den Medien bestenfalls mit Prozentangaben, nicht aber mit der konkreten Zahl von zusätzlich 25 Milliarden € pro Jahr zu finden.